S A B I N E E B E L (03.05.1945 Oldenburg – 12.06.2015 ebd.)
Schriftgebilde (um 1967-70)
Tuschfeder auf Papier, von der Künstlerin befestigt in selbsterstelltes Passepartout
€ 250,-
Titel
ohne Titel [Schriftgebilde]
Technik
Tuschfeder auf Papier, von der Künstlerin befestigt in selbsterstelltes Passepartout
Signatur
unten rechts auf dem Passepartout in Blei signiert „Sabine Ebel“
Jahr
undatiert [um 1967-70]
Größe
Größe: 23,5 x 32,9 cm (Passepartoutausschnitt) bzw. 35 x 44 cm (Blatt) bzw. 39,7 x 49,8 cm (Passepartout)
Zustand
Blatt von der Künstlerin befestigt in selbsterstelltes Passepartout; leicht fleckig; in der Blattmitte etwas stärker braunfleckig (vertikal verlaufend); leichte Druckstellen; verso Lagerspuren und fleckig; Passepartout an Ecken / Kanten bestoßen
„Schriftbilder des 20. und 21. Jahrhunderts vermitteln uns das Gefühl, das Lesen verlernt zu haben und es neu erlernen zu müssen. […] Der sich so öffnende, weite Assoziationsraum erinnert an die langsame Lektüre eines Romans, an Gedanken zwischen den Zeilen, an eine kreative, den Text vielfach erweiternde Lesearbeit.“ [1]
In einem wichtigen Teil von Sabine Ebels Schaffen taucht genau dieses von Cathrin Klingsöhr-Leroy beschriebene Moment auf: „das Gefühl, das Lesen verlernt zu haben und es neu erlernen zu müssen.“ Linien und Strukturen sind als Schrift erkennbar, doch ist das Herauslesen eines konkreten Sinns nicht möglich, so dass die Komposition als Ganzes betrachtet und erkundet werden will.
Bei dieser hier vorliegenden Zeichnung zeigt sich ein solches Schriftbild bzw. Schriftgebilde ganz beispielhaft. Die schwungvolle Linienführung, die Neigung der Linien nach rechts und auch die horizontale Anordnung vermitteln ganz explizit das Bild einer Schrift. Auch mag man einzelne Buchstaben zu erkennen, doch bleibt es bei kleinen unzusammenhängenden Akzenten. Erst nach einem genaueren Betrachten eröffnet sich auch das überlegte und durchdachte Schriftbild der Komposition in Gänze. So weitet sich die Struktur, die Schrift an den seitlichen Rändern, während die Linienführung in der Mitte dichter und enger wird, gerade so, als ob die Linien hier zusammengezogen wurden, um sich an den Rändern wieder zu entspannen. Auf diese Weise gelingt es Ebel in das Werk eine erstaunliche Dynamik zu legen; es geht eine gewisse zittrige Unruhe, eine Spannung dieser Ansicht aus, die in Teilen an Werke der Abstraktion denken lässt, ohne aber interessanterweise deren (oftmals) zufällige, spontan impulsive Entstehung zu teilen.
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[1] Cathrin Klingsöhr-Leroy (2022): Buch und Bild – Schrift und Zeichnung. Schreiben und Lesen in der Kunst des 20. Jahrhunderts, Bielefeld: transcript Verlag, S. 85.
Sabine Ebel (03.05.1945 Oldenburg – 12.06.2015 ebd.)
Malerin, Zeichnerin, (Gebrauchs-)Grafikerin, Schriftkünstlerin.
Tochter des Buchhändlers und Antiquar Rudolf Ebel (1907-1994) und dessen Ehefrau Annelies Ebel (1910-1975).
Besuch der Cäcilienschule. 1966 Abschluss mit dem Abitur.
Studium an der Kunsthochschule Kassel (bei Ernst Röttger (1889-1967).
In den 1970er Jahren kurzzeitig in Hamburg ansässig (Geibelstraße 42).
Später wieder in Oldenburg im Elternhaus ansässig (Hochhauser Str. 5).
Neben kalligrafischen Arbeiten, in denen Ebel u. a. Gedichte von Walter Helmut Fritz und Agnes Miegel eigenwillig umsetzte, entstanden vor allem Werke, die die Verbindung zwischen Bild und Buch bzw. Zeichnung und Schrift suchen. Ebel bewegt sich damit in einer Tradition des 20. Jahrhunderts, die geprägt wurde von Paul Klees „Schriftbildern“, Cy Twomblys „scribbles“ oder auch Arbeiten Anselm Kiefers. Mit ihrer schriftkünstlerischen Ausbildung gelingt es Ebel dabei einen eigenen Weg zu finden, bei dem oftmals das Schriftbild erhalten bleibt, ohne damit aber irgendeine sinnvolle Lesbarkeit zu vermitteln, so dass organische Abstraktionen zu entstehen scheinen.
Neben diesen Werken entstanden noch expressiv gegenständliche Arbeiten (Figuren, Blumen), Abstraktionen, die stärker ins Informelle gehen, sowie Collagen und auch Assemblagen.
Sammlungen
Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Leipzig
Klingspor-Museum, Offenbach am Main
Stadtmuseum Oldenburg
Quelle
Jürgen Derschewsky: Biografien Oldenburger Künstler (Online – derschy.de)





















