T H E O D O R B R Ü N (18.09.1885 Hamm – 04.08.1981 Hagen)
Weitere Werke von Theodor Brün
„Soldat lesend mit Mütze“ (1916)
Tuschfeder auf leichtem, sandfarbigem Karton, verso am oberen Rand befestigt auf weißen Karton, in Passepartout
€ 370,-
Titel
„Soldat lesend mit Mütze“ [so im Passepartout unten mittig in Blei bezeichnet]
Technik
Tuschfeder auf leichtem, sandfarbigem Karton, verso am oberen Rand befestigt auf weißen Karton, in Passepartout
Signatur
unten mittig signiert „Brün“
Jahr
unten mittig datiert „[19]16“
Größe
Größe: 22 x 16,8 cm (Blatt) bzw. 50 x 40 cm (Passepartout)
Zustand
Blatt verso am oberen Rand befestigt auf weißen Karton, in Passepartout; Ecken schwach bestoßen; verso in Blei mit Maßangaben; Passepartout verso unten links in Blau nummeriert
1911-12 konnte Theodor Brün die Radierklasse von Peter von Halm in München besuchen, zog dann aber zurück zu seinen Eltern und widmete sich selbst der künstlerischen Ausbildung. Unterbrochen wurde dieser Abschnitt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, den der Künstler in Polen, Frankreich und Galizien als Soldat miterlebte. Während dieser Zeit entstanden zahlreichen Zeichnungen von Soldaten und Landschaften. Überaus trefflich würdigt Paul Drücke das damalige zeichnerische Schaffen wie folgt:
“Der Soldat [i. e. Theo Brün] hat offenbar in jeder freien Stunde gezeichnet. Es gibt Hunderte von Federzeichnungen aus Polen und Frankreich, Landschaften, […], vor allem aber Darstellungen des Lebens im Unterstand, wo sich die Kameraden die langen Wartezeiten zwischen den Kämpfen mit verschiedenen Beschäftigungen zu vertreiben suchen. Die meisten dieser Zeichnungen sind vollkommen durchgearbeitet, durch Tausende von Federstrichen etwas das Dunkel im Unterstand vergegenwärtigend, aus dem die vom Kerzenschein erleuchteten Gesichter der Schreibenden oder Lesenden auftauchen. Es ist verwunderlich, wie ein vom Stellungskrieg Belasteter die physische und vor allem die geistige Kraft dazu aufbringen konnte.
In mehrerer Hinsicht ist es bezeichnend, daß es keine einzige Darstellung des Kampfes oder des grauenvollen Danach gibt.” [1]
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[1] Paul Drücke: Vorwort, in: Theodor Brün. Aquarelle, Graphiken und Plastiken. Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag [Katalog, Sparkasse Hagen, 21. Mai bis 7. Juni 1985), o. V., unpag. [S. 3-10 [hier: 6]].
Zu Theodor (Theo) Friedrich Heinrich Brün (18.09.1885 Hamm – 04.08.1981 Hagen):
Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer.
Theo Brün war das älteste von insgesamt neun Kindern. Sein Vater war Kaufmann, doch hatte dieser nicht immer eine glückliche Hand, so dass die Familie oftmals finanzielle Not hatte, die zu mehreren Umzügen zwang. – Von Hamm 1892 nach Essen, 1895 weiter nach Rellinghausen, um 1900 nach Dillenburg, 1911 nach Hagen und 1920 nach Hagen-Emst.
Nach seinem Abitur 1905 beginnt Brün – mit Unterstützung eines Onkels – ein Jurastudium in München, das er aber nach Kurzem nur noch der Form halber behält, um sich der Kunst zu widmen und an der dortigen Kunstakademie zu studieren. Wenig später reiste er nach Paris und besuchte dort die Académie Julian. Der unterstützende Onkel erfährt von diesem Sinneswandel zur Kunst und versagt ihm weitere Förderung. Mit Hilfe seines Zwillingsbruders konnte Brün im Winter 1911/12 die Radierklasse von Peter von Halm besuchen. Brün zog wieder zurück zu seinen Eltern und arbeitet an seiner eigenen künstlerischen Ausbildung, was dann durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen wird. Der Künstler erlebt den Krieg in Polen, Frankreich und Galizien und hält dabei zahlreiche Erlebnisse und Eindrücke zeichnerisch fest.
Die ersten Jahre nach dem Krieg waren von finanzieller Not bestimmt, doch erhielt er auch erste Aufträge als Künstler wie die Illustration von Tolstois Geschichten für den evangelischen Furche-Verlag (Berlin).
Im November 1928 heiratet er die Lehrerin Carla, die fortan maßgeblich zum Lebensunterhalt beiträgt. In demselben Jahr hat er einen wichtigen Studienaufenthalt in Paris.
1931 gestaltet er das Ehrenmal in der Kirche in Traben-Trarbach und in den folgenden Jahren kommt es zu weiteren Aufträgen sowie auch zu Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen.
Im Dritten Reich werden vor allem seine Menschendarstellungen kritisch betrachtet und diffamiert, was schließlich 1937 auch zur Beschlagnahme von drei Skulpturen und drei Aquarellen in Hagen und Hamm als „entartet“ führte. Ausstellungsmöglichkeiten brachen weg und Aufträge verebbten. Erneut hatte die Familie finanzielle Not, was Brün dazu veranlasste bei Kriegsbeginn in das Heer einzutreten. „Er wird noch im Ausbildungslehrgang wegen politischer Unzuverlässigkeit nach Hause geschickt“ (Paul Drücke). Bis 1945 konnte die Familie vor allem durch die Unterstützung der „Caritas-Lichtbild-Gesellschaft“ und deren Illustrationsaufträgen überleben.
Als wenige Jahre nach dem Krieg insbesondere die Abstraktion im Kunstbereich gewünscht wurde, konnte Brün nicht mitgehen und geriet ins Abseits, was erneut zu finanzieller Not führte und die Ehefrau zu erneutem Eintritt in den Schuldienst zwang. Ohne Zweifel belegt auch dies die große Liebe der Ehefrau und das überzeugte Interesse dieser am Schaffen ihres Ehemanns.
Einzelausstellungen (Auswahl)
1930 Märkisches Museum, Witten
1933 Kunstverein Münster
1935 Carl Ernst Osthaus-Museum, Hagen
1936 Stadtmuseum Wuppertal
1979 Gustav Lübcke Museum, Hamm
1985 Sparkasse, Hagen
1995 Museum Stellingwerff-Waerdenhof, Hasselt/Limburg
Sammlungen
Carl Ernst Osthaus-Museum, Hagen
Gustav Lübcke Museum, Hamm
Literatur
— Wille, Hans: Theodor Friedrich Heinrich Brün, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Drücke, Paul: Vorwort, in: Theodor Brün. Aquarelle, Graphiken und Plastiken. Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag [Katalog, Sparkasse Hagen, 21. Mai bis 7. Juni 1985), o. V., unpag. [S. 3-10]



















