F E R D I N A N D A L B E R T B U R G E R (13.08.1879 Hildburghausen – 01.06.1960 Berlin)
Weitere Werke von Ferdinand Albert Burger
Jäger im Herbstwald (um 1930)
Ölfarben, Tempera auf Karton, verso befestigt auf weißen Karton
€ 950,-
Titel
ohne Titel [Jäger im Herbstwald]
Technik
Ölfarben, Tempera auf Karton, verso befestigt auf weißen Karton
Signatur
unsigniert, verso aufgeklebter Lexikonausschnitt zum Künstler
Jahr
undatiert [um 1930]
Größe
Größe: 40,7 x 29 cm (Arbeit) / 64,9 x 50,7 cm (unterlegter Karton)
Zustand
Werk verso befestigt auf weißen Karton; partiell kleinere Verluste der Farbschicht; Ecken etwas bestoßen
unterlegter Karton an Ecken etwas bestoßen
Werkbeschreibung
Ferdinand Albert Burger war Maler, Zeichner, Grafiker und Illustrator. Im Leben und Werk Burgers ist von besonderer Beachtung ist, dass der Künstler von Geburt an gehörlos war.
F. A. Burger war Sohn des Lithografen Ferdinand Friedrich Burger und der Mathilde Karoline, geb. Mühlfeld. Sein Bruder Fritz Burger-Mühlfeld (1882-1969) war ebenso Künstler. Der Vater hatte ab 1882 eine Etiketten- und Plakatfabrik (lithogr. Kunstanstalt) in Augsburg (Unterer Graben 225).
Der junge Burger ertaubte 1883 in Folge einer Erkrankung an Scharlach. Er besuchte die Kreistaubstummenanstalt für Knaben in Augsburg und darauf begann er eine Lehre in der Lithografenanstalt seines Vaters.
Ab 1898/99 besuchte er die Kunstgewerbeschule Augsburg mit dem Ziel Lithograph zu werden. Ab 1900 wechselte er an die Kunstakademie München (bei Ludwig von Herterich). Eine Teilnahme am Ersten Weltkrieg ist nicht nachweisbar, was sich wohl durch seine Gehörlosigkeit erklärt.
Burger lebte spätestens ab 1914 in Berlin (Lichtenfelder Chaussee 8, Steglitz). Dort eröffnete er dann auch ein Atelier für taubstumme “junge Damen und Herren”, um diese auf eine Aufnahme an Kunstgewerbeschule oder Akademie vorzubereiten (Holsteinsche Straße 63).
Am 22. Mai 1915 heiratete in Berlin die Näherin Friederike Maria Liebe (28.10.1891 Berlin – ?). Seine Ehefrau war ebenso gehörlos, wie sich anhand der Heiratsurkunde ergibt.
In Berlin wirkte Burger als Illustrator, u. a. für die “Wochenschrift des Taubstummen-Partei-Bundes“ und „Die Juegnd“.
F. A. Burger nahm um 1910-15 an Ausstellungen der Münchner Secession und in den 1920er Jahrenbeteiligte er sich an der “Großen Berliner Kunstausstellung”. Im Dritten Reich ist er auf keinen Ausstellungen nachweisbar, jedoch war er 1934 mit immerhin acht Werken vertreten bei der “International Exhibition of Fine Applied Arts by deaf Artists” im Roerich Museum (New York, USA).
Das hier gezeigte Werk wird um 1930 entstanden sein. Mit Burger blicken wir in einen herbstlichen Wald. Dicht erheben sich vor uns die Nadelbäume, deren Äste den oberen Bildteil ganz mit ihrer Gitterstruktur einnehmen. Farblich eine ganz vorzügliche, kräftig expressive Ansicht. Im Eckbereich unten rechts steht in Rückansicht ein Jäger in graubrauner Kleidung. Das Gewehr trägt er locker vor sich. Er ist dabei in den Wald hineinzugehen – und gerade hiermit lässt dies motivisch unweigerlich an Caspar David Friedrichs „Chasseur im Walde“ (1814) denken. Auch bei Burger schreitet ein anonym bleibender Jäger aus dem Hellen der Dunkelheit des Waldes entgegen. Dies verleiht dem Ganzen ohne Zweifel eine gewisse melancholische Note, welche wunderschön zu der Herbststimmung der Komposition passt.
Zu Ferdinand Albert Burger (13.08.1879 Hildburghausen – 01.06.1960 Berlin):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator.
Sohn des Lithografen Ferdinand Friedrich Burger und der Mathilde Karoline, geb. Mühlfeld. Sein Bruder Fritz Burger-Mühlfeld (1882-1969) war ebenso Künstler.
Ab 1882 lebte die Familie unter ärmlichen Verhältnissen in Augsburg, wo der Vater später eine Etiketten- und Plakatfabrik (lithogr. Kunstanstalt) eröffnete (Unterer Graben 225).
F. A. Burger ertaubte 1883 in Folge einer Erkrankung an Scharlach.
Besuch der Kreistaubstummenanstalt für Knaben in Augsburg und darauf begann er eine Lehre in der Lithografenanstalt seines Vaters.
1898-1900 Besuch der Kunstgewerbeschule Augsburg mit dem Ziel Lithograph zu werden.
1900-02 Studium an der Kunstakademie München (bei Ludwig von Herterich).
Von einer Teilnahme am Ersten Weltkrieg wurde er aufgrund seiner Gehörlosigkeit ausgeschlossen.
Burger lebte spätestens ab 1914 in Berlin (Lichtenfelder Chaussee 8, Steglitz). Dort eröffnete er dann auch ein Atelier für taubstumme “junge Damen und Herren”, um diese auf eine Aufnahme an Kunstgewerbeschule oder Akademie vorzubereiten (Holsteinsche Straße 63). In taubstummen Kreisen wie in Zeitschriften (“Blätter für Taubstummenbildung”) wurde Burgers Atelier lobend erwähnt.
22. Mai 1915 Heirat in Berlin mit der Näherin Friederike Maria Liebe (28.10.1891 Berlin – ?). Seine Ehefrau war ebenso wie er taubstumm. Das Paar bekam die Tochter Mathilde.
Das Paar unternahm zahlreiche Reisen u. a. in den Schwarzwald, das Allgäu und die Donau-Ries-Gegend (Nördlingen).
In Berlin wirkte er als Illustrator, u. a. für die “Wochenschrift des Taubstummen-Partei-Bundes”, die “Jugend”.
Ab 1939 zog die Familie nach Ederheim (Haus Nr. 62a).
Nach Kriegsende wieder Rückkehr nach Berlin und dort weiterhin künstlerisch tätig.
Ausstellungen
1910-13 „Frühjahr-Ausstellung“, Münchner Secession, München
1911, 14 „Kunstausstellung der Münchner Secession“, München
1923, 1958 „Große Berliner Kunstausstellung“, Berlin
Juli – August 1934 Teilnahme mit acht Werken an der “International Exhibition of Fine Applied Arts by deaf Artists” (Roerich Museum, New York, USA)
1946 “Nordschwäbische Kunstausstellung”, BBK Schwaben, Donauwörth
1949 Ausstellung der Künstlervereinigung “Die Ecke”, Augsburg
Mitgliedschaften
ab 1908 Künstlergruppe „Die Ecke“, Augsburg
Sammlungen
Casa Museo Biblioteca Beethoveniana, Muggia (Italien)
Stadtmuseum im Hl.-Geist-Spital Nördlingen
Literatur
— Hinneburg, Frauke: „Ferdinand Albert Burger“, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Online-Version
— Wolf, Barbara (2017): Über Leben und Werk des Künstlers Ferdinand Albert Burger (1879-1960), in: Historischer Verein für Nördlingen und das Ries: 35. Jahrbuch, Nördlingen, S. 381-397



















