|| K U N S T I M E X I L ||
Heute ein kleiner Blick in die Zukunft, ist doch am morgigen Tag (14. Juni) der 124. Geburtstag von Erwin Graumann.
Erwin Graumann
1902 Bielefeld – 1988 Genf
„Kniender Akt“ (Werkverzeichnis: Syamken Z 248)
u. r. signiert & datiert (1940)
Tuschfeder / Papier
34,2 x 27 cm
€ 960,-
Erwin Graumann macht anfangs eine Lehre als Chemigraph und ist Musterzeichner in einer Seidenweberei. Er besucht Abendkurse an der Kunstgewerbeschule Bielefeld, wo Paul Delius sein Talent erkennt und fördert. 1923 zieht er nach Berlin und besucht dort die dortige Kunstakademie – anfangs bei Hans Meid, zuletzt Meisterschüler von Karl Hofer. Ab 1927 kann er sich bei Ausstellungen etablieren.
Im Juli 1933 wird Graumann aus politischen Gründen das Betreten der Akademie verboten. 1935 wird die Aufnahme in die Reichskulturkammer abgelehnt, was faktisch einem Arbeitsverbot gleichkommt. Er emigriert nach Kopenhagen und ist dort als Zeichenlehrer tätig. 1936 zieht er nach Paris und ist dort bekannt mit u. a. Max Ernst, Hans Arp, Jeanne Bucher. Er beteiligt sich an Ausstellungen der „Surindépendants“, wie auch an den Ausstellungen „20th Century German Art“ (1938) in London und „Freie Deutsche Kunst“ in Paris.
1939 mit Kriegsbeginn wird Graumann als „feindlicher Ausländer“ interniert, dann im Januar 1940 auf Intervention von Jeanne Bucher wieder freigelassen, jedoch im Mai 1941 erneut inhaftiert. Später in Genf ansässig.
Nach 1945 lebt er in Paris und Genf und erhält 1949 die französische Staatsbürgerschaft. Sein Werk wird auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt und gewürdigt.
Diese Arbeit aus dem Jahr 1940(!) entstammt einem Zeichenheft mit Akten aus der Pariser Akademie La Grande Chaumiére (Syamken Z 239-Z 251). Das Heft hatte insgesamt 13 lose Blätter mit Zeichnungen.
… weitere Werke von Erwin Graumann …
Am 10. Juni 1907 – vor 119 Jahren – wurde Erwin Oehl geboren.
Erwin Oehl
1907 Thalmässing – 1988 München
‚Szene mit Straßenhändlern (in Paris?)‘
unten rechts signiert & datiert (1939)
Öl auf Platte
59,9 x 48,8 cm
€ 2.400,-
Erwin Oehl wuchs als Apothekerssohn im beschaulichen Thalmässing auf. Neben seinem Interesse für Kunst und Kultur, beschäftigte ihn schon früh die soziale Frage. Er besuchte die Akademien in München, Wien und Berlin. Ab 1930/31 lebte er als Künstler in München-Schwabing und war auch politisch aktiv. Um 1930 wurde er KPD-Mitglied; 1932 war er Gründungsmitglied der Münchner Ortsgruppe der „ASSO“.
Im März 1933 wurden er und seine spätere Frau Louise Brod verhaftet. Während er im April entlassen wurde, kam Louise erst im Dezember 1933 wieder frei. Erwin Oehl erhielt ein Aufenthaltsverbot für München und zog zurück zu seiner Familie nach Thalmässing.
1936 emigrierte das Paar nach Frankreich. Das Paar hatte Kontakt zu anderen Emigranten, es entstanden Künstlergruppen zur gegenseitigen Unterstützung und Ausstellungen wurden organisiert. Es folgten in den nächsten Jahren – in nuce! –Haft, Flucht, erneute Inhaftierung und Auslieferung nach Deutschland, bevor der Krieg schließlich endete.
Das hier vorliegende Gemälde entstand während der Exilzeit in Frankreich. Es datiert auf 1939 und dürfte dem Himmel und dem Grün der Bäume nach zu urteilen im (Früh-)Sommer gemalt worden sein – der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges liegt demnach nur wenige Monate in der Zukunft.
… weitere Werke von Erwin Oehl …
…und nochmals ein Werk von Erwin Oehl, dessen Geburtstag sich heute (10. Juni) zum 118. Mal jährt.
Erwin Oehl
1907 Thalmässing – 1988 München
‚Ansicht aus Paris mit der Rotonde de la Villette‘
unten rechts signiert & datiert (1939)
Öl auf Leinwand auf Platte
42,5 x 34 cm
€ 1.900,-
Dieses Gemälde entstand ebenso 1939, damit während der Exilzeit des Ehepaars Erwin und Louise Oehl und zugleich im Jahr des Kriegsbeginns.
Als Betrachter blicken wir hier auf eine Ansicht aus der französischen Hauptstadt. Im Hintergrund erhebt sich die 1788 erbaute, markante Rotonde de la Villette. Im vorderen und mittleren Bild zeigt sich eine leicht geschwungene Straße mit Passanten und Autos. Ganz vorne links erhebt sich eine Straßenlaterne fast über die gesamte Bildhöhe.
Die Lichtverhältnisse wirken etwas diffus und schwer greifbar. Der gerade im rechten Bereich dunkel ausgeführte Himmel, ist links etwas aufgebrochen und lässt Sonnenlicht durch. Zugleich sind die Baumkronen deutlich in Bewegung und ebenso hält auch die junge Frau im Vordergrund ihren Sommerhut fest, gerade so, als ob der Wind diesen gerade ergreifen wollte. Auch die im Hintergrund zu sehenden Passanten scheinen einen schnellen Schritt zu haben.
Ohne Zweifel hat Erwin Oehl hier einen Moment vor dem Gewittereinbruch festgehalten – es ist demnach tatsächlich die Ruhe vor dem Sturm, was man als Betrachter vielleicht auch symbolisch deuten mag…
… weitere Werke von Erwin Oehl …
Vor wenigen Tagen hatten wir an Ludwig Neu erinnert als sich dessen Todestag (14. Mai 1980) zum 46. Mal jährte.
Nun blicken wir nochmals auf ein Werk – ein ganz außergewöhnliches Werk! Neu zeigt uns hier einen riesigen Schwarm von Wanderheuschrecken über einem Kornfeld in Südamerika. Die Menschen können nur erschrocken, traurig und entsetzt zuschauen…
Ludwig (Luis) Neu
1897 Wasserlos – 1980 Buenos Aires
‚Schwarm von Wanderheuschrecken über einem Kornfeld in Südamerika‘
u. r. sign., [um 1970]
Aquarell, Tusche, Bleistift / Velinpapier
35,3 x 49,5 cm
€ 600,-
Ludwig Neu emigrierte am 15. Mai 1938 nach Buenos Aires. Seine Frau und die gemeinsame Tochter folgten ein halbes Jahr später. „Die ersten zwei Jahre in Buenos Aires fielen der Familie sehr schwer, weil Luis Neu keine Sprachkenntnisse besaß und seine norddeutschen Motive in Südamerika weder Interessenten noch Abnehmer fanden. Trotzdem bauten alle drei eine neue Existenz auf. Neu betätigte sich als Fotograf für das Argentinische Tageblatt und wechselte mehrfach den Brotberuf, bevor er sich in den fünfziger Jahren als Maler wieder durchsetzen konnte“ (Maike Bruhns, 2007).
Neben Landschafts- und Stadtansichten aus Südamerika entstanden auch figürliche Kompositionen und im Gegensatz zu den früheren, vom Impressionismus beeinflussten Werken zeigen diese Arbeiten eine expressiv-realistische, farbeprächtige Wiedergabe.
Das vorliegende Aquarell ist in diese spätere Schaffensphase einzuordnen. Neu, der als Siebzigjähriger zwei Jahre bei den Indios lebte, drückt in diesem Werk seine Verbundenheit mit den dort lebenden Menschen aus, die in diesem Fall einer existenziellen Katastrophe gegenüberstehen.
… weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu …
Vor 46 Jahren – am 14. Mai 1980 – verstarb der Künstler Ludwig (Luis) Neu.
Ludwig Neu
1897 Wasserlos – 1980 Buenos Aires
„Kanal in Amsterdam“
u. r. sign. & dat. (1932)
Tusche / Ingrespapier
48 x 62,6 cm
€ 750,-
Das Leben des deutsch-jüdischen Künstlers Ludwig Neu ist voller Tragik, bezeugt aber zugleich auch seine Kraft.
Seine Ausbildung erhielt er an der Zeichenakademie in Hanau, der Kunstgewerbeschule Offenbach und an der Kunstakademie München. Nach seinem Kriegsdienst war er 1920 in Frankfurt am Main tätig und lebte etwas später in Hamburg. Dort heiratete er Ida Boch – obgleich sich seine Eltern gegen die Verbindung mit der evangelischen Postbeamtin stellten. In den 1920/30er Jahren unternahm er viele Studienreisen (Orient, Ägypten, Italien, Holland, Norwegen, Island) und wurde zu dieser Zeit gefördert von Gustav Pauli und Gustav Schiefler. Ab 1933 verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Neus so arg, dass er zum Wohlfahrtsempfänger wurde. 1935 wurde ihm beachtenswerterweise das Ehrenkreuz für Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges verliehen. Und im folgenden Jahr wurde sein Aufnahmeantrag in die Reichskammer abgelehnt – mit gleichzeitiger Untersagung der weiteren Ausübung des Künstlerberufes. Im Privaten malte und verkaufte Neu jedoch weiterhin. Im Mai 1938 emigrierte die Familie nach Buenos Aires und Neu wurde daraufhin ausgebügert. In seiner neuen Heimat ist er anfangs als Fotograf, dann wieder als Maler tätig. Am 4. Sept. 1954 erfolgt die offizielle Wiedereinbürgerung in Hamburg und 1978 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Diese Tuschzeichnung entstand 1932 während einer der vielen frühen Studienreisen. In diesem Fall waren es die Niederlande und Neu hält einen nächtlichen Blick auf einen Kanal in Amsterdam fest.
… weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu …
Ludwig Neu, dessen Todestag sich heute (14. Mai) zum 46. Mal jährt, entführt uns in diesem Aquarell auf eine Straße in Bahia (Brasilien).
Ludwig (Luis) Neu
1897 Wasserlos – 1980 Buenos Aires
„Strasse in Bahia (Brasil) I“
u. r. sign., [um 1970]
Aquarell & Kohle / Aquarellbütten
67,2 x 51,5 cm
€ 725,-
Ludwig Neu befand sich seit 1938, dem Jahr seiner Emigration und Ausbürgerung, in Südamerika. Er ließ sich in Rio de Janeiro nieder. In den folgenden schaffensreichen Jahren bereiste er den südamerikanischen Kontinent und hielt seine Eindrücke dabei in zahlreichen Arbeiten fest. Im Gegensatz zu den früheren Werken zeigen diese Arbeiten eine noch stärker expressive Ausrichtung, die sich dabei mitunter in einer ungemeinen Farbenpracht zeigt.
Dieses Aquarell zeigt eine Ansicht von Salvador de Bahia in Brasilien. Der Betrachter befindet sich auf einem erhöhten Standpunkt, der Blick folgt einer steilen Treppe nach unten, vorbei an ein paar Passanten und trifft im Hintergrund auf eine doppeltürmige Kirche (Igreja São Francisco?). Interessant wird die Perspektive durch die links und rechts vom Betrachter ausgehenden Häuserwände, die das Sichtfeld begrenzen und damit zugleich auch fokussieren.
… weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu …
Am 7. Mai 1987 – vor genau 39 Jahren – ist die Künstlerin Else Meidner in London verstorben.
Else Meidner, geb. Meyer
1901 Berlin – 1987 London
‚Betende‘
u. r. monogrammiert & datiert (1950)
Kohle auf Velinpapier
67,1 x 54,6 cm
€ 1.700,-
Else Meidner war anfangs die Schülerin und im Späteren die Ehefrau Ludwig Meidners. Ab Ende der 1920er Jahre etablierte sie sich als Künstlerin und trat aus dem Schatten ihres Manns. Ihre Porträtradierung Alfred Döblins erhält 1928 eine Auszeichnung und 1932 hat sie eine Einzelausstellung bei den Berliner “Juryfreien”.
Diese positive Entwicklung wird 1933 jäh beendet. Zusammen mit dem Sohn David (*1929) lebt das Paar vorerst in Köln, da Ludwig hier eine Anstellung als Zeichenlehrer an der jüdischen Schule Jawne fand. Schließlich im August 1939 emigrieren sie nach England. Die Familie lebt in Armut, während sich die Ehepartner immer fremder werden.
Diese Existenznöte halten auch nach 1945 an und selbst eine Einzelausstellung beider Künstler in der renommierten Ben Uri Gallery (London) kann daran nichts ändern. 1953 kehrt Ludwig Meidner schließlich nach Deutschland zurück, während Else Meidner in London bleibt und 1954 die britische Staatsangehörigkeit annimmt.
Die vorliegende, großformatige Zeichnung entstand in dieser Londoner Zeit. Das Paar lebte noch zusammen, doch waren sie emotional schon voneinander getrennt.
In festen, schnellen und dichten Strichen entsteht das Bildnis einer ins Gebet vertieften Frau, bei der man an eine Arbeiterin denken mag. Die Existenznöte und -ängste werden auch diese, ebenso wie die Künstlerin, umgetrieben und geplagt haben.
Heute am 16. April jährt sich der Todestag von Ignaz Kaufmann zum 51. Mal.
Ignaz Kaufmann
1885 Braunseifen [Ryžoviště] – 1975 Buenos Aires
‚Herrenbildnis‘
oben rechts monogr. & dat. (1925)
Öl / Leinwand
75 x 55 cm
€ 1.900,-
Ignaz Kaufmann wuchs in dem mährischen Dorf Braunseifen auf, ab 1891 lebte die Familie in Wien, wo er seine erste künstlerische Ausbildung erhielt. Hierauf studierte er in Wien und Stuttgart und unternahm Studienreisen nach Paris und Italien bis der Weltkrieg ausbrach und Kaufmann als Soldat eingezogen wurde. Nach Kriegsende besuchte Kaufmann ein Semester lang die Kunstakademie in Wien. Es folgten weitere Studienreisen nach Paris, Venedig, Wien und Berlin.
Spätestens 1921 ist er in Stuttgart ansässig. Dort war er u. a. im Bekanntenkreis des Architekten Oscar Bloch (1881-1937), den er auch porträtierte, stellte im Württembergischen Kunstverein aus und wurde Mitglied im Stuttgarter Künstlerbund.
Ab 1933 setzten Repressionen ein, Kaufmann konnte nur noch an „Jüdischen Kunstausstellungen“ teilnehmen und war dort vertreten neben u. a. Alice Haarburger, Trude Munk, Klara Neuburger, Emilie Ott, Else Samuel und Paula Straus. Daneben arbeitete er im Stuttgarter “Freien Jüdischen Lehrhaus” und half anderen Juden bei deren Emigration. Er selbst emigrierte 1939 nach England. Zum 10. Dezember 1939 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
Ignaz Kaufmann kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück und sein Schaffen geriet in Vergessenheit.
Das vorliegende Gemälde datiert auf 1925 und entstand damit in der Stuttgarter Schaffenszeit des Künstlers. Womöglich wird es sich bei diesem gelungenen expressiv realistischen Herrenbildnis um ein Auftragsportrait handeln.
Heute ist der 122. Geburtstag (7. April 1997) von Hilde Rubinstein.
Hilde Rubinstein
1904 Augsburg – 1997 Göteborg
‚Hinterhof in Schweden‘ (verso: verworfenes Portrait)
links oben signiert & datiert (1940)
Aquarell, Tempera, Deckfarben auf Aquarellkarton
45,8 x 38,1 cm
€ 860,-
Hilde Rubinstein trat um 1930 der KPD in Berlin bei. Damals verlagerte sich ihr Schaffen vom malerisch-zeichnerischen mehr zum schriftstellerischen Wirken. Erste Bühnenstücke deuteten auf eine erfolgreiche Zukunft hin.
Doch wie auch bei anderen Künstlern war das Jahr 1933 eine arge Zäsur. Als Jüdin und Kommunistin war sie doppelt gefährdet, wurde am 19. Nov. 1933 in Berlin verhaftet und schließlich am 1. Sept. 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt. Am 15. Mai 1935 entließ man sie aus der Haft. Doch aufgrund der weiterbestehenden Gefahr, emigrierte sie schließlich im September 1935 mit ihrer Tochter über Belgien und die Niederlande nach Stockholm. Dort hielt sie sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, bevor die nächste Zäsur einbrach. – Während einer Russlandreise wurde sie beschuldigt „trotzkistischer Kurier“ zu sein und für zehn Monate inhaftiert. Nach der Haft sollte sie nach Deutschland abgeschoben werden, schaffte es aber in Warschau den Gefangenentransport zu verlassen und schlug sich über Riga nach Schweden durch. Sie lernte Schwedisch, begann zu schreiben und zu übersetzen. 1947 erhielt sie die schwedische Staatsbürgerschaft.
Das vorliegende Werk datiert auf 1940 und entstand damit in den frühen schwedischen Exiljahren nach der Haft in Russland.
Die Szenerie vermittelt eine gedrückte, kühle Stimmung. – Die etwas beschädigte Hausfassade, ebenso wie der grau bewölkte Himmel. Und dennoch liegt dem Ganzen eine gewisse Ruhe und Zeitlosigkeit inne… Der kleine schwarze Vogel am unteren rechten Rand ist dabei ein kleines, feines Detail – zugleich das einzige Lebewesen innerhalb des Motivs.
Gelegenheiten < 100€ Preis 100€ - 500€ Preis 500€ - 1.000€ Preis 1.000€ - 2.000€ Preis über 2.000€








