|| T Ä G L I C H E D O S I S K U N S T I M M A I 2 0 2 6 ||
Vor 47 Jahren – am 31. Mai 1979 – verstarb Hugo Stadelmaier in Schwäbisch Gmünd.
Hugo Stadelmaier
1901 Schwäbisch Gmünd – 1979 ebd.
‚Portrait von Mirjam Röcker‘
unten links signiert & datiert (1927)
Kohle / Ingrespapier
41 x 28,3 cm
€ 120,-
Der Maler und Grafiker Hugo Stadelmaier studierte an der Stuttgarter Akademie und an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. Er war den Großteil seines Lebens in seiner Heimatstadt ansässig und wirkte dort auch als Kunsterzieher.
Diese schöne Portraitzeichnung aus dem Jahr 1927 ist deutlich dem frühen Schaffen Stadelmaiers zuzuordnen.
… weitere Werke von Hugo Stadelmaier …
Am 30. Mai 1898 – vor genau 128 Jahren – wurde Carl Rabus geboren
Carl Rabus
1898 Kempen – 1983 Murnau
„Zum Meer“
unten rechts signiert & datiert (1927)
Tusche & Kreide / Bütten
26,1 x 39,8 cm
Die Zeichnung war 1985 Teil der Ausstellung „Carl Rabus. Eine Auswahl aus dem Frühwerk 1920 – 1935“ in der Galerie Bernd Dürr (München). Im damaligen Katalog ist sie abgebildet als Abb. 56 (siehe letztes Foto).
€ 780,-
Carl Rabus besuchte die Kunstakademie und hatte ab 1920 erste Ausstellungen. Von 1923 bis 1927 lebte er in Berlin und wirkte dort auch als Bühnenbildner an der Schaubühne. 1927 kehrte er nach München zurück und unternahm zugleich Reisen nach Italien, Frankreich, Spanien, Belgien.
1934 verließ Rabus Deutschland und siedelte nach Wien über, wo er seine spätere Frau Erna kennenlernte. 1937 wurde der Band “Blaubart und Miß Ilsebill” von Alfred Döblin (mit 12 Lithographien von Carl Rabus) aus der Städtischen Kunstsammlung Chemnitz als “entartet” beschlagnahmt.
1938 nach dem Anschluss Österreichs verließ er Wien und verzieht nach Brüssel. Nach Kriegsbeginn wird er 1940 verhaftet und in ein Lager in Südfrankreich verbracht. Ihm gelang die Flucht nach Brüssel, wo er untertauchen konnte. 1944 erfolgte die erneute Verhaftung.
Nach dem Kriegsende entsteht erneut ein starkes Schaffen.
Diese Zeichnung von 1927 entstand im Jahr der Rückkehr von Berlin nach München, als Rabus mehrere Reisen unternahm und dieses Meer-Motiv wird er während einer solchen Reise gefunden haben.
Am 29. Mai 1924 – vor genau 102 Jahren – besuchte Adolf Hacker Venedig und hielt dabei dieses stimmungsvolle Aquarell fest.
Adolf Hacker
1873 Schwarzenbach a. d. Saale – 1943 Heidelberg
„Venezia“
unten rechts signiert & datiert (1924)
Aquarell / Aquarellkarton („J. W. Zanders“)
34,5 x 50,7 cm
€ 1.200,-
Exakt dieser Italienreise und dem Venedig-Aufenthalt schreibt Benno K. M. Lehmann (2000: 14):
„Zu einer längeren Reise brach er [d. h. Adolf Hacker] 1924 in Begleitung von Professor Georg Schmidt auf. Über Lugano, Mailand (8. April 1924) ging es zunächst nach Florenz. […] Am 15. April 1924 traf Adolf Hacker in Rom ein und belegte schon wenige Tage nach seiner Ankunft, mit bestandener Aufnahmeprüfung, einen Kurs der Meisterklasse für Aktmalerei an der Königlichen Akademie. […] Ende Mai ging es über Venedig (29. Mai 1924) in die Heimat zurück.“
Hierdurch lässt sich diese vorliegende Ansicht erfreulicherweise taggenau datieren.
… weitere Werke von Adolf Hacker …
Am 28. Mai 1970 – vor genau 56 Jahren – verstarb der, sehr in Vergessenheit geratene, Leipziger Künstler Georg Kretzschmar.
Georg Kretzschmar
1889 Leipzig – 1970 ebd.
‚Blumenstillleben in einem Henkelkrug‘
unten rechts signiert, undatiert
Aquarell, Tempera, Bleistift / Velinpapier
65 x 50,5 cm
€ 420,-
Georg Kretzschmar war Sohn des Maschinenmeisters Karl Edmund Georg Kretzschmar (1860 Leipzig – 1942 ebd.) und dessen Ehefrau Anna Auguste, geb. Schumann. Er begann 1903 eine Lithografenlehre und war nach deren Abschluss (1907) bis 1914 selbstständig als Lithograf tätig. Als Künstler ist er Autodidakt. Am 1.Juli 1910 tritt Kretzschmar der SPD bei. Nach seinem Kriegsdienst (1914-18) war er bis 1933 freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen („Leipziger Volkszeitung“, „Chemnitzer Volkszeitung“). 1943 wird er erneut zum Kriegsdienst einberufen und gerät in amerikanische Gefangenschaft. Nach dem Krieg kehrt er 1946 nach Leipzig zurück und tritt der SED bei. Kretzschmar wird Dozent an der VHS Leipzig und leitet zudem einen Mal- und Zeichenzirkel bei der SAG Maschinenfabrik Unruh & Liebig (Leipzig). 1966 wird ihm der Kunstpreis der Stadt Leipzig verliehen.
Dieses helle, lockere, schlicht schöne Stillleben wird in der Zeit nach 1945 entstanden sein.
Vor 20 Jahren – am 27. Mai 2006 – verstarb der rumänische Künstler Carol Plesa in Cluj.
Carol Plesa
1911 Alba Iulia – 2006 Cluj
„Berg im Abendlicht“
unten rechts signiert & datiert (1973)
Öl / Leinwand
48,2 x 58 cm
€ 520,-
Carol Plesa besuchte anfangs die katholische Schule in Alba Iulia [Karlsburg]. 1928 verzog die Familie nach Cluj [Klausenburg]. Entgegen des väterlichen Wunsches, schlug der Sohn die Künstlerlaufbahn ein und studierte an der Akademie in Bukarest. Sein maßgeblicher Lehrer wurde Cornel Medrea mit dem er 1939 den rumänischen Pavillon auf der Weltausstellung in New York gestaltete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er im Kulturleben Rumäniens aktiv, stellt aus und wird Mitglied im Verband der bildenden Künstler Rumäniens (Uniunea Artistilor Plastici (UAP)). Als Künstler – Maler und Bildhauer – konnte er sich etablieren. 1999 zeigte das Kunstmuseum in Cluj eine große Retrospektive.
Carol Plesa greift in diesem „Berg im Abendlicht“ den verhältnismäßig kurzen Moment der Dämmerung auf – zwischen dem Hell des Tages und dem Dunkel der Nacht beschreibt er die Zeitspanne in der das Auge allein visuelle Andeutungen erhält.
Vor 130 Jahren wurde Walter Marcuse in Mannheim geboren.
Walter Marcuse
1896 Mannheim – 1976 Fosterdale (USA)
„Bridge on Park Way N[orth] White Plains“
Nachlassstempel, unten mittig datiert (25. Okt. 1972)
Aquarell, Tempera, Bleistift / Papier
22,5 x 29 cm
€ 620,-
Walter Marcuse war Sohn des renommierten Psychiaters Julian Marcuse (1862 Posen – 1942 Ghetto Theresienstadt).
Ab 1905 lebte die Familie in Ebenhausen, wo der Vater ein Sanatorium leitete. Nach dem Ersten Weltkrieg, den der Künstler als Freiwilliger an der Westfront miterlebte, studierte er an der Kunstakademie München. Neben den beiden Büchern „Wir sind Gefangene“ und „Das bayrische Dekameron“ von Oskar Maria Graf schuf Marcuse Radierungen für eine bibliophile Auflage von Goethes “Hermann und Dorothea“.
Im Dritten Reich galt die Ehe seiner Eltern als „Mischehe“. Marcuse kann bald darauf an dem öffentlichen Kulturbetrieb nicht mehr teilnehmen, er lebt vom Geld der Eltern und zieht sich zurück.
Er emigrierte schließlich 1940 in die USA. 1953 unternimmt er eine ausgiebige Deutschlandreise. In den USA nimmt Marcuse nicht am öffentlichen Kunstbetrieb teil und lebt zurückgezogen.
Das hier gezeigte Aquarell stammt aus dem späten Schaffen des Künstlers. Walter Marcuse hat es taggenau datiert auf Mittwoch, den 25. Oktober 1972, was bedeutet, dass der Künstler damals im 77. Lebensjahr stand.
Er zeigt hier einen von kräftigen Herbstfarben geprägten Blick auf eine Brücke am Parkway in North White Plains, dem langjährigen Wohnort Marcuses.
Vor 156 Jahren – 25. Mai 1870 – wurde der ungarische Künstler Aladár Edvi Illés geboren.
Aladár Edvi Illés
1870 Pest – 1958 Budapest
„Hirtenbub“
unten rechts vom Nachlass bezeichnet, undatiert
Kolorierte Radierung / Velinpapier
24,5 x 18,5 cm (Druck)
€ 150,-
Aladár Edvi Illés ist für seine idyllischen, spätimpressionistischen Szenen des dörflich-ländlichen Lebens bekannt.
Anfangs besuchte er die Zeichenschule in Budapest (1888-93) und darauf die Académie Julian in Paris (1893-95). Es folgte hierauf ein Aufenthalt in London, wo er sich der Aquarelltechnik widmete, sowie ein längerer Aufenthalt in Italien. Zwischen 1903 und 1935 war er Dozent an der Kunstakademie Budapest (zuletzt dort Professor). 1909 wurde er mit einer Goldmedaille auf der Internationalen Fachmesse München ausgezeichnet und 1939 erhielt er eine Goldmedaille der ungarischen Kunstgesellschaft (‚Képzőművészeti Társulat‘).
Diese vorliegende, vom Nachlass des Künstler herausgegebene Radierung zeigt mit dem Hirtenbuben ein für den Künstler ganz typisches, gelungenes Motiv.
… weitere Werke von Aladár Edvi Illés …
Der Maler und Grafiker Artur Erdle kam vor genau 127 Jahren – am 24. Mai 2026 – zur Welt.
Artur Erdle
1889 Köln – 1961 Düsseldorf
‚Junge beim Cellospielen mit Holzspielzeugente im Hintergrund‘
u. r. signiert, undatiert
Kaltnadelradierung / Karton
30,8 x 19,5 cm (Druck)
€ 240,-
Artur Erdle erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf (1912-18) und war danach freischaffend in Düsseldorf tätig. 1919 war er eines der Gründungsmitglieder des legendären „Jungen Rheinlands“. Er hatte enge Kontakte zum Kreis um Johanna Ey („Muter Ey“), sowie Freundschaften mit Jankel Adler, Otto Dix, Max Ernst und Gert Wollheim. 1928 war er zudem einer der Mitbegründer der „Rheinischen Sezession“. 1929 wurde ihm der Dürer-Preis der Stadt Nürnberg verliehen. Obgleich Erdle im Dritten Reich ausstellen konnte, wurden 1937 insgesamt 15 seiner Arbeiten in Düsseldorf als „entartet“ beschlagnahmt. 1943 wird sein Haus samt Atelier ausgebombt und ein Großteil seines Werks geht verloren.
Diese Radierung mit der Darstellung eines jungen Musikers wird in dem Schaffen nach 1945 entstanden sein, als sich Artur Erdle in Düsseldorf endlich voll etablieren konnte.
… weitere Werke von Artur Erdle …
Am 23. Mai 1938 – vor genau 88 Jahren – verstarb der polnische Künstler Czesław Mystkowski in Jakarta.
Czesław Mystkowski
1898 Dubno – 1938 Jakarta
‚Dreiviertelporträt eines Mannes im Anzug‘
rechts unten signiert & datiert (1927)
Aquarell & Bleistift / Karton
57,8 x 38,8 cm
€ 800,-
Czesław Mystkowski studierte an den Hochschulen für bildende Künste in Saratow (bis 1918) und Warschau (Diplomabschluss 1924). 1924 zog er nach Paris und heiratete dort Corry van Rhijn. 1928 verzog er mit seiner Frau nach Niederländisch-Indien und arbeitete dort als Maler. Bis 1932 ist das Paar ansässig in Java, später auf Bali.
Mystkowski malte v. a. Porträts, Landschaften, Akte, wobei ihn die Landschaften und Menschen in Niederländisch-Indien besonders begeisterten.
Dieses Aquarell entstand noch in der Pariser Zeit, kurz vor der Abreise nach Niederländisch-Indien.
Vor 59 Jahren – am 22. Mai 1967 – verstarb Georg Kosmiadi in Hamburg.
Georg Kosmiadi
1886 Maltschi (Kaukasus) – 1967 Hamburg
‚düstere Landschaft mit Hügel und kleinen Gebäuden‘
unten rechts signiert & datiert (1956)
Öl- und Deckfarben / Karton
27,1 x 35,8 cm
€ 420,-
Georg Kosmiadi studierte in Moskau und war hierauf als Kreisbaumeister im Kreml tätig, bevor er Kunsterzieher an verschiedenen Gymnasien in Wolhynien wurde. Daneben wirkte er aktiv in Kulturvereinen mit und betätigte sich als Regisseur, Bühnenbildner und Schauspieler. 1940 verzog er nach Hamburg und arbeitete anfangs als Bühnenbildner am Thalia-Theater und an der Hamburgischen Staatsoper. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kosmiadi freischaffender Künstler in Hamburg.
Das vorliegende Werk entstand 1956 und zeigt eine für Kosmiadi ganz typische expressiv realistische Landschaft. Düster erhebt sich der Hügel in der rechten Bildhälfte. Bäume und kleine Gebäude zeigen sich an dem Hang. Im Vordergrund läuft ein Holzzaun entlang. Das Sonnenlicht scheint sich erst schwach hinter dem Hügel Bahn zu brechen, was der Künstler mit den etwas helleren Partien an den Hausdächern andeutet. Kosmiadi gelingt auf diese Weise eine ganz eigentümlich merkwürdige Stimmung. Womöglich greift der Künstler bei dem Motiv auf eine Landschaft in Wolhynien zurück.
… weitere Werke von Georg Kosmiadi …
Am 26. April hatten wir an den 120. Geburtstag von Erich Wessel gedacht, heute jährt sich der Todestag (21. Mai 1985) des Hamburger Künstlers zum 41. Mal.
Erich Wessel
1906 Hamburg – 1985 ebd.
‚Bremer Roland‘
unsigniert, verso Nachlassstempel, undatiert
Lithografie / Karton
61 x 43 cm
€ 60,-
Erich Wessel machte anfangs eine Lehre als Dekorationsmaler (1921-24) und arbeitete auch kurzzeitig als Gehilfe. 1928 besuchte er die Hamburger Kunstgewerbeschule (bei Arthur Illies), bevor er sich aber bereits 1929 als freischaffender Künstler betätigte. Er trat der Hamburger Künstlerschaft bei, beteiligte sich an Ausstellungen und unternahm Studienreisen. Befreundet war er u. a. mit Adolf Wriggers, Rolf Böhlig. Nach dem Krieg begann er sich nach 1945 im Kunstleben zu engagieren. Er eröffnete zudem eine private Malschule und wurde ab 1949 Dozent an der Schule für Bekleidungs-Industrie und an der VHS-Hamburg.
Erich Wessel schuf ein reichhaltiges Kunstschaffen, in dem er stets gegenständlich blieb und einen expressiv realistischen Ausdruck bevorzugte.
… weitere Werke von Erich Wessel …
Vor 118 Jahren – am 20. Mai 1908 – wurde der wunderbare Künstler Hans Jürgen Kallmann geboren.
Hans Jürgen Kallmann
1908 Wollstein (Posen) – 1991 Pullach
„Abendröte über den Dächern“, [um 1940]
u. r. signiert
Pastellkreiden / Velinpapier
88 x 66,5 cm
€ 2.200,-
Hans Jürgen Kallmann macht 1925 sein Abitur in Halle und beginnt ein Medizinstudium, dass er aber 1930 abbricht. Er zieht nach Berlin, besucht die Meisterklasse Emil Orliks an den „Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst“, bricht dies aber nach einem Semester wieder ab. Er bildet sich autodidaktisch weiter, wird gefördert durch Max Slevogt und kann sich langsam etablieren. 1934 wird ihm der Rompreis zuerkannt, 1935 erhält er den Preis der Abraham-Lincoln-Stiftung und 1936 den Hessischen Staatspreis.
Ein signifikanter Einschnitt ist 1937 die Beschlagnahme von insgesamt sechs Werken als „entartet“. Hans Jürgen Kallmann gilt als „jüngster ‚Entarteter‘“. In der Folge kann er vornehmlich nur noch an private Sammlerfreunde verkaufen und aus dem öffentlichen Kunstbetrieb zieht er sich nahezu ganz zurück.
Durch Kriegseinwirkung verliert Kallmann einen Großteil seines damaligen Schaffens.
Nach dem Krieg lebt Kallmann vor allem in Pullach und wird gefragter Porträtist.
Diese Zeichnung zeigt einen Blick auf einen menschenleeren Dorfrand im Abendlicht. Der Vordergrund ist schon beinahe ganz verdunkelt und die Fassaden der Häuser heben sich düster von dem verglühenden Schein der untergehenden Sonne ab. Darüber liegt ein tiefer, grau dunkler Himmel.
Vor 99 Jahren – am 19. Mai 1927 – wurde der Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer Alfred Klosowski in Hamburg geboren.
Alfred Klosowski
1927 Hamburg – 2020 ebd.
‚florale Abstraktion‘ (Neujahrsgruß für 1969)
gewidmet & signiert
Tusche / Bütten
30 x 21,6 cm
€ 300,-
Alfred Klosowski studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (bei Willi Titze, Theo Ortner). Danach war er als freischaffender Künstler, sowie als Werbegrafiker, Innenraumgestalter und Messebauer tätig. Seine Werke sind in vielen norddeutschen Städten im öffentlichen Raum sichtbar, so u. a. ein Glasbetonfenster an der U-Bahnstation-Lutterothstraße (1963) in Hamburg, sowie „Keramikvögel“ (Steinzeug, 1974) in der Hamburger Straße (Hudekamp) in Lübeck.
Diese Zeichnung mit einer schwungvollen floralen Abstraktion wurde vom Künstler zudem mit einer schönen Widmung samt Neujahrsgruß für 1969 versehen.
… weitere Werke von Alfred Klosowski …
Vor genau 54 Jahren – am 18. Mai 1972 – verstarb der Maler Andreas Harsch.
Andreas Harsch
1884 Reichenau an der Maltsch(Rychnov nad Malší) – 1972 Wien
Flusslandschaft (Darstellung der Maltsch in Südböhmen?)
unten links signiert
Öl / Karton
30 x 54,6 cm cm
€ 750,-
Andreas Harsch wuchs in Reichenau an der Maltsch (Rychnov nad Malší) im Böhmerwald an der Grenze zu Österreich auf. Nach dem Besuch der Holzfachschule in Wallern (Volary) konnter er sich seinen Wunsch erfüllen und nach Wien gehen. Dort besuchte er neben seiner Arbeit künstlerische Abendkurse und sobald er genügend Geld angespart hatte bewarb er sich erfolgreich an der Kunstakademie München. Aus finanziellen Gründen musste er notgedrungen nach Wien zurückkehren, besuchte dort die Kunstakademie und war im Folgenden vornehmlich in bzw. um Wien tätig.
Anzunehmen ist daher auch, dass das vorliegende Werk ein Motiv aus seiner unmittelbaren bzw. ihn persönlich berührenden Umgebung zeigt. Man kann hierbei bspw. an eine signifikante Flussbiegung der Maltsch denken. Zentral im Werk liegt die vom Fluss umschlängelte Fläche auf der sich Grasflächen und Sträucher finden. Durch einen etwas satteren Farbauftrag, sowie eine hellere Farbgebung, erreicht der Künstler eine Tiefenwirkung, welche diese Fläche gegenüber dem eher matt gehaltenen Waldhintergrund abhebt. Ganz am Horizont sind schwach die Andeutungen von Hügelketten zu erkennen.
Vor 115 Jahren – am 17. Mai 1911 – erblickte Oskar Kurt Döbrich (kurz: OKD) das Licht der Welt.
Oskar Kurt Döbrich
1911 Metz (Lothringen) – 1970 Münster
„Geisterphantasie“
u. r. monogr. & dat. (1934)
Tusche / Papier
22,8 x 18,1 cm
€ 920,-
Die Familie von Oskar Kurt Döbrich wurde mit Kriegsausbruch 1914 aus Lothringen vertrieben und ließ sich im Münsterland nieder. Im Anschluss an die Schulzetit in Münster studierte er von 1933-37 in Berlin (u.a. bei Georg Tappert und Karl Rössing). Gerade die Bedeutung Tapperts ist hier zu beachten, wurde dieser doch bereits im Februar 1933 aus seinem Lehramt entlassen und nur auf Druck von Kollegen im Herbst 1933 wieder eingestellt, bevor er dann 1937 endgültig die Akademie verlassen musste.
In der Folge war Döbrich als Kunsterzieher tätig, wurde 1940 zum Kriegsdienst einberufen. 1944 erlitt er eine schwere Verletzung, geriet in russische Gefangenschaft und kehrte im Oktober 1946 nach Münster zurück. Ab 1949 war er dann Kunsterzieher in Rheine und ab 1952 in Münster.
Diese vorliegende Zeichnung entstand 1934 und ist damit in die Berliner Zeit einzuordnen.
Wir sehen hier eine modern gestaltete Deckenlampe, an der ein seltsames, abstoßendes Wesen hängt. – Eine Art Mischwesen zwischen Mensch und Tier. Eine Hand und ein Fuß sind definitiv menschlich, während die Gegenstücke eher an einen Vogel denken lassen, so dass unweigerlich die Harpyie in den Sinn kommt. Der Kopf ist sicherlich menschlich, doch erinnert die Physiognomie auch mehr an Wesen aus Fabeln oder Mythen. – Der große, zahnlose Mund mit der gespaltenen Zunge verweist hierbei wohl auf die Schlange. Und der gesamte Körper dieses Wesens scheint ein kurzes, von Ornamenten geschmücktes, Kleidungsstück zu tragen.
Ein sicherlich unkonventionelles, überaus reizvolles und künstlerisch voll überzeugendes Werk.
… weitere Werke von Oskar Kurt Döbrich …
Am 16. Mai 1893 – vor genau 133 Jahren – wurde Käthe Schmitz-Imhoff in Köln geboren.
Käthe Schmitz-Imhoff
1893 Köln – 1985 ebd.
‚Porträt einer jungen Frau‘
u. r. signiert
Öl / Leinwand
46,5 x 33 cm
€ 780,-
Käthe Schmitz-Imhoff stammt aus einer traditionsreichen Kölner Familie von Dombildhauern. Nach dem Besuch des Ursulinengymnasiums begann sie ein Lehramtsstudium in Düsseldorf (1912-15) und hierauf arbeitete sie als Zeichenlehrerin an der zuvor besuchten Ursulinenschule. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie an der privaten Berliner Malschule von Johannes Walter-Kurau (1920-21) und an der Kunstakademie Düsseldorf (1921-24). Nach dem Studium hielt sie sich in Italien und Südfrankreich auf. Während dieser Zeit hatte sie 1925 ihre erste Ausstellung im Kölner Kunstverein.
Bis 1945 hatte sie einen Lehrauftrag am Sozialpädagogischen Seminar Köln. Nach 1945 lebte Schmitz-Imhoff als freie Malerin in Köln.
Ihr expressiv-realistisches Schaffen besteht vor allem aus wunderbaren figürlichen Kompositionen, Portraits, Landschaften und Stillleben.
… weitere Werke von Käthe Schmitz-Imhoff …
Vor vier Jahren – am 15. Mai 2022 – verstarb der Künstler Werner D. H. Bissinger.
Werner Dieter Hermann Bissinger
1937 Schwäbisch Gmünd – 2022 ebd.
„Jim Knopf und seine Freunde“
u. r. monogr. & dat. (2017)
Öl / Leinwand
60 x 80 cm
Dez. 2017 – Jan. 2018 ausgestellt bei der „Querschnitt“-Jahresausstellung des Gmünder Kunstvereins, Schwäbisch Gmünd.
Zudem mit einer persönlichen Widmung des Künstlers an seine Frau (zu sehen auf dem 2. Bild).
€ 490,-
Werner D. H. Bissinger besuchte das Parler-Gymnasium in Schwäbisch Gmünd. Während der Schulzeit engagierte er sich für das Schultheater und entwarf hierfür die Kulissen. Zugleich wurde ihm gestattet im Keller des früheren Stadtgartengebäudes künstlerisch tätig zu sein. Auf Wunsch der Eltern studierte er dann „etwas Richtiges“ – Metallchemie und Galvanotechnik (Fachschule in Gmünd). Ab 1966 war er für IBM tätig, wenig später wurde er in die USA geschickt. Künstlerisch war er vorerst nicht mehr aktiv.
1980 lernte er seine spätere Frau Christine kennen, die damals Sprachen und Philosophie studierte und durch sie begann er erneut zu malen.
Nach seiner Rückkehr nach Schwäbisch Gmünd war er wieder künstlerisch tätig und engagierte sich im Kulturleben.
Auf Wunsch von Landrat Diethelm Winter übernahm Bissinger die Neugestaltung der Fachschule für Galvanotechnik in Gmünd. Er unterrichtete in der Folge auch dort.
Ab etwa 2007 widmete er sich ganz der Kunst.
Es entstehen vor allem figürliche Kompositionen und Portraits, Landschaften, Stadtansichten, welche sich besonders durch ein knalliges, intensives Kolorit auszeichnen.
Dieses recht späte, farbstarke Gemälde greift Michael Endes wunderbare Geschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer auf eine ganz eigenwillige, schön naiv anmutende Weise auf.
Vor 46 Jahren – am 14. Mai 1980 – verstarb der Künstler Ludwig (Luis) Neu.
Ludwig Neu
1897 Wasserlos – 1980 Buenos Aires
„Kanal in Amsterdam“
u. r. sign. & dat. (1932)
Tusche / Ingrespapier
48 x 62,6 cm
€ 750,-
Das Leben des deutsch-jüdischen Künstlers Ludwig Neu ist voller Tragik, bezeugt aber zugleich auch seine Kraft.
Seine Ausbildung erhielt er an der Zeichenakademie in Hanau, der Kunstgewerbeschule Offenbach und an der Kunstakademie München. Nach seinem Kriegsdienst war er 1920 in Frankfurt am Main tätig und lebte etwas später in Hamburg. Dort heiratete er Ida Boch – obgleich sich seine Eltern gegen die Verbindung mit der evangelischen Postbeamtin stellten. In den 1920/30er Jahren unternahm er viele Studienreisen (Orient, Ägypten, Italien, Holland, Norwegen, Island) und wurde zu dieser Zeit gefördert von Gustav Pauli und Gustav Schiefler. Ab 1933 verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Neus so arg, dass er zum Wohlfahrtsempfänger wurde. 1935 wurde ihm beachtenswerterweise das Ehrenkreuz für Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges verliehen. Und im folgenden Jahr wurde sein Aufnahmeantrag in die Reichskammer abgelehnt – mit gleichzeitiger Untersagung der weiteren Ausübung des Künstlerberufes. Im Privaten malte und verkaufte Neu jedoch weiterhin. Im Mai 1938 emigrierte die Familie nach Buenos Aires und Neu wurde daraufhin ausgebügert. In seiner neuen Heimat ist er anfangs als Fotograf, dann wieder als Maler tätig. Am 4. Sept. 1954 erfolgt die offizielle Wiedereinbürgerung in Hamburg und 1978 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Diese Tuschzeichnung entstand 1932 während einer der vielen frühen Studienreisen. In diesem Fall waren es die Niederlande und Neu hält einen nächtlichen Blick auf einen Kanal in Amsterdam fest.
… weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu …
Am 13. Mai 1973 – vor 53 Jahren – verstarb der herausragende Aquarellist Hans Brasch.
Hans Brasch
1882 Karlsruhe – 1973 Murrhardt
‚Obstblüte (im Remstal?)‘
verso Nachlassstempel, undatiert
Aquarell / Japanpapier
43,8 x 64,2 cm
€ 550,-
Hans Brasch sollte den väterlichen Malerbetrieb übernehmen, stellte sich aber dagegen und besuchte die Karlsruher Akademie. Nach dem Studium unternimmt er eine Reise nach Paris und Genf, wo er mit Ferdinand Hodler zusammenkommt.
Nach seinem Kriegsdienst ist er in Außerurberg bei St. Blasien (Schwarzwald) tätig. Sein damaliges Schaffen ist bestimmt von Goethes Farbenlehre und von Rudof Steiners Anthroposophie, was sich auch deutlich in seiner Kunst widerspiegelt – er wechselte von der Ölmalerei zum Aquarell. Hans Brasch selbst beschreibt diese Phase so:
“Mein Bemühen war es, in allen Erscheinungen die darin verborgenen schöpferischen Kräfte zu finden. Dazu ist die Wasserfarbe das so viel beweglichere reinere Malmaterial, das zur schonungslosen Klarheit zwingt.”
1930 verzog er nach Stuttgart. 1937 werden in Frankfurt a. M. sechs Werke – vier Aquarelle und zwei Gemälde – aus öffentlichem Besitz als “entartet” beschlagnahmt.
Im Dritten Reich ist Brasch mit Werken nur auf zwei Ausstellungen (Karlsruhe und Stuttgart) nachweisbar. Nach 1945 engagierte sich Brasch stark im Stuttgarter Kunstleben.
Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Altersheim in Murrhardt.
In dieser ‘Obstblüte’ sind wir auf einer Anhöhe und blicken in eine weite, hügelige Landschaft, die wohl ins Remstal lokalisiert werden kann. Auf der abfallenden Wiese und Weide stehen Obstbäume in Blütenpracht. Die uns gegenüberliegenden Hügel sind dunkel bewaldet und im Tal meint man einzelne Hausdächer zu erkennen.
… weitere Werke von Hans Brasch …
Ebenso am 13. Mai – vor genau 140 Jahren (1886) – wurde Guido Schreiber (Postinspektor und Künstler!) geboren.
Guido Schreiber
1886 Bad Dürrheim – 1979 Bochum
‚Blick auf Bad Säckingen mit dem Fridolinsmünster‘
u. r. sign. & dat. (1925)
Öl / Karton
38,5 x 48 cm
€ 820,-
Der „malende Postbeamte“ Guido Schreiber war als Künstler zum Großteil Autodidakt. Zwar entstanden bereits in den Jahren ab 1905 erste Zeichnungen, doch wurde die Malerei erst ab 1917 intensiver. In diesem Jahr verzog Schreiber, der berufsbedingt zahlreiche Umzüge hatte, endgültig nach Villingen.
„Dort lernt er den Maler Richard Duschek (1884-1959) kennen […] dem er Wesentliches verdankt und beinahe lebenslang freundschaftlich verbunden bleibt“. In den 1920er Jahren werden Werke Schreibers vermehrt in Ausstellungen gezeigt, von den Schriftleitern der „Badischen Heimat“, Max Wingenroth und später Hermann Eris Busse, wird er gefördert, Zeichnungen von ihm erscheinen als Illustrationen in jener Zeitschrift und auch Bücher mit Bezug zur Heimatregion werden mit seinen Arbeiten geschmückt. Er beginnt sich verstärkt zu etablieren und „[in] den 30er Jahren ist Schreiber an allen wichtigen Ausstellungen der Baaremer Künstler beteiligt, so auch in Donaueschingen 1932 und 1935“ (Hans-Jörg Pott).
Eine sehr schöne Würdigung gibt Andreas Zoller:
„Guido Schreiber ist ein wichtiges Zwischenglied in einer von extremen Positionen bestimmten Kunstregion. Im gewissen Sinne kann man ihm eine Vorreiterrolle zuerkennen, da er in seinen besten Werken mit traumwandlerischer Sicherheit die Gegensätze überwunden hat.“
Neben der Ansicht auf Bad Säckingen, sehen wir hier eine wunderbare expressive Gewitterstimmung (Öl, 1925) und eine farbstarke Straße in Haslach im Kinzigtal (Aquarell, 1928).
… weitere Werke von Guido Schreiber …
Vor 141 Jahren – am 12. Mai 1885 – kam der Schweizer Künstler Jean Lehmann zur Welt. Hier blicken wir auf ein farbstarkes Stillleben.
Jean Lehmann
1885 Dagmersellen (Luzern) – 1969 Zürich
‚ Obststillleben‘
u. l. monogr. & dat. (1931)
Öl / Leinwand
39,3 x 49,2 cm
€ 1.750,-
Auf Wunsch der Eltern machte Jean Lehmann anfangs eine Ausbildung im Hotelfach (1900-05). Parallel dazu besuchte er die Kunstgewerbeschule Luzern. Als Buchhalter in Sardinien verdiente er sich sein weiteres Kunststudium in Venedig (1907-08). Sein Studium in München (ab 1910) verdiente er sich vorab als Museumsdiener. Es war dann wohl auch diese Zeit in der er das erste Mal in Dachau war. Von 1912-22 lebte er in St. Moritz.
Ab diesen Jahren konnte Lehmann seine Werke öffentlich ausstellen und er begann sich zu etablieren.
Zwischen 1922 und 1936 lebte er in Dachau – es entstanden Werke in kräftigen, ungemischten, strahlenden Farben und einem expressiv realistischen Ausdruck. „Es ist seine fruchtbarste Schaffensperiode. Regelmäßig beteiligt er sich an den Ausstellungen der Münchner Secession und der Künstlervereinigung Dachau“ (Horst Heres).
Jean Lehmann malte insbesondere (winterliche) Landschaften, Darstellungen des bäuerlich-dörflichen Lebens und Stillleben.
Dieses Werk malte Lehmann 1931 und es entstand damit in dieser Dachauer Zeit.
Wir sehen ein Obststillleben in erstaunlich warmen, satten Farbtönen. Der Blick geht von oben auf einen dunkelbraunen, schlichten Holztisch. Im Hintergrund eine hellbraune Wand, sowie im rechten Bereich der Ansatz eines rötlichen Tuches oder Vorhangs.
Kompositorisch und farblich ein sowohl ausgewogenes und zugleich auch eigenwillig modernes Stillleben, welches beispielhaft für Jean Lehmanns Dachauer Jahre ist.
Am heutigen 11. Mai wäre die großartige Künstlerin Romane Holderried Kaesdorf 104 Jahre alt geworden.
Romane Holderried Kaesdorf
1922 Biberach/Riß – 2007 ebd.
„Lilien- und Normalzeitung“
16 S., geheftet (41,5 x 29 cm)
erschienen in der Edition Klaus und Dagmar Dieterich (Stuttgart)
Auflage: 1.000 Exemplare, davon die Ex. 1-250 von der Künstlerin signiert, sowie mit Stempel nummeriert, dieses Exemplar trägt die Nummer „177“
€ 140,-
Romane Holderried Kaesdorf zählt zu den ganz großen, eigenwilligen Künstlerinnen – und vor allem Zeichnerinnen! – des deutschen Südwestens.
Diese seltene und kuriose Publikation der „Lilien- und Normalzeitung“ stammt aus der frühen Schaffensphase der Künstlerin. „Die künstlerische Anerkennung setzte erst mit den ab 1970 entstandenen zeichnerischen Werken ein. Unter diesen Umständen mag es für die Künstlerin schwer gewesen sein, den davor entstandenen Bildern mit dauerhafter Wertschätzung zu begegnen. Dennoch ist es angebracht, die vor 1970 entstandenen Arbeiten als eigenständigen Werkkomplex zu betrachten […]“ (Uwe Degreif (2007): Ungeliebte Bilder? Zu den Werken 1946-1967, in: Degreif, Uwe / Froitzheim, Eva-Marina (Hrsg.): Romane Holderried Kaesdorf; Stuttgart: Josef Fink; S. 8-12 [hier: S. 12]).
Diese „Lilien- und Normalzeitung“ ist an das Ende dieses beschriebenen Umbruchs einzuordnen und es zeigen sich in den Illustrationen bereits jene zeichnerischen absurd skurrilen Elemente, welche im Späteren als signifikant für Holderried Kaesdorf gelten dürfen.
Zuletzt gab es im Kunstmuseum Stuttgart bis Mitte April 2026 eine umfassende Ausstellung zu ihr.
Vor genau 134 Jahren – am 10. Mai 1892 – kam der eigenwillige Künstler Albert Schneller in Jechtingen zur Welt.
Albert Schneller
1892 Jechtingen – 1970 Grünwettersbach
‚nächtliche Kriegsszene‘
u. r. signiert & datiert (1939)
Öl / Platte
80,2 x 100,6 cm
€ 2.600,-
Nach einer handwerklichen Malerlehre besuchte Albert Schneller die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe (1913-15), sowie – nach Kriegsdienst – die dortige Kunstakademie (1919-25).
Er zog nach Grünwettersbach und war dort als Künstler tätig. Es entstanden vor allem expressive Dorfansichten, Landschaften, figürliche Kompositionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und Gefangenschaft kehrte er nach Grünwettersbach zurück. Künstlerisch fand er zu einem neuen Ausdruck und zu einer stärker abstrahierten Figurenmalerei. Er konnte sich wieder an Ausstellungen in u. a. Karlsruhe beteiligen.
Dieses großformatige Gemälde Albert Schnellers datiert auf 1939 – das Jahr des Kriegsausbruches und zugleich eine Zeit in der sich Kunst- und Kulturpolitik im Dritten Reich immer restriktiver gegenüber modernen Tendenzen zeigte.
Schneller zeigt hier eine Soldatenszene, die so gar nichts mit der Heroisierung der Armee gemein hat. Es ist dunkle Nacht, links ein Sichelmond und von rechts nahen dunkle Gewitter-, besser: Kriegswolken. Im Vordergrund rennt ein Soldat über die Bildfläche. Im linken Arm hält er einen Brief bzw. einen Zettel, was ihn zweifelsohne als Meldegänger ausweist. Hinter ihm liegt ein Soldat am Boden. Das kühle Blau-Schwarz und das fahle Gesicht zeigen bereits dessen Tod an; weitere Geschosse schlagen in unmittelbarer Nähe ein.
Im Schaffen des Künstlers wie auch mit Bezug auf das damalige Kunstschaffen im Allgemeinen sicherlich ein im besten Sinne: besonderes Gemälde.
… weitere Werke von Albert Schneller …
Am 9. Mai 1998 – vor 28 Jahren – verstarb der Künstler Hans-Joachim Stenzel.
Hans-Joachim Stenzel
1926 Neusalz/Oder – 1998 Weiden
‚Blick aus dem Fenster‘
u. r. signiert & datiert (1954)
Gouache auf Karton
22,3 x 46,8 cm
€ 750,-
Obgleich sich das künstlerische Talent von Hans-Joachim Stenzel schon früh zeigte, musste er doch anfangs eine Lehre in der Stadtverwaltung von Neusalz (Niederschlesien) beginnen. Diese brach er jedoch nach kurzer Zeit ab und wurde an der Meisterschule für Kunst und Handwerk in Breslau angenommen. Bereits nach dem ersten Semester war er Meisterschüler von Albert Helm und schloss 1944 sein Studium mit Auszeichnung ab.
1945 floh er mit der Familie aus Schlesien und gelangte nach Dresden, wo er die schweren Bombardierungen miterlebte. Im März kam er nach Oberfranken und bezog ein Atelier im Schloß Thurn (Kreis Forchheim), wo er bis 1949 blieb. Hierauf war er anfangs in Erlangen, bevor er ab 1952 als Chefdekorateur in Nürnberg arbeitete.
Der hier vorliegende Blick aus einem (Atelier-)Fenster entstand im März 1954 und ist der frühen Schaffenszeit zuzuordnen. Die Ausschnitte eines Fensterrahmens bilden im Vordergrund die Grundstruktur hinter der sich dann die Landschaft im Licht der Sonne zeigt. Der helle, goldene Glanz der Wolken lässt dabei mehr an einen Morgen als an einen Abend denken, was vielleicht auch die Aufbruchstimmung des jungen, nicht einmal 30 Jahre alten Künstlers wiedergeben mag.
Vor 127 Jahren – am 8. Mai 1899 – wurde der französische Künstler Roger Guit geboren.
Roger Guit
1899 Pessac-sur-Dordogne (Gironde) – 1978 Labruyère
‚elegant in Schwarz gekleidete Menschengruppe (Theaterbesucher)‘
u. r. signiert & undatiert [um 1920-30]
Tusche & Aquarell auf festerem Velinpapier
35,5 x 47,8 cm
€ 750,-
Roger Guit ist vor allem als Landschaftsmaler, sowie als Maler der Pariser Theater- und Zirkuswelt bekannt.
Guit war Schüler von Léon Bonnat (1833-1922) und Eugène Carrière (1849-1906). Er fand schnell zu seinen bevorzugten Themen. In Paris lebte er in der rue Custine 49.
Er malte Porträts von u. a. dem Künstler Edmond Heuzé, dem Schauspieler Charles Trenet, den Clowns Albert Fratellini und Auguste Boulicot, dem Schriftsteller Tristan Rémy, den Komponisten Arthur Honegger und Marcel Delannoy.
Diese hier vorliegende Zeichnung wird in die Jahre um 1920-30 einzuordnen sein.
Roger Guit zeigt eine Gruppe aus vier schwarz gekleideten, eleganten Personen – drei Frauen und ein rauchender Herr. Etwas verdeckt rechts hinten zeigen sich die hellvioletten Umrisse einer weiteren weiblichen Person, die aber im Gegensatz zu dem übrigen Quartett deutlich im Hintegrund bleibt.
Die vier Personen wirken ernst, ja beinahe: mürrisch, als seien sie nur schwer zufrieden zu stellen. Dass sie dazu noch nicht eng beieinander sitzen verstärkt diese Stimmung der Nicht-Kommunikation.
Ganz markant und überaus gelungen ist die an Picasso erinnernde Reduktion der Gesichter der beiden Damen, bei denen Guit die Augen in einem Zug zeichnete.
Vielleicht handelt es sich bei dieser sehr modernen Arbeit um die Vorlage für eine geplante Illustration.
Am 7. Mai 1987 – vor genau 39 Jahren – ist die Künstlerin Else Meidner in London verstorben.
Else Meidner, geb. Meyer
1901 Berlin – 1987 London
‚Betende‘
u. r. monogrammiert & datiert (1950)
Kohle auf Velinpapier
67,1 x 54,6 cm
€ 1.700,-
Else Meidner war anfangs die Schülerin und im Späteren die Ehefrau Ludwig Meidners. Ab Ende der 1920er Jahre etablierte sie sich als Künstlerin und trat aus dem Schatten ihres Manns. Ihre Porträtradierung Alfred Döblins erhält 1928 eine Auszeichnung und 1932 hat sie eine Einzelausstellung bei den Berliner “Juryfreien”.
Diese positive Entwicklung wird 1933 jäh beendet. Zusammen mit dem Sohn David (*1929) lebt das Paar vorerst in Köln, da Ludwig hier eine Anstellung als Zeichenlehrer an der jüdischen Schule Jawne fand. Schließlich im August 1939 emigrieren sie nach England. Die Familie lebt in Armut, während sich die Ehepartner immer fremder werden.
Diese Existenznöte halten auch nach 1945 an und selbst eine Einzelausstellung beider Künstler in der renommierten Ben Uri Gallery (London) kann daran nichts ändern. 1953 kehrt Ludwig Meidner schließlich nach Deutschland zurück, während Else Meidner in London bleibt und 1954 die britische Staatsangehörigkeit annimmt.
Die vorliegende, großformatige Zeichnung entstand in dieser Londoner Zeit. Das Paar lebte noch zusammen, doch waren sie emotional schon voneinander getrennt.
In festen, schnellen und dichten Strichen entsteht das Bildnis einer ins Gebet vertieften Frau, bei der man an eine Arbeiterin denken mag. Die Existenznöte und -ängste werden auch diese, ebenso wie die Künstlerin, umgetrieben und geplagt haben.
Vor 56 Jahren – am 6. Mai 1970 – starb der Künstler Karl Stachelscheid.
Karl Stachelscheid
1907 Duisburg – 1970 Düsseldorf
‚Stillleben mit Krug, Büchern und Pfeife auf einem Tisch‘
unsigniert, undatiert [um 1930-40]
Kreide (schwarz, braun) auf gräulichem Ingrespapier
60,8 x 47 cm
€ 230,-
Die Eltern des Künstlers, Albert und Maria Stachelscheid, betrieben eine Fabrikation für Kisten und Verpackungsmaterial in Düsseldorf. Karl Stachelscheid besucht die Volksschule (1923-28) und die Mittelschule Clarenbach (1928-31). 1931 beginnt er auf Wunsch der Eltern er eine Maler- und Anstreicherlehre, wendet sich dann aber doch der Kunst zu und besucht zwischen 1934-39 die freie Kunstschule für Malerei und Graphik von Hans Carp in Düsseldorf (nach Carps Tod führt Jo Strahn die Schule weiter). Im Anschluss daran geht er bis 1943 an die Kunstakademie Düsseldorf und ist zuletzt Meisterschüler bei Julius Paul Junghanns. In den folgenden Jahren unternimmt der Künstler mit seiner ersten Frau mehrere Reisen und wohnt zeitweise in Tirol. Ab 1957 lebt er dann mit seiner zweiten Frau in Krefeld und die letzten Jahre verbringt er in Düsseldorf. Am 4. Mai 1970 erleidet Karl Stachelscheid einen Schädelbasisbruch in Folge eines Treppensturzes, an dem er schließlich im Theresienhospital in Düsseldorf verstirbt.
Stachelscheid schuf vornehmlich Landschaften, Stadtansicht, Stillleben und figürliche Kompositionen in spätimpressionistischer Ausführung, etwa nach 1950 wandte er sich zudem abstrakten, informellen Werken zu.
Diese flott und sicher gezeichnete Aktstudie wird noch in die frühen Jahre um 1930-40 einzuordnen sein. Und daneben zur Ergänzung noch eine weitere Aktstudie im Querformat aus derselben Schaffenszeit.
… weitere Werke von Karl Stachelscheid …
Vor 55 Jahren – am 5. Mai 1971 – starb der Düsseldorfer Künstler Albert Henrich.
Albert Henrich
1899 Düsseldorf – 1971 ebd.
‚Stillleben mit Krug, Büchern und Pfeife auf einem Tisch‘
r. o. signiert, undatiert
Öl / Leinwand
40,5 x 50 cm
€ 1.150,-
Albert Henrich erhielt seine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf (1913-19) – unterbrochen von zwischenzeitlichem Kriegsdienst. Anfänglich hatte er eine neusachliche Ausrichtung, wandte sich aber dann mehr einem (expressiven) Realismus zu. 1931 wurde ihm der Dürer-Preis der Stadt Nürnberg zugesprochen und 1942 erhielt er den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. Studienreisen führten ihn nach u.a. Nordafrika, Italien, Spanien, Südfrankreich.
Albert Henrich war vor allem im Rheinland auf zahlreichen Ausstellungen vertreten. Motivisch blieb er im klassischen Kanon und es entstanden vor allem Stillleben, Landschaften und Portraits.
Dieses Stillleben ist eine ganz typische, beispielhafte Komposition von ihm.
Vor 117 Jahren (4. Mai 1909) wurde die Hamburger Künstlerin Charlotte Hilmer geboren.
Charlotte Hilmer
1909 Hamburg – 1958 ebd.
‚sitzende, junge Frau‘
u. l. signiert, undatiert [um 1939-45]
Öl auf Leinwand, doubliert
60,5 x 50 cm
€ 2.600,-
Charlotte Hilmer, geb. Wegel, war seit 1939 Ehefrau des Künstlers Arnold Hilmer (1908-1993), doch trat sie zeitlebens auch selbst als Künstlerin auf.
Gemeinsam begannen Beide ihr Kunststudium 1928-29 an der Landeskunstschule Hamburg. Hierauf gingen sie für ein Jahr an die Königsberger Kunstakademie sowie darauf bis 1933 an die Stuttgarter Akademie.
In den frühen 1930er Jahren teilten sie sich eine Hamburg Atelierwohnung in der Langen Reihe mit u. a. Ernst Witt. Nach der Heirat 1939 zog das Paar in die Alsterchaussee 11.
1939 hatte sie mit ihrem Mann eine Atelierausstellung, ist 1941 auf einer Schau des Hamburger Kunstvereins vertreten, beteiligte sich 1943 an der Ausstellung „Zwölf Hamburger Künstlerinnen“, trat dann aber wohl nicht weiter mit ihrem damaligen Schaffen an die Öffentlichkeit.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie sich etablieren und fand zu einem eigenen expressiv realistischen Ausdruck.
Die Künstlerin verstarb mit nicht einmal 50 Jahren durch Freitod.
Dieses Gemälde ist in die eher frühe Schaffensphase der Künstlerin einzuordnen und wird in den ersten Jahren nach der Heirat (1939) entstanden sein. In vornehmlich breiten Pinselstrichen und einem mitunter leicht pastosen Farbauftrag entsteht ein ganz eigentümliches, herbes, aber auch gefühlvolles Bildnis. Während das junge Alter und das helle Kleid eher eine Zartheit vermuten lassen, so sieht Charlotte Hilmer hier vielmehr Ernst und Persönlichkeit.
… weitere Werke von Charlotte Hilmer …
Am 3. Mai 1945 – vor 81 Jahren – wurde Sabine Ebel in Oldenburg geboren.
Sabine Ebel
1945 Oldenburg – 2015 ebd.
‚Schriftgebilde‘
r. u. signiert, undatiert [um 1967-70]
Tusche / Karton
24 x 18 cm
€ 340,-
Das Schaffen der Malerin, Zeichnerin, Grafikerin und Schriftkünstlerin Sabine Ebel blieb lange Zeit unentdeckt und wurde erst kürzlich einer genaueren Betrachtung unterzogen.
Sie war Tochter des Buchhändlers und Antiquars Rudolf Ebel (1907-1994) und dessen Ehefrau Annelies Ebel (1910-1975). Nach ihrem Abitur an der Oldenburger Cäcilienschule (1966) besuchte sie die Kunsthochschule Kassel (bei Ernst Röttger). Im Späteren war sie v. a. im Oldenburger Elternhaus in der Hochhauser Straße 5 ansässig.
Es gibt bislang keinen Hinweis darauf, dass Sabine Ebel mit ihrem Schaffen jemals an die Öffentlichkeit trat – eine tatsächliche (Wieder-)Entdeckung!
Neben kalligrafischen Arbeiten, in denen Ebel u. a. Gedichte von Walter Helmut Fritz und Agnes Miegel eigenwillig umsetzte, entstanden vor allem Werke, die die Verbindung zwischen Bild und Buch bzw. Zeichnung und Schrift suchen.
Ebel bewegt sich damit in einer Tradition von Paul Klees „Schriftbildern“, Cy Twomblys „scribbles“ oder auch Arbeiten Anselm Kiefers. Mit ihrer schriftkünstlerischen Ausbildung findet sie dabei einen eigenen Weg, bei dem oftmals das Schriftbild erhalten bleibt, ohne aber irgendeine sinnvolle Lesbarkeit zu vermitteln, so dass organische Abstraktionen zu entstehen scheinen. Für Ebel dürfte das gelten was Else Lasker-Schüler 1910 in einem Aufsatz im „Sturm“-Heft schrieb: „Die Schrift ist ein Bild für sich und hat nichts mit dem Inhalt zu tun.“
Dieses Schriftgebilde ist ein wunderbares Beispiel für ihren eigenwilligen Ansatz. Wie eine organische Struktur, oder gar wie eine Landschaft, wirken diese aneinandergereihten Buchstaben.
… weitere Werke von Sabine Ebel …
Vor genau 134 Jahren (1. Mai 1892) wurde die – heute sehr in Vergessenheit geratene – Zeichnerin und Grafikerin Marianne Keil geboren.
Marianne Keil
1892 Markranstädt – 1977
‚Bildnis eines sitzenden Mannes‘
rechts unten signiert & datiert (1942)
Bleistift auf Zeichenpapier
33,2 x 22,1 cm
€ 330,-
Über Leben und Werk der Zeichnerin und Grafikerin Marianne Keil ist wenig bekannt. Nach dem Besuch der höheren Bürgerschule studierte sie zuerst zwei Semester an der Dresdner Kunstgewerbeschule und hierauf nochmals zwei Semester an der Akademie in Leipzig. Anfang 1920 richtete sie ein Aufnahmegesuch an das Bauhaus in Weimar. Die Bauhausleitung beschloss sie „zunächst ein Probejahr als Studierende des Staatlichen Bauhauses aufzunehmen“. Marianne Keil trat den Studienplatz am Bauhaus jedoch nicht an, da sie „den Plan, das Bauhaus zu besuchen aufgegeben habe“, wie sie ohne weitere Begründung schrieb. Anzunehmen ist, dass sie stattdessen abermals an die Leipziger Akademie ging, da sie dort nachweislich 1927 eine Prämie der Holstein-Stiftung erhielt. In den Folgejahren wird sie vornehmlich in Leipzig ansässig und tätig gewesen sein, worauf Beteiligungen der Künstlerin an den „Jahresschauen Leipziger Künstler“ schließen lassen.
Und auch nach 1945 war sie weiterhin dort ansässig und beschickte u.a. die „Erste Leipziger Grafikschau“ (1947), die „Leipziger Kunstausstellung“ (1948), sowie Ausstellungen in Mittweida und Wurzen.
Die vorliegende Zeichnung datiert auf 1942 und zeigt ein starkes, erstaunlich expressiv realistisches Bildnis eines sitzenden Mannes.
Gelegenheiten < 100€ Preis 100€ - 500€ Preis 500€ - 1.000€ Preis 1.000€ - 2.000€ Preis über 2.000€






























