M O L L Y C R A M E R (25.06.1852 Hamburg – 18.01.1936 ebd.)
bäuerlicher Hauseingang mit Hühnerschar (o.J.)
Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
€ 1.300,-
Titel
ohne Titel [bäuerlicher Hauseingang mit Hühnerschar]
Technik
Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
Signatur
unten links signiert „Molly Cramer“
Jahr
undatiert
Größe
Größe: 33,7 x 46,1 cm (ohne Rahmen) bzw. 42 x 54,2 cm (mit Rahmen)
Zustand
partiell leicht fleckig; im rechten Bildteil mittig (beim Fenster) dünne oberflächliche Kratzspur; Leinwand verso leicht fleckig; Rahmen etwas berieben sowie an Ecken sehr leicht bestoßen
Molly Cramer war Tochter des wohlhabenden deutsch-jüdischen Kaufmanns (Leinenmaklers) Cesar Cramer (05.04.1809 Hamburg – 28.11.1882 ebd.) und dessen Ehefrau Charlotte, geb. Steffens (1823-1908). Ihre ältere Schwester Helene (1844-1916) war ebenso Künstlerin und beide blieben im Leben eng verbunden. Der Vater wandte sich gegen eine künstlerische Ausbildung der beiden Schwestern, so dass diese sich erst nach dessen Tod (1882) der Kunst widmen konnten. Ersten Unterricht erhielt Molly Cramer bei Theobald Riefesell (1836-1895) in Hamburg. Weitere Lehrer waren Carl Rodeck und Hinrich Wrage. 1890 reiste sie nach Antwerpen und nahm dort Unterricht bei Eugène Joors.
Zurückgekehrt nach Hamburg fand sie in Alfred Lichtwarck einen wichtigen Förderer.
Die Schwestern Molly und Helene Cramer malten vornehmlich Stillleben mit Blumen und Früchten. Eine Besonderheit im Schaffen bei Molly liegt darin, dass sie sich ab etwa dem Ende des 19. Jahrhunderts auch der Darstellung von Landschaften und Personen zuwandte. Das vorliegende Gemälde ist dem Motiv nach in diesen Werkbereich einzuordnen.
In Hamburg hatte sie gemeinsam mit ihrer Schwester eine Wohnung in der Karlstraße 18 und später in der Auguststraße 3. Die Karlstraße 18 war zudem Treffpunkt für Künstler und Kunstfreunde, die von den wohlhabenden Schwestern auch gefördert und unterstützt wurden.
“[Molly] C.[ramer] stellt mit der kräftigen Farbgebung und der Reduzierung auf wenige große Grundformen in ihren z.T. heiteren Bildern, die den Werken frz. Impressionisten sehr nahe kommen, das größere Talent der Schwestern dar. Ihre Arbeiten werden von der heim.[ischen] Kunstkritik sehr geschätzt” (Susanne Geese). [1]
Ab 1889 beteiligte sie sich an den “Internationalen Kunstausstellungen im kgl. Glaspalast” (München), in den 1890er Jahren nahm sie an den Jahresausstellungen im Wiener Künstlerhaus teil, weiterhin war sie ab 1893 bei den “Großen Berliner Kunstausstellungen” vertreten, ebenso 1893 nahm sie an der Weltausstellung in Chicago teil. Weitere Ausstellungsbeteiligungen gab es neben Hamburg noch in u. a. Dresden, Oldenburg, Bremen.
2006 wurden Werke von beiden Cramer-Schwestern bei der Schau “Künstlerinnen der Avantgarde in Hamburg zwischen 1890 und 1933” (Kunsthalle Hamburg) gezeigt und zuletzt war sie 2016/17 vertreten bei der Ausstellung “Fortsetzung folgt! – 150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V.” (Camaro Haus, Berlin).
Dieses hier gezeigte Gemälde zeigt deutlich den spätimpressionistischen Einfluss auf die Künstlerin. Von der eher dunklen Malweise, die sie sich in den Niederlanden bei Joors aneignete, ist hier nichts mehr zu sehen und zu spüren. Vielmehr ist der Vorplatz vor dem Gebäude bestimmt von einem zauberhaften Licht- und Schattenspiel. Die liebvoll eingefügte Hühnerschar belebt das idyllische Motiv und macht das Werk zu einem sehr schönen Beispiel für das Schaffen Molly Cramers.
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[1] Geese, Susanne: Helene Cramer, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, De Gruyter-Verlag.
Zu Molly Cramer (25.06.1852 Hamburg – 18.01.1936 ebd.):
Malerin.
Tochter des wohlhabenden Kaufmanns (Leinenmaklers) Cesar Cramer (05.04.1809 Hamburg – 28.11.1882 ebd.) und dessen Ehefrau Charlotte, geb. Steffens (1823-1908). Jüngere Schwester der Künstlerin Helene (1844-1916).
Der Vater wandte sich gegen eine künstlerische Ausbildung der beiden Schwestern, so dass diese sich erst nach dessen Tod (1882) der Kunst widmen konnten.
Erster Unterricht bei Theobald Riefesell (1836-1895) in Hamburg. Weitere Lehrer waren Carl Rodeck und Hinrich Wrage.
1890 Reise nach Antwerpen und dort Unterricht bei Eugène Joors.
In Hamburg fand sie in Alfred Lichtwarck einen Förderer.
Molly und Helene Cramer malten vornehmlich Stillleben mit Blumen und Früchten.
Ab etwa dem Ende des 19. Jahrhunderts wandte sich Molly Cramer auch der Darstellung von Landschaften und Personen zu.
In Hamburg hatte sie gemeinsam mit ihrer Schwester eine Wohnung in der Karlstraße 18 und später in der Auguststraße 3. Die Karlstraße 18 war zudem Treffpunkt für Künstler und Kunstfreunde.
Helene Cramer förderte und unterstützte Künstlerkollegen wie u. a. Ernst Eitner.
“[Molly] C.[ramer] stellt mit der kräftigen Farbgebung und der Reduzierung auf wenige große Grundformen in ihren z.T. heiteren Bildern, die den Werken frz. Impressionisten sehr nahe kommen, das größere Talent der Schwestern dar. Ihre Arbeiten werden von der heim. Kunstkritik sehr geschätzt” (Susanne Geese).
Ausstellungen (Auswahl)
ab 1889 Teilnahme an den “Internationalen Kunstausstellungen im kgl. Glaspalast”, München
1891, 1897 Teilnahme an der Jahresausstellung, Künstlerhaus, Wien
ab 1893 Teilnahme an den “Großen Berliner Kunstausstellungen”
1893 Weltausstellung, Chicago
ab 1895 Teilnahme an Ausstellungen des Hamburger Kunstvereins
1897, 1901 “Internationale Kunstausstellung”, Dresden
1899 “Deutsche Kunst-Ausstellung” Dresden
1900-07 Teilnahme an Ausstellungen des Hamburger Künstlerclubs
1905 “Nordwestdeutsche Kunstausstellung”, Oldenburg
1908 “Deutsche Kunstausstellung”, Bremen
1934 “Hamburger Malerinnen”, Kunstverein Hamburg
2006 “Künstlerinnen der Avantgarde in Hamburg zwischen 1890 und 1933”, Kunsthalle Hamburg
2016/17 “Fortsetzung folgt! – 150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V.”, Camaro Haus, Berlin
Mitgliedschaften
Verein der Berliner Künstlerinnen 1867
Hamburgische Künstlerschaft
Sammlungen
Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Exlibris für Wolfgang Suchier); Frederikshavn Kunstmuseum (zwei Exlibris); Augustiner-Museum, Freiburg i. Br.; Kunsthalle Hamburg; Museum für Hamburgische Geschichte; Kaiser Wilhelm Museum Krefeld; Museum Wiesbaden
Literatur (Auswahl)
— Familie Kay Rump (Hrsg.) (2013): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (überarbeitet von Maike Bruhns), Neumünster – Hamburg: Wachholtz, S. 82
— Heydorn, Volker Detlef (1974): Maler in Hamburg 1966-1974, Hamburg: Christians, S. 120
— Geese, Susanne: Helene Cramer, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, De Gruyter-Verlag
— Luckhardt, Ulrich (2006): „Eine ganz neue Welt öffnete sich dem Auge und dem Herzen“ – Die Hamburger Blumenmalerinnen Helene und Molly Cramer und ihr Förderer Alfred Lichtwarck, in: Hamburger Kunsthalle (Hrsg.): Künstlerinnen der Avantgarde in Hamburg zwischen 1890 und 1933 [I. Bd.], Hachmannedition, S. 13-28
























