|| T Ä G L I C H E D O S I S K U N S T I M J U N I 2 0 2 6 ||
Vor 57 Jahren – am 5. Juni 1969 – starb Paul Segieth in Hundham (Samerberg).
Paul Segieth
1884 Königshütte [Chorzów] – 1969 Hundham, Samerberg
‚Portrait der Elisabeth Knauff mit Laute‘
u. r. sign. & dat. (1919)
Öl / Leinwand
40 x 28 cm
Das Werk stammt aus dem Besitz der Eltern der Portraitierten, Ferdinand und Adele Knauff, ab 1902 Pächter auf Schloss Monsheim (Lkr. Alzey-Worms).
€ 2.200,-
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis etwa 1923 erhielt der aus Oberschlesien stammende Paul Segieth mehrere Malaufträge von Großindustriellen und Gutsbesitzern, die ihn in das rheinische Gebiet führten. Zu seinen damaligen Auftraggebern gehörten beispielsweise die Familie von Opel und, wie im Fall des vorliegenden Gemäldepaars, die Familie Knauff.
Von 1869 bis 1902 saß Friedrich Wilhelm Terstegen als Pächter auf Schloss Monsheim im Landkreis Alzey-Worms. Ferdinand Knauff heiratete dessen Tochter Adele und übernahm 1902 die Pacht. Der Ehe entstammten die Kinder Walter und Elisabeth.
Elisabeth Knauff (gest. 1961) war eine passionierte Reiterin. Segieth zeigt sie hier gänzlich ohne Reitutensilien, dafür aber mit Laute samt wunderschön farbiger Bänder.
„Erst 1935 ist es Elisabeth Knauff, die als erste Frau in Deutschland ihre staatliche Prüfung als Reitlehrerin ablegt. Bereits 1933 versucht die engagierte Pferdefrau diese Prüfung abzulegen, erhält aber prompt vom Ministerium in Berlin eine Absage, in der ihr mitgeteilt wird, dass Frauen bis dahin das Ablegen der Prüfung nicht gestattet worden sei. Kurz darauf, 1934, gründet Elisabeth Knauff auf dem elterlichen Pachtbetrieb die erste und einzige Damenreitschule auf Schloß Monsheim bei Worms“ (Dietbert Arnold, 2013)
… weitere Werke von Paul Segieth …
Vor 126 Jahren – am 4. Juni 1900 – kam Eberhard von Kleydorff zur Welt.
Eberhard von Kleydorff
1900 Rödelheim – 1987 Münsing
„Brausebad im Gefängnis“
u. r. signiert & dat. (1929)
Kaltnadelradierung / Velinpapier
17,4 x 14,5 cm (Druck)
€ 680,-
Eberhard v. Kleydorff war der Sohn von Ludwig von Kleydorff (1869 Walluf – 1918 Berlin) und dessen Ehefrau Erna Maria Martha, geb. Kühls (1878-1963). Der Großvater war der General Emil Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1824 Darmstadt – 1878 Egern am Tegernsee). Der bekannte Opernsänger Emil von Kleydorff (1874 Walluf – 1949 Gmund am Tegernsee, Künstlername: Franz Egenieff) war ein Onkel.
Im Ersten Weltkrieg diente Eberhard v. Kleydorff bei der Marine. Danach beginnt er ein Architekturstudium in München, wechselt aber bald zur Kunst und studiert in Düsseldorf und Weimar.
1923 heiratete er Angelica Heye (1899-1958), die Tochter des italienischen Generalkonsuls Otto Heye (Düsseldorf).
Spätestens 1932 lebte er auf Schlossgut Oberambach in Münsing am Starnberger See. Das Schlossgut etabierte Kleydorff zum kulturellen Treffpunkt von Künstlern und Literaten.
Künstlerische Werke Eberhard v. Kleydorffs sind nur überaus spärlich dokumentiert und es ist unsicher, ob er im Späteren, das heißt vor allem nach 1945 überhaupt noch künstlerisch tätig war.
Diese Radierung ist auch deswegen von Relevanz, da bisher keine weiteren Druckgrafiken Eberhard v. Kleydorffs nachzuweisen waren.
Das Thema des Gefängnisses war gerade im frühen 20. Jahrhundert ein durchaus bekanntes Motiv. Man kann hierbei neben anderen Werken bspw. denken an Arbeiten von Käthe Kollwitz, den Holzschnitt „Gefangene“ (1906) von Emil Nolde oder den Holzschnitt „Der Gefangene“ (1918) von Christian Rohlfs.
Ob Kleydorff hier eine vielleicht literarische Vorlage hatte ist unklar.
…und noch ein Geburtstag jährt sich heute – vor genau 85 Jahren (4. Juni 1941) wurde Jörg Shimon Schuldhess in Basel geboren.
Jörg Shimon Schuldhess
1941 Basel – 1992 ebd.
„Mon Passeport“
o. r. signiert & datiert (11.4.1970)
Bleistift & Farbstifte / Zeichenkarton („Schoellers Parole“)
63,5 x 76,4 cm
€ 2.300,-
Jörg Shimon Schuldhess ist sicherlich eine der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dessen Schaffen es immer noch zu entdecken gilt.
Jörg Schulthess (damals schrieb er sich noch mit einem „t“) musste auf Wunsch der Eltern anfangs eine kaufmännische Lehre absolvieren. Im Anschluss daran nahm er bei Max Kämpf Malunterricht. 1963 hatte er seine erste Einzelausstellung und war fortan als freischaffender Künstler tätig. In den späten 1960er Jahren unternahm er viele Reisen – Afrika, Indien und vor allem Israel, daneben auch Japan, Australien.
Er setzte sich intensiv mit der Art Brut auseinander und eine tiefe Freundschaft verband ihn mit Jean Dubuffet.
Diese große Zeichnung entstand im April 1970. Der Betrachter weiß anfangs nicht wohin er in diesem dichten, von Symbolen und Zeichen aufgeladenen Motiv blicken soll. Und in diesem ganzen Dickicht findet sich mittig ein Text, in dem der Künstler versucht seine Intention darzustellen:
„Dass ist der Pass. Dass der Riss nicht mehr da ist, die Wunde nicht mehr offen, dass man nicht mehr nach drinnen sieht, das ist nicht die Sensation; – es ist, weil ich den Weg gefunden habe, um mitzulügen, zuzumachen, die Hintergründe zu verdecken. […]“
… weitere Werke von Jörg Shimon Schuldhess …
Am 3. Juni 1978 – vor genau 48 Jahren – verstarb der wunderbare Künstler Ernst Weiers.
Ernst Weiers
1909 Oespel – 1978 Bernried
„Nächtlicher Wald“
mittig unten & verso monogr. & dat. (1954)
Hinterglasbild
37 x 42 cm
Das Werk war im Nov. 1954 Teil der Ausstellung „Ernst Weiers / Hans Breustedt“ in der Galerie Günther Franke in München.
€ 1.600,-
Ernst Weiers war Maler, Zeichner, Grafiker, aber vor allem auch Glaskünstler.
Anfangs stark beeinflusst von Chrstian Rohlfs und Jan Thorn Prikker, wobei er bei Letzterem auch kurz in die Lehre ging. Er besuchte die Kunstakademie Düsseldorf (1929-33) – zuletzt als Meisterschüler Paul Klees. Wie Klee emigrierte er 1933 in die Schweiz, wurde von dort aber 1935, obgleich Eduard von der Heydt eine Bürgschaft abgab, nach Deutschland ausgewiesen. Er heiratete 1936 die Schauspielerin Grete Lange-Kosak und 1937 kam der Sohn Michael zur Welt. Spätestens jetzt wurden mögliche Emigrationspläne gänzlich aufgegeben. In demselben Jahr wurde der Holzschnitt „Betender“ von Weiers in Duisburg als „entartet“ beschlagnahmt. Er zog sich zurück und wurde schließlich zum Kriegsdienst eingezogen. 1945 geriet er in russische Gefangenschaft und kehrte erst zum Jahreswechsel 1948/49 wieder zurück.
Dieses Werk ist in die Phase des Neuanfangs einzuordnen.
Motivisch ist es vor allem die ihn umgebende Natur mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt, die ihn fasziniert.
„Der Maler Ernst Weiers spürt das Unholde der Natur. Ihr Dunkles ist ihm gefährlich lockendes Geheimnis. Gleich einem Waldläufer denkt man ihn sich im Dickicht, mit jägerhafter Lust ihrem unendlichen Weben lauschend“ (Hans Konrad Röthel).
… weitere Werke von Ernst Weiers …
Am 2. Juni 1851 – vor genau 175 Jahren – verstarb Georg Otto Forster in Sausenheim.
Georg Otto Forster
1791 Sausenheim – 1851 ebd.
Portrait der „Frau Hagen / Mutter von Frau Elisab.[eth] Burbach“
mittig rechts signiert & datiert (1847)
Öl / Leinwand
45 x 36 cm
€ 1.200,-
Biografisch ist über Georg Otto Forster wenig bekannt. Er war der Großneffe der Malerbrüder Johann (1768-1840) und Johann Adam Schlesinger (1759-1829), die auch zugleich eine große Inspiration darstellten und einen deutlichen Einfluss auf das malerische Schaffen Forsters hatten.
Neben einigen Stillleben sind von Georg Otto Forster insbesondere Bildnisse bekannt, wobei Forster dabei wohl vor allem Personen aus seiner näheren Heimat darstellte. Der Lebens- und Wirkungsort Forster war der kleine Ort Sausenheim, der heute eine Stadtteil von Grünstadt im Landkreis Bad Dürkheim ist.
Der gleichnamige Sohn des Künstlers, Georg(e) Forster (1817-1896), ist weitaus bekannter als sein Vater. Er wanderte 1865 in die USA aus, begann sich dort als Künstler und dabei vor allem als Stilllebenmaler zu etablieren und ist als solcher auch heute noch bekannt.
Den rückseitigen Beschriftungen folgend handelt es sich bei der hier Dargestellten um eine “Frau Hagen”. Diese war die Mutter von Frau Elisabeth Burbach, geb. Hagen, welche wiederum die Mutter von Johanna Burbach war. Johanna Burbach war die Mutter von Ferdinand Knauff, der zusammen mit seiner Frau Adele, geb. Terstegen, ab 1902 Pächter auf Schloss Monsheim im Landkreis Alzey-Worms war.
Kurzum: Die Dargestellte ist demnach die Urgroßmutter von Ferdinand Knauff.
Am 10. Mai dieses Jahres war der 134. Geburtstag von Albert Schneller – und heute jährt sich der Todestag dieses eigenwilligen Künstlers (1. Juni 1970) zum 56. Male.
Albert Schneller
1892 Jechtingen – 1970 Grünwettersbach
„Kindermord“
u. l. signiert & datiert (1950)
Öl / Platte
81 x 107,5 cm
€ 2.300,-
Nach einer handwerklichen Malerlehre besuchte Albert Schneller die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe (1913-15), sowie – nach Kriegsdienst – die dortige Kunstakademie (1919-25).
Er zog nach Grünwettersbach und war dort als Künstler tätig. Es entstanden vor allem expressive Dorfansichten, Landschaften, figürliche Kompositionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und Gefangenschaft kehrte er nach Grünwettersbach zurück. Künstlerisch fand er zu einem neuen Ausdruck und zu einer stärker abstrahierten Figurenmalerei. Er konnte sich wieder an Ausstellungen in u. a. Karlsruhe beteiligen.
Dieses großformatige Gemälde Albert Schnellers datiert auf 1950 und entstand damit in der frühen Nachkriegszeit, in der sich Schneller einer stärker abstrahierten Darstellungsweise zuwandte, ohne aber das Gegenständliche zu verlassen. Dass er dabei auch immer wieder religiöse Themen bearbeitete, zeigt dieses Werk beispielhaft, greift er hier doch das berühmte Thema des “Kindermords” auf eine überaus eigenwillige Weise auf. Der schnelle, breite Strich mag an Skizzen erinnert, doch ist es ohne Zweifel eine ausformulierte, große Komposition.
… weitere Werke von Albert Schneller …
Gelegenheiten < 100€ Preis 100€ - 500€ Preis 500€ - 1.000€ Preis 1.000€ - 2.000€ Preis über 2.000€





