W A L T E R   G U T B R O D

 

Weitere Werke von Walter Gutbrod

 

 

dörfliche Landschaft, (wohl) bei Reutlingen / St. Johann (1939)

Ölfarben und Deckfarben auf bräunlichem Packpapier
undatiert [1939];
unsigniert

€ 220,-

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Titel
nicht betitelt, dörfliche Landschaft, (wohl) bei Reutlingen / St. Johann; verso u.r. in Blei Werkverzeichnis-Nr.

Größe
Größe: 60,4 x 75,3 cm

Zustand
Druckstellen im Blatt; insgesamt etwas gebräunt; in den vier Ecken kleine Einstichlöchlein; Ecken und Kanten bestoßen; unterer und rechter Blattrand uneben zugeschnitten; im Bereich des Himmels mehrere rote Farbflecken; Ecke o.l. mit Knickspur, kleinem Einriss und kleiner Papierverlust (1,8x1cm); linker Rand oben mit Einriss (etwa 0,5x1cm); Ecke u.l. mit minimalem Einriss; unterer Rand mit mehreren Einrisse, davon in der Mitte zwei längere Einrisse (etwa 3cm); oberer Rand mit mehreren Einrisse, davon in der Mitte längerer Einriss (etwa 3cm); verso gebräunt und leicht fleckig

 

 

„1932 mit dem Examen für das Lehramt als Kunsterzieher von der Stuttgarter Akademie abgegangen, fand sich der junge Mann [d.h. Walter Gutbrod] unversehens im Heer der Arbeitslosen wieder. Er wandte sich nach Nordrhein-Westfalen, wo er eine zeitlich begrenzte Stelle an einer Privatschule in Duisburg fand. Alles andere als begeistert widmete er sich dem Kunstunterricht. Daneben malte er in der niederdeutschen Landschaft Bilder, denen man förmlich ansehen konnte, wie unglücklich und fremd er sich fühlte. Die Gemütslage änderte sich nur wenig, als er wieder nach Württemberg kam. Hier unterrichtete er als Amtsverweser für kurze Zeit am Stuttgarter Katharinenstift, pendelte dann wieder nach Duisburg und gelangte schließlich nach weiteren Stationen 1937 ans Schiller- und Mörickegymnasium in Ludwigsburg, wo er bis 1979 Kunsterzieher blieb. Da er sich mit seiner künstlerischen Diktion während des Regimes der Nationalsozialisten im Rahmen von Naturdarstellungen in fast altmeisterlicher Weise bewegte, wurde er nicht als entartet eingestuft, litt also weder unter Malverbot noch unter dem Mangel von Malmaterialien“. [Barbara Lipps-Kant (2013): Ein reiches Künstlerleben – in Bildern durchmessen, in: Heck, Thomas Leon (Hrsg.): Walter Gutbrod 1908-1998. Malerei und Zeichnung; Dußlingen: Nous-Verlag; S. 7-12 [hier: 9]]

Die vorliegende Arbeit ist in diese Schaffensphase Walter Gutbrods einzuordnen. Der Nachlassverwalter hat die Arbeit in das Jahr 1939 datiert, was im Vergleich mit anderen Werken des Künstlers aus jener Zeit auch als sehr plausibel erscheint.

Im linken etwas dunkleren Bildbereich sieht man eine Mutter mit ihrem Kind, sowie etwas dahinter wohl ein Ochsen-, oder Kuhgespann. Über die helle Fläche der Bildmitte führt der Weg hin zu einem Dorf und hinter jenem erheben sich Hügelpartien, die man wohl zur Schwäbische Alb lokalisieren darf. Der gesamte, große Himmelsbereich wird von Gutbrod nur skizzenhaft und demnach unvollständig ausgeführt. – Einzelne weiße Konturen, sowie schnell hingezogene weiße Striche und Wellen bleiben die einzigen Andeutungen.

 

 

Zu Walter Gutbrod (05.07.1908 Stuttgart-Zuffenhausen – 06.06.1998 Ludwigsburg):
Maler, Zeichner, Kunsterzieher; bereits als Jugendlicher erste Mal- und Zeichenversuche; 1927-32 Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei u.a. Hans Spiegel, Robert Breyer, Alex Eckener); 1929 Aufenthalt in Nancy; 1930 Aufenthalt in Paris; 1931 Aufenthalt in Bodman am Bodensee; 1932 Lehramtsprüfung; ab 1932 wohnhaft in Duisburg und dort Lehrtätigkeit an einem privaten Institut; 28.12.1933 standesamtliche Trauung mit Lydia, geb. Siegel (1909-2004) (kirchliche Trauung am 06.01.1934); der Ehe entstammten die Töchter Regine und Linde; 1934 Reisen in die Niederlande, die Eifel und nach Spiekeroog; ab 01.04.1935 Amtsverweser im Katharinenstift Stuttgart; 1937-79 Kunstlehrer am Schiller- und Mörike-Gymnasium in Ludwigsburg; dazwischen kurzzeitige Lehrtätigkeit in Korntal (1940); 1943 Bodenseeaufenthalt; 1962 Frankreichreise; 1966, 1972, 1975, 1976, 1990 Paris-Aufenthalte; 1979 Pensionierung und Intensivierung der künstlerischen Tätigkeit; neben der bildenden Kunst war Gutbrod auch leidenschaftlicher Pianist und spielte auch vor Publikum (durch diese Leidenschaft lässt sich auch sein Künstlersignum mit den drei Noten erklären); zahlreiche Reisen und Studienaufenthalte

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)
Einzelausstellungen: 1971 Rathaus Bietigheim-Bissingen, 1978 Landratsamt Ludwigsburg, 1983 Landratsamt Ludwigsburg, 1988 Landratsamt Ludwigsburg, 1997 Buchhandlung Aigner Ludwigsburg, 1999 Stadtmuseum Ludwigsburg, 2000 Kunsthaus Watzel Ludwigsburg, 2002 Zehntscheuer Münsingen, 2005 Kreissparkasse Münsingen, 2008 Landratsamt Ludwigsburg, 2013 Kunsthalle Heck Dusslingen, 2013 Buchhandlung Aigner Ludwigsburg; — Gemeinschaftsausstellungen: 1965 Stuttgarter Sezession Kunstgebäude am Schlossplatz, 1966 Spendhaus Reutlingen, mit Anton Greiner und Johannes Schönert, 1967 Stuttgarter Sezession Kunstgebäude am Schlossplatz, 1973 Haus Baden-Württemberg Bonn

MITGLIEDSCHAFT: Stuttgarter Sezession
ANKÄUFE: Städtisches Museum Ludwigsburg, Landratsamt Ludwigsburg, Staatsgalerie Stuttgart

Literatur
HECK, Thomas Leon (Hrsg.) (2013): Walter Gutbrod 1908-1998. Malerei und Zeichnung; Dußlingen: Nous-Verlag [mit einem Beitrag von Barbara Lipps-Kant] NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 51
TRIER, Dankmar: Gutbrod, Walter, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00400815