P A U L A W I M M E R (09.01.1876 München-Solln – 15.06.1971 Dachau)

Weitere Werke von Paula Wimmer
Zur Motivseite ‚Süddeutsche Landschaften‘
Nymphenburger Schlosspark im Sommer (um 1915-20)
Öl auf Leinwand (zugeschnitten), aufgezogen auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
€ 3.400,-
Titel
ohne Titel [Nymphenburger Schlosspark im Sommer, am oberen Rand links Bögen von Schloss Nymphenburg [1]]
Technik
Öl auf Leinwand (zugeschnitten), aufgezogen auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
Signatur
unten rechts signiert „P. Wimmer“
Jahr
undatiert [um 1915-20]
Größe
Größe: 42 x 51,5 cm (ohne Rahmen) bzw. 51,5 x 60,5 cm (mit Rahmen)
Zustand
Leinwand wurde (wohl von der Künstlerin) auf die Kanten zugeschnitten und zur Sicherung auf neue Leinwand aufgezogen; in den vier Ecken und an den Rändern kleine Einstichlöchlein von früherer Befestigung der Leinwand; an den pastosen Farbpartien etwas fleckig und beschmutzt; ebenso an den pastosen Farbpartien mitunter leichte Craquelé-Bildung
Leinwand verso oben rechts leicht fleckig
Keilrahmen verso oben links in Blei bez. „M 4“, sowie daneben unleserlich; Keilrahmen verso oben rechts in Rot nummer. „40“; Keilrahmen verso rechts unten bez. (wohl von Rahmenmacher); Keilrahmen unten links mit aufgeklebtem Zettel mit Hinweis eines Vorbesitzers zur Künstlerin („Paula Wimmer hat in München einen guten Namen.“)
Abbildung
Samuelis Baumgarte Galerie (Hrsg.) (2025): The Weimar Era. Arts of the Weimar Republic, Bielefeld, S. 167 [ganzseitige Farbabbildung]
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[1] Eine weitere Ansicht des Nymphenburger Parks („Nymphenburger Park im Herbst“, 1915, Öl/Lw., 40,5 x 65,5 cm) wurde am 13.05.2004 bei Neumeister (München) als Los 522 versteigert.
Werkbeschreibung
Paula Wimmer ist eine ganz wichtige Vertreterin der Moderne im 20. Jahrhundert. Sie wirkte vornehmlich in München und Dachau, doch geht ihre Relevanz weit über Münchner und Dachauer Kreise hinaus.
Dass sie in ihrem Œuvre zu einem ganz eigenen Ausdruck mit markantem Wiedererkennungswert fand, ist vor allem auch deswegen beachtenswert, wenn man bedenkt, dass sie als Geburtsjahrgang 1876(!) eigentlich weit mehr dem 19. Jahrhundert zuzurechnen wäre. Selbst die wichtigen Brücke-Künstler – Heckel, Kirchner, Pechstein und Schmidt-Rottluff – waren allesamt mehrere Jahre jünger. Dass Paula Wimmer gerade als (etwas ältere) Frau in der damaligen Zeit dennoch sich einen eigenen Weg zur Moderne bahnte ist in der erbrachten Leistung beachtlich und mit Bezug auf heutige Umstände schlicht nicht vorstellbar.
Ihr Vater Karl Wimmer war Justizrat und Anwalt. Ihre Mutter Pauline, geb. Kanzler, starb kurz nach der Geburt, so dass sich der Vater mit „Tante Anna“ neu verheiratete.
Schon in der Jugend zeichnete sie und mit etwas über 20 Jahren erhielt sie die erste Ausbildung bei Carl Johann Becker-Gundahl an der Kunstakademie München. Es kam zu wichtigen Bekanntschaften mit Franz von Stuck und Max Feldbauer. Zusammen mit ihrer Stiefmutter unternahm sie zwischen 1900-10 prägende und einflussreiche Studienreisen nach Rom, Florenz, Venedig, Paris. Und in Paris besuchte sie damals für einige Monate die Privatschule der legendären Künstlergruppe „Nabis“ an der „Académie Ranson“.
Bereits zu dieser Zeit konnte sie an Ausstellungen der Münchner Sezession und des Münchner Kunstvereins teilnehmen. Kurz darauf folgten Beteiligungen bei den „Juryfreien“, im Glaspalast, sowie auch Ausstellungen in der Galerie Thannhauser.
Als sie 1911 nach München zurückkehrte besuchte sie die private Malschule von Feldbauer und unternahm mit diesem Reisen nach Griesbach und in die Bretagne. Während der Kriegsjahre 1914 bis 1916 hielt sie sich zusammen mit der Stiefmutter in Berlin auf und schloss dort Bekanntschaften mit u. a. Paul Cassirer, Fritz Gurlitt, Paul Westheim, Alfred Kubin, Else Lasker-Schüler. Dass diese Jahre von besonderer Bedeutung waren, wird in dem einleitenden Zitat deutlich.
Nach dieser Zeit in Berlin zog Paula Wimmer 1916 nach Dachau. Ein Künstlerort, der sie fortan nicht mehr loslassen sollte und in dem sie – abgesehen von kurzen Episoden in Wien und Regensburg – bis zu ihrem Tod lebte. Sie engagierte sich im dortigen Kunstgeschehen und war 1919 Mitbegründerin der „Künstlergruppe Dachau“.
1958 war sie vertreten bei der maßgeblichen Überblicksausstellung „Aufbruch in die Moderne“ im Münchner Haus der Kunst. 1976 gab es in Dachau posthum zu ihrem 100. Geburtstag eine Einzelausstellung, was sich 1994-95 nochmals wiederholte. In den letzten Jahren tritt Paula Wimmer verstärkt in das öffentliche Interesse und ihre Werken werden immer wieder gezeigt, wie bspw. 2011 bei der Ausstellung „Ich im Aufbruch. 50 Maler des Expressiven Realismus. Menschen-Bilder 1914-1979“ (Städtische Galerie ada, Meiningen), 2018 bei der großen Schau „Verschollene Malerinnen?“ (Kunsthalle Schweinfurt), 2019 bei der nicht minder umfangreichen Schau „Malerinnen des expressiven Realismus“ (Neues Schloß, Kißlegg), 2024-25 bei der Ausstellung „Wünsche werden wahr“ (Magda Bittner-Simmet Stiftung, München) oder auch bei der großen, noch anstehenden Ausstellung (Okt. 2025-Febr. 2026) „Gegen alle Widerstände – Künstlerinnen der Moderne“ (Kirchner-Haus, Aschaffenburg).
Deutlich wird dadurch – wenn man heute von Künstlerinnen des expressiven Realismus spricht, dann ist Paula Wimmer ganz vorne dabei und nicht mehr wegzudenken.
Das hier gezeigte Gemälde entstand in der so wichtigen Schaffenszeit um 1915-20. Paula Wimmer eröffnet dem Betrachter einen expressiven, aus strahlend intensiven Farbflächen sich bildenden Blick in den Nymphenburger Schlosspark. Im Hintergrund zeigen sich Teile der Rundbögen von Schloss Nymphenburg, während die restliche Bildfläche von üppig blühender Blumen- und Pflanzenpracht dominiert wird. Wimmer hat dabei einen erstaunlich hohen Abstraktionsgrad und legt ihren Fokus ganz deutlich auf die Farbe. Es sind dabei diese Farbflächen und deren Zusammenspiel aus denen sich das Werk bildet und seine Wirkung entfaltet – eine dezidiert moderne Herangehensweise.
Zu Paula Wimmer (09.01.1876 München-Solln – 15.06.1971 Dachau):
Malerin, Zeichnerin, Grafikerin
Tochter des Justizrats und Anwalts Karl Wimmer und dessen Frau Pauline, geb. Kanzler.
Tod der Mutter kurz nach der Geburt und hierauf Wiederverheiratung des Vaters mit ‚Tante Anna‘.
um 1900 erste Ausbildung bei Carl Johann Becker-Gundahl an der Kunstakademie München
Bekanntschaft mit Franz von Stuck und Max Feldbauer
1900-10 Studienreisen mit der Stiefmutter nach Rom, Florenz, Venedig, Paris; in Paris besuchte sie einige Monate die Privatschule der Nabis an der
„Académie Ranson“
Freundschaft mit der Bildhauerin Marie Janssen (1876-1970)
1911 Rückkehr nach München und Besuch der privaten Malschule von Max Feldbauer
zusammen mit Feldbauer Reisen nach Griesbach und in die Bretagne
1914-16 zusammen mit der Stiefmutter Aufenthalt in Berlin und dort Bekanntschaft mit u.a. Paul Cassirer, Fritz Gurlitt, Paul Westheim, Alfred Kubin, Else Lasker-Schüler
1916 Umzug nach Dachau
1937 bei der Aktion „Entartete Kunst“ wird ein Werk beschlagnahmt
um 1965 Aufenthalte in Wien und Regensburg
Ausstellungen (Auswahl)
— 1906 Beteiligung an einer Ausstellung der Münchner Sezession
— 1907 Beteiligung an einer Ausstellung im Münchner Kunstverein
— ab 1911 Beteiligung an den Kunstausstellungen der Juryfreien in München, sowie vertreten in der Galerie Thannhauser
— 1916 Beteiligung an der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast; weitere zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen u.a. im Münchner Glaspalast, sowie bei der Münchner Secession
— 1934-35 Beteiligungen an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek)
— 1953 Beteiligung an der „Frauen-Biennale“, Bozen
— 1958 Beteiligung an der Ausstellung „Aufbruch in die Moderne“ (Haus der Kunst, München)
— 1976 Ausstellung zum 100. Geburtstag der Künstlerin in der Kreis- und Stadtsparkasse Dachau
— 1994-95 Einzelausstellung beim Verband Dachauer Galerien und Museen, Dachau
— 2011 vertreten bei der Ausstellung „Ich im Aufbruch. 50 Maler des Expressiven Realismus. Menschen-Bilder 1914-1979“, Städtische Galerie ada, Meiningen
— 2019 vertreten bei der Ausstellung „Malerinnen des expressiven Realismus“, Neues Schloß, Kißlegg
— November 2024 – März 2025 mit mehreren Werken vertreten bei der Ausstellung „Wünsche werden wahr“, Magda Bittner-Simmet Stiftung, München
— Oktober 2025 – Februar 2026 mit mehreren Werken vertreten bei der Ausstellung „Gegen alle Widerstände – Künstlerinnen der Moderne“, Kirchner-Haus, Aschaffenburg
Preise
1918 Verleihung der österreichischen Silbernen Staatsmedaille für das Gemälde „Schleißheim“
Mitgliedschaften
1919 Mitbegründerin der Künstlergruppe Dachau
1946 Neugründungsmitglied des Münchner Ortsverbandes der GEDOK
Sammlungen
Gemäldegalerie Dachau
Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
Staatsgalerie Stuttgart
Sammlung Joseph Hierling, Tutzing
Sammlung Frank Brabant, Wiesbaden
Literatur
— Dachauer Galerien und Museen (1994): Paula Wimmer 1876-1971 [Katalog zur Ausstellung in der Gemäldegalerie Dachau 25.11.1994 bis 31.01.1995]; Freising: Sellier
— Heres, Horst (1985): Dachauer Gemäldegalerie; Dachau: Bayerland; S. 288
— Trompetter, Nina: Paula Wimmer, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion





































