W A L T E R M A R C U S E (26.05.1896 Mannheim – 15.07.1976 Fosterdale (USA))
„Bridge on Park Way N[orth] White Plains“ (1972)
Aquarell, Tempera, Bleistift auf Papier, ungerahmt
€ 620,-
Titel
„Bridge on Park Way N[orth] White Plains“ [so am unteren Rand in Blei betitelt]
Technik
Aquarell, Tempera, Bleistift auf Papier, ungerahmt
Signatur
unsigniert, verso Nachlassstempel
Jahr
am unteren Rand mittig datiert „Oct. 25 / [19]72“
Größe
Größe: 22,5 x 29 cm
Zustand
leichte Druckstellen im Blatt; die seitlichen Ränder sehr leicht uneben zugeschnitten; oberer und unterer Rand an wenigen Stellen minimal bestoßen
verso leicht fleckig und nachgedunkelt; verso an den oberen beiden Ecken Reste von früherer Befestigung
Walther Marcuse war der Sohn des renommierten Psychiaters und Sexual-hygienikers Julian Marcuse (1862 Posen – 1942 Ghetto Theresienstadt). Zudem war Dr. Julian Marcuse SPD-Mitglied und auch Mitglied im „Verein sozialistischer Ärzte” (München). Am 29.07.1942 wurde Dr. Marcuse aus München nach Theresienstadt deportiert.
Walther Marcuse wuchs in Mannheim auf, ab 1905 lebte die Familie in Ebenhausen, wo der Vater ein Sanatorium leitete. Nach dem Ersten Weltkrieg, den der Künstler als Freiwilliger an der Westfront miterlebte, studierte er an der Kunstakademie München (bei Carl Johann Becker-Gundahl), hatte enge Kontakte zu u.a. Josef Achmann, Leo von Welden und Oskar Maria Graf, für den er 1927/28 auch zwei Bücher illustrierte. Marcuse war zu dieser Zeit bereits verheiratet mit Augusta („Gussy“) Katharina Fritz und das Paar lebte in München. Neben den beiden Büchern „Wir sind Gefangene“ (1927) und „Das bayrische Dekameron“ von O.M. Graf schuf Marcuse 1925 Radierungen für eine bibliophile Auflage von Goethes “Hermann und Dorothea“ (Detmold: Verlag der Meyerschen Hofbuchhandlung) und 1930 finden sich zwei seiner Zeichnungen in der Zeitschrift „Der wahre Jacob“. 1931-32 unternahm er einen mehrmonatigen Aufenthalt bei der Schwester Eva in Rumänien, welche 1929 den bulgarischen Arzt Dr. Simon Jankoff Iwanoff geheiratet hatte.
Im Dritten Reich galt die Ehe seiner Eltern als „Mischehe“. Marcuse kann bald darauf an dem öffentlichen Kulturbetrieb nicht mehr teilnehmen, er lebt vom Geld der Eltern, zieht sich zurück und reiste erneut für mehrere Monate zur Schwester Eva nach Rumänien (Winter 1935/36, Sommer 1939). In Rumänien findet er die dörfliche Kultur als Motiv und es entstehen vor allem Zeichnungen.
Er emigrierte schließlich 1940 in die USA. Anfangs war er als Restaurator in New York tätig. In den Sommermonaten arbeitete er als Ferienbetreuer (‘Boy Scout’) von Jugendlichen am Lake Androscoggin / Wayne.
1953 unternimmt er eine ausgiebige Deutschlandreise durch den Chiemgau und das Neckartal, kehrt dann aber wieder in die USA zurück.
In den USA nimmt Marcuse nicht am öffentlichen Kunstbetrieb teil und lebt zurückgezogen.
Das hier gezeigte Aquarell stammt aus dem späten Schaffen des Künstlers. Walter Marcuse hat es taggenau datiert auf Mittwoch, den 25. Oktober 1972, was bedeutet, dass der Künstler damals im 77. Lebensjahr stand.
Er zeigt hier einen von kräftigen Herbstfarben geprägten Blick auf eine Brücke am Parkway in North White Plains, dem langjährigen Wohnort Marcuses. Die titelgebende Brücke steht in hellem Kolorit und in leichter Schräge in der Bildmitte. Unter ihr führt die Straße entlang und rechts am Rand nähert sich bereits ein blaues Auto. Auf der Brücke stehen nur in Strichen angedeutete Personen. Der Großteil der Bildfläche zeigt die farblich so zauberhafte Landschaft mit ihren Bäumen und Büschen und deren goldenen, rotbraunen und sattgrünen Blättern.
Eine in sich rundum stimmige, überaus reizvolle Landschaftskomposition.
Zu Walther[1] Ernst Marcuse (26.05.1896 Mannheim – 15.07.1976 Fosterdale (USA)):
Maler, Zeichner.
Walther war das zweite von drei Kindern des Ehepaars Dr. Julian Marcuse (1862 Posen – 1942 Ghetto Theresienstadt) und Maria, geb. Kolb (1868 Würzburg – ?). Der Vater war renommierter Psychiater, Sexualhygieniker und Arzt, der anfangs in Mannheim arbeitete und lebte (Q 2, 13 bzw. R3, 15b) und dann ab 1905 das Sanatorium in Ebenhausen als ärztlicher Leiter übernahm. Zudem war Dr. Julian Marcuse SPD-Mitglied und auch Mitglied im „Verein sozialistischer Ärzte” (München). Am 29.07.1942 wurde er aus München nach Theresienstadt deportiert.
Im Ersten Weltkrieg meldet sich Walther Marcuse als Freiwilliger und wird bei der Artillerie im Westen eingesetzt.
Nach der Rückkehr aus dem Krieg lässt er sich in München nieder und heiratet Augusta (”Gussi”) Katharina Fritz.
Ab dem Sommersemester 1920 ist er an der Kunstakademie München (bei Carl Johann Becker-Gundahl). Es entstehen Freundschaften zu u.a. Josef Achmann, Leo von Welden. Marcuse unternimmt Studienreisen nach Tirol und in die Cheimseegegend.
1925 schuf er Radierungen für eine bibliophile Auflage von Goethes “Hermann und Dorothea“ (Detmold: Verlag der Meyerschen Hofbuchhandlung).
1927 kurzzeitiger Wohnsitz in Holzberg (Gemeinde Bad Endorf), bevor er 1930 wieder in München (Kaulbachstraße 33) nachweisbar ist.
1927 gestaltet er den Einband für das Buch “Wir sind Gefangene. Ein Bekenntnis aus diesem Jahrzehnt.” (München: Drei Masken Verlag) von Oskar Maria Graf.
Ein Jahr später schuf er die Bilder zu Grafs “Das bayrische Dekameron” (Berlin, Wien, Leipzig: Verlag für Kulturforschung).
1930 erscheinen zwei Zeichnungen von Marcuse in der Zeitschrift “Der wahre Jacob” (Heft 20, S. 12 (“Bayerische Landschaft”), Heft 21, S. 10 (o.T.)).
1931-32 mehrmonatige Aufenthalte bei der Schwester Eva in Rumänien, welche 1929 den bulgarischen Arzt Dr. Simon Jankoff Iwanoff geheiratet hatte.
Nach der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 gilt die Ehe der Eltern als “Mischehe”, was zugleich auch Repressionen für Walther Marcuse bedeutet. Marcuse kann bald darauf an dem öffentlichen Kulturbetrieb nicht mehr teilnehmen, er lebt vom Geld der Eltern, zieht sich zurück und reist erneut für mehrere Monate zur Schwester Eva nach Rumänien (Winter 1935/36, Sommer 1939).
In Rumänien findet er die dörfliche Kultur als Motiv und es entstehen vor allem Zeichnungen.
1940 Emigration in die USA. Anfangs ist Marcuse als Restaurator in New York tätig. In den Sommermonaten arbeitet er als Ferienbetreuer (‘Boy Scout’) von Jugendlichen am Lake Androscoggin / Wayne.
1951 kehrt er zeitweise nach Deutschland zurück, auch um die Erbschaftsangelegenheiten zu klären.
1953 ausgiebige Deutschlandreise durch den Chiemgau und das Neckartal. Nach dem Sommer kehrt er in die USA zurück.
In den USA nimmt Marcuse nicht am öffentlichen Kunstbetrieb teil und lebt zurückgezogen.
1958 Umzug nach White Plains.
1967 Umzug nach Fosterdale.
Walther Marcuse ist bis zuletzt künstlerisch tätig und es entstehen vor allem Landschaften und figürliche (Alltags-)Szenen.
Ausstellungen
— 1929 “Ausstellung junger Pariser und Münchener Künstler”, Galerie Heinemann, München
— 1929 Weihnachtsausstellung, Galerie Heinemann, München
— 1930 Beteiligung an der Glaspalast-Ausstellung, München
— 1932 “Ausstellung Goethe in der Buchkunst der Welt”, Verein Deutsche Buchkünstler, Leipzig
— 1933 “Staatliche Kunstausstellung München”, Neue Pinakothek, München
— 1952 Galerie Schöninger, München
— 2022 vertreten bei der Ausstellung “Auf Papier – Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik aus der Priener Kunstsammlung”, Heimatmuseum Prien
Preise
1957 2. Preis bei der Larchmont Annual Art Exhibition.
Sammlungen
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Staatliche Graphische Sammlung, München
Städtische Sammlung Prien am Chiemsee
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[1] Obgleich in der Geburtsurkunde (Mannheim, Geburtsurkunde Nr. 1400/1896) der Vorname als „Walther“ geführt wird, wird dieser im Späteren – auch zu Lebzeiten des Künstlers – doch stets ohne „h“ geschrieben.



























