H A N S S C H U S T E R (22.11.1900 Ansbach – 23.11.1966 Oldenburg)
Zum Themenflyer ‚Bilder des Schmerzes‘
Gefangenenlager (um 1950-60)
Öl- und Acrylfarben auf Raufasertapete
€ 790,-
Titel
ohne Titel [Gefangenenlager, zwei Erwachsene und zwei Kinder hinter Stacheldraht, im Vordergrund ein Holzkreuz und rechts im Hintergrund ein Wachturm]
Technik
Öl- und Acrylfarben auf Raufasertapete, komplett aufgezogen auf Hartfaserplatte, schlichter Naturholzrahmen
Signatur
unten links in Schwarz signiert „H Schuster“
Jahr
undatiert [um 1950-60]
Größe
Größe: 53,7 x 91,6 cm (ohne Rahmen) bzw. 59,7 x 97,8 cm (mit Rahmen)
Zustand
Raufasertapete komplett aufgezogen auf Hartfaserplatte; Ecken und Kanten etwas bestoßen und berieben (unter Rahmung nicht sichtbar)
verso oben rechts in Schwarz nummeriert „70“, sowie unten rechts in Blei etwas farbschwach nummeriert „18“ (ebenso jedes Rahmenelement verso jeweils mittig in Blei bezeichnet)
Hans Schuster war Sohn des Kirchenmalers Christof Schuster und dessen Ehefrau Sofia. Nach dem Schulbesuch absolvierte er zunächst eine Lehre zum Monteur. In seiner Freizeit beschäftigte er sich intensiv mit der Malerei.
Im Ersten Weltkrieg leistete er Militärdienst. 1919 kam der Sohn Herbert zur Welt und die Heirat mit der Mutter Minna, geb. Kiefer (1899-1945) erfolgte 1921. 1922 folgte die Geburt der Tochter Erika.
Hans Schuster ist zunächst in seiner Heimatstadt Ansbach tätig.
In den 1920er Jahren reiste er nach Breslau und studierte zeitweise an der dortigen Kunstakademie. Während dieser Zeit wirkte er an Theaterprojekten (Bühnebilder) mit. Zurückgekehrt nach Ansbach arbeitete er u. a. als Illustrator für die „Fränkische Zeitung“.
Von 1939 bis 1945 musste er erneuten Kriegsdienst leisten, wobei er dieses Mal der Marine zugeteilt wurde und in Nordwestdeutschland (Wilhelmshaven und Varel) stationiert war.
Bei einem Einsatz wurde sein rechter Arm durchschossen, so dass dieser unbeweglich blieb. Schuster trainierte das Malen mit der linken Hand und war fortan auf diese angewiesen.
Gegen Kriegsende (17.3.1945) hielt sich Schuster im Bereich Oldenburg auf. An diesem Tage erreichte ihn die telegrafische Nachricht, dass bei einem Fliegerangriff seine Frau Minna, die Kinder Herbert und Erika sowie sein Schwiegervater in Ansbach ums Leben gekommen sind. Bei dem Bombentreffer auf sein Wohnhaus verbrannten auch seine sämtlichen im Hause gelagerten Arbeiten. Schuster reiste zwar nach Ansbach, kehrte kurz darauf jedoch wieder nach Nordwestdeutschland zurück.
In Varel lernte er die Postangestellte Erna Georg kennen, die er 1946 heiratete und mit der er anschließend nach Oldenburg in die Kastanienallee 1 zog. Die Ehe blieb kinderlos und wurde um 1950 herum geschieden.#
Einige Zeit später lernte er die Krankenschwester Elisabeth Paulus (1916-1989) auf einem Treffen des Bayernvereins, dem beide angehörten, kennen und heiratete sie 1951. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Von der Kastanienallee 1 aus zogen Schusters in die Bümmersteder Straße 145 (später: Sandkruger Straße).
Hans Schuster widmete sich in den nachfolgenden Jahren weiterhin der Malerei. Er engagierte sich in Künstlervereinen und nahm an Ausstellungen teil.
Er malte seine Bilder nie in der freien Natur. Vielmehr prägte er sich die Motive seiner Landschaftsgemälde ein und malte sie dann aus der Phantasie heraus. Meistens kniete er dabei auf der Erde im Wohnzimmer, die Hartfaserplatte oder die Leinwand vor sich, mit dem Daumen, dem Pinsel oder dem Palettmesser die Farbe auftragend. Hans Schuster malte auf Bildträgern, die ihm geeignet erschienen. Zahlreiche Bilder entstanden deshalb auf Packpapier, Raufasertapete, grundiertem Putzlappen, Hartfaserplatten oder Leinwand.
Die schrecklichen Kriegserlebnisse – vor allem der Verlust der Familie – rissen Hans Schuster häufig nachts aus dem Schlaf. Er stand dann spontan auf und begann zu malen. Seinen bedrückenden persönlichen Erlebnissen gab er ein Gesicht, indem er Karikaturen von Personen malte, farblich überzeichnet, schwermütig, bedrohlich.
Dieses gezeigte Gemälde erscheint auf den ersten Blick etwas rätselhaft – ein Gefangenenlager mit Zaun und Wachturm, wobei der Künstler hier aber wohl kein konkretes, lokalisierbares Lager im Sinn gehabt haben dürfte. Er selbst hatte auch keine eigene Erfahrung in einem Kriegsgefangenenlager.Wäre dies so, dann hätte er wohl auch sicherlich männliche Soldaten und keine Familie gezeigt. Vielmehr mag man es so sehen, dass sich hier eigene schmerzhafte Kriegserlebnisse mit allgemeinen Kriegsgräuel – konkret dargestellt in der Lagersituation – verbinden. Es ist wohl eine künstlerische Verarbeitung von Erlebnissen, die sich in motivisch ähnlicher Form, d. h. nicht historisch konkretisiert, eher surreal träumerisch anmutend, auch bei anderen Künstlern (bspw. Egbert Bruckner) in den frühen Nachkriegsjahren findet. Vielleicht / womöglich kommen hier auch die medial allmählich, aber eher langsam bekannt werdenden Meldungen über das Leid und die Schrecken in Lagern zum Tragen, die Schuster dann hier (bewusst oder unbewusst) mitaufgreift.
Ganz markant ist das flächige Kolorit mit den schwarzen Konturen, was – bspw. in Teilen des Himmels – beinahe knallig bzw. „poppig“ erscheint und damit in einem gewissen Widerspruch zum düsteren Bildthema steht.
Zu Johann (Hans) Schuster (22.11.1900 Ansbach – 23.11.1966 Oldenburg):
Maler, Zeichner.
Sohn des Kirchenmalers Christof Schuster und dessen Ehefrau Sofia.
Nach dem Schulbesuch absolvierte er zunächst eine Lehre zum Monteur. In seiner Freizeit beschäftigte sich Hans Schuster intensiv mit der Malerei.
1914-18 Kriegsdienst.
1919 Geburt des Sohnes Herbert, die Heirat mit der Mutter Minna, geb. Kiefer (1899-1945) erfolgte 1921.
1922 Geburt der Tochter Erika.
Zunächst in Ansbach tätig.
In den 1920er Jahren reiste er nach Breslau und studierte zeitweise an der dortigen Kunstakademie. Während dieser zeit Mitarbeit an Theaterprojekten (Bühnebilder).
Zurückgekehrt nach Ansbach arbeitete er u. a. als Illustrator für die „Fränkische Zeitung“.
1939-45 erneuter Kriegsdienst, wobei er dieses Mal der Marine zugeteilt wurde und in Nordwestdeutschland (Wilhelmshaven und Varel) stationiert war.
Bei einem Einsatz wurde sein rechter Arm durchschossen, so dass dieser unbeweglich blieb. Schuster trainierte das Malen mit der linken Hand
Gegen Kriegsende (17.3.1945) hielt sich Schuster im Bereich Oldenburg auf. An diesem Tage erreichte ihn die telegrafische Nachricht, dass bei einem Fliegerangriff seine Frau Minna, die Kinder Herbert und Erika sowie sein Schwiegervater in Ansbach ums Leben gekommen sind. Bei dem Bombentreffer auf sein Wohnhaus verbrannten auch seine sämtlichen im Hause gelagerten Arbeiten. Schuster reiste zwar nach Ansbach, kehrte kurz darauf jedoch wieder nach Nordwestdeutschland zurück.
In Varel lernte er die Postangestellte Erna Georg kennen, die er 1946 heiratete und mit der er anschließend nach Oldenburg in die Kastanienallee 1 zog. Die Ehe blieb kinderlos und wurde um 1950 herum geschieden.
Einige Zeit später lernte er die Krankenschwester Elisabeth Paulus (1916-1989) auf einem Treffen des Bayernvereins, dem beide angehörten, kennen und heiratete sie 1951. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Von der Kastanienallee 1 aus zogen Schusters in die Bümmersteder Straße 145 (später: Sandkruger Straße).
Hans Schuster widmete sich in den nachfolgenden Jahren weiterhin der Malerei. Er engagierte sich in Künstlervereinen und nahm an Ausstellungen teil.
Hans Schuster malte seine Bilder nie in der freien Natur. Vielmehr prägte er sich die Motive seiner Landschaftsgemälde ein und malte sie dann aus der Phantasie heraus. Meistens kniete er dabei auf der Erde im Wohnzimmer, die Hartfaserplatte oder die Leinwand vor sich, mit dem Daumen, dem Pinsel oder dem Palettmesser die Farbe auftragend. Hans Schuster malte auf Bildträgern, die ihm geeignet erschienen. Zahlreiche Bilder entstanden deshalb auf Packpapier, Raufasertapete, grundiertem Putzlappen, Hartfaserplatten oder Leinwand.
Die schrecklichen Kriegserlebnisse rissen Hans Schuster häufig nachts aus dem Schlaf. Er stand dann spontan auf und begann zu malen. Seinen bedrückenden persönlichen Erlebnissen gab er ein Gesicht, indem er Karikaturen von Personen malte, farblich überzeichnet, schwermütig, bedrohlich.
Mitgliedschaften
— Bund Bildender Künstler (BBK), Oldenburg
— „Freie Gruppe“ des BBK
Literatur / Quelle
Derschewsky, Jürgen: Biografien Oldenburger Künstler (Online)



























