J O S E F A B E R E N S – T O T E N O H L (30.03.1891 Grevenstein – 06.06.1969 Meschede)
Weitere Werke von Josefa Berens-Totenohl
Doppelbildnis zweier Kinder (o.J.)
Öl auf Leinwand, Keilrahmen (ohne Keile), gerahmt
€ 850,-
Titel
ohne Titel [Doppelbildnis zweier Kinder / Geschwister auf einem Sessel beim Lesen eines Buches]
Technik
Öl auf Leinwand, Keilrahmen (ohne Keile), gerahmt
Signatur
unten rechts signiert „Josefa Berens“
Jahr
undatiert
Größe
Größe: 65 x 87 cm (ohne Rahmen) bzw. 76 x 98 cm (mit Rahmen)
Zustand
partiell leicht fleckig; im unteren Randbereich leichte horizontal verlaufende Druckstelle durch dahinter liegenden Keilrahmen; im Eckbereich oben rechts aufgrund der Aufspannung minimal wellig; in den Randbereichen rahmungsbedingt sehr leicht berieben
Rahmen mitunter leicht berieben und schwach fleckig, sowie verso etwas fleckig
Josefa Berens-Totenohl war tätig sowohl als Malerin wie auch vor allem als Schriftstellerin. Aufgrund ihres Wirkens in der Zeit im Dritten Reich wird ihr Schaffen heutzutage kritisch betrachtet. Dessen ungeachtet ist sie eine der bekanntesten Schriftstellerinnen des Sauerlands im 20. Jahrhunderts.
Josefa Berens Vater war Schmied und Kleinbauer, doch wuchs sie bei ihren Großeltern auf, da die Mutter wenige Wochen nach ihrer Geburt verstarb. Ab 1911 besuchte sie das Lehrerinnenseminar in Arnsberg und zwischen 1915 und 1918 war sie Hospitantin und Lehrerin an Volksschulen in Arnsberg, Stemel bei Sundern, Oelinghausen und Warstein. Von 1918 bis 1922 arbeitete sie als Lehrerin und besuchte parallel dazu die Kunstschule von Hans Carp (1882-1936) in Düsseldorf. Hierauf war sie ab 1923 als Malerin in Weser, Höxter, Godelheim (Weserland) ansässig.
1925 zog sie ins Sauerland nach Gleierbrück, das heute eine Stadtteil von Lennestadt ist. Zu dieser Zeit war sie vornehmlich als Malerin tätig. Es bestand eine Freundschaft zu der Mundartdichterin Christine Koch (1869-1951). Als Malerin konnte Josefa Berens-Totenohl ihre Werke damals in Arnsberg, Münster, Bad Driburg und sogar auch in Berlin ausstellen [1].
Wohl besonders durch den Priester Lorenz Pieper (1875-1951) wurde sie in der Folge zu einer Sympathisantin und ganz sicher auch Anhängerin und Propagandistin der Nationalsozialisten. Lorenz Pieper ist deswegen beachtenswert, denn „[k]ein anderer römisch-katholischer Kleriker hat so früh ein Parteibuch der Nationalsozialisten erhalten wie dieser Sauerländer“ (Peter Bürger) [2].
Josefa Berens gab sich wohl bald den Beinamen Totenohl, der sich als alte Bezeichnung (‚Totental‘) für Gleierbrück auf ihren Wohnort bezieht [3], und trat 1932 der NSDAP bei. Sie wirkte fortan vornehmlich als Schriftstellerin und besonders mit ihrem Bestsellerband „Der Femhof“ hatte sie großen Erfolg und erhielt hierauf 1935 den „Westfälischen Literaturpreis“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie, trotz offenkundiger Verstrickungen und trotz ihres bekannten Engagements, zunächst weiterhin als Schriftstellerin agieren, da sie nur als „Mitläuferin“ klassifiziert wurde. Als es dann aber 1956 beim zweiten Westfälischen Dichtertreffen in Schmallenberg zum sog. „Schmallenberger Dichterstreit“ kam, entbrannte ein heftiger Disput über das undifferenzierte Heimatverständnis und die NS-Zeit, was sich in besonderem Maße dann auch auf Josefa Berens-Totenohl bezog. Diese zog sich darauf aus der Öffentlichkeit zurück und lebte in ihrem „Femhof“ in Gleierbrück.
Lange Zeit blieb sie und ihr Schaffen hochgeachtet und anerkannt in der sauerländischen Region, so dass 1991 zu ihrem 100. Geburtstag gar ein Gedenkstein im Saalhauser Kurpark gesetzt werden sollte. Durch Intervention des dortigen Kultur- und Denkmalpflegeausschusses wurde dies verhindert und in den folgenden Jahren begann eine kritische Recherche und Betrachtung über Leben und Werk der Künstlerin einzusetzen.
Dieses vorliegende vrhalten expressiv ausgeführte Gemälde wird in die frühe Schaffenszeit einzuordnen sein und es ist gut vorstellbar, dass es sich dabei um ein Auftragswerk handelt. Die Künstlerin zeigt hier zwei Kinder, bei denen es sich womöglich um Geschwister handelt. Diese sitzen auf einem dunkleblau-violetten Sessel vor einem grünlich violetten Hintergrund. Das kleinere, blondgelockte Mädchen trägt ein blaues Kleid und sitzt halb auf dem Schoß des älteren, braunhaarigen Jungen. In den Händen hält das Mädchen einen roten Apfel, während der Junge ein aufgeschlagenes Buch im Schoß liegen hat und darin liest bzw. vorliest, worauf der anzeigende Finger der linken Hand deutlich hinweist. Das Mädchen kann sich im Moment jedoch nicht auf das Gelesene konzentrieren und blickt, vielleicht abgelenkt durch die außeralltägliche Situation des Portraitiertwerdens, die Künstlerin und damit uns als Betrachter an. Auch dadurch erhält dieses Doppelbildnis eine sehr schöne persönliche, innige Note.
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[1] Bürger, Peter (2013): Der völkische Flügel der sauerländischen Heimatbewegung. Über Josefa Berens-Totenohl, Georg Nellius, Lorenz Pieper und Maria Kahle – zugleich ein Beitrag zur Straßennamen-Debatte. = daunlots. internet beiträge des christine-koch-mundartarchivs am museum eslohe. nr. 60, Eslohe, S. 11.
[2] Zu Josef Pieper siehe Bürger 2013: 39-47.
[3] So schreibt sie selbst in einem kurzen Vortext des Romans „Der Femhof“ (Jena, 1944, S. 5): „Totenohl heißt Totental. So war früher ein Winkel an der oberen Lenne im hohen Sauerland benannt, in welchem die Bewohner des südlichen und westlichen Sauerlandes mit ihren Toten übernachteten, wenn sie diese nach dem alten Wormbach, der ersten und durch sehr lange Zeit einzigen Pfarrei des sauerländischen Berglandes brachten. Heute heißt der Winkel von Amts wegen Gleierbrück. Im Volk besteht der alte Name fort.“
Zu Josefa Berens-Totenohl (30.03.1891 Grevenstein – 06.06.1969 Meschede):
Malerin, Schriftstellerin.
Josefa Berens Vater war Schmied und Kleinbauer. Die Mutter starb wenige Wochen nach ihrer Geburt.
Ab 1911 besuchte sie das Lehrerinnenseminar in Arnsberg.
Zwischen 1915 und 1918 war sie Hospitantin und Lehrerin an Volksschulen in Arnsberg, Stemel bei Sundern, Oelinghausen und Warstein.
Von 1918 bis 1922 Lehrerin und parallel dazu Besuch der Kunstschule von Hans Carp (1882-1936) in Düsseldorf.
Ab 1923 Lehrerin in in Weser, Höxter, Godelheim (Weserland).
1925 zog sie ins Sauerland nach Gleierbrück, das heute eine Stadtteil von Lennestadt ist. Zu dieser Zeit war sie vornehmlich als Malerin tätig. Ausstellungen in u. a. Arnsberg, Münster, Bad Driburg und Berlin.
Wohl besonders durch den Priester Lorenz Pieper (1875-1951) wurde sie in der Folge zu einer Sympathisantin und ganz sicher auch Anhängerin der Nationalsozialisten. Lorenz Pieper ist deswegen beachtenswert, denn „[k]ein anderer römisch-katholischer Kleriker hat so früh ein Parteibuch der Nationalsozialisten erhalten wie dieser Sauerländer“ (Peter Bürger).
Mit ihrem Bestsellerband „Der Femhof“ hatte sie großen Erfolg und erhielt hierauf 1935 den „Westfälischen Literaturpreis“.
„Mitte der dreißiger Jahre hat JOSEFA BERENS dann vom Malen fast ganz zum Schreiben gewechselt und sich den Beinamen „Totenohl“ zugelegt.“ (Peter Bürger)
Mehrere Auslandsreisen, bei denen sie Dichterlesungen vornahm: Mai-Juli 1934 Norwegenreise. April 1937 Reise nach Prag und ins Sudetenland. Juli 1937 Reise nach Siebenbürgen. 1938 Reisen nach London, Madeira, Lissabon. Mai 1943 Reise nach Posen. März 1944 Reise in die Niederlande.
Nach dem Zweiten Weltkrieg anfangs weiterhin als Schriftstellerin tätig, da sie nur als „Mitläuferin“ klassifiziert wurde.
1956 kam es beim zweiten Westfälischen Dichtertreffen in Schmallenberg zum sog. „Schmallenberger Dichterstreit“, bei dem sich jüngere Schriftsteller u. a. gegen Berens-Totenohl richteten. Diese zog sich darauf aus der Öffentlichkeit zurück und lebte in ihrem „Femhof“ in Gleierbrück.
Lange Zeit blieb sie und ihr Schaffen hochgeachtet und anerkannt in der sauerländischen Region, so dass 1991 zu ihrem 100. Geburtstag gar ein Gedenkstein im Saalhauser Kurpark gesetzt werden sollte. Durch Intervention des dortigen Kultur- und Denkmalpflegeausschusses wurde dies verhindert und in den folgenden Jahren begann eine kritische Recherche und Betrachtung über Leben und Werk der Künstlerin einzusetzen.
Literatur
— Bürger, Peter (2013): Der völkische Flügel der sauerländischen Heimatbewegung. Über Josefa Berens-Totenohl, Georg Nellius, Lorenz Pieper und Maria
Kahle – zugleich ein Beitrag zur Straßennamen-Debatte. = daunlots. internet beiträge des christine-koch-mundartarchivs am museum eslohe. nr. 60, Eslohe
— Peters-Schildgen, Susanne: Josefa Berens-Totenohl, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion






















