A D O L F    O B S T    (27.08.1869 Berlin – 27.12.1945 Potsdam)

 

Weitere Berliner Künstler

 

„Am Bergeshang“ (1897)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt

€ 4.600,-

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Titel
„Am Bergeshang“ [so verso auf Etikett der „Großen Berliner Kunstausstellung“ betitelt]

Technik
Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt

Signatur
unten rechts signiert „Adolf Obst“

Jahr
unten rechts datiert „1897“

Größe
Größe: 96 x 161 cm (ohne Rahmen) bzw. 109 x 173,3 cm (mit Rahmen)

Zustand
insgesamt etwas nachgedunkelt; leicht fleckig; Leinwandränder etwas berieben (unter Rahmung nicht sichtbar); verso Keilrahmen mit zwei weiteren (Einlieferungs-)Etiketten zur „Großen Berliner Kunstausstellung“; Keilrahmen verso etwas berieben, sowie verso oben rechts nummeriert „327“[?]; Rahmen etwas berieben und leicht fleckig

Ausstellung
1. Mai bis 26. September 1897, „Große Berliner Kunstausstellung“, Berlin, Kat.Nr. 1097.

Provenienz
1) 1. Mai bis 26. September 1897, „Große Berliner Kunstausstellung“, Berlin, Kat.Nr. 1097.
2) bei der Ausstellung 1) angekauft [so laut “Deutsche Kunst” (I. Jg.), Nr. 37 (12. Juni 1897), S. 439]: „In der großen Berliner Kunstausstellung haben bis jetzt folgende weitere Verkäufe von Kunstwerken stattgefunden: […] Adolf Obst, Berlin, ‚Am Bergeshang‘ […]“.
3) 14. Dezember 1917, Hugo Helbing, München, Auktion [„National-Sammlung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen“], Los 464.
4) bei 3) versteigert für 695,- Mark an den Hamburger Holzhändler Robert Kiehn (Firma „Schüt & Kiehn“).
5) (wohl) um 1920-25, „Kunstsalon Krone“, Glockengießerwall 22, Hamburg [hierzu verso auf Keilrahmen oben rechts teilweise abgerissenes Etikett].

 

 

Werkbeschreibung
Adolf Obst war Sohn des Kirchenbeamten Heinrich Obst und dessen Ehefrau Auguste, geb. Schmidt. Mit 14 Jahren wurde er Lehrling in der Chalkographischen Abteilung der Berliner Reichsdruckerei und parallel dazu konnte er Kurse an der Kunstakademie in Berlin besuchen. 1888 traf er die Entscheidung Maler zu werden, er studierte an der Akademie (bei Paul Meyerheim, Franz Skarbina, Ehrentraut und Woldemar Friedrich) und war dort ab 1892 Meisterschüler von Eugen Bracht.
1894 nahm er das erste Mal an der “Großen Berliner Kunstausstellung” teil, bei der er in der Folge immer wieder Werke zeigen konnte. Weitere Beteiligungen an Ausstellungen gab es u. a. in Cottbus, Frankfurt / Oder, München, Stralsund, Wien.
1897-98 konnte er durch ein Stipendium des preußischen Kultusministers zusammen mit dem Schriftsteller Paul Lindenberg (1859-1943) eine Reise um die Welt unternehmen. Nach seiner Rückkehr gründete Obst eine private Malschule in Berlin-Wilmersdorf.
1900-01 war er Teil des deutschen Expeditionskorps in China und nahm als Kriegsmaler bzw. künstlerischer Berichterstatter am Boxeraufstand teil.
1902 war er wieder in Berlin, wurde Mitglied im “Verein Berliner Künstler” und etablierte sich vor allem als Landschaftsmaler, wobei die Mark Brandenburg zu einem Schwerpunkt seines Schaffens wurde. 1907 bereiste er Frankreich und besuchte dort auch die Académie Julian in Paris. Im Ersten Weltkrieg wurde Adolf Obst als Schlachtenmaler der 5. Armee an der Westfront eingesetzt.
In den 1930er Jahren entstanden viele Werke mit Saarland-Bezug – sowohl Landschaften wie auch Industrie-, Zechendarstellungen.
1943 wurde sein Atelier am Berliner Hohenzollerndamm 12 ausgebombt und Obst verzog nach Potsdam. Beim Herannahen der roten Armee, wurde sein Bilderbestand nach Glindow (Werder, Havel) ausgelagert. Nachdem die Besatzungsmacht das Lager entdeckte, wurden die Werke vernichtet, was den überlieferten Bestand der Werke von Adolf Obst deutlich reduzierte.

Dieses recht große Gemälde zeigt dem Titel nach eine Szene an einem nächtlich winterlichen „Berghang“. Zeitlich ist es mit der Datierung auf 1897 in das frühe Schaffen einzuordnen. Adolf Obst war von 1892 bis 1897 Meisterschüler bei Bracht und musste sich nun als Maler im von Künstlern stark frequentierten Berlin erst einmal einen Namen machen. Dass er es dann schaffte sich doch recht schnell bekannter zu machen, zeigt sich daran, dass er in demselben Jahr eine Unterstützung des preußischen Kultusministers wie auch anteilig den Preis der Adolf-Ginsberg-Stiftung erhielt mit deren Hilfe er eine prägende Weltreise antreten konnte. Und weiterhin ist es beachtenswert, dass bei der „Großen Berliner Kunstausstellung“ des Jahres 1897 zwei der drei ausgestellten Gemälde in der Presse als verkauft benannt wurden, was sicherlich einen großen Erfolg darstellte, Und eines dieser verkauften Werke war eben das hier vorliegende „Am Bergeshang“ (siehe hierzu unten den Auszug aus der Zeitschrift „Deutsche Kunst“). Ebenso wird der Künstler explizit in der ausführlichen, im Allgemeinen eher kritischen Ausstellungsbesprechung von Paul Schultze-Naumburg erwähnt, wenn es dort heißt: „Auch bei den noch übrigen Landschaftern ließe sich eine Reihe feiner Leistungen aufzählen: O. H. Engels (Abendruhe), A. Gerresheim, die ebenso interessant als kräftig malt, Bracht, Feldmann, Uth, Heßmert, Obst, […]“. [1]

Als Betrachter muss man sich erst in dieses Großformat einsehen, bevor sich all die Feinheiten und Stimmungen erschließen. Der Großteil des Bildes ist geprägt vom Weiß des Schnees, immer wieder unterbrochen und aufgelockert durch Grashalme und Grasbüschel. Urig gewachsende Bäume erheben sich in den Nachthimmel und rechts am Bildrand stützt sich gerade eine schwer beladene Holzsammlerin an eben einen solchen Stamm. Ein gutes Stück hinter ihr ist als kleines Detail eine weitere Person erkennbar. Im linken Bildbereich wird sich die kleine Ortschaft als Ziel der Personen zeigen, die dafür aber erst noch den Berghang hinabkommen müssen.

Zum damaligen, frühen Schaffen Adolf Obsts schreibt Paul Warncke:
„Die fünf Jahre [i e. 1892-97] während deren er hier arbeitete, haben auf ihn, wie gesagt, den nachhaltigsten Eindruck gemacht; davon legten schon die Gemälde Zeugnis ab, die er während dieser Zeit schuf. Die Brachtsche Art, zu sehen, ließ in ihm verwandte Saiten anklingen. Nicht zuletzt aber war es auch die Liebe und das tiefe Verständnis für die ruhige Schönheit der heimischen Landschaft, die ihn Tüchtiges leisten ließ. Er wurzelte selbst in diesem Boden, wenn er auch, ein Kind der Großstadt, in ihren Mauern herangewachsen war, oder vielleicht gerade deshalb: ihn zog unwiderstehliche Sehnsucht immer wieder hinaus zu Wäldern und Feldern, zu Wiesen und Seen der Mark und des schönen, weltfernen Mecklenburg.“ [2] (Warncke 1911: 652-653).

Erfreulicherweise lässt sich die Provenienz des Gemäldes auch noch etwas weiter erhellen. In der Folge lässt sich das Gemälde auf einer Versteigerung bei Hugo Helbing (München) am 14. Dezember 1917 als Los 464 nachweisen (siehe unten die Katalogseite). Dies war eine Auktion von Antiquitäten und Kunstwerke aus der „National-Sammlung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen”. Anhand von Handexemplaren des Auktionshauses lässt sich der damalige Käufer identifizieren als der Hamburger Holzhändler Robert Kiehn (Firma „Schüt & Kiehn“), der „Am Bergeshang“ für 695,- Mark erwarb. Wohl nicht allzu viel später (um 1920-25?) kam das Werk zu der Hamburger Galerie „Kunstsalon Krone“ am Glockengießerwall 22, wie ein (teilweise abgerissenes) Etikett auf der Rahmenrückseite belegt. Ob es dort nur ausgestellt oder auch weiterverkauft wurde ist jedoch unbekannt.

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[1] Schultze-Naumburg, Paul (1897): Die Große Berliner Kunstausstellung, in: Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, Jg. 12, Heft 15 (v. 15. Juni 1897), S. 280-284 [hier: 283].
[2] Warncke, Paul (1911): Von der Mark bis nach China, in: Westermann´s Monatshefte, 55. Jg., Heft 11, Braunschweig: Westermann, S. 652-653.

 

 

Zu Adolf Obst (27.08.1869 Berlin – 27.12.1945 Potsdam):
Maler, Zeichner.
Sohn des Kirchenbeamten Heinrich Obst und dessen Ehefrau Auguste, geb. Schmidt.
Mit 14 Jahren wurde er Lehrling in der Berliner Reichsdruckerei; parallel dazu Besuch von Kursen an der Kunstakademie in Berlin.
Ab 1888 Studium an der Kunstakademie Berlin, zuletzt Meisterschüler von Eugen Bracht.
1894 nahm er das erste Mal an der “Großen Berliner Kunstausstellung” teil, bei der er in der Folge immer wieder Werke zeigen konnte. Weitere Beteiligungen an Ausstellungen gab es u. a. in Cottbus, Frankfurt / Oder, München, Stralsund, Wien.
1897 anteilige Verleihung des Preises der Adolf-Ginsberg-Stiftung.
1897-98 erhielt er ein Stipendium des preußischen Kultusministers und begann zusammen mit dem Schriftsteller Paul Lindenberg (1859-1943) eine Reise um die Welt (über Ägypten, Indien, China, nach Japan, Amerika und zurück).
Nach seiner Rückkehr gründete Obst eine private Malschule in Berlin-Wilmersdorf.
1900-01 Teil des deutschen Expeditionskorps in China, sowie Kriegsmaler bzw. künstlerischer berichterstatter beim Boxeraufstand.
1902 war er wieder in Berlin, wurde Mitglied im “Verein Berliner Künstler” und etablierte sich vor allem als Landschaftsmaler, wobei die Mark Brandenburg zu einem Schwerpunkt seines Schaffens wurde.
1907 Frankreich-Reise und Besuch der Académie Julian in Paris.
23. März 1907 Heirat mit Elfriede, geb. Kleinau. Das Paar hatte die Kinder Ilse (*1908) und Waltrum (*1917).
Ab etwa 1910 lebte Obst am Hohenzollerndamm 12.
Im Ersten Weltkrieg wurde Adolf Obst als Schlachtenmaler der 5. Armee an der Westfront eingesetzt.
In den 1930er Jahren entstanden viele Werke mit Saarland-Bezug – sowohl Landschaften wie auch Industrie-, Zechendarstellungen.
1943 kriegsbedingt Zerstörung des Ateliers am Berliner Hohenzollerndamm 12, worauf Obst nach Potsdam verzog.
Beim Herannahen der roten Armee, wurde sein Bilderbestand nach Glindow (Werder, Havel) ausgelagert. Nachdem die Besatzungsmacht das Lager entdeckte, wurden die Werke vernichtet, was den überlieferten Bestand der Werke von Adolf Obst deutlich reduzierte.

Literatur / Quelle
— „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL), De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Internetseite zum Künstler
— Degener, Herrmann A. L. (1935): Degeners Wer ist`s?, Berlin: Hermann Degener, S. 1156-1157
— Lorenz, Detlef (2002): Künstlerspuren in Berlin vom Barock bis heute, Berlin: Reimer, S. 167
— Warncke, Paul (1911): Von der Mark bis nach China, in: Westermann´s Monatshefte, 55. Jg., Heft 11, Braunschweig: Westermann, S. 650-658

 

 

 

Auszug aus der
Zeitschrift “Deutsche Kunst” (I. Jg.), Nr. 37 (12. Juni 1897), S. 439

 

 

Katalog zur
„Großen Berliner Kunstausstellung 1897“ mit „Am Bergeshang“ von Adolf Obst als Katalognummer 1097.

 

 

Auszug aus dem
Auktionskatalog von Hugo Helbing (München), vom 14. Dezember 1917.