H E I N R I C H   S C H L I E F   (07.01.1894 Soest – 13.07.1971 ebd.)

 

Weitere westfälische Künstler

 

 

Heinrich Schlief: (wohl) Landschaft am Möhnesee (1947)

 

Heinrich Schlief: Landschaft mit Baum (1947)

 

Zu Heinrich Schlief (07.01.1894 Soest – 13.07.1971 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Sammler; Sohn des Fuhrunternehmers Mathias Schlief, der aus einer alteingesessenen Soester Familie stammt; 1899 verzog die Familie von der Paulihofe in ein Haus in die Ostenhofenstraße 13 und Schlief blieb dort bis zu seinem Tod wohnen; bereits in der Volksschule zeigte sich die besondere zeichnerische Begabung; eigentlich wollte Schlief Lehrer werden, begann dann aber auf Anraten seines Lehrers eine Ausbildung zum Vermessungstechniker an der Soester Baugewerbeschule; ab 1908 arbeitete er am Staatlichen Hochbauamt; 1907 hatte er eine einflussreiche Begegnung mit Christian Rohlfs und 1909 traf er auf Wilhelm Morgner, beide Bekanntschaften ließen in ihm die Wunsch wachsen Künstler zu werden; seine Eltern stellten sich jedoch dagegen und so begann Heinrich Schlief eine Tätigkeit als Vermessungstechniker bei der Bezirksregierung Arnsberg; neben seinem ‚Brotberuf‘ war er als autodidaktischer Maler und Zeichner; da er keine akademische Ausbildung hatte, wurden künstlerische Vorbilder sehr bedeutsam; im Ersten Weltkrieg war er Divisionsmaler und Pressezeichner an der Westfront; nach dem Krieg kehrte er nach Soest zurück und 1919-20 entstanden drei große Mappenwerke („Giebel und Gassen“, „Aus Soest´s großer Zeit“, „Aus der Soester Börder“); daneben sammelte Heinrich Schlief selbst Kunst, Münzen, religiöse Objekte; um 1920 entwarf er Münzen und Notgeldscheine; ab etwa 1920 erste Ausstellungsbeteiligungen; 02.09.1922 Heirat mit Emma Krabbe (1896-1971); 1932 Geburt des Sohnes Karl-Adolf; ab 1933 zog sich Schlief aus dem öffentlichen Kunstbetrieb zurück, er war kein Mitglied der „Reichskammer der bildenden Künste“, wodurch er auch nicht an Ausstellungen teilnehmen konnte; 1937 wurden zwei Druckgrafiken Schliefs aus dem Kunstbesitz der Stadt Soest als „entartet“ beschlagnahmt; Schlief blieb im Privaten weiterhin künstlerisch tätig; erst 1951 trat er aber wieder an die Öffentlichkeit mit seiner Kunst; 1953 lernte er den Schriftsteller Wilhelm Damwerth (Münster) kennen und der Kontakt blieb zeitlebens bestehen; 1959 ging Schlief als Vermessungstechniker in den Ruhestand; Studienreisen nach Amsterdam und Paris; im späteren Alter sichtete Schlief immer wieder sein Schaffen und zerstörte Werke, die seinem Anspruch nicht mehr entsprachen; nach dem Tod von Heinrich Schlief betreute dessen Sohn den Nachlass; ab 2004 richtete die Familie im Haus in der Osthofenstraße 13 eine Galerie mit Werken Schliefs ein; ab dieser Zeit begann die Wiederentdeckung des Künstlers, seine Werke waren bei Ausstellungen zu sehen und auch der Kunst- und Auktionsmarkt würdigte ihn

Mitgliedschaften: Vereinigung Westfälischer Künstler; Deutscher Kulturbund

Illustrationen: 1926/27 Zeichnungen im „Soester Heimatkalender“

Ausstellungen (Auswahl)
1922 Beteiligung an der Großen westfälischen Kunstausstellung, Gelsenkirchen; (wohl) 1924, große erste Einzelausstellung im Rahmen der 1.300-Jahr-Feier der Stadt Soest; 1930 Beteiligung mit neun Werken an der Ausstellung „Das junge schöne Soest“, Rathaus Soest; 1932 Beteiligung an einer Ausstellung im Rathaus, Soest; Juli 1959, Ausstellung zum 65. Geburtstag des Künstlers, Soest; 1961 Hellwegmuseum, Unna; 1978 Galerie Clasing, Münster; 2001 Galerie Kessler, Münster; 2009 Ministerium für Schule und Weiterbildung, Soest; 2010 Galerie Lindenstruth, Soest; 2010 Beteiligung an der Ausstellung „Der westfälische Expressionismus“, Kunsthalle Bielefeld; 2015 Retrospektive, Torhaus-Galerie des Stadtheimatbundes Münster e.V.; 2018 „Heinrich Schlief ‚Farbmusik‘“, Stadtmuseum und Kunsthaus Bocholt

Literatur (Auswahl)
„Allgemeines Künstlerlexikon“, Online-Version
Meisel-Kemper, Elvira (2014): Heinrich Schlief 1894-1971, Münster: Damwerth