W A L T E R   B E R N S T E I N

 

Weitere Werke von Walter Bernstein

 

 

Schnitterin (1946-47)

Öl auf Hartfaserplatte, gerahmt [Originalrahmen];
nicht datiert [1946-47];
Größe: 83,5 x 63,4cm (ohne Rahmen) bzw. 96 x 76cm (mit Rahmen);
u.l. signiert, sowie verso auf Rahmen;
u.r. in Blei sign. und bez. mit der damaligen Adresse des Künstlers in Schiffweiler;
nicht betitelt, Schnitterin; die Arbeit steht in enger Beziehung stehen zu dem Werk „Schnitterin“ (Gouache, um 1947 – Abb. in Jürgen Ecker (2010): Industriebild – Menschenbild. Der Grafiker und Maler Walter Bernstein; Neunkirchen; S. 99)

€ 1.600,-

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Zustand
Platte in den Randbereichen rahmungsbedingt leicht berieben; partiell leicht fleckig; partiell leichte Craquelée-Bildung; Platte verso etwas fleckig, sowie o.l. in rot nummeriert „27“, sowie im mittleren Bereich rechts zwei zum Großteil abgerissene (Transport-, Ausstellungs-?)Etiketten; Rahmen mitunter leicht berieben

 

 

Das Gemälde wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der „Förderstiftung Walter Bernstein“ (Schiffweiler) aufgenommen.

 

 

Walter Bernstein schloss seine ausführliche künstlerische Ausbildung 1938 ab, wobei er die letzten vier Studienjahre Meisterschüler im Atelier von Hans Meid (Berlin) war. Bereits vor 1938 begann er sich als Künstler zu etablieren – er beschickte Ausstellungen und es erfolgten erste Ankäufe für öffentliche Sammlungen. Zwei Ereignisse, welche zugleich signifikant sind für den Terminus der ‚verschollenen Generation‘, wirkten sich einschneidend aus. Zum einen wurde 1937 eine seiner Druckgrafiken aus dem Staatlichen Museum Saarbrücken als „entartet“ beschlagnahmt[1] und zum anderen wurde er ab 1939 zum Kriegsdienst eingezogen. Bernstein selbst schreibt in einem späteren Lebenslauf noch, dass „[bei] einer Ausstellung im Verein ‚Berliner Künstler‘ Berlin 1938 meine Bilder als entartet bezeichnet [wurden].“[2] Was vor dem obigen Hintergrund der Beschlagnahme im Speziellen, wie auch der im Allgemeinen aufgebrachten Stimmung gegen alles Moderne im damaligen Berlin als durchaus plausibel erscheint.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte er in Gefangenschaft im Lager Bretzenheim. Kurz darauf kehrte er in seine Vaterstadt Neunkirchen zurück. 1947 erhielt er den Auftrag zwei Wandbilder für die katholische Kirche Schiffweiler zu malen und bei dieser Tätigkeit lernte er Maria Zewe, seine spätere Frau, kennen. Das Paar heiratete noch in demselben Jahr und blieb in Schiffweiler ansässig.

„1947 war für Walter Bernstein ein Jahr des Glücks. Durch die Kirchenaufträge […] hatte er ein bescheidenes Einkommen und er konnte sich und seine Frau ernähren. Seine ganze Freude legte er hinein in die Gemälde, die im Sommer entstanden: Ernte-Bilder. Endlich Brot. In den Szenen von Getreideernten ist seine Farbenpalette hell geworden, licht und warm. […] Die Bildfiguren agieren im Vodergrund, kommen nicht auf uns zu, sondern wenden sich ab und widmen sich voll und ganz ihrer Arbeit. […] In Bernsteins Erntebildern ist es, als hätten sich Natur und Mensch an einem heiteren Sommertag durchdrungen. Hier ist nicht auf das Grafische, sondern auf das Malerische zugearbeitet worden.“[3]

Das vorliegende expressiv realistische Bildnis einer Schnitterin ist eines dieser beschriebenen Erntebilder. Deutlich steht es dabei in Zusammenhang mit der Gouache „Schnitterin“[4], welche wohl für das hiesige Gemälde eine Vorarbeit darstellen dürfte.

Dass der Rahmen rückseitig vom Künstler mit seiner damaligen Schiffweiler-Adresse bezeichnet wurde, verweist darauf, dass dies noch der Originalrahmen ist, den der Künstler selbst dem Werk beigab. – Neben der malerischen Qualität und der interessanten biografischen Verortung ein sicherlich sehr schönes Detail.

[1] Es handelt sich dabei um das Werk „Am Tisch“ (Entartet Kunst (EK)-Nr. 6672), welches laut damaliger Aufzeichnungen zerstört wurde. Beachtenswert ist an dieser Stelle, dass Bernstein zum Zeitpunkt der Beschlagnahmeaktionen noch Meisterschüler war. Dies wiederum erklärt, weshalb keine weiteren öffentlichen Museen Werke besaßen und stellt zugleich den frühen Ankauf durch das Staatliche Museum Saarbrücken als Besonderheit dar.
[2] Zitiert nach Ecker 2010: 21. Bernstein meint hier sicherlich die Ausstellung „Berliner Kunst“, die vom 3.-27. März 1938 vom Verein Berliner Künstler organisiert wurde.
[3] Ecker 2010: 28.
[4] Abb. in Ecker 2010: 99.

 

 

Zu Walter Bernstein (17.6.1901 Neunkirchen (Saar) – 26.3.1981 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1914-18 Lehre in der Neunkircher Eisenwarenhandlung Ludwig Becker; 1919-22 Maler und Anstreicherlehre bei der Firma Fritz Soffel in Neunkirchen. Fortbildung in Dekorationsmalerei in der Malerschule Heinrich Gentes in Zweibrücken; 1922-23 Gesellenprüfung. Gesellenwanderung nach Karlsruhe und Nürnberg; 1923-26 Besuch der Kunstgewerbeschule Nürnberg (bei Johann Will und Karl Selzer); 1926-33 Besuch der Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg (u.a. bei Hans Meid); 1934-38 Meisterschüler bei Hans Meid; 1936 Heirat mit der Tänzerin Bertha Bodmer (1939 verstorben); 1937 wird im Zuge der „Entartete Kunst“-Aktion eine Druckgrafik aus dem Staatlichen Museum Saarbrücken beschlagnahmt; 1939-44 Kriegsdienst; Arbeiten der Berliner Zeit wurden, bis auf wenige Ausnahmen, kriegsbedingt zerstört; 1946 nach einjähriger Gefangenschaft Rückkehr ins Saarland; 1947 Heirat mit Maria Zewe; Schiffweiler wird zum Wohnsitz des Ehepaars; 1948 Geburt des Sohnes Michael; ab 1962 zahlreiche öffentliche Aufträge für Wandgestaltungen; 1980 Tod des Sohnes; zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen; thematisch widmete sich Bernstein vor allem den Bereichen Bergbau und Eisenindustrie, daneben entstanden auch Portraits, Landschaften und Tiermotive; 2013 Gründung der „Förderstiftung Walter Bernstein“
Mitgliedschaften: 1949 Gründungsmitglied der „Saarländischen Sezession“; 1955 Mitglied des „Neunkircher Künstlerkreises“
Preise: Für die beiden Gemälde „Kleines Mädchen“ und „Saar-Landschaft“ erhält er beim „Grand prix international de peinture et de sculpture de Monte-Carlo / Illme Salon Bosio“ die Auszeichnung der „Palme d’or“.

Literatur / Quellen
Ecker, Jürgen (2010): Industriebild – Menschenbild. Der Grafiker und Maler Walter Bernstein; Neunkirchen
Jöckle, Clemens: Walter Bernstein, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 10120918
Jungmann, Heike: Zu Ehren von Walter Bernstein, in: Saarbrücker Zeitung (v. 08.08.2013)
Internetseite der Förderstiftung-Walter-Bernstein [walter-bernstein.de]

 

 

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