L U D W I G    T H I E R S C H    (12.04.1825 München – 10.05.1909 ebd.)

 

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Unsere gute Mama † um 12 Uhr Mittag (1878)

Bleistift auf leichtem Karton, verso punktuell befestigt auf dicker Pappe, ungerahmt

€ 750,-

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Titel
„d.[en] 27. März 1878 / Unsere gute Mama † um 12 Uhr Mittag. / L. Thiersch del. / demselben Nachmittag“ [so unten links in Blei bezeichnet] 
Gezeigt wird die Mutter Amalie Thiersch, geb. Löffler, (16.06.1794 Gotha – 27.03.1878 München) auf dem Sterbebett.

Technik
Bleistift auf leichtem Karton, verso punktuell befestigt auf dicker Pappe, ungerahmt

Signatur
unten links in Blei signiert „L. Thiersch del.“

Jahr
gezeichnet am Nachmittag des 28. März 1878

Größe
Größe: 29,9 x 39,8 cm

Zustand
Blatt verso punktuell befestigt auf dicker Pappe; Blattränder sehr leicht uneben zugeschnitten; Blattrand links oben mit sehr kleiner Beschädigung; mitunter leicht nachgedunkelt und leicht fleckig; in den Randbereichen schwach gebräunt
Pappe verso fleckig und an den Rändern stärker berieben, sowie oben mittig Etikett „Hofkunsthandlung Pietro del Vecchio […] Leipzig“

 

 

Ludwig Thiersch war Maler, Zeichner, Kirchenmaler. Bekannt wurde er insbesondere als Experte für byzantinische Kunst, was ihm auch bedeutende Aufträge in Griechenland und Russland einbrachte. Er war Sohn des klassischen Philologen und Pädagogen Friedrich Wilhelm Thiersch (1784-1860) und von Amalie, geb. Löffler (1794-1878). Seine Brüder waren der Theologe Heinrich Wilhelm Josias und der Chirurg Carl Thiersch. Seine Onkel waren die Architekten August und Friedrich von Thiersch. Seine Mutter Amelie war eine Jugendfreundin der Malerin Caroline Sophie Louise Seidler, die wiederum großen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung Ludwig Thierschs hatte.
Um 1840 unternahm er erste bildhauerische Versuche im Atelier von Joseph Ernst von Bandel. Von 1845 bis 1849 studierte er an der Kunstakademie München (bei Heinrich Maria von Hess, Julius Schnorr von Carolsfeld und Karl Schorn). Ab 1848 war er Meisterschüler von Schorn. Noch während seines Studiums unternahm er 1847 eine Italienreise mit Karl Theodor von Piloty und 1849 folgte eine Reise nach Rom. Er schloss während dieser Jahre Freundschaften mit Oswald Achenbach, Arnold Böcklin, Heinrich Dreber und Albert Flamm.
1852 reiste er zusammen mit seinem Vater er nach Athen. In demselben Jahr erhält er einen Ruf als Professor für Malerei an die Kgl. Schule der Schönen Künste in Athen. Von Otto I. wird er damit beauftragt, die restaurierte russisch-orthodoxe Nikodemus-Kirche im neobyzantinischen Stil auszumalen und für das Rathaus von Athen entsteht ein weiteres Wandbild (“Paulus auf dem Areopag”). Thiersch erhält für sein Schaffen internationale Anerkennung, ihm wird u. a. der Kgl. griech. Erlöserorden verliehen.
1853 heiratet er seine Jugendliebe Pauline Kirch. Aus der Ehe gehen vier Töchter und ein Sohn hervor. 1856 Rückkehr der Familie nach München.
Auf Einladung des russischen Gesandten in München soll Thiersch eine Wiederbelebung und Erneuerung der russisch-orthodoxen Malerei herbeiführen. Aus diesem Grund verzieht die Familie 1860 nach St. Petersburg und bleibt dort bis 1864. Hier bemalte er die Kapellen der Paläste der Großfürsten Michael und Nikolaus Nikolajewitsch nach den Vorbildern der Fresken der Kirchen des Avraam-Klosters in Rostow aus dem 16. Jahrhundert. Bei der Einweihung ist auch Zar Alexander II. anwesend
Nach der Rückkehr nach München (1864) lebt die Familie in der Karl-Str. 30. Ludwig Thiersch erhält in der Folge zahlreiche Aufträge, u. a. Fresken in der Kapelle des Nördlichen Friedhofs (1866/68), “Auferstehung Christi” in der Markuskirche (1876), “Justitia”-Deckengemälde in dem von Friedrich von Thiersch erbauten Justizpalast (1897), für zahlreiche ev. Kirchen im süddeutschen Raum schuf er Altarbilder und Gemälde. 1868 schuf er das Porträt von Justus Freiherr von Liebig, damals Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Ab 1879 verbringt die Familie die Sommer in einem erbauten Landhaus (“Köppeleck”) in der Schönau bei Berchtesgaden.
Insbesondere als Kenner der byzantinischen Kunst hält er sich 1880 in London und 1891 in Paris auf.

Die hier gezeigte Bleistiftzeichnung ist ein ganz persönliches Zeugnis des künstlerischen Schaffens von Ludwig Thiersch.
Der ausführlichen und detaillierten Bezeichnung nach hat Thiersch hier das Bildnis seiner wenige Stunden zuvor verstorbenen Mutter gezeichnet. Diese liegt nun ruhig im Bett, die Hände sind zusammengefaltet auf dem Bauch, die Augen geschlossen. Es ist ein Bildnis der Ruhe und der Zeitlosigkeit, wie auch ein Beweis für die Liebe, die der Sohn seiner Mutter entgegenbrachte. Ganz ergreifend und anrührend ist dann auch die so liebevolle Bezeichnung des damals fast 53jährigen Sohnes, der hier seine Mutter als „unsere gute Mama“ benennt.

 

 

Zu Ludwig Johannes August Thiersch (12.04.1825 München – 10.05.1909 ebd.):
Maler, Zeichner, Kirchenmaler.
Sohn des klassischen Philologen und Pädagogen Friedrich Wilhelm Thiersch (1784 Kirchscheidungen – 1860 München) und von Amalie, geb. Löffler (1794 Gotha – 1878 München), Tochter des ehemaligen Professors der Universität in Frankfurt an der Oder und Gothaer Generalsuperintendenten Josias Christian Friedrich Löffler (1752-1816). Bruder des Theologen Heinrich Wilhelm Josias und des Chirurgen Carl Thiersch. Onkel der Architekten August und Friedrich von Thiersch.
Die Mutter Amelie war eine Jugendfreundin der Malerin Caroline Sophie Louise Seidler, die wiederum großen Einfluss an der künstlerischen Entwicklung Ludwig Thierschs hatte. Ebenso war auch die Mutter selbst künstlerisch tätig (v. a. Porträtmalerei).
Um 1840 erste bildhauerische Versuche im Atelier von Joseph Ernst von Bandel.
1845-49 Studium an der Kunstakademie München (bei Heinrich Maria von Hess, Julius Schnorr von Carolsfeld und Karl Schorn). Ab 1848 Meisterschüler von Schorn.
1847 Italienreise mit Karl Theodor von Piloty.
1849 Reise nach Rom.
Freundschaften mit Oswald Achenbach, Arnold Böcklin, Heinrich Dreber und Albert Flamm.
1852 zusammen mit seinem Vater reist er nach Athen.
1852 Ruf als Professor für Malerei an die Kgl. Schule der Schönen Künste in Athen. Otto I. beauftragt ihn, die restaurierte russisch-orthodoxe Nikodemus-Kirche im neobyzantinischen Stil auszumalen. Für das Rathaus von Athen entsteht ein weiteres Wandbild (“Paulus auf dem Areopag”).
Thiersch erhält für sein Schaffen internationale Anerkennung.
1853 Heirat mit Pauline Kirch. Aus der Ehe gehen vier Töchter und ein Sohn hervor.
1856 Rückkehr nach München.
Auf Einladung des russischen Gesandten in München soll Thiersch eine Wiederbelebung und Erneuerung der russisch-orthodoxen Malerei herbeiführen.
1860-64 lebt die Familie in St. Petersburg. Hier bemalt er die Kapellen der Paläste der Großfürsten Michael und Nikolaus Nikolajewitsch nach den Vorbildern der Fresken der Kirchen des Avraam-Klosters in Rostow aus dem 16. Jahrhundert. Bei der Einweihung ist auch Zar Alexander II. anwesend.
1864 Rückkehr nach München und wohnhaft in der Karl-Str. 30.
Er erhält in der Folge zahlreiche Aufträge, u. a. Fresken in der Kapelle des Nördlichen Friedhofs (1866/68), “Auferstehung Christi” in der Markuskirche (1876), “Justitia”-Deckengemälde in dem von Friedrich von Thiersch erbauten Justizpalast (1897), für zahlreiche ev. Kirchen im süddeutschen Raum schuf er Altarbilder und Gemälde.
1868 schuf er das Porträt von Justus Freiherr von Liebig, damals Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Ab 1879 verbringt die Familie die Sommer in einem erbauten Landhaus (“Köppeleck”) in der Schönau bei Berchtesgaden.
Insbesondere als Kenner der byzantinischen Kunst hält er sich 1880 in London und 1891 in Paris auf.

Preise / Ehrungen
Kgl. griech. Erlöserorden
Silbernes Ritterkreuz
Ehrenmitglied der Kaiserliche Kunstakademie, St. Petersburg
Verdienstorden vom Hl. Michael
1862 Stanislaus-Orden III. Klasse

Sammlungen
Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen
Lenbachhaus, München
Neue Pinakothek, München
Stadtmuseum München

Literatur (Auswahl)
— Ehyling, Kay: Ludwig Thiersch: Charlotte Hilmer, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“, Onlineversion, De Gruyter-Verlag
— Kaiser, Hanna (2017): Ludwig Thiersch in Athen um 1850. Neobyzantismus im Kontext des Philhellenismus, München, Diss.