A L B E R T U N S E L D (05.10.1879 Ulm – 23.07.1964 ebd.)
Weitere schwäbische Künstler
Weitere Künstler des Expressiven Realismus
„Herbstfeld“ (1943)
Mischtechnik (Aquarell, Tempera, Deckweiß über leichten Bleistiftvorzeichnungen), auf Aquarellkarton, ungerahmt
€ 720,-
Titel
„Herbstfeld“ [so verso unten links betitelt]
Technik
Mischtechnik (Aquarell, Tempera, Deckweiß über leichten Bleistiftvorzeichnungen), auf Aquarellkarton, ungerahmt
Signatur
unten rechts in Braun signiert „A. Unseld“, sowie verso unten links nochmals signiert/bezeichnet[?] „Albert Unseld pxt.“
Jahr
unten rechts in Braun datiert „[19]43“, sowie verso unten links nochmals datiert
Größe
Größe: 49,7 x 59,1 cm
Zustand
in den vier Ecken jeweils kleine Einstichlöchlein, sowie in den Blatträndern mittig jeweils zwei kleine Einstichlöchlein; leichte Druckstellen im Blatt; Ecken sehr leicht bestoßen; verso an den Rändern umlaufend braunes Klebeband; verso leicht fleckig; verso mittig bezeochnet „B 103“
Leben und Schaffen von Albert Unseld ist auf das Engste mit seiner Heimatstadt Ulm verbunden. Dort war sein Vater Ulrich Unseld (1845-1920) Bäckermeister und auch Sohn Albert lebte den Großteil seines Lebens dort und prägte das dortige Kunstleben maßgeblich.
Nach seinem Abitur in Ulm (1898) begann er sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart (1898-1901), daneben nahm er Malunterricht bei Adolf Treidler und Gustav Halmhuber. Zum Studienende wird er mit der Goldenen Medaille der TH Stuttgart für den Entwurf der Innendekoration eines Künstlerhauses ausgezeichnet. Von 1902 bis 1906 ist Unseld Assistent von Professor Wallot an der Kunstakademie Dresden und macht dort die Bekanntschaft mit Gotthard Kühl und Eugen Bracht. Während dieser Zeit unternimmt er 1904 seine erste Parisreise. 1906 beginnt er eine, zumeist zu Fuß ausgeführte, einjährige Studienreise durch die Schweiz, Italien, Frankreich und die Niederlande. Nach seiner Rückkehr legt er 1907 sein Examen als Regierungsbaumeister ab und ist danach als freischaffender Architekt und Maler in Ulm tätig.
Zahlreiche Reisen führten in nach Dalmatien, in die Alpen und nach Frankreich.
1921 nachhaltige und prägende Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk der Expressionisten (Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff).
Zwischen 1921 und 1923 erhielt er Aufträge für Kriegsdenkmale in Ulm, Neu-Ulm und auf der Schwäbischen Alb.
Um 1930 kommt es zu einer näheren Bekanntschaft mit dem damals in Ulm lebenden Paul Kleinschmidt.
Im Dritten Reich kann Unseld anfangs an Ausstellungen teilnehmen, ist aber auch von Repressionen betroffen was sich in vorzeitigen Ausstellungsschließungen zeigt – u. a. die bedeutende Schau „Malerei und Plastik“ des Deutschen Künstlerbunds in Hamburg 1936. Unseld zieht sich immer mehr zurück, wählt unverfängliche Landschaftsmotive und bleibt im Privaten bzw. im kleinen Freundeskreis.
Zu dieser Zeit schreibt Herbert Pée, dass Unseld sich 1937 „auf das äußerste bedrängt und irritiert [fühlte]. Seine Reaktion war die Flucht nach innen, ein Heraus aus aller Öffentlichkeit, die seiner Kunst plötzlich den Auftritt und die Anerkennung verwehrte, eine Abkapselung ins Private, die eine aufkommende Mutlosigkeit nur noch verstärkte“ [1].
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er Abgeordneter der Freien Wähler im Ulmer Gemeinderat (1946-56), daneben ist er Leiter des Archäologischen Büros in Ulm und engagiert sich maßgeblich beim Wiederaufbau der Stadt Ulm.
1964 wird ihm für sein Schaffen verdientermaßen die Ehrenmedaille der Stadt Ulm verliehen.
Die vorliegende Ansicht über ein menschenleeres „Herbstfeld“ datiert auf 1943 und entstand damit gerade in dieser Zeit der Zurückgezogenheit. Der Künstler nimmt den Betrachter mit auf einen Feldweg – rechts einzelne Bäume, links Kornhocken und ein weites Feld. Im Gegensatz zu Arbeiten aus den 1920er oder auch frühen 1930er Jahren ist die Ansicht ruhiger, weniger farbkräftig und insgesamt nicht so expressiv. Aber dennoch bleibt Albert Unseld bei einer, damals keinesfalls en vogue gewesenen, expressiv-realistischen Grundhaltung als künstlerisches Ausdrucksmittel. Gerade diese Malweise lässt annehmen, dass er das Werk entweder rein für sich oder für einen kleinen Bekanntenkreis malte, denn auf eine größere Nachfrage wird er mit diesem immer noch modernen Ausdruck kaum hätte hoffen können.
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[1] Herbert Pée (1968): Der Maler Albert Unseld; Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft; S. 18
Zu Albert Unseld (05.10.1879 Ulm – 23.07.1964 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Architekt
Sohn des Bäckermeisters Ulrich Unseld (1845-1920) und dessen Frau Dorothea, geb. Braunwarth (1850-1927). Albert Unseld hatte insgesamt 14 Geschwister von denen aber der Großteil bereits jung verstarb.
1898 Abitur in Ulm
1898-1901 Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart, daneben Malunterricht bei Adolf Treidler und Gustav Halmhuber
1902-06 Assistent von Professor Wallot an der Kunstakademie Dresden und dort Bekanntschaft mit Gotthard Kühl und Eugen Bracht
1904 erste Paris-Reise
1906 einjährige Studienreise (zumeist zu Fuß) durch die Schweiz, Italien, Frankreich und die Niederlande
1907 Examen als Regierungsbaumeister
ab 1908 als freischaffender Architekt und Maler in Ulm tätig, dazu Lehrer an der Bauhandwerkerschule in Biberach a. d. Riß
zahlreiche Reisen nach Dalmatien, in die Alpen und nach Frankreich
1913 Veröffentlichung des autobiografischen Romans „Aus Feuers Not“
1921 Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk der Expressionisten (Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff)
1921-23 Aufträge für Kriegsdenkmale in Ulm, Neu-Ulm und auf der Schwäbischen Alb
um 1930 nähere Bekanntschaft mit Paul Kleinschmidt
1932 Dalmatien-Reise
1946-56 Abgeordneter der Freien Wähler im Ulmer Gemeinderat, weiterhin Leiter des Archäologischen Büros
Mitarbeit beim Wiederaufbau der Stadt Ulm
1953 Reise in die Schweiz
1958 Reise nach Ägypten
Preise / Ehrungen
1901 Goldene Medaille der Technischen Hochschule Stuttgart für den Entwurf der Innendekoration eines Künstlerhauses
1920 Auszeichnung mit der Lebensrettungsmedaille
1964 Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Ulm
Mitgliedschaften
1919 Mitbegründer der Künstlergilde Ulm
1930 Deutscher Künstlerbund
Sammlungen
Städtische Kunstsammlungen Bad Saulgau
Museum Biberach an der Riß
Städtische Museen Heilbronn
Regierungspräsidium Stuttgart
Staatsgalerie Stuttgart
Regierungspräsidium Tübingen
Sammlung Joseph Hierling, Tutzing
Ulmer Museum, Ulm
Museum Brot und Kunst, Ulm
Literatur
— DEGREIF, Uwe (Hrsg.) (2014): Kunst Oberschwaben 20. Jahrhundert. Ein schwieriges Erbe. 1933 – 1945; Lindenberg im Allgäu: Josef Fink; S. 233
— DEGREIF, Uwe: Albert Unseld, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 120
— NOBIS, Norbert (Red.) (1979): Albert Unseld 1879-1964 zum 100. Geburtstag; Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft
— PÉE, Herbert (1968): Der Maler Albert Unseld; Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft
— SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 330
— WIRTH, Günther (1987): Verbotene Kunst 1933-1945. Verfolgte Künstler im deutschen Südwesten; Stuttgart: Hatje; S. 332-333
— ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 455-456



























