W A L T E R    M A R C U S E    (26.05.1896 Mannheim – 15.07.1976 Fosterdale (USA))

 

 

 

Walter Marcuse: „Bridge on Park Way North White Plains“ (1972)

 

Walter Marcuse: „Bayerische Landschaft“ (um 1935)

 

Walter Marcuse: ‚Blick auf Haßmersheim mit St. Dionysius‘ (1953)

 

Zu Walther[1] Ernst Marcuse (26.05.1896 Mannheim – 15.07.1976 Fosterdale (USA)):
Maler, Zeichner.
Walther war das zweite von drei Kindern des Ehepaars Dr. Julian Marcuse (1862 Posen – 1942 Ghetto Theresienstadt) und Maria, geb. Kolb (1868 Würzburg – ?). Der Vater war renommierter Psychiater, Sexualhygieniker und Arzt, der anfangs in Mannheim arbeitete und lebte (Q 2, 13 bzw. R3, 15b) und dann ab 1905 das Sanatorium in Ebenhausen als ärztlicher Leiter übernahm. Zudem war Dr. Julian Marcuse SPD-Mitglied und auch Mitglied im „Verein sozialistischer Ärzte” (München). Am 29.07.1942 wurde er aus München nach Theresienstadt deportiert.
Im Ersten Weltkrieg meldet sich Walther Marcuse als Freiwilliger und wird bei der Artillerie im Westen eingesetzt.
Nach der Rückkehr aus dem Krieg lässt er sich in München nieder und heiratet Augusta (”Gussi”) Katharina Fritz.
Ab dem Sommersemester 1920 ist er an der Kunstakademie München (bei Carl Johann Becker-Gundahl). Es entstehen Freundschaften zu u.a. Josef Achmann, Leo von Welden. Marcuse unternimmt Studienreisen nach Tirol und in die Cheimseegegend.
1925 schuf er Radierungen für eine bibliophile Auflage von Goethes “Hermann und Dorothea“ (Detmold: Verlag der Meyerschen Hofbuchhandlung).
1927 kurzzeitiger Wohnsitz in Holzberg (Gemeinde Bad Endorf), bevor er 1930 wieder in München (Kaulbachstraße 33) nachweisbar ist.
1927 gestaltet er den Einband für das Buch “Wir sind Gefangene. Ein Bekenntnis aus diesem Jahrzehnt.” (München: Drei Masken Verlag) von Oskar Maria Graf.
Ein Jahr später schuf er die Bilder zu Grafs “Das bayrische Dekameron” (Berlin, Wien, Leipzig: Verlag für Kulturforschung).
1930 erscheinen zwei Zeichnungen von Marcuse in der Zeitschrift “Der wahre Jacob” (Heft 20, S. 12 (“Bayerische Landschaft”), Heft 21, S. 10 (o.T.)).
1931-32 mehrmonatige Aufenthalte bei der Schwester Eva in Rumänien, welche 1929 den bulgarischen Arzt Dr. Simon Jankoff Iwanoff geheiratet hatte.
Nach der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 gilt die Ehe der Eltern als “Mischehe”, was zugleich auch Repressionen für Walther Marcuse bedeutet. Marcuse kann bald darauf an dem öffentlichen Kulturbetrieb nicht mehr teilnehmen, er lebt vom Geld der Eltern, zieht sich zurück und reist erneut für mehrere Monate zur Schwester Eva nach Rumänien (Winter 1935/36, Sommer 1939).
In Rumänien findet er die dörfliche Kultur als Motiv und es entstehen vor allem Zeichnungen.
1940 Emigration in die USA. Anfangs ist Marcuse als Restaurator in New York tätig. In den Sommermonaten arbeitet er als Ferienbetreuer (‘Boy Scout’) von Jugendlichen am Lake Androscoggin / Wayne.
1951 kehrt er zeitweise nach Deutschland zurück, auch um die Erbschaftsangelegenheiten zu klären.
1953 ausgiebige Deutschlandreise durch den Chiemgau und das Neckartal. Nach dem Sommer kehrt er in die USA zurück.
In den USA nimmt Marcuse nicht am öffentlichen Kunstbetrieb teil und lebt zurückgezogen.
1958 Umzug nach White Plains.
1967 Umzug nach Fosterdale.
Walther Marcuse ist bis zuletzt künstlerisch tätig und es entstehen vor allem Landschaften und figürliche (Alltags-)Szenen.

Ausstellungen
— 1929 “Ausstellung junger Pariser und Münchener Künstler”, Galerie Heinemann, München
— 1929 Weihnachtsausstellung, Galerie Heinemann, München
— 1930 Beteiligung an der Glaspalast-Ausstellung, München
— 1932 “Ausstellung Goethe in der Buchkunst der Welt”, Verein Deutsche Buchkünstler, Leipzig
— 1933 “Staatliche Kunstausstellung München”, Neue Pinakothek, München
— 1952 Galerie Schöninger, München
— 2022 vertreten bei der Ausstellung “Auf Papier – Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik aus der Priener Kunstsammlung”, Heimatmuseum Prien

Preise
1957 2. Preis bei der Larchmont Annual Art Exhibition.

Sammlungen
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Staatliche Graphische Sammlung, München
Städtische Sammlung Prien am Chiemsee

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[1] Obgleich in der Geburtsurkunde (Mannheim, Geburtsurkunde Nr. 1400/1896) der Vorname als „Walther“ geführt wird, wird dieser im Späteren – auch zu Lebzeiten des Künstlers – doch stets ohne „h“ geschrieben.