L U I S E    K O R N S A N D    (11.07.1876 Wilferdingen (Enzkreis) – 04.03.1972 South Dennis, MA (USA))

 

 

 

Luise Kornsand: Kindergruppe auf Felsen vor alpiner Gebirgskulisse (wohl um 1930-35)

 

Luise Kornsand: ‚Stillleben mit Paprika, Zitronen in blauer Schale und kleinem Blumenstrauß auf einem Stuhl‘ (1940)

 

 

Zu Luise Kornsand (11.07.1876 Wilferdingen (Enzkreis) – 04.03.1972 South Dennis, MA (USA)):
Malerin; jüngste von fünf Töchtern des Steinbruchbesitzers Johann Lutzweiler und dessen Frau Eva, geb. Schäfer; Heirat mit dem Kaufmann Karl Kornsand (04.03.1858 Leeheim – 19.01.1922 Karlsruhe); 12.02.1894 Geburt des Sohnes Emil in Colmar (der spätere Musiker verstarb im Juni 1973 in Brookline, MA); um 1900 verzog die Familie nach Karlsruhe und Luise wurde an der dortigen Malerinnenschule angekommen, die sie dann bis 1905 besuchte (Unterricht bei Ludwig Schmid-Reutte und Julius Schold); 1922 nach dem Tod des Ehemanns zog Luise Kornsand zu ihrem Sohn nach Berlin-Charlottenburg (dort ansässig in der Mommsenstraße 2); Emil Kornsand war seit 1924 angestellt an der Berliner Staatsoper; Emil Kornsand galt unter den nationalsozialistischen Rassegesetzen als „Halbjude“, wurde Ende 1937 zwangspensioniert und emigrierte 1938 in die USA und erhielt eine Anstellung am „Boston Symphony Orchestra“; im März 1939 folgte ihm seine Mutter und lebte fortan bei ihrem Sohn; in den USA fand sie nicht mehr zu ihrem früheren künstlerischen Schaffen zurück und es sind nur bis in die frühen 1940er Jahre hinein Werke von ihr nachweisbar

Luise Kornsand schuf vor allem Stillleben und Bildnisse, sowie teilweise auch Landschaften. Die frühen Arbeiten um 1910-15 zeichnen sich vor allem durch eine nuancenreiche Lichtführung aus, die das Motiv oftmals in einen Dämmerzustand legt. Im Späteren öffnet sich Luise Kornsand mehr dem Spätimpressionismus und expressiven Ausdrucksmöglichkeiten. Durch den breiteren Pinselstrich und die aufgehellten, kräftigeren Farben tritt das Filigrane des früheren Schaffens in den Hintergrund. Die Farbe erhält unmittelbare Aussagekraft. Sie hat hier zu einem eigenen expressiv realistischen Ausdruck gefunden, den sie aber aufgrund der Repressionen und ihrer Emigration nur noch wenige Jahre weiter ausarbeitete.

Werke: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Städtische Galerie Karlsruhe

Ausstellungen
1913 „Internationale Frauenkunst-Ausstellung“, Turin; ab 1913 Beteiligungen an den „Deutschen Kunstausstellungen“, Baden-Baden; Juni-Juli 1914 Ausstellung des „Bundes Badischer Künstlerinnen“ (im Hauptsaal der damaligen Ausstellung des Mannheimer Kunstvereins), Mannheim; 19.09.-08.11.1925 „Juryfreie Kunstschau“, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, Berlin; 24.05.-19.07.1981 „Kunst in Karlsruhe 1900-1950“, Badischer Kunstverein, Karlsruhe

Literatur
Brandenburger-Eisele, Gerlinde (1992): Malerinnen in Karlsruhe 1715-1918, in: Karlsruher Frauen 1715-1945. Eine Stadtgeschichte; Karlsruhe; S. 264
Brandenburger-Eisele, Gerlinde (1995): Von Hofmalerinnen und Malweibern. Karlsruher Künstlerinnen im 19. Jahrhundert, in: Sylvia Bieber (Hrsg.): Frauen im Aufbruch? – Künstlerinnen im deutschen Südwesten 1800-1945; Karlsruhe; S. 129-149, hier S. 141, 422
Kornsand, Emil: Luise Kornsand und ihr Lebenswerk. Kurze Biographie, geschrieben von ihrem Sohn, Emil Kornsand (Sept. 1970) [unveröffentlicht, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe];
Koskull, Maximilian Baron von: Luise Kornsand, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion [in Bearbeitung] — Mülfarth, Leo (1987): Kleines Lexikon Karlsruher Maler; Karlsruhe; S. 195
Papenbrock, Martin (1996): „Entartete Kunst,“ Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945. Eine kommentierte Bibliographie; Weimar: VDG; S. 483
Wirth, Günther (1987): Verbotene Kunst 1933-1945. Verfolgte Künstler im deutschen Südwesten; Stuttgart: Hatje; S. 312
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Hrsg.) (1981): Kunst in Karlsruhe 1900-1950 [Ausstellung im Badischen Kunstverein 24. Mai – 19. Juli 1981]; Karlsruhe: C.F. Müller; S. 155