S T E P H A N   G U B E R   (geb. 21.12.1965 Bad Nauheim)

 

 

 

‚Das Fruchten‘ (1996)

Mischtechnik (Naturmaterialien wie u. a. Erde, Knochenleim, Bienenwachs, Kohle in Einschmelztechnik) auf Leinwand

€ 1.200,-

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Titel
ohne Titel [‚Das Fruchten‘ (im pflanzlichen Bereich)]

Technik
Mischtechnik (Naturmaterialien wie u. a. Erde, Knochenleim, Bienenwachs, Kohle in Einschmelztechnik) auf Leinwand, mit kleinen Nägeln befestigt auf Holz, gerahmt, unter Glas [Rahmung durch Galerie Sties, Kelkheim]

Signatur
unsigniert, verso kleiner Zettel mit maschinenschriftlichen Angaben zum Künstler und Werk

Jahr
undatiert [1996]

Größe
Größe: 87 x 86 (Objekt) bzw. 98 x 98,5 cm (Rahmen)

Zustand
Werk mit kleinen Nägeln befestigt auf Holz; in der Mitte des Objektes mitunter leichte Craquelé-Bildung, sowie hier im oberen Bereich des linken Teils sehr kleiner Verlust der Farbschicht

Ausstellung
„DOMUS DEI“ (Einzelausstellung des Künstlers), Kirche St. Blasii, Quedlinburg

 

 

Freundliche Hinweise zu dem Werk kamen dankenswerterweise vom Künstler selbst, dem digitale Fotografien vorliegen.

 

 

Bereits als Kind und Jugendlicher fühlte sich Stephan Guber zur Kunst hingezogen, was jedoch durch sein Umfeld nicht gefördert wurde. Nach seinem Abitur begann er ein Studium des Kommunikationsdesigns, das er jedoch enttäuscht wieder abbrach. Die folgende perspektivlose Phase war geprägt von Depressionen, aus denen ihn das freie künstlerische Malen herausholte. Ab den späten 1980er Jahren begann ein intensives Selbststudium der Kunst und der Kunstgeschichte.
Auf der Suche nach dem Wesentlichen, dem Authentischen, kam Guber in den 1990er Jahren dazu Naturmaterialien anstatt künstlich hergestellter Stoffe zu verwenden, was zugleich einen hohen Zeitaufwand und intensives Experimentieren bedeutete. Guber selbst schreibt im Rückblick zu dieser Suche nach der richtigen, natürlichen Maltechnik: “Dieser eigentlich so naheliegende Schritt war wirklich eine entscheidende Wende.” [1] Zu dieser Zeit unternahm der Künstler prägende Studienreisen durch Skandinavien, Färoer, Island, Grönland.
Dieses frühe Schaffen bezeichnet Guber selbst als “Erdungsphase”, wobei ihn hier bereits die existenziellen Fragen leiteten: “Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?” [2]. Diese Fragen sind auch im weiteren Schaffen maßgeblich und prägen die zutiefst menschliche Ausdrucksweise.
In Gubers Malerei taucht nun ganz konkret der Mensch auf, es entstehen Bildzyklen wie “Ikarus” oder “ecce homo”.
Zu Beginn der 2000er Jahre bezog die Familie die alte Dorfschule in Nidda und zugleich ist es diese Zeit in der die Menschen “komplett heraus in den Raum [traten]: Die ersten großen Holzskulpturen entstanden […]” [3]. Als Autodidakt erarbeitete sich Guber eine erstaunliche Meisterschaft im Umgang mit Holz, besuchte in der Folge mehrere Bildhauer- und Künstlersymposien und seit dieser Zeit finden sich mehrere seiner großformatigen Skulpturen bzw. Skulpturengruppen im öffentlichen Raum, darunter u. a. die Gruppe “Das Versprechen” (2010, Skulpturenpark in Bad Vilbel), das Werk “WIR” (2017, auf dem Gelände der Hessischen Landesvertretung in Berlin), zwei “Königinnen”-Skulpturen auf Schloss Freudenberg (Wiesbaden, 2005).

Dieses hier vorliegende Werk ist in die eher frühe Schaffensphase einzuordnen, in welcher Stephan Guber sich in seiner Malerei mit Naturmaterialien befasste.
Thematisch greift er hier ein Motiv auf, das ihn immer wieder beschäftigte – das Wachsen und Reifen. So schreibt der Künstler selbst dazu:

“Mit der Zeit wurde mir deutlich, dass es in allen lebendigen Prozessen eine durchaus vergleichbare Dynamik gibt. Ob es nun das persönliche, biographische Werden ist, das pflanzliche Wachstum, die Jahreszeiten oder eben künstlerische Prozesse: Die Phasen des Wachsens, des Blühens, aber auch die Stagnation und das Verwandeln des Alten als Grundlage für Neues gehören unumgänglich zusammen.” [4]

So ist dieses Werk Teil des “Domus Dei”-Zyklus, der 1996 in der Kirche St. Blasii in Quedlinburg gezeigt wurde. Es gab damals vier Bereiche (“Häuser”) im Zyklus: Haus im Erdigen, Haus im Pflanzlichen, Haus im Tierischen, Haus im Menschlichen. Jedes “Haus” hatte dann nochmals eigene Unterteilungen. Dieses hier gezeigte Werk gehört dem Pflanzlichen an, bei dem es insgesamt sechs Unterteilungen gab, von denen dieses Werk das Fruchten darstellt. Beachtenswert ist dabei, dass das Werk zweiteilig ausgeführt wurde, so dass es auf den Betrachter wie eine aufgeschlagene, alte Buchseite wirkt.
Dieser von Guber im obigen Zitat ausgedrückte, zeitlose Gedanke des natürlichen Gedeihens, Wachsens, Lebens und Vergehens, wird in dem “Domus Dei”-Zyklus künstlerisch umgesetzt. Und dieses ‘pflanzliche Fruchten’ ist ein sehr schönes Beispiel hieraus, zumal es in seiner Ausführung auch den eigenwilligen, natürlichen Zugang Stephan Gubers zu den Malmaterialien belegt.

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[1] Stephan Guber (2024): Auf der Suche nach dem Menschen, Frankfurt a. M.: info3 Verlag, S. 12.
[2] Ebd., S. 17.
[3] Ebd., S. 32.
[4] Ebd., S. 22.

 

 

Zu Stephan Guber (geb. 21.12.1965 Bad Nauheim):
Maler, Bildhauer.
1987-89 Studium an der FH Wiesbaden
Studienreisen durch Skandinavien, Färoer, Island, Grönland
seit 1987 Selbststudium im Umgang mit Erdfarben
seit 1990 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen
zwischen 1998-2004 vier Besuche des Künstlersymposiums Herrnhaag
2006, 2008 Besuche des Künstlersymposiums Laubach
2006-07 Intern. Bildhauersymposium Davos, Schweiz
2007, 2009, 2011, 2013, 2015 Beusuche des Intern. Bildhauersymposiums Bad Salzhausen
2009 Arbeitsreise durch Skandinavien,
2009 International Woodsculpting Symposium in Kemijärvi, Finnland
2010 Arbeitsreise durch Ungarn / Schweiz
2012 Arbeitsaufenthalt Daylesford/Australien
2013 Arbeitsaufenthalt Kemijärvi / FIN
2013 Künstlersymposium Oberursel
2019 Arbeitsaufenthalt La Palma
2020 1. intern. Künstlersymposium La Palma
2022 16. Skulptura Wasserburg, Bodensee

Preise
2007 Nassauer Kulturpreis – Malerei
2010 1.Preis Skulpturenpark Mörfelden-Walldorf
2010 Nassauer Kulturpreis – Kunst im freiem Raum

Literatur / Quelle
— Guber, Stephan (2024): Auf der Suche nach dem Menschen, Frankfurt a. M.: info3 Verlag
— Guber, Stephan (1998): Sal Terrae / Salz der Erde [Text: K. H. Tritschler], Lorch am Rhein: Wisperverlag
— „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Internetseite des Künstlers