|| T Ä G L I C H E D O S I S K U N S T ||
Vor 118 Jahren – am 20. Mai 1908 – wurde der wunderbare Künstler Hans Jürgen Kallmann geboren.
Hans Jürgen Kallmann
1908 Wollstein (Posen) – 1991 Pullach
„Abendröte über den Dächern“, [um 1940]
u. r. signiert
Pastellkreiden / Velinpapier
88 x 66,5 cm
€ 2.200,-
Hans Jürgen Kallmann macht 1925 sein Abitur in Halle und beginnt ein Medizinstudium, dass er aber 1930 abbricht. Er zieht nach Berlin, besucht die Meisterklasse Emil Orliks an den „Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst“, bricht dies aber nach einem Semester wieder ab. Er bildet sich autodidaktisch weiter, wird gefördert durch Max Slevogt und kann sich langsam etablieren. 1934 wird ihm der Rompreis zuerkannt, 1935 erhält er den Preis der Abraham-Lincoln-Stiftung und 1936 den Hessischen Staatspreis.
Ein signifikanter Einschnitt ist 1937 die Beschlagnahme von insgesamt sechs Werken als „entartet“. Hans Jürgen Kallmann gilt als „jüngster ‚Entarteter‘“. In der Folge kann er vornehmlich nur noch an private Sammlerfreunde verkaufen und aus dem öffentlichen Kunstbetrieb zieht er sich nahezu ganz zurück.
Durch Kriegseinwirkung verliert Kallmann einen Großteil seines damaligen Schaffens.
Nach dem Krieg lebt Kallmann vor allem in Pullach und wird gefragter Porträtist.
Diese Zeichnung zeigt einen Blick auf einen menschenleeren Dorfrand im Abendlicht. Der Vordergrund ist schon beinahe ganz verdunkelt und die Fassaden der Häuser heben sich düster von dem verglühenden Schein der untergehenden Sonne ab. Darüber liegt ein tiefer, grau dunkler Himmel.
Vor 99 Jahren – am 19. Mai 1927 – wurde der Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer Alfred Klosowski in Hamburg geboren.
Alfred Klosowski
1927 Hamburg – 2020 ebd.
‚florale Abstraktion‘ (Neujahrsgruß für 1969)
gewidmet & signiert
Tusche / Bütten
30 x 21,6 cm
€ 300,-
Alfred Klosowski studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (bei Willi Titze, Theo Ortner). Danach war er als freischaffender Künstler, sowie als Werbegrafiker, Innenraumgestalter und Messebauer tätig. Seine Werke sind in vielen norddeutschen Städten im öffentlichen Raum sichtbar, so u. a. ein Glasbetonfenster an der U-Bahnstation-Lutterothstraße (1963) in Hamburg, sowie „Keramikvögel“ (Steinzeug, 1974) in der Hamburger Straße (Hudekamp) in Lübeck.
Diese Zeichnung mit einer schwungvollen floralen Abstraktion wurde vom Künstler zudem mit einer schönen Widmung samt Neujahrsgruß für 1969 versehen.
… weitere Werke von Alfred Klosowski …
Vor genau 54 Jahren – am 18. Mai 1972 – verstarb der Maler Andreas Harsch.
Andreas Harsch
1884 Reichenau an der Maltsch(Rychnov nad Malší) – 1972 Wien
Flusslandschaft (Darstellung der Maltsch in Südböhmen?)
unten links signiert
Öl / Karton
30 x 54,6 cm cm
€ 750,-
Andreas Harsch wuchs in Reichenau an der Maltsch (Rychnov nad Malší) im Böhmerwald an der Grenze zu Österreich auf. Nach dem Besuch der Holzfachschule in Wallern (Volary) konnter er sich seinen Wunsch erfüllen und nach Wien gehen. Dort besuchte er neben seiner Arbeit künstlerische Abendkurse und sobald er genügend Geld angespart hatte bewarb er sich erfolgreich an der Kunstakademie München. Aus finanziellen Gründen musste er notgedrungen nach Wien zurückkehren, besuchte dort die Kunstakademie und war im Folgenden vornehmlich in bzw. um Wien tätig.
Anzunehmen ist daher auch, dass das vorliegende Werk ein Motiv aus seiner unmittelbaren bzw. ihn persönlich berührenden Umgebung zeigt. Man kann hierbei bspw. an eine signifikante Flussbiegung der Maltsch denken. Zentral im Werk liegt die vom Fluss umschlängelte Fläche auf der sich Grasflächen und Sträucher finden. Durch einen etwas satteren Farbauftrag, sowie eine hellere Farbgebung, erreicht der Künstler eine Tiefenwirkung, welche diese Fläche gegenüber dem eher matt gehaltenen Waldhintergrund abhebt. Ganz am Horizont sind schwach die Andeutungen von Hügelketten zu erkennen.
Vor 115 Jahren – am 17. Mai 1911 – erblickte Oskar Kurt Döbrich (kurz: OKD) das Licht der Welt.
Oskar Kurt Döbrich
1911 Metz (Lothringen) – 1970 Münster
„Geisterphantasie“
u. r. monogr. & dat. (1934)
Tusche / Papier
22,8 x 18,1 cm
€ 920,-
Die Familie von Oskar Kurt Döbrich wurde mit Kriegsausbruch 1914 aus Lothringen vertrieben und ließ sich im Münsterland nieder. Im Anschluss an die Schulzetit in Münster studierte er von 1933-37 in Berlin (u.a. bei Georg Tappert und Karl Rössing). Gerade die Bedeutung Tapperts ist hier zu beachten, wurde dieser doch bereits im Februar 1933 aus seinem Lehramt entlassen und nur auf Druck von Kollegen im Herbst 1933 wieder eingestellt, bevor er dann 1937 endgültig die Akademie verlassen musste.
In der Folge war Döbrich als Kunsterzieher tätig, wurde 1940 zum Kriegsdienst einberufen. 1944 erlitt er eine schwere Verletzung, geriet in russische Gefangenschaft und kehrte im Oktober 1946 nach Münster zurück. Ab 1949 war er dann Kunsterzieher in Rheine und ab 1952 in Münster.
Diese vorliegende Zeichnung entstand 1934 und ist damit in die Berliner Zeit einzuordnen.
Wir sehen hier eine modern gestaltete Deckenlampe, an der ein seltsames, abstoßendes Wesen hängt. – Eine Art Mischwesen zwischen Mensch und Tier. Eine Hand und ein Fuß sind definitiv menschlich, während die Gegenstücke eher an einen Vogel denken lassen, so dass unweigerlich die Harpyie in den Sinn kommt. Der Kopf ist sicherlich menschlich, doch erinnert die Physiognomie auch mehr an Wesen aus Fabeln oder Mythen. – Der große, zahnlose Mund mit der gespaltenen Zunge verweist hierbei wohl auf die Schlange. Und der gesamte Körper dieses Wesens scheint ein kurzes, von Ornamenten geschmücktes, Kleidungsstück zu tragen.
Ein sicherlich unkonventionelles, überaus reizvolles und künstlerisch voll überzeugendes Werk.
… weitere Werke von Oskar Kurt Döbrich …
Am 16. Mai 1893 – vor genau 133 Jahren – wurde Käthe Schmitz-Imhoff in Köln geboren.
Käthe Schmitz-Imhoff
1893 Köln – 1985 ebd.
‚Porträt einer jungen Frau‘
u. r. signiert
Öl / Leinwand
46,5 x 33 cm
€ 780,-
Käthe Schmitz-Imhoff stammt aus einer traditionsreichen Kölner Familie von Dombildhauern. Nach dem Besuch des Ursulinengymnasiums begann sie ein Lehramtsstudium in Düsseldorf (1912-15) und hierauf arbeitete sie als Zeichenlehrerin an der zuvor besuchten Ursulinenschule. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie an der privaten Berliner Malschule von Johannes Walter-Kurau (1920-21) und an der Kunstakademie Düsseldorf (1921-24). Nach dem Studium hielt sie sich in Italien und Südfrankreich auf. Während dieser Zeit hatte sie 1925 ihre erste Ausstellung im Kölner Kunstverein.
Bis 1945 hatte sie einen Lehrauftrag am Sozialpädagogischen Seminar Köln. Nach 1945 lebte Schmitz-Imhoff als freie Malerin in Köln.
Ihr expressiv-realistisches Schaffen besteht vor allem aus wunderbaren figürlichen Kompositionen, Portraits, Landschaften und Stillleben.
… weitere Werke von Käthe Schmitz-Imhoff …
Vor vier Jahren – am 15. Mai 2022 – verstarb der Künstler Werner D. H. Bissinger.
Werner Dieter Hermann Bissinger
1937 Schwäbisch Gmünd – 2022 ebd.
„Jim Knopf und seine Freunde“
u. r. monogr. & dat. (2017)
Öl / Leinwand
60 x 80 cm
Dez. 2017 – Jan. 2018 ausgestellt bei der „Querschnitt“-Jahresausstellung des Gmünder Kunstvereins, Schwäbisch Gmünd.
Zudem mit einer persönlichen Widmung des Künstlers an seine Frau (zu sehen auf dem 2. Bild).
€ 490,-
Werner D. H. Bissinger besuchte das Parler-Gymnasium in Schwäbisch Gmünd. Während der Schulzeit engagierte er sich für das Schultheater und entwarf hierfür die Kulissen. Zugleich wurde ihm gestattet im Keller des früheren Stadtgartengebäudes künstlerisch tätig zu sein. Auf Wunsch der Eltern studierte er dann „etwas Richtiges“ – Metallchemie und Galvanotechnik (Fachschule in Gmünd). Ab 1966 war er für IBM tätig, wenig später wurde er in die USA geschickt. Künstlerisch war er vorerst nicht mehr aktiv.
1980 lernte er seine spätere Frau Christine kennen, die damals Sprachen und Philosophie studierte und durch sie begann er erneut zu malen.
Nach seiner Rückkehr nach Schwäbisch Gmünd war er wieder künstlerisch tätig und engagierte sich im Kulturleben.
Auf Wunsch von Landrat Diethelm Winter übernahm Bissinger die Neugestaltung der Fachschule für Galvanotechnik in Gmünd. Er unterrichtete in der Folge auch dort.
Ab etwa 2007 widmete er sich ganz der Kunst.
Es entstehen vor allem figürliche Kompositionen und Portraits, Landschaften, Stadtansichten, welche sich besonders durch ein knalliges, intensives Kolorit auszeichnen.
Dieses recht späte, farbstarke Gemälde greift Michael Endes wunderbare Geschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer auf eine ganz eigenwillige, schön naiv anmutende Weise auf.
Vor 46 Jahren – am 14. Mai 1980 – verstarb der Künstler Ludwig (Luis) Neu.
Ludwig Neu
1897 Wasserlos – 1980 Buenos Aires
„Kanal in Amsterdam“
u. r. sign. & dat. (1932)
Tusche / Ingrespapier
48 x 62,6 cm
€ 750,-
Das Leben des deutsch-jüdischen Künstlers Ludwig Neu ist voller Tragik, bezeugt aber zugleich auch seine Kraft.
Seine Ausbildung erhielt er an der Zeichenakademie in Hanau, der Kunstgewerbeschule Offenbach und an der Kunstakademie München. Nach seinem Kriegsdienst war er 1920 in Frankfurt am Main tätig und lebte etwas später in Hamburg. Dort heiratete er Ida Boch – obgleich sich seine Eltern gegen die Verbindung mit der evangelischen Postbeamtin stellten. In den 1920/30er Jahren unternahm er viele Studienreisen (Orient, Ägypten, Italien, Holland, Norwegen, Island) und wurde zu dieser Zeit gefördert von Gustav Pauli und Gustav Schiefler. Ab 1933 verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Neus so arg, dass er zum Wohlfahrtsempfänger wurde. 1935 wurde ihm beachtenswerterweise das Ehrenkreuz für Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges verliehen. Und im folgenden Jahr wurde sein Aufnahmeantrag in die Reichskammer abgelehnt – mit gleichzeitiger Untersagung der weiteren Ausübung des Künstlerberufes. Im Privaten malte und verkaufte Neu jedoch weiterhin. Im Mai 1938 emigrierte die Familie nach Buenos Aires und Neu wurde daraufhin ausgebügert. In seiner neuen Heimat ist er anfangs als Fotograf, dann wieder als Maler tätig. Am 4. Sept. 1954 erfolgt die offizielle Wiedereinbürgerung in Hamburg und 1978 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Diese Tuschzeichnung entstand 1932 während einer der vielen frühen Studienreisen. In diesem Fall waren es die Niederlande und Neu hält einen nächtlichen Blick auf einen Kanal in Amsterdam fest.
… weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu …
Am 13. Mai 1973 – vor 53 Jahren – verstarb der herausragende Aquarellist Hans Brasch.
Hans Brasch
1882 Karlsruhe – 1973 Murrhardt
‚Obstblüte (im Remstal?)‘
verso Nachlassstempel, undatiert
Aquarell / Japanpapier
43,8 x 64,2 cm
€ 550,-
Hans Brasch sollte den väterlichen Malerbetrieb übernehmen, stellte sich aber dagegen und besuchte die Karlsruher Akademie. Nach dem Studium unternimmt er eine Reise nach Paris und Genf, wo er mit Ferdinand Hodler zusammenkommt.
Nach seinem Kriegsdienst ist er in Außerurberg bei St. Blasien (Schwarzwald) tätig. Sein damaliges Schaffen ist bestimmt von Goethes Farbenlehre und von Rudof Steiners Anthroposophie, was sich auch deutlich in seiner Kunst widerspiegelt – er wechselte von der Ölmalerei zum Aquarell. Hans Brasch selbst beschreibt diese Phase so:
“Mein Bemühen war es, in allen Erscheinungen die darin verborgenen schöpferischen Kräfte zu finden. Dazu ist die Wasserfarbe das so viel beweglichere reinere Malmaterial, das zur schonungslosen Klarheit zwingt.”
1930 verzog er nach Stuttgart. 1937 werden in Frankfurt a. M. sechs Werke – vier Aquarelle und zwei Gemälde – aus öffentlichem Besitz als “entartet” beschlagnahmt.
Im Dritten Reich ist Brasch mit Werken nur auf zwei Ausstellungen (Karlsruhe und Stuttgart) nachweisbar. Nach 1945 engagierte sich Brasch stark im Stuttgarter Kunstleben.
Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Altersheim in Murrhardt.
In dieser ‘Obstblüte’ sind wir auf einer Anhöhe und blicken in eine weite, hügelige Landschaft, die wohl ins Remstal lokalisiert werden kann. Auf der abfallenden Wiese und Weide stehen Obstbäume in Blütenpracht. Die uns gegenüberliegenden Hügel sind dunkel bewaldet und im Tal meint man einzelne Hausdächer zu erkennen.
… weitere Werke von Hans Brasch …
Ebenso am 13. Mai – vor genau 140 Jahren (1886) – wurde Guido Schreiber (Postinspektor und Künstler!) geboren.
Guido Schreiber
1886 Bad Dürrheim – 1979 Bochum
‚Blick auf Bad Säckingen mit dem Fridolinsmünster‘
u. r. sign. & dat. (1925)
Öl / Karton
38,5 x 48 cm
€ 820,-
Der „malende Postbeamte“ Guido Schreiber war als Künstler zum Großteil Autodidakt. Zwar entstanden bereits in den Jahren ab 1905 erste Zeichnungen, doch wurde die Malerei erst ab 1917 intensiver. In diesem Jahr verzog Schreiber, der berufsbedingt zahlreiche Umzüge hatte, endgültig nach Villingen.
„Dort lernt er den Maler Richard Duschek (1884-1959) kennen […] dem er Wesentliches verdankt und beinahe lebenslang freundschaftlich verbunden bleibt“. In den 1920er Jahren werden Werke Schreibers vermehrt in Ausstellungen gezeigt, von den Schriftleitern der „Badischen Heimat“, Max Wingenroth und später Hermann Eris Busse, wird er gefördert, Zeichnungen von ihm erscheinen als Illustrationen in jener Zeitschrift und auch Bücher mit Bezug zur Heimatregion werden mit seinen Arbeiten geschmückt. Er beginnt sich verstärkt zu etablieren und „[in] den 30er Jahren ist Schreiber an allen wichtigen Ausstellungen der Baaremer Künstler beteiligt, so auch in Donaueschingen 1932 und 1935“ (Hans-Jörg Pott).
Eine sehr schöne Würdigung gibt Andreas Zoller:
„Guido Schreiber ist ein wichtiges Zwischenglied in einer von extremen Positionen bestimmten Kunstregion. Im gewissen Sinne kann man ihm eine Vorreiterrolle zuerkennen, da er in seinen besten Werken mit traumwandlerischer Sicherheit die Gegensätze überwunden hat.“
Neben der Ansicht auf Bad Säckingen, sehen wir hier eine wunderbare expressive Gewitterstimmung (Öl, 1925) und eine farbstarke Straße in Haslach im Kinzigtal (Aquarell, 1928).
… weitere Werke von Guido Schreiber …
Vor 141 Jahren – am 12. Mai 1885 – kam der Schweizer Künstler Jean Lehmann zur Welt. Hier blicken wir auf ein farbstarkes Stillleben.
Jean Lehmann
1885 Dagmersellen (Luzern) – 1969 Zürich
‚ Obststillleben‘
u. l. monogr. & dat. (1931)
Öl / Leinwand
39,3 x 49,2 cm
€ 1.750,-
Auf Wunsch der Eltern machte Jean Lehmann anfangs eine Ausbildung im Hotelfach (1900-05). Parallel dazu besuchte er die Kunstgewerbeschule Luzern. Als Buchhalter in Sardinien verdiente er sich sein weiteres Kunststudium in Venedig (1907-08). Sein Studium in München (ab 1910) verdiente er sich vorab als Museumsdiener. Es war dann wohl auch diese Zeit in der er das erste Mal in Dachau war. Von 1912-22 lebte er in St. Moritz.
Ab diesen Jahren konnte Lehmann seine Werke öffentlich ausstellen und er begann sich zu etablieren.
Zwischen 1922 und 1936 lebte er in Dachau – es entstanden Werke in kräftigen, ungemischten, strahlenden Farben und einem expressiv realistischen Ausdruck. „Es ist seine fruchtbarste Schaffensperiode. Regelmäßig beteiligt er sich an den Ausstellungen der Münchner Secession und der Künstlervereinigung Dachau“ (Horst Heres).
Jean Lehmann malte insbesondere (winterliche) Landschaften, Darstellungen des bäuerlich-dörflichen Lebens und Stillleben.
Dieses Werk malte Lehmann 1931 und es entstand damit in dieser Dachauer Zeit.
Wir sehen ein Obststillleben in erstaunlich warmen, satten Farbtönen. Der Blick geht von oben auf einen dunkelbraunen, schlichten Holztisch. Im Hintergrund eine hellbraune Wand, sowie im rechten Bereich der Ansatz eines rötlichen Tuches oder Vorhangs.
Kompositorisch und farblich ein sowohl ausgewogenes und zugleich auch eigenwillig modernes Stillleben, welches beispielhaft für Jean Lehmanns Dachauer Jahre ist.
Am heutigen 11. Mai wäre die großartige Künstlerin Romane Holderried Kaesdorf 104 Jahre alt geworden.
Romane Holderried Kaesdorf
1922 Biberach/Riß – 2007 ebd.
„Lilien- und Normalzeitung“
16 S., geheftet (41,5 x 29 cm)
erschienen in der Edition Klaus und Dagmar Dieterich (Stuttgart)
Auflage: 1.000 Exemplare, davon die Ex. 1-250 von der Künstlerin signiert, sowie mit Stempel nummeriert, dieses Exemplar trägt die Nummer „177“
€ 140,-
Romane Holderried Kaesdorf zählt zu den ganz großen, eigenwilligen Künstlerinnen – und vor allem Zeichnerinnen! – des deutschen Südwestens.
Diese seltene und kuriose Publikation der „Lilien- und Normalzeitung“ stammt aus der frühen Schaffensphase der Künstlerin. „Die künstlerische Anerkennung setzte erst mit den ab 1970 entstandenen zeichnerischen Werken ein. Unter diesen Umständen mag es für die Künstlerin schwer gewesen sein, den davor entstandenen Bildern mit dauerhafter Wertschätzung zu begegnen. Dennoch ist es angebracht, die vor 1970 entstandenen Arbeiten als eigenständigen Werkkomplex zu betrachten […]“ (Uwe Degreif (2007): Ungeliebte Bilder? Zu den Werken 1946-1967, in: Degreif, Uwe / Froitzheim, Eva-Marina (Hrsg.): Romane Holderried Kaesdorf; Stuttgart: Josef Fink; S. 8-12 [hier: S. 12]).
Diese „Lilien- und Normalzeitung“ ist an das Ende dieses beschriebenen Umbruchs einzuordnen und es zeigen sich in den Illustrationen bereits jene zeichnerischen absurd skurrilen Elemente, welche im Späteren als signifikant für Holderried Kaesdorf gelten dürfen.
Zuletzt gab es im Kunstmuseum Stuttgart bis Mitte April 2026 eine umfassende Ausstellung zu ihr.
Vor genau 134 Jahren – am 10. Mai 1892 – kam der eigenwillige Künstler Albert Schneller in Jechtingen zur Welt.
Albert Schneller
1892 Jechtingen – 1970 Grünwettersbach
‚nächtliche Kriegsszene‘
u. r. signiert & datiert (1939)
Öl / Platte
80,2 x 100,6 cm
€ 2.600,-
Nach einer handwerklichen Malerlehre besuchte Albert Schneller die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe (1913-15), sowie – nach Kriegsdienst – die dortige Kunstakademie (1919-25).
Er zog nach Grünwettersbach und war dort als Künstler tätig. Es entstanden vor allem expressive Dorfansichten, Landschaften, figürliche Kompositionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und Gefangenschaft kehrte er nach Grünwettersbach zurück. Künstlerisch fand er zu einem neuen Ausdruck und zu einer stärker abstrahierten Figurenmalerei. Er konnte sich wieder an Ausstellungen in u. a. Karlsruhe beteiligen.
Dieses großformatige Gemälde Albert Schnellers datiert auf 1939 – das Jahr des Kriegsausbruches und zugleich eine Zeit in der sich Kunst- und Kulturpolitik im Dritten Reich immer restriktiver gegenüber modernen Tendenzen zeigte.
Schneller zeigt hier eine Soldatenszene, die so gar nichts mit der Heroisierung der Armee gemein hat. Es ist dunkle Nacht, links ein Sichelmond und von rechts nahen dunkle Gewitter-, besser: Kriegswolken. Im Vordergrund rennt ein Soldat über die Bildfläche. Im linken Arm hält er einen Brief bzw. einen Zettel, was ihn zweifelsohne als Meldegänger ausweist. Hinter ihm liegt ein Soldat am Boden. Das kühle Blau-Schwarz und das fahle Gesicht zeigen bereits dessen Tod an; weitere Geschosse schlagen in unmittelbarer Nähe ein.
Im Schaffen des Künstlers wie auch mit Bezug auf das damalige Kunstschaffen im Allgemeinen sicherlich ein im besten Sinne: besonderes Gemälde.
… weitere Werke von Albert Schneller …
Am 9. Mai 1998 – vor 28 Jahren – verstarb der Künstler Hans-Joachim Stenzel.
Hans-Joachim Stenzel
1926 Neusalz/Oder – 1998 Weiden
‚Blick aus dem Fenster‘
u. r. signiert & datiert (1954)
Gouache auf Karton
22,3 x 46,8 cm
€ 750,-
Obgleich sich das künstlerische Talent von Hans-Joachim Stenzel schon früh zeigte, musste er doch anfangs eine Lehre in der Stadtverwaltung von Neusalz (Niederschlesien) beginnen. Diese brach er jedoch nach kurzer Zeit ab und wurde an der Meisterschule für Kunst und Handwerk in Breslau angenommen. Bereits nach dem ersten Semester war er Meisterschüler von Albert Helm und schloss 1944 sein Studium mit Auszeichnung ab.
1945 floh er mit der Familie aus Schlesien und gelangte nach Dresden, wo er die schweren Bombardierungen miterlebte. Im März kam er nach Oberfranken und bezog ein Atelier im Schloß Thurn (Kreis Forchheim), wo er bis 1949 blieb. Hierauf war er anfangs in Erlangen, bevor er ab 1952 als Chefdekorateur in Nürnberg arbeitete.
Der hier vorliegende Blick aus einem (Atelier-)Fenster entstand im März 1954 und ist der frühen Schaffenszeit zuzuordnen. Die Ausschnitte eines Fensterrahmens bilden im Vordergrund die Grundstruktur hinter der sich dann die Landschaft im Licht der Sonne zeigt. Der helle, goldene Glanz der Wolken lässt dabei mehr an einen Morgen als an einen Abend denken, was vielleicht auch die Aufbruchstimmung des jungen, nicht einmal 30 Jahre alten Künstlers wiedergeben mag.
Vor 127 Jahren – am 8. Mai 1899 – wurde der französische Künstler Roger Guit geboren.
Roger Guit
1899 Pessac-sur-Dordogne (Gironde) – 1978 Labruyère
‚elegant in Schwarz gekleidete Menschengruppe (Theaterbesucher)‘
u. r. signiert & undatiert [um 1920-30]
Tusche & Aquarell auf festerem Velinpapier
35,5 x 47,8 cm
€ 750,-
Roger Guit ist vor allem als Landschaftsmaler, sowie als Maler der Pariser Theater- und Zirkuswelt bekannt.
Guit war Schüler von Léon Bonnat (1833-1922) und Eugène Carrière (1849-1906). Er fand schnell zu seinen bevorzugten Themen. In Paris lebte er in der rue Custine 49.
Er malte Porträts von u. a. dem Künstler Edmond Heuzé, dem Schauspieler Charles Trenet, den Clowns Albert Fratellini und Auguste Boulicot, dem Schriftsteller Tristan Rémy, den Komponisten Arthur Honegger und Marcel Delannoy.
Diese hier vorliegende Zeichnung wird in die Jahre um 1920-30 einzuordnen sein.
Roger Guit zeigt eine Gruppe aus vier schwarz gekleideten, eleganten Personen – drei Frauen und ein rauchender Herr. Etwas verdeckt rechts hinten zeigen sich die hellvioletten Umrisse einer weiteren weiblichen Person, die aber im Gegensatz zu dem übrigen Quartett deutlich im Hintegrund bleibt.
Die vier Personen wirken ernst, ja beinahe: mürrisch, als seien sie nur schwer zufrieden zu stellen. Dass sie dazu noch nicht eng beieinander sitzen verstärkt diese Stimmung der Nicht-Kommunikation.
Ganz markant und überaus gelungen ist die an Picasso erinnernde Reduktion der Gesichter der beiden Damen, bei denen Guit die Augen in einem Zug zeichnete.
Vielleicht handelt es sich bei dieser sehr modernen Arbeit um die Vorlage für eine geplante Illustration.
Am 7. Mai 1987 – vor genau 39 Jahren – ist die Künstlerin Else Meidner in London verstorben.
Else Meidner, geb. Meyer
1901 Berlin – 1987 London
‚Betende‘
u. r. monogrammiert & datiert (1950)
Kohle auf Velinpapier
67,1 x 54,6 cm
€ 1.700,-
Else Meidner war anfangs die Schülerin und im Späteren die Ehefrau Ludwig Meidners. Ab Ende der 1920er Jahre etablierte sie sich als Künstlerin und trat aus dem Schatten ihres Manns. Ihre Porträtradierung Alfred Döblins erhält 1928 eine Auszeichnung und 1932 hat sie eine Einzelausstellung bei den Berliner “Juryfreien”.
Diese positive Entwicklung wird 1933 jäh beendet. Zusammen mit dem Sohn David (*1929) lebt das Paar vorerst in Köln, da Ludwig hier eine Anstellung als Zeichenlehrer an der jüdischen Schule Jawne fand. Schließlich im August 1939 emigrieren sie nach England. Die Familie lebt in Armut, während sich die Ehepartner immer fremder werden.
Diese Existenznöte halten auch nach 1945 an und selbst eine Einzelausstellung beider Künstler in der renommierten Ben Uri Gallery (London) kann daran nichts ändern. 1953 kehrt Ludwig Meidner schließlich nach Deutschland zurück, während Else Meidner in London bleibt und 1954 die britische Staatsangehörigkeit annimmt.
Die vorliegende, großformatige Zeichnung entstand in dieser Londoner Zeit. Das Paar lebte noch zusammen, doch waren sie emotional schon voneinander getrennt.
In festen, schnellen und dichten Strichen entsteht das Bildnis einer ins Gebet vertieften Frau, bei der man an eine Arbeiterin denken mag. Die Existenznöte und -ängste werden auch diese, ebenso wie die Künstlerin, umgetrieben und geplagt haben.
Vor 56 Jahren – am 6. Mai 1970 – starb der Künstler Karl Stachelscheid.
Karl Stachelscheid
1907 Duisburg – 1970 Düsseldorf
‚Stillleben mit Krug, Büchern und Pfeife auf einem Tisch‘
unsigniert, undatiert [um 1930-40]
Kreide (schwarz, braun) auf gräulichem Ingrespapier
60,8 x 47 cm
€ 230,-
Die Eltern des Künstlers, Albert und Maria Stachelscheid, betrieben eine Fabrikation für Kisten und Verpackungsmaterial in Düsseldorf. Karl Stachelscheid besucht die Volksschule (1923-28) und die Mittelschule Clarenbach (1928-31). 1931 beginnt er auf Wunsch der Eltern er eine Maler- und Anstreicherlehre, wendet sich dann aber doch der Kunst zu und besucht zwischen 1934-39 die freie Kunstschule für Malerei und Graphik von Hans Carp in Düsseldorf (nach Carps Tod führt Jo Strahn die Schule weiter). Im Anschluss daran geht er bis 1943 an die Kunstakademie Düsseldorf und ist zuletzt Meisterschüler bei Julius Paul Junghanns. In den folgenden Jahren unternimmt der Künstler mit seiner ersten Frau mehrere Reisen und wohnt zeitweise in Tirol. Ab 1957 lebt er dann mit seiner zweiten Frau in Krefeld und die letzten Jahre verbringt er in Düsseldorf. Am 4. Mai 1970 erleidet Karl Stachelscheid einen Schädelbasisbruch in Folge eines Treppensturzes, an dem er schließlich im Theresienhospital in Düsseldorf verstirbt.
Stachelscheid schuf vornehmlich Landschaften, Stadtansicht, Stillleben und figürliche Kompositionen in spätimpressionistischer Ausführung, etwa nach 1950 wandte er sich zudem abstrakten, informellen Werken zu.
Diese flott und sicher gezeichnete Aktstudie wird noch in die frühen Jahre um 1930-40 einzuordnen sein. Und daneben zur Ergänzung noch eine weitere Aktstudie im Querformat aus derselben Schaffenszeit.
… weitere Werke von Karl Stachelscheid …
Vor 55 Jahren – am 5. Mai 1971 – starb der Düsseldorfer Künstler Albert Henrich.
Albert Henrich
1899 Düsseldorf – 1971 ebd.
‚Stillleben mit Krug, Büchern und Pfeife auf einem Tisch‘
r. o. signiert, undatiert
Öl / Leinwand
40,5 x 50 cm
€ 1.150,-
Albert Henrich erhielt seine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf (1913-19) – unterbrochen von zwischenzeitlichem Kriegsdienst. Anfänglich hatte er eine neusachliche Ausrichtung, wandte sich aber dann mehr einem (expressiven) Realismus zu. 1931 wurde ihm der Dürer-Preis der Stadt Nürnberg zugesprochen und 1942 erhielt er den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. Studienreisen führten ihn nach u.a. Nordafrika, Italien, Spanien, Südfrankreich.
Albert Henrich war vor allem im Rheinland auf zahlreichen Ausstellungen vertreten. Motivisch blieb er im klassischen Kanon und es entstanden vor allem Stillleben, Landschaften und Portraits.
Dieses Stillleben ist eine ganz typische, beispielhafte Komposition von ihm.
Vor 117 Jahren (4. Mai 1909) wurde die Hamburger Künstlerin Charlotte Hilmer geboren.
Charlotte Hilmer
1909 Hamburg – 1958 ebd.
‚sitzende, junge Frau‘
u. l. signiert, undatiert [um 1939-45]
Öl auf Leinwand, doubliert
60,5 x 50 cm
€ 2.600,-
Charlotte Hilmer, geb. Wegel, war seit 1939 Ehefrau des Künstlers Arnold Hilmer (1908-1993), doch trat sie zeitlebens auch selbst als Künstlerin auf.
Gemeinsam begannen Beide ihr Kunststudium 1928-29 an der Landeskunstschule Hamburg. Hierauf gingen sie für ein Jahr an die Königsberger Kunstakademie sowie darauf bis 1933 an die Stuttgarter Akademie.
In den frühen 1930er Jahren teilten sie sich eine Hamburg Atelierwohnung in der Langen Reihe mit u. a. Ernst Witt. Nach der Heirat 1939 zog das Paar in die Alsterchaussee 11.
1939 hatte sie mit ihrem Mann eine Atelierausstellung, ist 1941 auf einer Schau des Hamburger Kunstvereins vertreten, beteiligte sich 1943 an der Ausstellung „Zwölf Hamburger Künstlerinnen“, trat dann aber wohl nicht weiter mit ihrem damaligen Schaffen an die Öffentlichkeit.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie sich etablieren und fand zu einem eigenen expressiv realistischen Ausdruck.
Die Künstlerin verstarb mit nicht einmal 50 Jahren durch Freitod.
Dieses Gemälde ist in die eher frühe Schaffensphase der Künstlerin einzuordnen und wird in den ersten Jahren nach der Heirat (1939) entstanden sein. In vornehmlich breiten Pinselstrichen und einem mitunter leicht pastosen Farbauftrag entsteht ein ganz eigentümliches, herbes, aber auch gefühlvolles Bildnis. Während das junge Alter und das helle Kleid eher eine Zartheit vermuten lassen, so sieht Charlotte Hilmer hier vielmehr Ernst und Persönlichkeit.
… weitere Werke von Charlotte Hilmer …
Am 3. Mai 1945 – vor 81 Jahren – wurde Sabine Ebel in Oldenburg geboren.
Sabine Ebel
1945 Oldenburg – 2015 ebd.
‚Schriftgebilde‘
r. u. signiert, undatiert [um 1967-70]
Tusche / Karton
24 x 18 cm
€ 340,-
Das Schaffen der Malerin, Zeichnerin, Grafikerin und Schriftkünstlerin Sabine Ebel blieb lange Zeit unentdeckt und wurde erst kürzlich einer genaueren Betrachtung unterzogen.
Sie war Tochter des Buchhändlers und Antiquars Rudolf Ebel (1907-1994) und dessen Ehefrau Annelies Ebel (1910-1975). Nach ihrem Abitur an der Oldenburger Cäcilienschule (1966) besuchte sie die Kunsthochschule Kassel (bei Ernst Röttger). Im Späteren war sie v. a. im Oldenburger Elternhaus in der Hochhauser Straße 5 ansässig.
Es gibt bislang keinen Hinweis darauf, dass Sabine Ebel mit ihrem Schaffen jemals an die Öffentlichkeit trat – eine tatsächliche (Wieder-)Entdeckung!
Neben kalligrafischen Arbeiten, in denen Ebel u. a. Gedichte von Walter Helmut Fritz und Agnes Miegel eigenwillig umsetzte, entstanden vor allem Werke, die die Verbindung zwischen Bild und Buch bzw. Zeichnung und Schrift suchen.
Ebel bewegt sich damit in einer Tradition von Paul Klees „Schriftbildern“, Cy Twomblys „scribbles“ oder auch Arbeiten Anselm Kiefers. Mit ihrer schriftkünstlerischen Ausbildung findet sie dabei einen eigenen Weg, bei dem oftmals das Schriftbild erhalten bleibt, ohne aber irgendeine sinnvolle Lesbarkeit zu vermitteln, so dass organische Abstraktionen zu entstehen scheinen. Für Ebel dürfte das gelten was Else Lasker-Schüler 1910 in einem Aufsatz im „Sturm“-Heft schrieb: „Die Schrift ist ein Bild für sich und hat nichts mit dem Inhalt zu tun.“
Dieses Schriftgebilde ist ein wunderbares Beispiel für ihren eigenwilligen Ansatz. Wie eine organische Struktur, oder gar wie eine Landschaft, wirken diese aneinandergereihten Buchstaben.
… weitere Werke von Sabine Ebel …
Heute blicken wir bereits etwas in die Zukunft, denn am morgigen 3. Mai jährt sich der Todestag des Leipziger Zeichners und Grafikers Gerhard Windisch zum 65. Mal (3. Mai 1961).
Gerhard Windisch
1895 Leipzig – 1961 ebd.
„Beaubourg Paris“
unten rechts signiert, undatiert [um 1928-29]
Kaltnadelradierung auf Kupferdruckkarton
Probedruck
12,8 x 12,6 cm (Druck)
€ 150,-
Gerhard Windisch war das uneheliche Kind der Stickerin Anna Dora Windisch. Anfangs arbeitete er als Kontorist, wandte sich dann aber nach dem Ersten Weltkrieg der Kunst zu und war vor allem als Grafiker in Leipzig tätig.
1928 und 1929 hielt er sich in Paris auf. Die vorliegende, mit Probedruck bezeichnete, Radierung wird bei einem dieser Aufenthalte entstanden sein. Ganz konkret hat der Künstler die Ansicht mit „Beaubourg“ – also das Centre Pompidou – lokalisiert. Wir blicken auf eine Straßenecke, vor uns ein Café („Café de la Mas…“) mit Stühlen und Tischen, links weitere Geschäfte. Aus einem Hof wächst ein Baum in die obere Bildmitte hinein.
Sehr schöne, in ihren Graubereichen sehr nuancenreiche Grafik des sehr zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlers.
Vor genau 134 Jahren (1. Mai 1892) wurde die – heute sehr in Vergessenheit geratene – Zeichnerin und Grafikerin Marianne Keil geboren.
Marianne Keil
1892 Markranstädt – 1977
‚Bildnis eines sitzenden Mannes‘
rechts unten signiert & datiert (1942)
Bleistift auf Zeichenpapier
33,2 x 22,1 cm
€ 330,-
Über Leben und Werk der Zeichnerin und Grafikerin Marianne Keil ist wenig bekannt. Nach dem Besuch der höheren Bürgerschule studierte sie zuerst zwei Semester an der Dresdner Kunstgewerbeschule und hierauf nochmals zwei Semester an der Akademie in Leipzig. Anfang 1920 richtete sie ein Aufnahmegesuch an das Bauhaus in Weimar. Die Bauhausleitung beschloss sie „zunächst ein Probejahr als Studierende des Staatlichen Bauhauses aufzunehmen“. Marianne Keil trat den Studienplatz am Bauhaus jedoch nicht an, da sie „den Plan, das Bauhaus zu besuchen aufgegeben habe“, wie sie ohne weitere Begründung schrieb. Anzunehmen ist, dass sie stattdessen abermals an die Leipziger Akademie ging, da sie dort nachweislich 1927 eine Prämie der Holstein-Stiftung erhielt. In den Folgejahren wird sie vornehmlich in Leipzig ansässig und tätig gewesen sein, worauf Beteiligungen der Künstlerin an den „Jahresschauen Leipziger Künstler“ schließen lassen.
Und auch nach 1945 war sie weiterhin dort ansässig und beschickte u.a. die „Erste Leipziger Grafikschau“ (1947), die „Leipziger Kunstausstellung“ (1948), sowie Ausstellungen in Mittweida und Wurzen.
Die vorliegende Zeichnung datiert auf 1942 und zeigt ein starkes, erstaunlich expressiv realistisches Bildnis eines sitzenden Mannes.
Vor 71 Jahren am 30. April 1955 verstarb der Nürnberger Künstler Georg („Schorsch“) Winter.
Georg („Schorsch“) Winter
1899 Nürnberg – 1955 Altdorf b. Nürnberg
‚Bildnis eines Mädchens mit Kuscheltier und Ball‘
unten rechts signiert, undatiert [um 1930-35]
Aquarell über Bleistift auf Velinpapier
36 x 26,6 cm
€ 390,-
Georg Winter „darf als einer der großen Unbekannten der Nürnberger Kunstgeschichte gelten.” (Andrea Dippel). Eine (Neu-)Entdeckung ist daher überaus lohnenswert!
Er war Sohn des Schlossers Peter Winter. Die Familie lebte in der Nürnberger Fenitzerstraße 15. Kurzzeitig besuchte er Abendkurse an der dortigen Kunstgewerbeschule (1915-16), bevor er zum Krieg eingezogen wurde. Nach dem Krieg machte er eine Ausbildung zum Dekorationsmaler in Nürnberg, wandte sich dann aber ganz der Kunst zu und studierte bis etwa 1930 an der Kunstakademie Berlin (bei u. a. Carl Hofer). Nach Studienreisen in die Schweiz und nach Italien ließ er sich in Nürnberg als Künstler nieder. Zudem wurde er Lehrer der Meisterklasse für Wandmalerei an der Berufsoberschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich im Kunstleben Nürnbergs und nahm an Ausstellungen teil.
Ein herausragendes Selbstbildnis (1928) befindet sich in der Sammlung der Kunstvilla Nürnberg.
Dieses Aquarell wird in der frühen Nürnberger Zeit (um 1930-35), nach dem Berliner Studium, entstanden sein. In flotter, expressiver Auffassung zeigt uns der Künstler ein freudig blickendes Mädchen in blauem Hemd. In den Händen hält sie einen Ball und ein weißes Kuscheltier. Die Haare liegen locker in der Stirn, gerade so als ob sie nur kurzzeitig aus dem Spiel gerissen wurde, zu dem sie gleich wieder zurückkehren wird.
… weitere Werke von Georg Winter …
Am 29. April 1994 – vor 32 Jahren – verstarb der Münchner Künstler Fritz Blum.
Fritz Blum
1901 München – 1994 ebd.
‚nächtliche Szenerie mit junger Frau und Tod‘
u. l. signiert, undatiert
Tuschfeder (teilweise grau laviert) auf leichtem Karton
19,6 x 10,5 cm
€ 550,-
Fritz Blum wirkte in München als Maler, Grafiker und Konservator. Seine Ausbildung erhielt er an der Münchner Kunstgewerbeschule und wohl auch an der dortigen Kunstakademie. Bereits 1919 erhielt er den Kunstpreis der Stadt München und 1929 den Dürer-Preis der Stadt Nürnberg.
Ob es das von Brigitte Huber (im „AKL“) für das Jahr 1934 angegebene Ausstellungsverbot de facto gab ist fraglich, lässt sich Blum doch zumindest für das Jahr 1935 auf jeweils einer Ausstellung in München und Berlin nachweisen. Dies sind dann aber auch die einzigen belegbaren Ausstellungsbeteiligungen während des Dritten Reichs. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Fritz Blum u. a. als Restaurator von Kirchen.
Diese Zeichnung dürfte der Ausführung und dem Motiv nach eher dem frühen Schaffen (um 1930-40) zuzuordnen sein.
Blum zeigt eine nächtliche Großstadtszene. Im Hintergrund hell erleuchtete Stadthäuser, der dunkle Nachthimmel und ein schmaler Sichelmond. Im Vordergrund eine junge Dame in Abendgarderobe und Handtasche, die vor einer Mauer (vielleicht eine Brücke?) steht. Sie wird von einem fahlen Licht bestrahlt und blickt mit einem ernsten, vielleicht sogar eher: hochmütigen, Gesichtsausdruck. Was sie nun nicht bemerkt, geschieht hinter ihr und wirkt wie ein surreal gruseliges Einsprengsel. – Denn hinter der Mauer reckt sich ein lachender Totenkopf mit großen hohlen Augen und offenem Mund empor. Vielleicht ein Vorzeichen, ein Menetekel für das bevorstehende Schicksal der Dame…
… weitere Werke von Fritz Blum …
Vor 129 Jahren wurde der Maler, Zeichner und Grafiker Karl Friedrich Brust in Frankfurt am Main geboren (28. April 1897).
Karl Friedrich Brust
1897 Frankfurt a. M. – 1960 München
‚figürliche Komposition‘
u. r. monogrammiert & datiert (1950)
Bleistift auf Papier
69,8 x 49,8 cm (Blatt)
Am unteren Rand mit einer Widmung des Künstlers an seinen Neffen.
€ 300,-
Karl Friedrich Brust ist besonders bekannt für seinen eigenständigen informellen Ausdruck, dem er sich ab den 1950er Jahren zuwandte. Hier ein figürliches Werk, das kurz davor entstand.
Brust besuchte kurzzeitig die Kunstgewerbeschule Offenbach (1913-14), war aber als Maler zum Großteil Autodidakt. Nach seinem Kriegsdienst (1915-18) war er freischaffend tätig. Ab den frühen 1920er Jahren zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen. 1931 erfolgte der Umzug von Frankfurt nach Berlin. 1937 wurden insgesamt zehn Werke aus dem Bestand des Städelschen Kunstinstituts als „entartet“ beschlagnahmt. Bei der Bombardierung Berlins 1943-44 kam es zum Verlust eines Großteils seines Schaffens.
Nach dem Krieg hielt er sich bis 1949 in Oberfranken auf und siedelte dann nach München über. Dort wurde er Bildredakteur beim Th. Martens-Verlag. Ab den 1950er Jahren wandte er sich der Abstraktion zu.
Diese hier vorliegende Zeichnung entstand der Datierung nach in der Anfangsphase der Münchner Schaffenszeit. Brust wendet sich nun langsam immer mehr der Ungegenständlichkeit zu, ist hier jedoch noch ganz im Figürlichen.
Am unteren Rand trägt die Zeichnung eine handschriftliche Widmung des Künstlers (“Meinem Neffen Wolfgang”), was der Komposition zudem einen sehr persönlichen Charakter verleiht.
Bereits am 9. April haben wir Margarethe Krieger mit einem Bildnis von Michel Simon zu dessen 131. Geburtstag kennengelernt. Heute ist der 90. Geburtstag der Künstlerin selbst (27. April 1936) und hierzu gibt es eine kleine Auswahl aus ihrem wunderbaren Schaffen.
Margarethe Krieger
1936 Mannheim – 2010 Heidelberg
„Oskar Werner als Hamlet“
u. r. signiert & datiert (1985)
Lithografie / Maschinenbütten
69,8 x 49,8 cm (Blatt)
€ 300,-
Margarethe Krieger war eine vorzügliche Zeichnerin, Grafikerin und Illustratorin, die vor allem durch ihre eindringlichen Menschendarstellungen etwas Bleibendes hinterlassen hat. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Karlsruher Kunstakademie (bei Karl Hubbuch).
Schon früh fand sie ihr bevorzugtes Thema: der Mensch. Sie schuf Porträts sowie Illustrationen zu Literatur und auch biblischen Themen.
Für Ihr Schaffen erhielt sie zahlreiche Preise, wie 1968 den Grafikpreis im Musée d´Art Moderne (Paris) und 1992 den Willibald-Kramm-Preis (Heidelberg).
Die zuerst gezeigte Lithografie zeigt Oskar Werner in einer seiner größten Rolle: als Hamlet. Das Bildnis zeigt sich in einer Nahaufnahme, dadurch wie auch durch die spontan erscheinende Pinselführung erscheint das Werk beinahe wie eine Abstraktion. Schnell und impulsiv ist die Farbe gesetzt, was an den Informel denken lässt. Doch aus der Mitte heraus bildet sich ein Gesicht, mit geschlossenen Augen, aufgestützt auf die rechte Hand, nachdenklich, traurig und müde…
Die weiteren Bilder zeigen Oskar Werner nochmals als Hamlet, weiterhin als Bacchus, daneben Illustrationen zu „Hiob“ sowie zu Paul Claudels „Der seidene Schuh“ und weiteres.
WICHTIG: Im Museum im Graf-Eberstein-Schloss Gochsheim in Kraichtal wird noch bis 29. Nov. 2026 eine Ausstellung zu ihrem 90. Geburtstag gezeigt!
… weitere Werke von Margarethe Krieger …
Heute vor 120 Jahren (26. April 1906) wurde der Hamburger Künstler Erich Wessel geboren.
Erich Wessel
1906 hamburg – 1985 ebd.
‚Dreiviertelporträt eines Mannes‘
unsigniert, undatiert [um 1950]
Gouache & Kohle / Bütten
54,8 x 44,2 cm
€ 280,-
Erich Wessel machte anfangs eine Lehre als Dekorationsmaler (1921-24) und arbeitete auch kurzzeitig als Gehilfe. 1928 besuchte er die Hamburger Kunstgewerbeschule (bei Arthur Illies), bevor er sich aber bereits 1929 als freischaffender Künstler betätigte. Er trat der Hamburger Künstlerschaft bei, beteiligte sich an Ausstellungen und unternahm Studienreisen. Befreundet war er u. a. mit Adolf Wriggers, Rolf Böhlig. Nach dem Krieg begann er sich nach 1945 im Kunstleben zu engagieren. Er eröffnete zudem eine private Malschule und wurde ab 1949 Dozent an der Schule für Bekleidungs-Industrie und an der VHS-Hamburg.
Erich Wessel schuf ein reichhaltiges Kunstschaffen, in dem er stets gegenständlich blieb und einen expressiv realistischen Ausdruck bevorzugte.
Dieses vorliegende Portrait wird in der frühen Nachkriegszeit entstanden sein. Ein Mann mittleren Alters blickt nachdenklich, vielleicht sorgenvoll ins Leere. Er trägt einen braunen Mantel, einen graublauen Schal und schwarzen Hut. Gerade die Gesichtspartien, die neusachliche Einflüsse erkennen lassen, sind von Wessel überaus detailliert und individualisiert ausgeführt.
… weitere Werke von Erich Wessel …
Benjamin Vautier stammt aus der Schweiz und wurde zu einem bedeutenden Vertreter der Düsseldorfer Schule. – Heute jährt sich der Todestag des Künstlers (25. April 1898) so zahlreicher wunderbarer Genreszenen zum 128. Mal.
Benjamin Vautier
1829 Morges – 1898 Düsseldorf
‚wartender Mann in Tracht mit Regenschirm und Hündchen‘
l. u. signiert, undatiert
Öl / Leinwand (doubl.)
39,5 x 28 cm
€ 4.600,-
Benjamin Vautiers Vater war Lehrer und Pfarrer. Der Sohn schlägt aber eine andere Laufbahn ein – er wird anfangs Emailleur und ist nebenbei stets künstlerisch tätig. Der Drang zur Kunst ist so groß, dass er sich aus dem vierjährigen Arbeitsvertrag freikauft und zur Düsseldorfer Kunstakademie geht. Fortan wird Düsseldorf seine neue Heimat. Vautier etabliert sich über die Zeit vollends als einer der bedeutendsten Genremaler der Düsseldorfer Schule.
Dieses hier gezeigte Gemälde ist ein sehr schönes, detailreiches Beispiel für Vautiers Genremalerei.
Zum gewählten Sujet schreibt Andreas Schroyen: „Dargestellt ist eine männliche Person als Ganzfigur en face innerhalb eines Wohnraumes. Sie hält die Hände hinter dem Rücken und hat unter dem linken Arm einen Regenschirm geklemmt. Bekleidet ist der Mann mit einer ländlichen Tracht des 19. Jahrhunderts […]. Die Person blickt aus der rechten Bildseite hinaus. Sie hat vermutlich bei regnerischem Wetter den Raum betreten und scheint nun auf jemanden zu warten. […] Charakteristisch für Vautiers Stil ist eine große malerische Präzision, die mit kleinen Details, wie dem Regenschirm, den schmutzigen Stiefeln sowie dem im Schwung festgehaltenen Pendel auch hier eine Geschichte erzählt.“
Vor 125 Jahren (24.04.1901) erblickte Josef Arens das Licht der Welt. – Bekannt wurde er vor allem als Künstler für Industrie- und Arbeitsszenen, sowie als frühes Mitglied der Künstlersiedlung Halfmannshof.
Josef Arens
1901 Oedingen – 1979 Unkel
‚(wohl) Landschaft in Serbien mit Kuhhirte und Gespann, vor Gebirgskulisse mit Kloster‘
rechts unten signiert, undatiert
Öl / Hartfaser
77,7 x 86,7 cm
€ 1.300,-
Josef Arens ist besonders bekannt für seine überaus fein und detailliert gezeichneten Industrie- und Arbeitsdarstellungen, deren Motive er in der Region um Gelsenkirchen fand. Daneben schuf er auch zahlreiche Landschafts- und Stadtansichten, in denen er Eindrücke festhielt, die er auf seinen zahlreichen Reisen empfing. So bereiste Arens u. a. Kleinasien, Marokko, Tunesien, Senegal, Italien, Griechenland, sowie Südfrankreich und Jugoslawien.
Das vorliegende Gemälde dürfte wohl nach Jugoslawien bzw. nach Serbien zu verorten sein. Da Arens auch immer ein Augenmerk auf Trachten und folkloristische Elemente legte, mag man die Kleidung des gezeigten Kuhhirten in einen solchen kulturellen Kontext setzen.
Wie für das Gemälde posierend steht der Hirte neben seinen zwei geschmückten Kühen, die hinter sich einen kleinen Wagen haben. Bereits kurz dahinter erhebt sich die Felsen- und Gebirgskulisse, welche im weiten Hintergrund beinahe bis zum oberen Bildrand steil aufragt. Im mittleren Bildbereich und damit noch vor den höheren Bergen des Hintergrunds, liegt ein Kloster, dessen Mauern sich bis über den rechten Rand hinaus erstrecken. Ein heller, locker von Wolken umspielter Himmel liegt über der Szenerie und bildet damit zugleich einen aufhellenden Pol zu den vornehmlich erdigen, schweren Farbtönen der Landschaft, des Klosters und der Figuren.
Vor 31 Jahren (23. April 1994) verstarb der wunderbare Künstler Wolfgang Niesner. Hier schauen wir auf einen ganz kleinen Ausschnitt seines reichhaltigen Schaffens (4 Grafiken & 1 Zeichnung).
Wolfgang Niesner
1925 Freudenthal (Sudetenschlesien) – 1994 München
„Flora“
im Druck monogrammiert, [1975]
Kupferstich
16,8 x 13 cm (Druck) bzw. 23,5 x 20,9 cm (Blatt)
€ 280,-
Wolfgang Niesner war auf dem Feld der druckgrafischen und zeichnerischen Künste nach 1945 eine Ausnahmeerscheinung. Er betätigte sich in vielen Techniken, bevorzugte aber besonders die Radierung, den Kupferstich und den Holzschnitt. Neben der Druckgrafik schuf Niesner, der sich selbst als “Augenmenschen” charakterisierte, ein umfangreiches zeichnerisches Werk, sowie auch Gemälde, vereinzelt Glasmalereien und kleinere bildhauerische Arbeiten.
Niesner war ab 1950 Mitglied im traditionsreichen „Verein für Original-Radierung“ (kurz: „Radierverein“, München), dessen 1. Vorsitzender er zwischen 1975 und 1981 auch war.
Freundschaften bestanden u. a. zu Anton Bruder, Ernst Kößlinger, Alfred Oberli, Richard Seewald, Gabriele Waldert.
Die Witwe Friederike Niesner beschreibt ihn wie folgt: “Wolfgang Niesner hatte eine heitere, liebenswürdige, ja herzliche Wesensart. Das wissen besonders seine Freunde. Es machte ihn aber vieles, was sich in der Welt ereignete sehr betroffen und das schlug sich in seinem Werk nieder.”
Die hier gezeigte „Flora“ ist ein wunderschönes Beispiel für Niesners Druckgrafik. Neben diesem Werk sehen wir noch drei weitere Grafiken und eine Zeichnung aus Porto Santo (Madeira).
… weitere Werke von Wolfgang Niesner …
Vor 74 Jahren (22.04.1952) verstarb der vielseitige Hamburger Künstler Oskar Schwindrazheim. Hier geleitet er uns in einen (seinen?) blühenden Garten.
Oskar Schwindrazheim
1865 Hamburg-St. Georg – 1952 Hamburg-Altona
‚Terrassenaufgang mit blühenden Hortensien‘
zweifach signiert, undatiert
Pastellkreiden / Karton
34,2 x 24,6 cm
€ 340,-
Oskar Schwindrazheim war sowohl Maler und Zeichner, als auch Bibliothekar, Schriftsteller und Lehrer. Nach seinen Studien an der Kunstgewerbeschule Hamburg und der Münchner Kunstakademie wurde er Atelierchef bei der Hamburger Kunst- und Gewerbe-Firma Georg Hulbe. Im Späteren arbeitete er freischaffend und war daneben auch als Kunstdozent tätig. 1891 gründete er den ersten deutschen Volkskunstverein und gab hierzu auch die Zeitschrift „Beiträge zu einer Volkskunst“ heraus. Von 1907 bis 1924 war er Lehrer und Bibliothekar an der Altonaer Kunst- und Gewerbeschule.
Im künstlerischen Schaffen von Schwindrazheim finden sich oftmals Meer- oder Flussmotive.
In diesem Fall zeigt er uns einen farblich ganz zauberhaft lockeren Stimmungseinfang aus einem Garten. Das zarte, helle Licht, das langsam von links eindringt, lässt an eine Morgenstimmung denken. Aus einer leichten Schräge geht der Blick auf den Terrassenaufgang. Fünf Kübel mit blühenden Hortensien stehen auf der Anhöhe, während sich im Hintergrund hohe Bäume in verschiedenen Grüntönen erheben.
Es gibt viel zu entdecken in dieser feinen Potsdam-Zeichnung des vor 216 Jahren (21.04.1810) geborenen Alfred Gomersal Vickers!
Alfred Gomersal Vickers
1810 Lambeth – 1837 Pentonville
„Potsdam vom Mühlenberg aus gesehen“
unsigniert, [um 1833-36]
Bleistift / Velinpapier
27,6 x 41,9 cm
Vormals in der Kunstsammlung der „Ford Foundation“, New York
€ 2.300,-
In Alfred Gomersal Vickers nur kurzem künstlerischem Schaffen reizten ihn, neben maritimen Motiven, vor allem Stadtansichten. Und sicher waren es auch jene detailreichen, feinlinigen Architektur- und Stadtkompositionen, die ihm bereits in frühen Jahren zu einer beachtlichen Bekanntheit verhalfen.
Mit nicht einmal 18 Jahren begann er auszustellen und mit 23 Jahren erhielt er von einem der damals einflussreichsten Verleger Englands, Charles Heath, den Auftrag für dessen Zeitschrift „Annuals“ Ansichten aus Russland anzufertigen. Hierfür reiste Vickers über Norddeutschland, Polen und das Baltikum nach Russland und sowohl während der Hin- als auch der Rückreise entstanden Ansichten – nachweisen lassen sich u.a. Motive aus Hamburg, Lübeck, Berlin, Potsdam, Krakau.
Die vorliegende Zeichnung ist in diese Schaffensphase einzuordnen, wobei unklar ist, ob Vickers das Motiv bei seiner Hin- oder erst bei der Rückfahrt fand.
Ganz typisch für den Künstler ist der Detailreichtum, wie die einzeln herausgearbeiteten Hausdächer, ebenso die Bäume oder auch die Windmühlen am linken Rand. Der ‚vom Mühlenberg aus‘ hinweg über die Havel weit in das Bild führende Blick zeigt die Silhouette Potsdams mit ihren markanten Bauwerken. Künstlerisch wie auch regionalgeschichtlich ein ganz feines, zauberhaftes Objekt.
Im Frühjahr 1924 bereiste Erich Hartmann Italien und während dieser Zeit entstand diese flotte Landschaftszeichnung aus Ischia.
Erich Hartmann
1886 Elberfeld – 1974 Sylt
„Epomeo, Casamicciola“
unsigniert, Nachlassstempel, [April 1924]
Kohle / Karton
52,1 x 39,5 cm
€ 275,-
Im März 1924 reisten Erich und Ida Hartmann über Bern nach Italien. Dort angekommen hatten sie Aufenthalte in u.a. Florenz, Rom, Neapel. Den April verbrachten sie auf Ischia in Casamicciola, bevor sie nach Assisi reisten.
Diese flotte, menschenleere Zeichnung zeigt einen Blick auf den Berg Epomeo, sowie einen Ausschnitt der Gemeinde Casamicciola und wird sich damit direkt in den April 1924 datieren lassen.
Erich Hartmann ist vor allem als Maler der Hamburgischen Sezession bekannt. Er studierte anfangs an der Düsseldorfer Akademie (1903-06), sowie an der Privatschule von Hermann Gröber in München und darauf Studium an der dortigen Akademie. Durch eine Verwundung im Weltkrieg kam er nach Altona und fortan blieb er in Hamburg ansässig. 1919 trat er der dortigen Sezession bei und es entstanden gewaltige, expressive Werke. Im Dritten Reich wurden einerseits Werke des Künstlers als „entartet“ beschlagnahmt, andererseits erhielt er aber auch öffentliche Aufträge für Wandbilder. Beispielhaft für die vielen „Graubereiche“, was deutlich macht, dass stets der einzelne Künstler zu betrachten ist und Schablonen hier nicht helfen. Nach 1945 war er Professur an der Landeskunstschule Hamburg.
… weitere Werke von Erich Hartmann …
Tägliche Dosis Kunst im April 2026 zum Nachlesen
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