|| T Ä G L I C H E D O S I S K U N S T ||
Mitte April 1937 brach ein Künstler zu einer Reise nach Frankreich auf und hielt seine Eindrücke und Erlebnisse in einem Skizzenbuch fest. – Ein feines, flottes und durchaus modernes Zeugnis.
Unbekannter (deutscher) Künstler
‚Skizzenbuch mit 32 Zeichnungen‘
unsigniert, teilw. datiert (April-Juli 1937)
32 Zeichnungen (23 Bleistift, 3 Farbkreiden, 6 Tusche), in Skizzenbuch („Esquisse“)
10,5 x 13,5 cm
€ 530,-
Auf Basis der Bezeichnungen lässt sich sagen, dass das Skizzenbuch während einer Reise (von Belgien) nach Frankreich im Zeitraum von (spätestens) April bis zum Juli 1937 entstand. – Die erste Datierung ist vom 22. April und die letzte Datierung vom 6. Juli 1937.
Vielleicht haben wir bei der hier zuerst gezeigten Zeichnung („nach Réalité (Bruxelles)“) den Künstler in einem Selbstbildnis vor uns. In wenigen dünnen Linien zeigt sich ein dünner Mann, der mit seiner rechten Hand nach unten weist.
Mithilfe der Bezeichnungen lässt sich zumindest teilweise die Reiseroute des Künstlers nachverfolgen: Paris, Maissons-Laffitte, La Malmaison, Gisors, Provins, Clermont-Ferrand.
Es ist offensichtlich, dass diese Reise kein bloßer Urlaub war, denn dafür ist diese Zeitspanne von mindestens zweieinhalb Monaten doch zu lang. Vielmehr darf man wohl annehmen, dass es eine Studienreise eines Künstlers oder eines Kunststudenten war. Und bezogen auf den Zeitraum der Reise ist es zudem interessant zu bemerken, dass die damalige Pariser Weltausstellung vom 25. Mai bis zum 25. November stattfand, so dass es keinesfalls unwahrscheinlich ist, dass dieser unbekannte Künstler auch die Weltausstellung besuchte bzw. seine Frankreichreise eben explizit mit dieser Großveranstaltung verband. Und nebenbei war es auch die damalige Weltausstellung auf welcher das monumentale „Guernica“-Gemälde Picassos im spanischen Pavillon präsentiert wurde.
… weitere Werke von unbekannten Künstlern …
Vor 193 Jahren (18. April 1893) wurde der niederländische Künstler Pieter van der Brug geboren.
Pieter van der Brug
1897 Woudsend – 1993 Nijefurd
‚Stillleben‘
unten rechts signiert & datiert (1934)
Öl auf Leinwand
40,5 x 50,3 cm
€ 430,-
Ein Stillleben-Arrangement mit verschiedenen Küchenutensilien und Obst präsentiert uns hier Pieter van der Brug.
Der Grundton des Werks ist deutlich das Violett, das sich im unterlegten Tuch, dem Vorhang im Hintergrund, sowie, in Form des Samowars wiederfindet. Harmonisch fügen sich ein dunkelbraunes und ein jadegrünes Gefäß dem Samowar bei. Dieses Trio wirkt dann auch dunkler, gedämpfter wie der kleinere linke Bildbereich. Denn in diesem linken Bereich fällt zunächst der veränderte Untergrund, in Form eines zart grünblauen Tuches, auf. Diesem neuen, helleren Kolorit folgen auch die Objekte auf diesem Untergrund. Im hinteren Bereich steht eine umgekippte Siebschüssel aus Keramik, die einen weißgräulichen Innenteil zeigt. In dieser Schüssel und davor liegen vereinzelt Äpfel und Birnen.
Pieter van der Brug war vornehmlich Autodidakt. Anfangs war er in Amsterdam ansässig (1918-28), bevor er nach Nijefurd (Zuidwest-Friesland) zog und dort fortan blieb.
Am heutigen 17. April möchte ich an Anja Decker erinnern, die vor 118 Jahren geboren wurde.
Anja Decker
1908 Berlin – 1995 München
‚italienische Straßenszene‘
unten rechts sign. & dat. (1932)
Öl & Tempera auf Leinwand / Foamboard
38 x 50,5 cm
€ 1.500,-
Anja Decker hatte in ihrer Jugend und der frühen Schaffenszeit ein ungemein spannendes Leben. Zeitweise lebte sie auf der Krim, in der Schweiz und schließlich in Deutschland. Ende der 1920er Jahre begann sie ihr Studium an der Münchner Akademie an welches sich zahlreiche Studienreisen, unter anderem nach Österreich, Ungarn, Jugoslawien, England, Belgien und wiederholt nach Italien und Frankreich anschlossen.
Ab etwa 1950 wandte sich Anja Decker der abstrakten Kunst zu und fand hierbei zu einem eigenständigen Stil.
Das vorliegende Werk datiert auf 1932 und entstand demnach während einer der frühen Studienreisen. Unter einem strahlend blauen Himmel zeigt sich der Blick auf ein (italienisches) Dorf. Aus dem Vordergrund führt ein, durch Sonnenlicht in ein zartes Violett getauchter, Weg leicht geschwungen zum Eingangstor. Links und rechts hiervon zeigen sich Steinmauern, die ebenfalls in zartem Violett ausgeführt sind. Hinter der Mauer bilden Büsche, Bäume und Sträucher in verschiedenen Grüntönen eine farbliche Abgrenzung zwischen dem Violett des Vordergrunds (Weg und Mauer) und dem hellen Ockerton der Gebäude.
Als ein kleines, feines Detail hat die Künstlerin in diese menschenleere Ansicht ein Pferd gestellt, welches auf der mittleren Wegstrecke gerade beim Grasen ist.
Heute am 16. April jährt sich der Todestag von Ignaz Kaufmann zum 51. Mal.
Ignaz Kaufmann
1885 Braunseifen [Ryžoviště] – 1975 Buenos Aires
‚Herrenbildnis‘
oben rechts monogr. & dat. (1925)
Öl / Leinwand
75 x 55 cm
€ 1.900,-
Ignaz Kaufmann wuchs in dem mährischen Dorf Braunseifen auf, ab 1891 lebte die Familie in Wien, wo er seine erste künstlerische Ausbildung erhielt. Hierauf studierte er in Wien und Stuttgart und unternahm Studienreisen nach Paris und Italien bis der Weltkrieg ausbrach und Kaufmann als Soldat eingezogen wurde. Nach Kriegsende besuchte Kaufmann ein Semester lang die Kunstakademie in Wien. Es folgten weitere Studienreisen nach Paris, Venedig, Wien und Berlin.
Spätestens 1921 ist er in Stuttgart ansässig. Dort war er u. a. im Bekanntenkreis des Architekten Oscar Bloch (1881-1937), den er auch porträtierte, stellte im Württembergischen Kunstverein aus und wurde Mitglied im Stuttgarter Künstlerbund.
Ab 1933 setzten Repressionen ein, Kaufmann konnte nur noch an „Jüdischen Kunstausstellungen“ teilnehmen und war dort vertreten neben u. a. Alice Haarburger, Trude Munk, Klara Neuburger, Emilie Ott, Else Samuel und Paula Straus. Daneben arbeitete er im Stuttgarter “Freien Jüdischen Lehrhaus” und half anderen Juden bei deren Emigration. Er selbst emigrierte 1939 nach England. Zum 10. Dezember 1939 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
Ignaz Kaufmann kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück und sein Schaffen geriet in Vergessenheit.
Das vorliegende Gemälde datiert auf 1925 und entstand damit in der Stuttgarter Schaffenszeit des Künstlers. Womöglich wird es sich bei diesem gelungenen expressiv realistischen Herrenbildnis um ein Auftragsportrait handeln.
In der Mitte des Monats schauen wir dieses Mal – als eine kleine Ausnahme! – auf nichts Modernes, sondern richten den Blick etwas weiter zurück in die Vergangenheit auf ein kleines, handgemaltes Kalenderbild für den Monat April.
unbekannter Künstler (19. Jhd.)
‚Kalenderbild für den Monat April‘
unsigniert
Gouache auf Papier
5,3 x 7,5 cm (inkl. Goldrand)
€ 100,-
In diesem kleinen, feinen Monatsbild April zeigt uns ein namentlich nicht genannter Künstler die Darstellung eines jungen, am Boden sitzenden Sämanns mit rotem Mantel, schwarzem Hut unter dem goldene Locken hervorkommen und hellen Hosen. Mit seiner linken Hand weist er in die frühlingshafte Landschaft. Die dort im Hintergrund zu sehenden Bäume sind (noch) kahl, werden aber bald grünen. Links am Bildrand, vor einer Gebäudemauer, ein kleiner Putto mit einem Getreidesack und zwei Wagenrädern, was deutlich auf die Feldarbeiten hinweist.
Vor wenigen Tagen (10. April) jährte sich der Todestag des Hamburger Künstlers Ernst Witt.
Ernst Witt
1901 Hamburg – 1977 ebd.
„Brücke in Marseille“
unten rechts signiert & datiert (1953)
Gouache, Farbkreiden auf Karton
45 x 60 cm (Motiv)
vormals Sammlung von Dr. Konrad Hans Havemann (1899-1986)
€ 2.200,-
Ernst Witt besuchte anfangs die Kunstgewerbeschule Hamburg (1919-23) und war hierauf freischaffend in Hamburg tätig. In den 1930ern hatte er mehrere Studienaufenthalte in Frankreich, Spanien und Marokko. Zugleich trat er noch vor 1933 der KPD und der ASSO bei. 1937 wurden zwei Werke aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle als „entartet“ beschlagnahmt. 1938 war er acht Monate lang in Paris bei Arnold Fiedler, der bereits 1937 dorthin emigrierte. Den eigentlichen Plan ebenso in Paris zu bleiben führte Witt dann doch nicht aus, kehrte nach Hamburg zurück und wurde später für zehn Tage in Fuhlsbüttel inhaftiert. Im Juni 1943 ging ein Großteil seines Schaffens bei einer Bombardierung Hamburgs verloren. Nach 1945 war er künstlerisch aktiv, engagierte sich in Künstlervereinigungen und war zudem als Kunsterzieher tätig.
Diese expressiv realistische Ansicht entstand während einer Reise nach Frankreich.
Bei der dargestellten Brücke wird es sich um die Kreisbogenbrücke am kleinen Fischerhafen Vallon des Auffes im Herzen von Marseille handeln.
Beachtenswert ist zudem die Provenienz. – Der Künstler hat das Werk am 24. November 1954 an Dr.-Ing. Konrad Havemann (1899-1986) gewidmet. Der Widmung nach übergab er das Werk zu Dr. Havemanns Ernennung zum Baudirektor, was auch inhaltlich mit dem Brückenmotiv gut passt, da Dr. Havemann zeitweise Leiter der Hauptabteilung „Bücken- und Ingenieurbau“ im Hamburger Tiefbauamt war.
… weitere Werke von Ernst Witt …
Vor gut 100 Jahren schuf der (noch) neunjährige Hellmut Steinebach dieses Selbstbildnis(?) mit Blick auf den Rhein.
Hellmut Steinebach
1916 Düsseldorf – 1942 Russland
‚Selbstbildnis(?) am Rhein‘
rechts bez. & dat. (1926)
Bleistift auf Kalenderblatt
17,7 x 23,2 cm
€ 90,-
Der Terminus ‚verschollene Generation‘ wurde von Rainer Zimmermann an den Jahrgängen 1890-1905 erarbeitet, wobei es relativierend heißt, dass „eine Generation innerhalb starrer Jahreszahlen nie ganz erfaßt [wird]. Deshalb wurden geringe Abweichungen in Geburtsjahrgängen in wenigen Fällen hingenommen, sofern es die künstlerische und biographische Zugehörigkeit gebot. (1980: 26).
Bei Hellmut Steinebach ist es sicher schwer von einer ‚geringen Abweichung‘ beim Geburtsjahr zu sprechen, doch finden sich Anknüpfungspunkte zu Vertretern der ‚verschollenen Generation‘ – die künstlerische Ausbildung, der expressiv-realistische Ausdruck, sowie der frühe Tod im Weltkrieg.
Schon früh befasste er sich mit der Kunst. Die Schwester Eva schreibt rückblickend: „Meine Geschwister [d.h. Hellmut und Marieluise] musizierten und zeichneten miteinander und zogen in ihren verwandten Charakteren den Umgang mit Literatur und Kunst dem lauten Dasein vor“ (1975: 200).
Hellmut Steinebach besuchte ab 1935/36 die Kunstakademie Düsseldorf und war Schüler von Paul Bindel und Werner Heuser – Vertreter der Moderne. Die Militärzeit und der Kriegsbeginn unterbrachen das Studium. 1942 fiel Steinebach in Russland.
Beim Entstehen dieser Zeichnung war er keine zehn Jahre alt und womöglich hat er sich hier selbst dargestellt – die Hände in den Hosentaschen, oberhalb des Rheins entlang wandernd und auf ein Schiff schauend. Der locker sitzende Hut, die Schuhe und die hochgezogenen Socken lassen an einen fröhlichen „Naturburschen“ denken.
… weitere Werke von Hellmut Steinebach …
Vor 201 Jahren (12. April 1825) erblickte Ludwig Thiersch das Licht der Welt.
Ludwig Thiersch
1825 München – 1909 ebd.
„Unsere gute Mama“ (Bildnis der verstorbenen Mutter)
unten links signiert, bezeichnet & datiert (28.03.1878)
Bleistift auf Karton
29,9 x 39,8 cm
€ 750,-
Ludwig Thiersch war Maler, Zeichner, Kirchenmaler. Bekannt wurde er insbesondere als Experte für byzantinische Kunst, was ihm bedeutende Aufträge und auch Ehrungen in Griechenland und Russland einbrachte.
Die hier gezeigte Bleistiftzeichnung ist ein ganz persönliches Zeugnis seins künstlerischen Schaffens.
Der ausführlichen und detaillierten Bezeichnung nach hat Thiersch hier das Bildnis seiner wenige Stunden zuvor verstorbenen Mutter, Amalie Thiersch, geb. Löffler (1794 Gotha – 1878 München), gezeichnet. Diese liegt nun ruhig im Bett, die Hände sind zusammengefaltet auf dem Bauch, die Augen geschlossen.
Es ist ein Bildnis der Ruhe und der Zeitlosigkeit, wie auch ein Beweis für die innige Liebe, die der Sohn seiner Mutter entgegenbrachte. Ganz ergreifend und anrührend ist dann auch die so liebevolle Bezeichnung des damals fast 53jährigen Sohnes, der hier seine Mutter als „unsere gute Mama“ benennt.
Vor 40 Jahren (11. April 1986) starb Wilhelm von Hillern-Flinsch in seinem 103.(!) Lebensjahr.
Wilhelm von Hillern-Flinsch
1884 Freiburg – 1986 München
„Auf Gut Forken (Buddenbrock/Ostpreußen)“
unten rechts monogr. & dat. (1940)
Tusche / Papier
23,9 x 32 cm
€ 790,-
Wilhelm von Hillern-Flinsch
1884 Freiburg – 1986 München
„Schafalm bei Hofgastein“
unten rechts monogr. & dat. (20. Juni 1942)
Kreide / Karton
30,5 x 37,2 cm
€ 1.100,-
Wilhelm von Hillern-Flinsch hat eine Vita, die sicher für mehr Leben gereicht hätte. – Mehrere erfolgreiche Berufe, mehrere Wohnorte, viele Reisen, drei Ehen.
Nach Schulbesuchen in Königsfeld, Wandsbeck und an der Klosterschule Roßleben, begann er die Offizierslaufbahn. 1910 schied er aus dem Militär aus und wurde Bobfahrer. Nach dem Kriegsdienst (1914-18) reiste er nach Schweden und widmete sich der Kunst. Seine Ausbildung erhielt er in München (ab 1922). Mitte der 1930er Jahre zog er (wie andere Künstler auch) nach Berlin, hoffend auf ein möglichst (noch) freies künstlerisches Umfeld. Nachdem sein Berliner Atelier 1943 ausgebombt wurde, ging er nach Kärnten und Gastein. Von 1945 bis 1953 war er in Schweden und arbeitete als Gärtner, später als Porträtist und Leiter einer Malschule. 1953 kehrte er nach München zurück und schuf ein fulminantes Spätwerk.
Diese beiden Zeichnungen stammen aus turbulenten Zeiten (1940-42).
Das Gut Forken gehörte dem Roßlebener Schulfreund Horst Freiherr von Buddenbrock. Die „Schafalm“ wird Hillern-Flinsch während einer der Reisen nach Gastein gesehen haben.
Beide Blätter zeichnen sich durch eine spontane Dynamik aus, wobei besonders das Kantige, Klare in der Menschendarstellung heraussticht. Während die Feldarbeiter noch freier, ungezwungener reden, wirkt die „Schafalm“ merklich gedrückter, dichter, dunkler.
… weitere Werke von Wilhelm von Hillern-Flinsch …
Vor 141 Jahren (10. April 1885) wurde Arthur Hoffmann geboren.
Arthur Hoffmann
1885 Leipzig – [vor 1955]
‚Landschaft mit tanzender Kindergruppe unter hohen Bäumen (Maientanz?)‘
unten rechts signiert
Öl auf festem Malkarton
49,5 x 36,8 cm
€ 420,-
Über den Maler und Zeichner Arthur Hoffmann ist leider wenig bekannt. Anhand von Ausstellungen lässt er sich vornehmlich in Leipzig nachweisen – er lebte in Leipzig-Schönefeld (Taubestr. 3). Sein nachweisbares Schaffen zeigt vornehmlich Landschaften und dörfliche Ansichten in spätimpressionistischer Manier.
Dieses Gemälde ist ein schönes, zumal farbstarkes Beispiel für seine Malerei. Unter den hoch aufragenden, kräftig grünen Bäumen tanzt eine Kinderschar, während sich die Eltern an einem Baumstamm niedergelassen haben. Vielleicht dürfen wir hier an einen Maientanz denken? Hinter der ausgelassenen, sorgenfreien Szenerie weitet sich die Landschaft und der Blick führt über eine goldgelbe Fläche bis zum bläulichen Hügelstreifen in der Ferne. Ein sehr schöner Stimmungseinfang eines warmen, idyllischen Frühsommertages.
Vor 131 Jahren (9. April 1885) kam der große Schauspieler Michel Simon zur Welt. – Margarethe Krieger hat ihn mehrfach porträtiert.
Margarethe Krieger
1936 Mannheim – 2010 Heidelberg
„Michel Simon“
unten rechts signiert & datiert (1980)
Lithografie auf Maschinenbütten
Ex. Nr. 42/120
70 x 49,9 cm
€ 140,-
Margarethe Krieger war eine vorzügliche Zeichnerin, Grafikerin und Illustratorin, die vor allem durch ihre eindringlichen Menschendarstellungen etwas Bleibendes hinterlassen hat. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Karlsruher Kunstakademie (bei Karl Hubbuch).
Schon früh fand sie ihr bevorzugtes Thema: der Mensch. Sie schuf Porträts sowie Illustrationen zu Büchern, Texten (u. a. „Don Quijote“, „König Lear“) und auch biblischen Themen.
Für Ihr Schaffen erhielt sie zahlreiche Preise, wie 1968 den Grafikpreis im Musée d´Art Moderne (Paris) und 1992 den Willibald-Kramm-Preis (Heidelberg).
In dieser Grafik hat sie Michel Simon (1895 Genf – 1975 Bry-sur-Marne) posthum dargestellt. Die Beiden kannten sich seit 1965 und seitdem entstanden zahlreiche Bildnisse.
Margarethe Krieger hat hier den Abstraktionsgrad merklich erhöht. Die äußeren Bereiche sind eher zart, sehr reduziert ausgeführt und führen in ihren lockeren Linien zur Bildmitte, dem Gesicht, hin. Dieses ist signifikant dunkel, mit harten, kantigen Flächen dargstellt. Der Blick aus dem leicht geneigten Kopf geht müde, traurig nach links. Es wirkt alles schwer, voller Trübsinn und Melancholie. Ein hartes gelebtes Leben tritt er auf eine unnachahmliche Weise vor uns.
„Für Michel Simon waren Margarethe Kriegers Zeichnungen wie ein Schock. Weil sie blitzartig etwas von Wahrheit enthüllen, und vor dieser Wahrheit verschlug es ihm die Sprache“ (so in einem Artikel der „Weinheimer Nachrichten“ (v. 27./28.04.1998).
… weitere Werke von Margarethe Krieger …
Heute ist der 78. Geburtstag (8. April 1948) des wunderbaren Künstlers Wolfgang Blanke! Herzlichen Glückwunsch und alles Gute!
Wolfgang Blanke
*1948 Münster
„Marion“
recto & verso jeweils monogr. & datiert (1997)
Emulsion auf Sperrholz
63,5 x 39 cm
€ 790,-
Wolfgang Blanke fand nicht auf direktem Wege zur Kunst, seine erste Leidenschaft galt dem Meer. Zwischen 1966 und 1971 war er – mit Unterbrechungen – Seemann bei Hapag-Lloyd. Bereits während dieser Zeit hatte er 1969 seine erste Ausstellung im Rathaus Paderborn.
1971 besuchte er die Kunstakademie Karlsruhe (bei Peter Burger). Zwischen 1972 und 1975 war er am Fachbereich für Kunst- und Werkerziehung, Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Mainz beschäftigt, sowie von 1977 bis 1989 Kunsterzieher am Gymnasium Germersheim. In den Jahren 1990 bis 1992 lebte er auf der Segelyacht „Sakura“, bevor er 1994 an das Germersheimer Gymnasium zurückkehrte. Die Jahre 2003-04 verbrachte er auf der Segelyacht „Duet“ von New York bis Bahamas.
Wolfgang Blankes bevorzugte Themen sind sicherlich der Mensch und die Landschaft. Locker und ungezwungen, kräftig und liebevoll wirken diese eingefangenen Momente. Die besondere Wirkkraft kommt nicht zuletzt daher, dass sich der Künstler intensiv mit Malmaterial und Maltechnik befasste und hierauf aufbauend dann auch den Band „Malen mit Pigmenten und variablen Bindemitteln“ verfasste.
Dieses Werk zeigt nun einen sehr reizvollen, farblich ganz wunderbar leuchtenden (Halb-)Akt. Die dunklere Figur in heller, weißer Kleidung steht vor dem zauberhaft rötlich schimmernden Hintergrund eines sonst nicht näher definierten Raumes.
… weitere Werke von Wolfgang Blanke …
Heute ist der 122. Geburtstag (7. April 1997) von Hilde Rubinstein.
Hilde Rubinstein
1904 Augsburg – 1997 Göteborg
‚Hinterhof in Schweden‘ (verso: verworfenes Portrait)
links oben signiert & datiert (1940)
Aquarell, Tempera, Deckfarben auf Aquarellkarton
45,8 x 38,1 cm
€ 860,-
Hilde Rubinstein trat um 1930 der KPD in Berlin bei. Damals verlagerte sich ihr Schaffen vom malerisch-zeichnerischen mehr zum schriftstellerischen Wirken. Erste Bühnenstücke deuteten auf eine erfolgreiche Zukunft hin.
Doch wie auch bei anderen Künstlern war das Jahr 1933 eine arge Zäsur. Als Jüdin und Kommunistin war sie doppelt gefährdet, wurde am 19. Nov. 1933 in Berlin verhaftet und schließlich am 1. Sept. 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt. Am 15. Mai 1935 entließ man sie aus der Haft. Doch aufgrund der weiterbestehenden Gefahr, emigrierte sie schließlich im September 1935 mit ihrer Tochter über Belgien und die Niederlande nach Stockholm. Dort hielt sie sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, bevor die nächste Zäsur einbrach. – Während einer Russlandreise wurde sie beschuldigt „trotzkistischer Kurier“ zu sein und für zehn Monate inhaftiert. Nach der Haft sollte sie nach Deutschland abgeschoben werden, schaffte es aber in Warschau den Gefangenentransport zu verlassen und schlug sich über Riga nach Schweden durch. Sie lernte Schwedisch, begann zu schreiben und zu übersetzen. 1947 erhielt sie die schwedische Staatsbürgerschaft.
Das vorliegende Werk datiert auf 1940 und entstand damit in den frühen schwedischen Exiljahren nach der Haft in Russland.
Die Szenerie vermittelt eine gedrückte, kühle Stimmung. – Die etwas beschädigte Hausfassade, ebenso wie der grau bewölkte Himmel. Und dennoch liegt dem Ganzen eine gewisse Ruhe und Zeitlosigkeit inne… Der kleine schwarze Vogel am unteren rechten Rand ist dabei ein kleines, feines Detail – zugleich das einzige Lebewesen innerhalb des Motivs.
Heute ist der 122. Geburtstag (6. April 1904) von Rolf Böhlig.
Rolf Böhlig
1904 Hamburg – 1979 ebd.
‚norddeutsches Dorf an einem Fluss‘
links unten signiert & datiert (1973)
Öl auf Pressspanplatte
39,8 x 42 cm
€ 620,-
Bis zu seinem 65. Lebensjahr war Rolf Böhlig als Lehrer an der Hamburger Meisterschule für Mode, sowie vor allem an der Berufsschule für Wirtschaftswerbung in Altona tätig. Nach seiner Pensionierung 1969 begann er sich vermehrt der Malerei zu widmen und es entstand ein reichhaltiges, farbkräftiges Spätwerk. Zeitlebens lieferte ihm seine hamburgische, norddeutsche Heimatregion Motive für Aquarelle, Zeichnungen und Gemälde. So entstanden insbesondere Hafenszenen, sowie Landschaften und Stadtansichten.
Diese hier gezeigte expressiv-realistische Flusslandschaft datiert auf 1973 und ist damit in diese späte, farbintensive Schaffensphase einzuordnen.
Vor 34 Jahren (5. April 1992) verstarb Karl Otto Hy.
Karl Otto Hy
1904 Rüdesheim – 1992 Wiesbaden
„Gartenkolonie“
rechts unten signiert & datiert (1929)
Aquarell & Bleistift auf Büttenkarton
36 x 25,4 cm
€ 1.600,-
Nach einer Lehre zum Dekorationsmaler, besuchte Karl Otto Hy die Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (1925-29). Seine damaligen Lehrer waren u.a. Hans Christiansen, Otto Fischer-Trachau und Otto Arpke. Bereits neben seinem Studium arbeitete er für den bedeutenden Wiesbadener Architekten Johann Wilhelm Lehr und auch in der Folgezeit war er an zahlreichen Restaurierungen und Gestaltungen von Bauwerken beteiligt. In seiner freien Zeit entstanden immer wieder Aquarelle und Zeichnungen, die mitunter sehr expressiv und farbstark ausfielen.
In den späten 1930er Jahren entstanden jene kühlen, neusachlichen Wiesbaden-Ansichten für die Hy auch heute noch bekannt ist.
Die hier gezeigte „Gartenkolonie“ entstand 1929, dem Jahr des Studienendes – zugleich ein produktives Jahr, das sich durch eine auffallend hohe künstlerische Qualität auszeichnet.
… weitere Werke von Karl Otto Hy…
04. April 2026
Vor 66 Jahren (4. April 1960) verstarb Fritz Kronenberg.
Fritz Kronenberg
1901 Köln – 1960 Hamburg
„Deichlandschaft auf Baltrum“
rechts unten signiert & datiert (1936)
Lithographie auf Ingrespapier
61,2 x 92 cm (Blatt)
Auflage der Griffelkunst-Vereinigung [Wahl 42, I. Quartal 1936, B-Reihe], u. U. Zustands-, Probedruck, worauf das unüblich große Blattmaß hindeuten könnte
€ 200,-
„Als Mitglied der Hamburgischen Sezession erlebte Kronenberg 1933 die NS-Aktionen gegen die moderne Kunst und persönliche Verfemung als ‚Entarteter‘ oder als ‚artfremd‘. Nach der Selbstauflösung der Hamburgischen Sezession blieben Maetzel und er unbeirrt bei ihrer Kunstrichtung. Sie zogen sich zurück. Trotz Gesinnungsschnüffelei und Scherereien mit Feldhütern malten sie weiterhin gemeinsam vor der Natur, wozu sie sich mit großem Rucksack, Feldstuhl und Malutensilien ausrüsteten.“ (Maike Bruhns (2001): Kunst in der Krise (Band 2), Hamburg: Dölling und Galitz, S.250).
In diesem zeitlichen Kontext entstand diese auf das Jahr 1936 datierende Lithografie. Das Blatt ist eine jener etwa 40 Druckgrafiken, die Kronenberg zwischen 1936 und 1961 im Auftrag der Griffelkunst-Vereinigung schuf. – Und demnach handelt es sich bei dieser immerhin 90 Jahre alten Baltrum-Ansicht um eine sehr frühe Arbeit hiervon.
Es ist ein erstaunlicher und für die damalige Zeit sicherlich auch gewagter Minimalismus, der aus dieser Ansicht spricht. Kronenberg verzichtet ganz bewusst auf Details und erst bei einem genaueren Betrachten zeigen sich solch kleine, dezent eingefügte „Verspieltheiten“ wie der hölzerne Zaun rechts vom vorderen Gebäude. Entgegen einer Idealisierung der norddeutschen Landschaft, gelingt es Fritz Kronenberg diese spezielle Ansicht in seiner ganz eigenen Manier, seinem eigenen Empfinden nach festzuhalten. Und so wirkt dieses menschenleere Motiv auf den Betrachter sowohl kühl und abweisend, als auch zugleich verträumt und anziehend. In einer allzu lauten, allzu wilden und allzu wütenden Umwelt, vielleicht wie eine Art Refugium für den Künstler.
… weitere Werke von Fritz Kronenberg …
03. April 2026
Vor 41 Jahren (3. April 1985) verstarb Heinrich Burkhardt.
Heinrich Burkhardt
1904 Altenburg – 1985 Berlin
‚expressives Frauenportrait‘
1975 | links unten signiert
Mischtechnik auf Karton
22 x 26,4 cm
€ 390,-
Schüler der Dresdner Akademie, ab 1931 Mitglied der Dresdner Secession. Nach 1945 zunächst Professor an der Meisterschule für Graphik Berlin-Friedrichshain, sowie von 1954 bis 1968 Professor an der Hochschule für bildende Künste (Berlin).
Heinrich Burkhardt schuf ein reichhaltiges, oftmals noch zu entdeckendes Werk.
Dieses farbstarke expressive-realistische Frauenbildnis stammt aus dem Spätwerk.
… weitere Werke von Heinrich Burkhardt …
Gelegenheiten < 100€ Preis 100€ - 500€ Preis 500€ - 1.000€ Preis 1.000€ - 2.000€ Preis über 2.000€















