B E R N H A R D   B R Ö K E R

 

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Drei Feldarbeiterinnen im Abendlicht (1923)

Öl auf dünner Leinwand (verso vom Künstler in Rotbraun grundiert), Keilrahmen, gerahmt
u.r. datiert „1923“
u.r. signiert „BBröker-Münster“
nicht betitelt, Drei Feldarbeiterinnen im Abendlicht

€ 5.400,-

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Größe
86,5 x 106,8cm (mit Rahmen) bzw. 69,5 x 89cm (ohne Rahmen)

Zustand
Leinwand in den Eckbereichen (o.l., u.r. und u.r.) mit leichten Faltspuren (in der Ecke o.l. ein wenig stärker und in diesem Bereich minimalste Verluste der Farbschicht); partiell sehr leicht fleckig; im linken Bildbereich mittig (bei der linken Frau etwa am oberen Rand des grünen Arbeitskleides) kleiner, retuschierter und verso klein hinterlegter Leinwandschaden; verso an der Leinwand im rechten Bereich hat sich die rotbraune Grundierfarbe etwas abgelöst

 

 

„Bröker hat im Laufe seines Schaffens mehrere Stilphasen durchlaufen. Das früheste von Bröker bisher bekannte Bild, Inneres einer süddeutschen Kirche aus dem Jahr 1906 (Nationalgalerie Berlin, Inv. Nr. 31 286), steht unter dem Einfluß des Impressionismus. Das Gemälde Altstadt Kassel von 1920 trägt expressionistische Züge. […] Wenig später, um 1923, ist diese spätexpressionistische Phase bei Bröker vorbei, seine Bilder zeigen eine Stilwende zur Neuen Sachlichkeit. Leider sind aus den 1920er Jahren Gemälde von Bröker nur als Schwarzweißabbildungen bekannt.“[1]

Das vorliegende, farbstarke Gemälde datiert auf 1923 und ist damit explizit in diese beschriebene, verhältnismäßig frühe Schaffensphase einzuordnen.

Drei Arbeiterinnen kommen gerade von ihrem Tagwerk auf dem Feld zurück. Auf dem Rücken trägt jede ein schweres Bündel. Deutlich zeigt sich am Kolorit das es Abend wird. – Über der Landschaft und den Menschen liegt ein rötlicher Schimmer der untergehenden Sonne. Die linke Arbeiterin scheint noch ein Gespräch anknüpfen zu wollen, hat ihren linken Arm in die Seite gestemmt und sich ihrer Gefährtin zugewandt. Doch die neben ihr Schreitende wirkt schon ganz müde, hält den Kopf gebeugt und die Hände sind zur Unterstützung in die Riemen des umgehängten Bündels gesteckt.

Die Darstellung zeigt in ihrer Konturensprache deutliche Ähnlichkeiten zu dem drei Jahre älteren, oben angesprochenen Werk „Altstadt in Kassel“. Auch bei diesen Arbeiterinnen spielt die Perspektive eine wichtige Rolle. Die Felder der Landschaft reichen weit in das Bild hinein und am rechten Rand wird der Himmel gar von einem Hügel verdeckt. Unterstützt wird diese Ansicht durch den eher tief liegenden Betrachterstandpunkt. Neben diesen expressiv-realistischen Zügen, lassen sich auch neusachliche Einflüsse, und damit Vorgriffe auf das spätere Schaffen, erkennen, wobei besonders der Krug links unten, sowie das Gesicht der rechten Arbeiterin zu nennen sind. Gerade dieses beinahe schon madonnenhafte Gesicht zeichnet sich durch eine Feinheit der Ausführung aus, welche noch dadurch unterstrichen wird, dass diese Arbeiterin eher dem Betrachter als ihren beiden Gefährtinnen zugeneigt scheint.

Eine wunderschöne Komposition Bernhard Brökers, die nicht zuletzt durch die verhältnismäßig frühe Datierung einen besonderen Reiz erhält.

[1] Rita Kauder Steiniger zum Gemälde „Altstadt in Kassel“ von Bröker, in: Westfälisches Museumsamt Münster (Hrsg.) (1999): Avantgarden in Westfalen? Die Moderne in der Provinz 1902-1933; Münster: Ardey; S. 214.

 

 

Zu Bernhard Bröker (22.12.1883 Münster – 04.02.1969 ebd.):
Maler, Zeichner, Illustrator; anfangs Ausbildung als handwerklicher Maler und danach übte er bis zum 20. Lebensjahr diesen Beruf aus; ab 1903 Besuch der Kunstakademie Berlin (bei Fritz Grotemeyer), sowie an der Hochschule für bildende Künste in Berlin; es folgten Studienreisen nach u.a. Italien, Spanien und Skandinavien; später in Dresden ansässig und tätig; 1913-43, sowie 1948-55 Leiter der Fachklasse für Freihandzeichnen an der Werkkunstschule in Münster; 1933 wurde nach Plänen des Architekten Bernhard Tönnies (Münster, ebenso „Schanze“-Mitglied) das modern angelegte, kubische Wohn- und Atelierhaus von Bröker errichtet (Maximilianstraße 7b); später war Bröker freischaffender Maler und Grafiker in Münster
Anfangs waren Brökers Arbeiten vom Impressionismus geprägt. Wohl nach dem Ersten Weltkrieg erhält sein Werk kurzzeitig einen mehr expressionistischen Einfluss, bevor er zu einem neusachlichen Ausdruck findet.

Illustrationen: 1924 gestaltete er die Umschlagzeichnung für den Band „Mein Heimatland. Westfälisches Lesebuch für das dritte und vierte Schuljahr.“ (hrsg. V. Katholischen Lehrerverband, Dortmund: Crüwell); 1925 Illustrationen für den Band „De Vuegelfrauen-Versammlung“ (Warendorf: Schnell) von Karl Wagenfeld; 1926 Illustrationen für den Band „Die Wiedertäuferstadt“ (Münster: Aschendorff) von Rudolf Predeek; 1927 Illustrationen für den Band „Bauern und Heide“ (Münster: Aschendorff) von Ludwig Klug; 1931 erschien der Band „Auf Hof und Hufe“ (Münster: Regensberg) von Ludwig Klug mit 21 Holzschnitten Brökers

Ausstellungen (Auswahl): 1934 Beteiligung an der Ausstellung „Westfälische Künstler“, Verein Berliner Künstler, Berlin; 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Westfalens Beitrag zur deutschen Kunst der Gegenwart“, Haus Rothenburg, Münster; 1937-38, 1940, 1942 Beteiligungen an der „Großen Westfälischen Kunstausstellung“, Haus der Kunst, Dortmund; 1947 Beteiligung an der Ausstellung „Die freie Künstlergemeinschaft Schanze. Zur 25. Jahresschau“, Münster; 1971 vertreten bei der Ausstellung „Kunst seit 1900 gesammelt im Landesmuseum Münster“, Westfälisches Landesmuseum Münster; 1999-2000 vertreten bei der Wanderausstellung „Avantgarden in Westfalen? Die Moderne in der Provinz 1902-1933“

Mitgliedschaften: 1919 Mitbegründer der freien Künstlergemeinschaft „Schanze“ (Münster), spätere Ernennung zum Ehrenmitglied

Werke: Stadtmuseum Münster; Nationalgalerie Berlin

Literatur
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 10142426
Westfälisches Museumsamt Münster (Hrsg.) (1999): Avantgarden in Westfalen? Die Moderne in der Provinz 1902-1933; Münster: Ardey; S. 214
Fischer, Detlef (2000): Münster von A bis Z; Münster: Aschendorff; S. 56
Peterschröder, Olaf (2012): Strategie der Verhinderung? Zur Partizipation des Neuen Bauens in der Provinz Westfalen (1918-1933); Karlsruhe: KIT Scientific Publishing; S. 99