Theodor Zeller – Maler und Visionär

(9.5.1900 Donzdorf – 3.12.1986 Freiburg i.B.)

Themenflyer

 

Liebe Kunstfreunde,

dieses Mal möchten wir nicht ein bestimmtes Thema, sondern vielmehr einen einzelnen Künstler in den Fokus der Betrachtung stellen. Theodor Zeller wuchs im schwäbischen Donzdorf auf und hatte seine Hauptwirkungsstätte in Denzlingen bei Freiburg im Breisgau. Von der Kunstgeschichte blieb er ebenso wie vom Kunstmarkt lange Zeit unbeachtet, was mehr an seiner eigensinnigen Künstlerpersönlichkeit als an seinem Schaffen lag. Und dieses vielseitige und menschlich zutiefst anrührende Schaffen wurde dadurch auch nicht weiter erschlossen.

 

Theodor Zeller, Selbstbildnis, 1923, Aquarell & Kohle, 18,7 × 26,3 cm, monogrammiert, verkauft

 

Im Jahr 2000 erschien zum 100. Geburtstag Zellers eine von Manfred Schill zusammengestellte und erarbeitete Publikation, welche dieses Desiderat zu beheben verhilft. Der Verfasser war lange Jahre mit Zeller befreundet und trug in einer beachtlichen Recherchearbeit die Informationen zu diesem Band zusammen.

Der im Jahre 1900 geborene Theodor Zeller kommt nach seiner Kindheit und Jugendzeit im schwäbischen Donzdorf 1914 für zwei Jahre nach Rottenburg a.N., um sich dort auf das Abitur vorzubereiten. Der Abschluss am Ehinger Gymnasium wird durch den Krieg unterbrochen, zu dem er sich zusammen mit Schulkameraden noch im Kriegsjahr 1918 freiwillig meldet. Erst 1920/21 kann er den Schulabschluss nachholen. Dem Wunsch der Mutter entsprechend, soll ihr Sohn Theodor Geistlicher werden. Und obgleich er in diesem Sinne 1922 ein Theologiestudium in Tübingen beginnt, ist er doch zu diesem Zeitpunkt in einer seelischen Krise und „[er] zweifelt an seiner Berufung zum Priester“. 1923 belegt er Philosophievorlesungen in Freiburg, bevor er zwei Semester in München verbringt, um dort der Theologie zu folgen. Während dieser Münchner Zeit entdeckt Zeller seine Vorliebe für die Kunst, bewirbt sich bei der Münchner Kunstakademie, wird aber flugs abgelehnt und erhält stattdessen eine Aufnahmebewilligung der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe. Warum er dann aber diese nicht annahm, bleibt offen und mag als pars pro toto für das eigensinnige Wesen Zellers gesehen werden. Zeller kehrt nach Freiburg zurück, bricht endgültig mit dem Theologiestudium und will Künstler werden. Seinen ersten Unterricht erhält er bei Hans Lemke (1885-1959) und durch einen Mäzen ist es ihm 1927 vergönnt sich in Florenz und Rom weiterzubilden. Auf dieser Italienreise kommt es zu zwei bedeutsamen Kontakten: in Rom begegnet er dem Freiburger Verleger Theophil Herder-Dorneich (1898-1987), mit dem er künftig eng verbunden sein wird, und in Florenz lernt er seine spätere Frau, die aus Wien stammende Eva-Martina Gunscher (1901-1980), kennen. Das Paar heiratet im September 1928. Es ist auch Herder-Dorneich, der ihm nach seiner Rückkehr aus Italien den Auftrag zur Illustrierung der „Göttlichen Komödie“ Dantes erteilt, was für Zeller im besten Sinne des Wortes zum Lebenswerk werden sollte.

 

Theodor Zeller, Stillleben mit roten Tulpen, blauem Tuch und Obst, 1926, Öl/Lw., 58,5 x 75,0 cm, monogrammiert, verkauft

 

In der für das junge Ehepaar schlechten wirtschaftlichen Situation der ausgehenden 1920er und beginnenden 1930er Jahre kommen die beiden Kinder Ambrosius-Johannes (1929-1979) und Veronika (1931) zur Welt. Anspannungen, Unstimmigkeiten und Probleme prägen diese Phase. Eva Zeller muss gesundheitsbedingt oft zur Kur. Besonders brisant wird die Lage ab 1933, da Eva Zeller jüdischer Abstammung ist. Einer Aufforderung zur Zwangssterilisation entflieht sie 1935 nach Rom, arbeitet kurzzeitig in der Villa Massimo als Wirtschafterin, wird dort aber ihrer Herkunft wegen entlassen. 1936 holt sie die beiden Kinder aus Deutschland nach Rom. Aufgrund seiner Weigerung der Reichskammer der bildenden Künste beizutreten, hat Theodor Zeller nahezu kein Auskommen. Zudem werden 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ zwei Werke aus den Städtischen Sammlungen Freiburgs beschlagnahmt (ein Aquarell mit einer Denzlingen-Ansicht, sowie ein Rom-Motiv in Öl. Beide Werke wurden wohl als ‚nicht-verwertbar‘ vernichtet). Er folgt der Familie 1938 nach Italien. Kriegsbedingt wechseln die Aufenthaltsorte der Familie mehrmals. 1944 schließlich fliehen die Zellers über Perugia nach Florenz, wo die Familie getrennt wird. Eva Zeller und die beiden Kinder gelangen nach Oberbayern, wogegen Theodor Zeller in Florenz bleibt. Er gerät in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 in Bad Aibling entlassen wird. Bis 1950 wohnt die Familie in München, doch Zeller zieht es zurück nach Denzlingen. Dem Drängen des Vaters nach erneutem Umzug widersetzen sich Frau und Kinder, so dass der nun 50jährige Künstler die Rückkehr allein antritt. Der Kontakt mit Herder-Dorneich lebt im Folgenden erneut auf und seine Arbeiten an der „Göttlichen Komödie“ werden fortgesetzt. 1967 entsteht ein Malkreis aus Schülerinnen und Schülern um Zeller. Die Bekanntheit Zellers in Denzlingen wächst. Er erhält Aufträge zu Ausmalungen der Kirchen St.-Jakobus (1975) und St.-Michael (1979), die in ihrer numinosen Unmittelbarkeit den Betrachter begeistern und bannen. Ende November 1986 erkrankt Zeller, verstirbt am 3. Dezember in Freiburg und wird am 6. Dezember auf dem Denzlinger Friedhof beigesetzt.

Theodor Zeller „blieb sein Leben lang ein Einzelgänger, ein in sich versponnener Individualist […]. Er war ein leidenschaftlicher Mensch, der seine Aufgabe darin sah, ein Medium zu sein zwischen dem Diesseits und dem Jenseits“ (Manfred Schill). Mit Manfred Schills „Maler und Visionär“ wird der Blick zu Recht auf diesen lange Zeit unbemerkten Künstler gelenkt. Wenn nun der kleine Einblick, in Form der hier abgebildeten Werke, zu einer Neugier auf Theodor Zeller führt, dann mag das schon ein Gewinn sein. Denn derjenige der sich darauf einlässt, in diese ganz eigene Welt einzutauchen, der wird nicht ohne eine, möglicherweise bleibende, Berührung wieder daraus hervorgehen.

 

Theodor Zeller, „Kunst, Revolution, Krieg, Tod, Hunger, Pest“, 1943, Eitempera auf Holz, 67,2 x 20,0 cm, monogrammiert & signiert, verkauft

 

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