R O B E R T Z I N S (01.03.1890 Maastricht – 26.05.1968 Wilhelmshaven)
farbintensives Palast-Interieur (1923)
Aquarell, Tempera & Bleistift auf Karton, verso befestigt auf leichten Karton
€ 270,-
Titel
ohne Titel [farbintensives Palast-Interieur (Bühnenbild?)]
Technik
Aquarell, Tempera & Bleistift auf Karton, verso befestigt auf leichten Karton
Signatur
unten rechts signiert „R. Zins“, unten mittig auf unterlegtem Karton Künstlerstempel
Jahr
unten rechts datiert „[19]23“
Größe
Größe: 41 x 55,5 cm (Blatt) bzw. 46,5 x 57,4 cm (unterlegter Karton)
Zustand
Blatt verso befestigt auf leichten Karton; leicht fleckig; leicht nachgedunkelt; unterlegter Karton nachgedunkelt und fleckig; unterlegter Karton am unteren Rand mit Einrissen und Knicken; unterlegter Karton verso fleckig
Zu Johann Jozef Robert Zins (01.03.1890 Maastricht – 26.05.1968 Wilhelmshaven)
Kunstmaler, Theater-, Bühnenmaler, handwerklicher Malermeister.
Robert Zins war Sohn des Schmieds und Werkmeisters Johann Zins (1859 Schönberg (Kreis Malmedy) – 1936 Bremen) und dessen Ehefrau Joanna Hubertina Lucia Frenay (1862 Maastricht – 1951 Bremen).
Der Kunst- und Porzellanmaler Johannes Josephus (Joseph) Hubertus Frenay (1860 Maastricht – 1917 ebd.) war ein Bruder der Mutter, so dass auf diese Weise bereits ein konkreter Bezug zur Kunst bestand. Joseph Frenay schuf neben Stillleben, Stadt- Landschaftsansichten auch Genreszenen und Portraits. Er stellte zeitlebens mehrfach aus und ist auch heute noch als (Porzellan-)Maler in Maastricht bekannt und geschätzt. Drei seiner Gemälde finden sich ganz am Ende des Dokuments.
Robert Zins wurde in den Niederlanden als damals preußischer Staatsangehöriger geboren. Er wuchs mit noch vier Geschwistern auf: 1. Peter Johann Otto (1888 Maastricht – 1976 Bremen), 2. Jacob Joseph Alfred (1891 Maastricht – [nach 1954]), 3. Lucien Johann Lazale (1892 Maastricht – [nach 1954]), 4. Margarethe Henriette Clementine (1897 Düsseldorf – 1989 Bremen).
Spätestens 1910, eher wohl schon einige Jahre eher, lebte die Familie in Bremen in der Blankenburger Straße 12. Unter dieser Adresse lebten zeitweise viele Familienmitglieder beisammen und der Bruder Otto ist auch nach 1945 unter dieser Adresse als Buchhalter noch nachweisbar. Die Schwester Margarethe lebte noch bis zu ihrem Tod (1989) dort.
Über die Ausbildung von Robert Zins ist wenig bekannt. Nachweisen lässt sich anhand von Bezeichnungen auf Kunstwerken ein Besuch der “Gewerblichen Schulen”, wobei es sich hierbei wohl um die “Gewerbliche Zeichenschule zu Bremen” handeln wird, die 1886 aus der “Zeichenschule für angehende Künstler und Handwerker” hervorging.
Am 14. Juli 1912 wird die Tochter Martha Marie in Bremen geboren. Mutter ist die Dienstmagd Martha Burhop, die damals – notabene! – mit Robert Zins noch nicht verheiratet war.
Bei der Heirat seines Bruders Alfred mit Anna Marie Elisabeth Schulze (1887-1947) am 27.12.1919 (Hamburg) sind die Brüder Robert und Otto die Trauzeugen.
Auf der Heiratsurkunde wird Robert Zins als “Theater-Malermeister” geführt, was explizit darauf hinweist, dass er nicht bloß reiner handwerklicher Malermeister war (siehe unten die Detailaufnahme).
Am 26. Februar 1921 kam es zur Heirat zwischen Robert Zins und Martha Burhop (1890 Osnabrück – 1930 Bremen), Mutter der gemeinsamen, 1912 geborenen Tochter, in Bremen.
Die Ehefrau Martha verstarb noch jung mit 40 Jahren und wenige Jahre später, heiratete Robert Zins zum zweiten Mal.
So gab er sich am 12. Mai 1934 mit Yolinda Irene Hartjen, geb. Mandelkow (1902 Kopenhagen – ?) das Eheversprechen.
Zu dieser Zeit, um 1930-35, war Robert Zins in Bremen als Malermeister tätig und ansässig. Er lebte dort im Fehrfeld 18 (gemeinsam mit seinem Bruder Lucien), sowie später in der Herderstr. 19.
Spätestens im Sommer 1944 ist Robert Zins in Wilhelmshaven ansässig und er wird wohl auch noch in den letzten Kriegsmonaten zum Kriegsdienst herangezogen. Ob er auch tatsächlich noch an Kampfhandlungen teilnehmen musste, ist unbekannt. Nachweisbar ist er in Wilhelmshaven etwas später als Malermeister in der Bismarckstraße 190.
In den Jahren 1957-58 strengte Robert Zins, damals schon länger in Wilhelmshaven ansässig, ein Entschädigungsverfahren an, da er, in Folge der Eheschließung (23. September 1932 in Bremen) seiner Tochter Martha Marie (1912-1981) mit dem Juden Paul Rosenfeld (1904 Nagykaroly (Ungarn) – 1983), während des Dritten Reichs “Schaden im beruflichen bzw. wirtschaftlichen Fortkommen erlitt”. Die Tochter wurde 1939 in einem Konzentrationslager interniert, der Ehemann Paul kam 1943 in ein Arbeitslager.
Martha und Paul Rosenfeld überlebten das Dritte Reich und die Eheleute hatten bereits 1950 ein Wiedergutmachungsverfahren eingeleitet.
Zum künstlerischen Schaffen von Robert Zins
Es ist nichts dazu bekannt, dass Robert Zins mit seiner Kunst jemals an die Öffentlichkeit trat und sich an einer Ausstellung beteiligte. Demzufolge ist anzunehmen, dass er sein Schaffen in aller Regel für sich bzw. für seine Familie schuf. Hierauf verweisen nicht zuletzt auch Widmungen des Künstlers an seine Frau, die sich auf Rückseiten von Gemälden befinden.
Neben Ölbildern, die Zins zumeist auf (Hartfaser-)Platten bzw. festen Kartons malte, entstanden auch Werke in Aquarell-, Temperafarben und Zeichnungen.
Motivisch finden sich Beispiele aus den gängigen Sujets – Blumenstillleben, Genreszenen, Landschaften und Stadtansichten. Die frühen Arbeiten auf Papier lassen sich als gängige Studien-, Schularbeiten eines durchaus talentierten jungen Künstlers erkennen, wobei besonders die vom Jugendstil beeinflussten floralen Kompositionen hervorzuheben sind. Die in die frühen 1920er Jahre datierenden, menschenleeren Stadtansichten und Interieurs sind in Tempera ausgeführt und zeigen den geschulten Blick des Künstlers und lassen in ihrem Ausdruck an Bühnenmalerei denken.



























