H E R M A N N    T O M A D A    (22.02.1907 Höchst (Odenwald) – 05.01.1990 Darmstadt)

 

Weitere Werke von Hermann Tomada

 

 

Menschengruppe (um 1970-80)

Metallrelief auf Holzplatte, gerahmt [Originalrahmen]

€ 560,-

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Titel
ohne Titel [Menschengruppe]

Technik
Metallrelief auf Holzplatte, gerahmt [Originalrahmen]

Signatur
unten links im Objekt geritzt signiert, sowie verso zweifach signiert

Jahr
undatiert [um 1970-80]

Größe
Größe: 28 x 28 cm (ohne Rahmen) bzw. 40 x 40 cm (mit Rahmen)

Zustand
partiell schwach fleckig; leichte Rostspuren; Rahmen mit sehr leichten Gebrauchsspuren (etwas fleckig, an Ecken schwach bestoßen); verso leicht farbfleckig; verso oben rechts in Blei bez. „1123“, sowie verso unten links kleines Etikett mit früherer Preisangabe

Provenienz
Vormals in der Sammlung von Hans-Joachim Müller (1925 Dresden – ?). [Hans Joachim Müller war Germanist, ab 1956 wissenschaftlicher Assistent am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin sowie Dozent für deutsche Sprache und Literatur an der Staatlichen Ballettschule in Berlin. Ab 1961 Studium der Anglistik in Gießen, danach Lehrer im höheren Schuldienst in Hessen. Zuletzt Studiendirektor am Weidig-Gymnasium in Butzbach. Dort leitete er die Arbeitsgemeinschaft Literatur, seit 1977: „AG Literatur und Kunst“. H. J. Müller veröffentlichte mehrere Publikationen, wobei besonders hervorzuheben sind die zw. 1980-82 erschienene dreibändige Reihe „Butzbacher Künstler-Interviews“. Im 3. Band dieser Reihe wurde auch H. Tomada interviewt (S. 313-323).]

 

 

Nach einer Maschinenbaulehre (1921-25), war Tomada zunächst Autorennwagenbetreuer und -beifahrer, weiterhin Radrennfahrer, Kanufahrer und Boxer. Hierauf fand er schließlich zur Kunst und besuchte halbtags die Werkkunstschule Köln (1938-44).
Nach dem Krieg war er bis 1949 als freier Maler und Bildhauer tätig und betrieb eine eigene keramische Werkstatt im Odenwald.
Ab 1949 bis 1956 arbeitete er als Assistent von Prof. Hermann Geibel, der ihn sehr förderte, an der TH Darmstadt am Lehrstuhl für Freihandzeichnen und angewandte Plastik. Während dieser Zeit entwickelte er innovative Lehrinhalte und wirkte nachhaltig auf die Studenten ein.
Seit 1955 war er Mitglied der Neuen Darmstädter Sezession und ein Jahr später zog er nach Darmstadt. Es folgten weitere Mitgliedschaften in Künstlergruppe („Neue Gruppe Rheinland Pfalz“, „Gruppe 60“ (Düsseldorf), „Künstlergilde Ulm“).
1964 wurde ihm die Bronzeplakette der Deutschen Bundesbank (Frankfurt a. M.). 1969 ernannte ihn die Fine Art International Association (New York, USA) zum Master of Fine Art.
Weitere Preise und Ehrungen waren u. a. die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt (1972), die Silberne Palme der International Arts Guild, Monte Carlo (1974), die Freundschaftsplakette der Städteverschwisterung, Stadt Darmstadt (1980).
Zeitlebens war Hermann Tomada bei der künstlerischen Gestaltung befasst mit dem Raum-Problem. Als er Mitte der 1950er Jahre das Metall für sich entdeckte und mit einem Schweißgerät arbeitete eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten für ihn.
„Die Vergänglichkeit darstellen, zeigen, daß der Luftraum durch die Plastik hindurchgeht! Gestalteter Raum muß dem gestalteten Hohlraum entsprechen. In der Komposition muß es ein Ding geben. Der geschlossene Raum als Plastik wäre mir zu optimistisch. Wir sind ja am Vergehen, nicht am Werden.“ [1]  
Deutlich zeigt sich hier die kriegsbedingte Verlusterfahrung des Künstlers, der nicht nur Besitz, sondern auch Freunde und Verwandte verlor.
Es sind dabei immer wieder stark abstrahierte Menschendarstellungen, die in Tomadas Schaffen auftauchen. – Einzelwesen, Paare oder ganze Gruppen. Dabei spielt das Verhältnis der Figuren eine entscheidende Rolle – mal näher, mal distanzierter.

Dieses hier gezeigte Objekt entstand in einer Phase als sich Tomada bereits als Bildhauer etablierte und im künstlerischen Umgang mit Metall zu einer Meisterschaft fand. Es ist in seiner eindringlichen, wie zugleich lockeren, modernen Art ein ganz typisches, ganz markantes Werk, welches chiffrenhaft kompensiert den Menschen bzw. das Menschliche in den Blick nimmt. Die unterschiedlich großen Körper der gezeigten Figuren sind zu Strichen, die Köpfe zu Kreisen reduziert. Eine sehr filigrane Ausführung, die in einer reizvollen Spannung zu der Härte und Kühle des Materials steht.

“Kunst ist Geistiges vom Künstler subjektiv, sinnlich fassbar gemacht, durch Hören, Sehen, Fühlen und wird vom Empfänger nach Wissen und Sensibilität subjektiv in Geistiges zurückverwandelt.” [2]

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[1] So eine Aussage Tomadas in: Hans-Joachim Müller (1982): Butzbacher Künstlerinterviews [Bd. 3], Darmstadt, S. 319.
[2] Ebd., S. 323.

 

 

Zu Hermann Tomada (22.02.1907 Höchst (Odenwald) – 05.01.1990 Darmstadt):
Bildhauer, Maler, Zeichner, Grafiker.
Anfangs Maschinenbaulehre (1921-25), danach Autorennwagenbetreuer und -beifahrer, weiterhin Radrennfahrer, Kanufahrer und Boxer.
1938-44 besuchte er halbtags die Werkkunstschule Köln.
1945-49 freier Maler und Bildhauer, er betrieb eine eigene keramische Werkstatt im Odenwald.
1949 bis 1956 Assistent von Prof. Hermann Geibel an der TH Darmstadt.
1956 Umzug nach Darmstadt

Mitgliedschaften
ab 1955 „Neue Darmstädter Sezession“
„Neue Gruppe Rheinland Pfalz“
„Gruppe 60“ (Düsseldorf)
„Künstlergilde Ulm“

Preise / Ehrungen
1964 Bronzeplakette der Deutschen Bundesbank (Frankfurt a. M.)
1969 ernannte ihn die Fine Art International Association (New York, USA) zum Master of Fine Art
1972 Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt
1974 Silberne Palme der International Arts Guild, Monte Carlo
1980 die Freundschaftsplakette der Städteverschwisterung, Stadt Darmstadt

Werke von Hermann Tomada finden sich an zahlreichen öffentlichen Plätzen und Gebäude, sowie in zahlreichen Kirchen.

Literatur
— Hoch, Emmy / Eck, Erich / Dotzert, Roland (Hrsg.) (1994): Kunst im öffentlichen Raum in Darmstadt 1641-1994, Darmstadt: Stadt Darmstadt / Kulturamt, S. 404
— Maass, Max Peter (1973): Hermann Tomada, Darmstadt: Bläschke
— Müller, Hans-Joachim (1982): Butzbacher Künstlerinterviews [Bd. 3], Darmstadt, S. 313-323
— Pätzold, Gerhard (2024): Plastik des 20. und 21. Jahrhunderts in Marburg, Marburg: Büchner-Verlag, S. 84
— „Artists of the World (AOW)/Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Internetseite zum Künstler