C L E M E N S    F R Ä N K E L    (11.06.1872 Frankfurt am Main – (wohl) 26.02.1944 Auschwitz)

 

Weitere Münchner Künstler

 

 

„Vorgebirge bei Leoni“ (1906)

Mischtechnik (Aquarell, Deckweiß, Bleistift – mit Fixativ überzogen) auf Papier, ungerahmt

€ 570,-

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Titel
„Vorgebirge bei Leoni“ [so verso betitelt]

Technik
Mischtechnik (Aquarell, Deckweiß, Bleistift – mit Fixativ überzogen) auf Papier, ungerahmt

Signatur
unten rechts signiert „Clemens Fränkel“, sowie unten links angeschnitten signiert „[Clemens Fr]änkel“

Jahr
unten links angeschnitten datiert „[1]906“

Größe
Größe: 23 x 34 cm

Zustand
linker Blattrand wohl vom Künstler gering zugeschnitten; leichte Druckstellen im Blatt; Ecken etwas bestoßen und mit leichten Knickspuren; verso etwas gebräunt, leicht fleckig; verso oben mittig etwas größerer bräunlicher Fleck

 

 

Clemens Fränkel entstammte einer alten jüdischen Familie aus Urspringen. Schon früh zeigte er künstlerische Begabungen, machte dann aber nach dem Abitur zunächst eine Uhrmachlehre, an die sich sein Militärdienst (1893-94) anschloss. Hierauf wandte er sich dann doch der Kunst zu und endlich – ab 1899 – besuchte er in München die private Malschule von Heinrich Knirr, bevor er dann im Herbst jenes Jahres auf die dortige Kunstakademie wechselte. Dort studierte er bis 1903 unter den Lehrern Otto Seitz und Ludwig von Löfftz. Nach dem Studium ging er, ganz den damaligen Gepflogenheiten entsprechend, für ein halbes Jahr nach Italien und besuchte dort u. a. Florenz, Rom, Capri und Kampanien.

1906 eröffnete er eine private Malschule für Landschaftsmalerei (geöffnet von Mai-Okt.) in Leoni am Starnberger See, die er bis einschließlich 1915 betrieb. Ab etwa 1908 stellte sich auch ein beruflicher Erfolg ein, der nicht zuletzt damit zusammenhing, dass die renommierte Galerie Heinemann Fränkels Werke in ihr Programm aufnahm. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wird der Einfluss des Impressionismus noch stärker – die Stimmung des Erlebten soll eingefangen werden.
Nach dem Weltkrieg, den Fränkel als freiwilliger Krankenpfleger miterlebte, stieg seine Popularität sehr an, im November / Dezember 1920 zeigte die Galerie Heinemann eine viel beachtete und erfolgreiche Einzelausstellung und er hatte zudem auch internationalen Erfolg.
Künstlerisch tritt nun neben die impressionistischen Ausdrucksmittel noch ein gewisser Rückbezug auf Maltechniken der alten Meister , was sich vor allem in einer gewissen Detailiertheit und Feinheit der Darstellung zeigt.
Im August 1929 verzog Fränkel mit seiner Frau nach Partenkirchen und das Paar mietete sich dort in der Münchner Straße 33 ein. Fränkel kam schnell in Kontakt mit der örtlichen Künstlerszene und war bereits ein Jahr später, im August 1930, beteiligt an der Sommerausstellung des „Künstlerbundes Werdenfels“. Fränkels gezeigte Werke wurden dabei in der Presse explizit lobend erwähnt . Nach der Machtergreifung durch die NSDAP musste er aufgrund seiner jüdischen Herkunft Repressionen erleiden , konnte nicht mehr ausstellen, geriet als Künstler und Mensch ins soziale Abseits und emigrierte schließlich 1937 mit seinem Sohn Kurt ins italienische Cortina d’Ampezzo. Im Januar 1944 wurden beide in Schutzhaft genommen und Clemens Fränkel deportierte man nach Auschwitz, wo er umkam.

Diese hier vorliegende Mischtechnik Clemens Fränkels ist in das deutliche Frühwerk einzuordnen. Sein Studium hatte er wenige Jahre zuvor beendet, sein beruflicher Erfolg liegt noch ein wenig in der Zukunft und seine private Malschule für Landschaftsmalerei hatte er gerade erst in Leoni eröffnet.
Dem Titel nach blicken wir hier auf das alpine Vorgebirge bei Leoni. Sanft hügelig zieht sich die bewaldete Landschaft hin zum Gebirge. Im Vordergrund läuft, als narratives Element innerhalb des Bildes, eine alte Frau mit Stock, die gerade an einem Marterl vorbeigezogen ist.

 

 

Zu Clemens Fränkel (11.06.1872 Frankfurt am Main – (wohl) 26.02.1944 Auschwitz):
Maler, Zeichner
Entstammt einer alten jüdischen Familie aus Urspringen. Sohn des Kaufmanns David Fränkel (1842 Urspringen – 1906 Frankfurt a. M.) und dessen aus München stammender Frau Hedwig, geb. Fränkel (1852 München – 1931 Frankfurt).
Seine ersten Zeichnungen machte er bereits als Jugendlicher und erhielt auch privaten Zeichenunterricht, wobei der damalige Lehrer nicht bekannt ist. Zudem muss er auch musikalisch begabt gewesen sein, da er 1890 ein Angebot als Violinist im Orchéstre L`Odéon in Chaux-de-Fonds erhielt, das er jedoch ausschlug.
In Frankfurt a.M. besuchte er das Gymnasium und absolvierte danach eine Lehre als Uhrmacher.
1893-94 Militärdienst
ab 1899 Besuch der privaten Malschule von Heinrich Knirr (München)
ab Oktober 1899 – 1903 Studium an der Kunstakademie München (bei Otto Seitz, Ludwig von Löfftz)
Während dieser Zeit war Fränkel in Schwabinger Künstlerkreisen aktiv und hatte sein Atelier (Theresienstr. 51/III) neben jenem von Alfred Kubin.
Nach dem Studium ging er für ein halbes Jahr nach Italien (Florenz, Rom, Capri, Kampanien).
Nach seiner Rückkehr pendelte Fränkel zwischen München und Frankfurt a.M. Als Maler (besonders als Landschaftsmaler) begann er sich zu etablieren.
1906/07 erhielt er den Auftrag ein posthumes Porträt des Arztes Sigmund Theodor Stein (1840-1891) für die Porträtsammlung der Dr. Senckenbergischen Stiftung zu malen.
1906-15 hatte er eine private Malschule für Landschaftsmalerei (geöffnet von Mai-Okt.) in Leoni am Starnberger See.
1907/08 Reise nach Capri und Rom.
März 1908 Heirat in Rom mit Louise Scheidemantel (1876 München – ?).
23. Februar 1909 Geburt des Sohnes Kurt.
1910 und 1912 erneute Reisen in den Süden.
Im Ersten Weltkrieg kam Fränkel zur freiwilligen Krankenpflege. Nach dem Krieg stieg seine Popularität sehr an und er hatte auch internationalen Erfolg.
In den 1920er Jahren mehrere Reisen nach Italien.
Ab den späten 1920er Jahren vermehrt Aufenthalte in den Bergen.
1929 Umzug nach Garmisch
1932 schrieb Prof. Hans Rose in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ einen Artikel zu Fränkels 60. Geburtstag.
Oktober 1930 starb seine Ehefrau
Vater und Sohn lebten fortan in Garmisch, wo Kurt Fränkel eine Kunsthandlung betrieb.
ab 1933 begannen Schikanen und Repressalien
1933/34 erhielt Fränkel ein Verkaufsverbot für seine Bilder
1935/36 wurde die Kunsthandlung Kurt Fränkels zwangsgeschlossen
Juni 1936 Umzug nach Ohlstadt
April 1937 emigrierte er mit seinem Sohn ins italienische Cortina d’Ampezzo, dort begann Clemens Fränkel wieder zu malen und Kurt eröffnete die Kunsthandlung „Arte Alpina“
im März 1942 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und sein Vermögen eingezogen
11.01.1944 wurden sein Sohn und er von deutscher Polizei in Cortina festgenommen und beide kamen in Schutzhaft in Bozen.
Clemens Fränkel wurde von Bozen nach Triest überstellt, von dort kam er in das Durchgangslager Fòssoli bei Carpi (dies war ursprünglich ein Kriegsgefangenenlager, welches später von der SS für die Inhaftierung von Juden aus Italien benutzt wurde).
zwischen 22.-26.02.1944 Deportation nach Bergen-Belsen und Auschwitz.

Ausstellungen
— 1904-09 Beteiligungen an den Jahresausstellungen des Frankfurter Kunstvereins
— ab 1908 zeigte Galerie Heinemann (München) seine Bilder
— 1909 Beteiligung an der Frühjahrsausstellung der Münchner Sezession
— zwischen 1918 und 1931 Beteiligungen an den Glaspalast-Ausstellungen (München)
— 1916 Beteiligung an der Sommerausstellung der „Juryfreien“, München
— 1920 Einzelausstellung, Galerie Heinemann, München
— 1930-33 Beteiligungen an Ausstellungen des „Künstlerbundes Werdenfels“
— 1931 Beteiligung an der Ausstellung der „Münchner Künstlergenossenschaft“, Deutsches Museum, München
— 1932 Beteiligung an der Ausstellung des „Künstlerbundes Werdenfels“ und der „Künstlervereinigung Kunst im Hochland“, Museum Partenkirchen
— 2022 „Clemens Fränkel (1872-1944): München – Garmisch-Partenkirchen – Cortina d´Ampezzo“, Museum Aschenbrenner, Garmisch-Partenkirchen

Mitgliedschaften
Münchner Künstlergenossenschaft „Die Juryfreien“ (ab 1918 Ausschussmitglied)

Sammlungen
Jüdisches Museum Frankfurt a. M.
Museum Werdenfels, Garmisch-Partenkirchen
Sammlung Memoria – Thomas B. Schumann, Hürth

Literatur
— Bellinger, Gerhard J. / Regler-Bellinger, Brigitte (2012): Schwabings Ainmillerstraße und ihre bedeutendsten Anwohner; Norderstedt; S. 157
— Partsch, Susanna: Clemens Fränkel, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00069413
— Steppan, Thomas / Teufel, Karin (Hrsg.) (2022): Clemens Fränkel (1872-1944) [Katalog zur Ausstellung im Museum Aschenbrenner, Garmisch-Partenkirchen], München: Kriechbaumer Druck
— Steppan, Thomas (2013): Clemens Fränkel (1872-1944), in: Cescutti, Marjan / Riedmann, Josef (Hrsg.): Erhalten und erforschen. Festschrift für Helmut Stampfer; Innsbruck: Wagner; S. 143-164