W I L L I G E I G E R (27.08.1878 Schönbrunn – 11.02.1971 München)
Regentanz (1959)
Farbkreiden und Bleistift auf Karton, ungerahmt
€ 740,-
Titel
ohne Titel [Regentanz / Ritual mit drei Figuren, die ihre Arme zum Gewitterhimmel erheben]
Technik
Farbkreiden und Bleistift auf Karton, ungerahmt
Signatur
unten links monogrammiert und signiert
Jahr
unten links zweimal datiert „[19]59“
Größe
Größe: 40 x 29,7 cm
Zustand
Ecken schwach bestoßen; leicht nachgedunkelt; in den Randbereichen etwas fingerspurig; schwach Druckstellen im Blatt; verso unten links in Bleistift bezeichnet / nummeriert; verso in den oberen beiden Ecken Klebereste von früherer Befestigung; verso Lagerspuren und rechts mittig Striche mit gelber Kreide
Werkbeschreibung
Willi Geiger war einer der ganz großen Künstler der Moderne im 20. Jahrhundert.
Sein Studium absolvierte er an der Münchner Akademie (bei Franz von Stuck und Peter von Halm) (1901-05). 1905 erhielt er den Graf-Schack-Preis für die Mappe “Liebe” und unternahm darauf Reisen nach Italien und Tunesien, anschließend nach Paris und Madrid.
1908 wird der Sohn Rupprecht geboren, der ebenso Künstler wird. 1910 wurde ihm der Villa-Romana-Preis zugesprochen, mit dem er sich ein Jahr lang in Florenz aufhalten konnte. Nach seiner Rückkehr lebte er bis 1914 in Berlin und konzentrierte sich vor allem auf Grafik. Seinen Kriegsdienst leistete er in Mazedonien und Frankreich, wobei er mitunter als Beobachter im Fesselballon eingesetzt wurde.
Von 1919-23 hatte er eine Professur für eine Aktklasse an der Münchner Kunstgewerbeschule. Ab 1923 bis 1925 lebte er in Spanien, was eine wichtige Phase war, in der er zu einem farbintensiven, expressiven Schaffen fand.
Von 1928-33 war Geiger Professor an der Staatlichen Akademie für Graphik und Buchkunst in Leipzig, wurde dann aber aufgrund politischer Denunziation entlassen. Er zog sich daraufhin nach München und an den Chiemsee zurück, zeigte sein Schaffen kaum noch öffentlich und wirkte vornehmlich im Privaten.
1946 erfolgte seine Rehabilitation durch eine Professur für Malerei an der Münchner Akademie, die er bis 1951 begleitete. In der Folge erhielt Geiger mehrere Preise und Ehrungen wie den Kulturpreis der Stadt München, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und den Preis der Internationalen Buchkunst (Leipzig).
Diese vorliegende expressive Zeichnung entstammt dem eher späten Schaffen des damals über 80 Jahre alten Künstlers.
Unter einem wild bewegten, zuckenden, wirbelnden Regenhimmel, blicken wir auf eine Gruppe von bräunlich ausgeführten Menschen, die wohl in Mäntel oder Umhänge gekleidet sind. Die Arme sind beschwörend, bittend zum Himmel gehoben. Alles deutet auf ein Ritual, einen Regentanz, hin, welches Geiger hier dynamisch und intensiv festgehalten hat.
Zu Willi Geiger (27.08.1878 Schönbrunn – 11.02.1971 München):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator
1897 Abitur an der Realschule in Landshut
1897-1901 Studium an der Kunstgewerbeschule München
1901 Zeichenlehrerexamen an der Technischen Hochschule München
1901 Aufnahme in die Akademie der Bildenden Künste (München) durch Franz von Lenbach und Franz von Stuck
1902 Eintritt in die Malklasse von F.v.Stuck und die Radierklasse von Peter Halm)
Bekanntschaft mit Jules Pascin, Rudolf Levy, Hans Purrmann
Reise nach Italien und Tunis
1907 Rückkehr nach München
Heirat mit Klara Weiß
erste „Stierkampf“-Mappe
1908 Geburt des Sohnes Rupprecht
1910 Villa-Romana-Preis und einjähriger Studienaufenthalt in Florenz
1911 Übersiedlung der Familie nach Berlin
drei Stierkampf-Mappen erscheinen bei Paul Cassirer und Fritz Gurlitt
1914-18 Kriegseinsatz als Beobachter im Fesselballon (Mazedonien, Frankreich)
1919-23 Professor der Altklasse an der Münchener Kunstgewerbeschule
Radierzyklen zu u.a. Dostojewski, Tolstoi
1923-25 Aufenthalt in Spanien, Marokko und auf den Kanarischen Inseln
1926 Rückkehr nach München
1928-33 Leiter einer Malklasse an der Staatlichen Akademie für Graphik und Buchkunst (Leipzig)
1932 Kauf eines alten Bauernhauses (sog. „Bax“) in Übersee
1933 fristlose Entlassung aus dem Lehramt aufgrund politischer Denunziation (Geiger nannte Hitler den „größten Desperado des Jahrhunderts“)
1933-45 ansässig in München und v. a. Feldwies (Chiemgau)
mehrere Spanienreisen
1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ 29 Arbeiten Geigers beschlagnahmt
1946-51 Leiter einer Malklasse an der Kunstakademie München
1961 Tod der Frau
Preise / Ehrungen
1903 Silberne Akademie-Medaille für die Radierung „Der Durst“
1905 Graf-Schack-Preis für die Mappe „Liebe“ (zehn Strichätzungen) und das Gemälde „Der Schimmel“
1910 Villa-Romana-Preis
1948 Ehrenbürger von Landshut
1951 Kulturpreis der Stadt München
Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste (München)
Ehrenbürger von Schönbrunn
Sammlungen
Lindenau-Museum, Altenburg
Städtische Kunstsammlungen Augsburg
Neue Nationalgalerie Berlin
Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Mathildenhöhe Darmstadt
Museum der bildenden Künste, Leipzig
Gutenberg-Museum, Mainz
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Lenbachhaus, München
Kulturforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Museum im Kulturspeicher, Würzburg
Literatur
— Lüdecke, Heinz (Hrsg.) (1959): Willi Geiger (Einleitung von Richard Hiepe) [Künstler der Gegenwart 10]; VDK; Dresden
— Partsch, Susanna: Geiger, Willi, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00030089
— Petzet, Wolfgang (1960): Willi Geiger. Der Maler und Graphiker; Bruckmann; München
— Internetseite des Archivs Geiger






















