M A R G A R E T H E    K R I E G E R    (27.4.1936 Mannheim – 22.7.2010 Heidelberg[?])

 

Weitere Werke von Margarethe Krieger

 

 

„Michel Simon“ (1980)

Lithografie auf Maschinenbütten

€ 140,-

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Titel
„Michel Simon“ [so unten links in Blei betitelt]

Technik
Lithografie auf Maschinenbütten

Signatur
unten rechts signiert

Jahr
unten rechts datiert „1980“

Größe
Größe: 70 x 49,9 cm (Blatt)

Auflage
unten mittig nummeriert „42/120“

Zustand
im Bereich des früheren Passepartoutausschnitts gleichmäßig sehr leicht nachgedunkelt; verso an den Rändern umlaufend braunes Klebeband

Provenienz
Berthold Zimmermann (geb. 1935 in Karlsruhe), damaliger Kraichtaler Bürgermeister und Ehrenbürger Kraichtals. Hierzu unten rechts von der Künstlerin gewidmet „für Erika und Berthold Zimmermann“
[In seiner Amtszeit (1971-88) setzte sich Zimmermann stark für das dortige Kulturleben ein. So war er maßgeblich an der Etablierung der örtlichen Gemäldegalerie beteiligt, unter seiner Federführung wurden das Badische Bäckerei-Museum, das Deutsche Zuckerbäcker-Museum und auch das Heimatmuseum eröffnet. Dass er sich auch für die in der Region lebenden Künstler einsetzte, zeigt diese Widmung Margarethe Kriegers.]

 

 

Margarethe Krieger war eine ganz vorzügliche Zeichnerin, Grafikerin und Illustratorin, die vor allem durch ihre eindringlichen Menschendarstellungen etwas Bleibendes hinterlassen hat. Krieger studierte an der Karlsruher Kunstakademie (bei Karl Hubbuch).
Schon früh fand sie zu ihrem bevorzugten Metier: dem Menschen. Sie schuf dabei vor allem schwarz-weiß Zeichnungen, Druckgrafiken und Buchillustrationen.
Für Ihr Schaffen erhielt sie 1968 den Grafikerpreis im Musée d´Art Moderne (Paris), 1973 wurde ihr der Internationale Kunstpreis für ausländische Künste am Musée d´Art Moderne (Paris) zuerkannt, 1978 bekam sie die Goldmedaille der Italienischen Akademie der Künste, 1979 wurde sie mit der Ehrengabe des Zentralverbandes der Sozialversicherten Deutschland ausgezeichnet und 1992 erhielt sie den Willibald-Kramm-Preis (Heidelberg).
Neben ihrer kunsterzieherischen Tätigkeit in Weinheim, schuf sie Illustrationen zu Büchern wie u. a. „Don Quijote“, wie auch zu Büchern und Personen der Bibel und auch zu Werken von u. a. Anna Maria Achenrainer, Willem Enzinck, Dagmar Mutius, Ana Simon.

Die hier gezeigte Lithografie zeigt den schweizerischen Schauspieler Michel Simon (1895 Genf – 1975 Bry-sur-Marne). Es handelt sich bei diesem auf 1980 datierten Blatt demnach um eine posthum entstandene Arbeit, was im Schaffen Kriegers gerade bei Bildnissen Simons aber auch bei Bildnissen Oskar Werners zu sehen ist [1]. Margarethe Krieger kannte Simon seit 1965. Während eines Aufenthalts am Bodensee traf sie mit Simon zusammen, der sich damals in einem Sanatorium erholte. Das markante Gesicht, die Falten und Furchen faszinierten die Künstlerin und sie zeichnete ein Portrait – in der Folge entstand daraus eine ganze eigene Werkgruppe. Beachtenswerterweise waren es auch Bildnisses von Michel Simon mit denen Krieger auf Wettbewerben Preise erhielt, so u. a. den oben erwähnten Graphik-Preis des 84. Salon de l‘union des femmes peintres im Musée d’ Art Moderne 1968.
In der hier vorliegenden Lithografie hat Krieger den Abstraktionsgrad merklich erhöht. Die äußeren Bereiche sind eher zart und sehr reduziert ausgeführt und führen in ihren lockeren Linien zur Bildmitte, dem Gesicht, hin. Dieses ist signifikant dunkel, mit harten, kantigen Flächen dargstellt. Der Blick aus dem leicht geneigten Kopf geht müde, traurig nach links. Es wirkt alles schwer, alles voller Trübsinn und Melancholie. Ein hartes gelebtes Leben tritt er auf eine unnachahmliche Weise vor den Betrachter.

„Für Michel Simon waren Margarethe Kriegers Zeichnungen wie ein Schock. Weil sie blitzartig etwas von Wahrheit enthüllen, und vor dieser Wahrheit verschlug es ihm die Sprache.“ [2]

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[1] dra (Autorenkürzel): In jedem leeren Blatt steckt ein Stück großes Drama. Margarethe Krieger, Künstlerin und Lehrerin am Werner-Heisenberg-Gymnasium, feiert heute 60. Geburtstag, in. Weinheimer Nachrichten (WN), vom 27./28.04.1998, S. 7.
[2] „Mit dem französischen Schauspieler Michel Simon verbindet sie ebenso wie mit Oskar Werner eine tiefe menschliche Verbundenheit, die sich sogar über en Tod der beiden hinweg fortsetzt. Auch nach deren Abschied wandeln sie durch ihre vielschichtigen, fragmentarisch angelegten Zeichungen, die sich fast ausschließlich mit dramatischen und literarischen Stoffen auseinandersetzen.“ (ebd.)

 

 

Zu Margarethe Krieger (27.4.1936 Mannheim – 22.7.2010 Heidelberg[?]):
Malerin, Zeichnerin, Grafikerin, Illustratorin; seit früher Kindheit mit der Familie in Heidelberg ansässig; Studium an der Kunstakademie Karlsruhe (bei Karl Hubbuch); 1961 Illustrationen zur Erzählung „Hol über!“ von Ludwig Friedrich Barthel; 1968 Grafikerpreis im Musée d´Art Moderne (Paris); 1973 Internationaler Kunstpreis für ausländische Künste am Musée d´Art Moderne (Paris); 1978 Goldmedaille der Italienischen Akademie der Künste; 1979 Ehrengabe des Zentralverbandes der Sozialversicherten Deutschland; 1979 entstanden Illustrationen (Rohrfederzeichnungen) zu Don Quichotte; 1992 Willibald-Kramm-Preis (Heidelberg); lehrte Kunsterziehung in Weinheim; im Januar 2004 erlitt sie einen Schlaganfall; illustrierte u.a. das biblische Buch „Hiob“, sowie die Geschichte vom verlorenen Sohn; zentrale Motive des Schaffens von Margarethe Krieger waren Leiderfahrung, Not, Reifung, Verzicht und Selbstprüfung; ihren künstlerischen Nachlass vermachte sie der Stadt Kraichtal 

Literatur / Quellen
— HÄUSLLER, Volkmar (2005): Brecht in der Buchkunst und Graphik; Augsburg; S. 134
— „Chiffren des Seins“ in Schwarz und Weiß. Nachruf: Heidelberger Künstlerin Margarethe Krieger verstorben „, in: Mannheimer Morgen (v. 03.08.2010)
— Internetseite von Syberberg Filmproduktion [syberberg.de]