W O L F F    M I R U S    (geb. 14.09.1945 Dessau)

 

 

 

„2. Brief an L.“ (1990)

Gouache und Collage auf Malkarton
unten mittig in Blei datiert „3.1.90 “
unten mittig in Blei signiert „W. Mirus“

€ 1.150,-

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Titel & Größe
unten mittig in Blei betitelt „2. Brief an L.“, Werkverzeichnis: Jacobs 1990.14
Größe: 69,5 x 99,3 cm

Zustand
Ecken sehr leicht bestoßen; in den Randbereichen sehr leicht nachgedunkelt; verso oben rechts klein in Blei mit früherer Preisangabe bez. „KM 1.500,-“, sowie verso unten rechts in Blei Angaben zur Technik „Collage / Gouache“

Abbildung
Nikolas Jacobs (Hrsg.) (2021): Wolff Mirus. Das Werkverzeichnis 1962-2020, München: Hirmer, S. 232 (kleine Farbabbildung).

Provenienz
Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath

 

 

1949 floh die Mutter zusammen mit Sohn Wolff und der wenig älteren Schwester nach Westdeutschland. Wolff Mirus lebt anfangs beim Vater und besucht Schulen in Heidelberg und Darmstadt. 1954 trifft er das erste Mal Otto Ritschl, der mit der Mutter und deren zweiten Mann befreundet ist. 1959 zieht er zur Mutter nach Wiesbaden und es entwickelt sich eine enge Freundschaft zu Ritschl, der zugleich sein maßgeblicher künstlerischer Lehrer wird. Es folgt eine Schriftsetzerlehre und der Besuch der Wiesbadener Werkkunstschule. Ab 1968 kann er seine Arbeiten bei zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen zeigen. Mit den Arbeiten am maßgeblichen Werkverzeichnis Otto Ritschls beginnt Mirus 1972 (2017 erschienen im Hirmer-Verlag).

Künstlerisch entstehen Werke, die durch das ganze Schaffen hindurch die Farbe und deren Wirkkraft ergründen und bearbeiten – „das zentrale Thema [ist] immer die Farbe und deren Kombinationsmöglichkeiten“ [1]. Mal locker und verspielter, mal ganz stringent und streng, entwickelt Mirus über die Jahre einen ganz eigenen künstlerischen Ausdruck.

Sein erstes Zusammentreffen mit Wolff Mirus beschreibt der Galerist und Sammler Herbert Simon in einem Ausstellungskatalog mit den folgenden schönen Worten:

„Es war mein erster Besuch in einem Künstleratelier, und ich werde das Gefühl nie vergessen, als ich die Arbeiten von M. zum ersten Mal sah. Diese Bilder begeisterten nicht nur meine Augen, nein, ich hatte gleich ein inneres Gefühl, hier lebt ein Künstler, der gute Bilder malt.“ [2]

Das vorliegende, farbintensive Werk ist Teil einer kleinen Werkgruppe malerischer Briefe an die kurz zuvor geborene Tochter Luisa. Nur wenige Zeit nach der Fertigstellung wurde die gesamte Werkgruppe (inklusive diesem „2. Brief an L.“) vom Frankfurter Kunstkabinett übernommen.

Einerseits wirkt das Werk überaus verspielt und spontan, während sich andererseits gerade die Farbgebung und das farbliche Zusammenspiel als äußerst durchdacht und wirkungsvoll zeigen. Das was Nikolas Jakobs für das Schaffen des Künstlers im Ganzen schreibt, lässt sich trefflich auf diesen hier vorliegenden ‚zweiten Brief‘ beziehen. – „Mirus‘ Werk zeigt ein stetes Changieren zwischen Ordnung und Spiel, Ernst und Heiterkeit, Ruhe und kalkulierter Bewegung“ [3].

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[1] Nikolas Jacobs (2021): Wolff Mirus – eine Collage zu Leben und Werk, in: Ders. (Hrsg.): Wolff Mirus. Das Werkverzeichnis 1962-2020, München: Hirmer, S. 7-15 [hier: 12].
[2] Herbert Simon (2021): Der Maler Wolff Mirus, in: Nikolas Jacobs (Hrsg.): Wolff Mirus. Das Werkverzeichnis 1962-2020, München: Hirmer, S. 266-268 [hier: 266].
[3] Jakobs 2021: 14.

 

 

Zu Wolff Mirus (geb. 14.09.1945 Dessau):
Maler, Zeichner, Illustrator, Gestalter; 1946 Trennung der Eltern; 1949 Flucht mit der Mutter und der älteren Schwester Susan in den Westen; ein jahr in einem Kinderheim in Underdielbach; 1951 Schulbesuch in Heidelberg (die Kinder wohnen anfangs beim Vater); 1952 Umzug mit dem Vater nach Darmstadt; 1954 zusammen mit der Schwester für ein Jahr bei der Mutter in Wiesbaden; dort trifft er zum ersten Mal Otto Ritschl, der damals mit der Mutter und deren zweiten Mann, Erich Stein, befreundet war; 1955-59 erneut beim Vater in Darmstadt; ab 1959 bleiben die Geschwister endgültig bei der Mutter in Wiesbaden (Holzhaus im Panoramaweg Haus zu den 7 Pappeln); 1960 das Holzhaus wird durch einen Brand zerstört und die Familie zieht um in die frühere Wohnung von Otto Ritschl (Ritschl selbst verzieht in sein neues Haus in der Rüdesheimer Str. 35); ab 1962 Teilnahme an den Musikabenden im Ritschlhaus; die Mutter pachtet einen Garten im Rheingau, der für die Familie zur zweiten Heimat wird; ab 1964 arbeitete Mirus bei Ritschl in dessen Haus, Garten und Atelier; 1965 Beginn einer Schriftsetzerlehre und es unter dem Eindruck von Otto Ritschls Kunst entstehen die ersten Stillleben; ab 1966 Besuch der Werkkunstschule Wiesbaden; 1968 Umzug in eine Dachwohnung in der Johannisberger Str. 4; ab 1972 arbeitet Mirus am Werkverzeichnis zu Otto Ritschls Schaffen; 1974 viermonatige Reise mit dem Motorrad und Zelt über Frankreich nach Florenz; 1975 Bau eines Gartenateliers im Haideweg 7 und Umzug in das Souterrain einer alten Villa im Nerotal 45; 1976 nach dem Tod von Otto Ritschl wohnt Mirus ein Jahr lang im Ritschlhaus; 1977 Beginn der Freundschaft mit Tom Sommerlatte; Mirus kuratiert Ausstellungen und organisiert Ausstellungen befreundeter Künstler in seinem Atelier; 1984-89 Kauf und Sanierung des Hauses in Hallgarten; 1984-95 verantwortlich für Werbung, Architektur und Kunst bei der AOK Wiesbaden-Rheingau-Taunus; 1989 Geburt der Tochter Luisa; 1991 Umzug in die Nachbarsvilla Nerotal 47; 1994-97 Kauf und Umbau eines Winzerhauses in Hallgarten; 1995 Geburt der Tochter Emilia; 2005 Umzug nach Halgarten; 2015-17 Arbeit am erweiterten Werkverzeichnis zu Otto Ritschl

Mitgliedschaften: Gründungsmitglied der Gruppe Interaktion

Einzelausstellungen (Auswahl)
1972 Galerie PM, Wiesbaden; 1972-80 Gruppe 80, Wiesbaden; 1979 Art 10 Basel, Perspective 79; 1980, 1982 Die kleine Galerie, Basel4; 1988 Galerie Simon „Meister – Schüler“ (zus. mit Otto Ritschl), Wiesbaden; 1989-93 Galerie Simon, Wiesbaden; 2000 Antiquariat Wiederspahn, Wiesbaden; 2001 Galerie Cornelissen, Wiesbaden; 2009 Kunsthandel Draheim (zus. mit Udo Gottfried), Wiesbaden ; 2011 Kunsthandel Draheim (zus. mit Otto Ritschl), Wiesbaden

Illustrationen
1972 „Gedanken. Gedichte. 13 Silben“ von Annie Hensler-Möring; 1976 „Die Meinungsmacher“ von Otto Ritschl, Selbstverlag

Literatur
Nikolas Jacobs (Hrsg.) (2021): Wolff Mirus. Das Werkverzeichnis 1962-2020, München: Hirmer
Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden (Hrsg.) (1980): Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen, Wiesbaden: Wilhelm Lautz, unpag. [S. 23]