G E R H A R D M E V I S S E N (geb. 1956 Heinsberg)
Weitere Werke von Gerhard Mevissen
„Goslarer Fundamente II – Fragment 2.5“ (1999)
Aquarell & Bleistift auf Bütten („Canson Fontenay“), gerahmt, unter Glas [Rahmen ungeöffnet]
€ 950,-
Titel
„Goslarer Fundamente II – Fragment 2.5“ (aus dem Zyklus: „Goslarer Fundamente“) [betitelt verso auf aufgeklebtem Künstlerzettel]
Technik
Aquarell & Bleistift auf Bütten („Canson Fontenay“), gerahmt, unter Glas [Rahmen ungeöffnet]
Signatur
unten rechts in Blei signiert
Jahr
unten rechts in Blei datiert „18.II.-6.VII.99“, sowie ebenso datiert verso auf aufgeklebtem Künstlerzettel
Größe
Größe: 75 x 55 cm (Blatt) bzw. 113,5 x 83 cm (mit Rahmen)
Zustand
Rahmen ungeöffnet; Rahmen oben leicht fleckig; Ecken und Kanten mitunter sehr leicht berieben
Ausstellung
1) 1999, „Goslarer Fundamente“, St. Jakobushaus Goslar (unmittelbar neben der Ruine gelegen), Goslar
2) 1999, „Fundamente Goslar“, Domschatzkammer, Aachen
Freundliche Hinweise zu dem Werk kamen dankenswerterweise vom Künstler selbst, dem digitale Fotografien vorliegen.
Gerhard Mevissen schafft aus einer kontemplativen, inneren Lebensweise ein gänzlich unaufgeregtes Werk aus Aquarellen, Zeichnungen, Tonreliefs und Schriftwerken. Und vielleicht ist es gerade diese ruhige Unaufdringlichkeit, die Mevissens Schaffen in dieser dahineilenden Zeit voller Hektik und Sensationsgier so reizvoll und sehnsuchtsvoll erscheinen lässt.
Anfangs besuchte er das Albertus Magnus Gymnasium in Viersen, bevor er sein Theoogiestudium in Bonn begann. Hierauf folgte eine sozialpädagogische Ausbildung in Erkelenz, sowie eine kunsttherapeutische Ausbildung. Im Anschluss daran arbeitete Mevissen als Lehrbeauftragter für Bildnerischen Ausdruck am Fritz Perls Institut für Integrative Therapie in Düsseldorf.
Ab 1976 setzte er sich intensiv mit Zeichnung und Aquarellmalerei auseinander. 1978-79 unternahm er eine sechsmonatige Studienreise (Zeichenstudien) nach Madrid und ab den frühen 1990er Jahren begann Mevissen seine Werke öffentlich zu zeigen. Seit 1999 ist er freischaffender Künstler in Monschau (Nordeifel). 2001 wurde ihm der Kunstpreis des Deutschen Blindenhilfswerks verliehen.
Das Aquarell nimmt im Schaffen von Gerhard Mevissen einen zentrallen Platz ein. Daneben gibt es Projekte zu speziellen Themen, die der Künstler mitunter über Jahre hinweg erarbeitet. Herausragend hierbei ist sicherlich das Projekt “Lichtung Stillefeld” auf dem Grundstück des Alten- und Pflegeheim St. Josef in Höngen, ein Dorf in der Gemeinde Selfkant (Kreis Heinsberg). Zu diesem aus Stelen und Reliefs bestehenden landschaftlichen Gesamtkunstwerk schreibt Mevissen: “Wir brauchen Stillezonen, in denen das Bisher unseres Lebens für eine Weile verstummen kann.“ Und dieses Verstummen, dieses Stillwerden ist dabei zweifelsohne ein Merkmal, welches sich durch das gesamte Schaffen des Künstlers zieht.
Dieses hier gezeigte Aquarell ist Teil der „Goslarer Fundamente“. Der beachtenswert lange Entstehungszeitraum wurde vom Künstler dabei taggenau bezeichnet mit der Zeit vom 18. Februar bis zum 6. Juli 1999.
Der Zyklus „Goslarer Fundamente“ entstand mit Bezug auf romanische Fundamentreste einer frühen Kirche auf dem Georgenberg in Goslar. Peter Paul König, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde Göttingen, schreibt dazu:
„Gerhard Mevissen malt Steine: Steine, die in Mauern und Fundamente eingebunden waren, Ecksteine, Steine aus dem Fuß von Pfeilern und Säulen. Gemeinsam ist diesen Steinen, dass sie einmal als Bausteine der Stiftskirche St. Georg gedient haben, deren Überreste noch heute auf dem Goslarer Georgenberg zu besichtigen sind. Mit der Zerstörung der Kirche wurden die Steine dieser Bestimmung beraubt und in eine quasi natürliche Umgebung zurückgeworfen. Als ‚Knochen der Erde‘, als Mahn- und Gedenkstein bezeugen sie den kriegerischen Akt der Zerstörung durch die Goslarer Bürger im Juli 1527, die mit der Vernichtung der umliegenden Klosterbauten eine erfolgreiche Belagerung der Stadt zu verhindern suchten.
Gerhard Mevissen begegnete der Ruine erstmals im Jahr 1993 während eines Aufenthaltes im St. Jakobushaus. Die in unmittelbarer Umgebung des Hauses gelegenen Mauerreste nahmen ihn vom ersten Augenblick an gefangen, und sie haben sein künstlerisches Schaffen in den vergangenen Jahren maßgeblich beeinflusst. Mit den ‚Goslarer Fundamenten‘ gewinnt Mevissen nicht nur einen neuen Motiv- und Themenkomplex, die Beschäftigung mit den Mauerresten fordert ihn zur Erweiterung seines künstlerischen Denkens und technischen Repertoires heraus.“ [1]
Das Werk wurde 1999 in zwei Ausstellungen gezeigt. Zum einen im St. Jakobushaus Goslar (unmittelbar neben der Ruine gelegen) und zum anderen in der Ausstellung „Fundamente Aachen Goslar“ (Domschatzkammer Aachen), hier wechselwirkend vor allem zu den dortigen ottonischen Ausstellungsstücken. In der Domschatzkammerausstellung war das Werk dem Proserpina-Sarkophag zugeordnet.
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[1] Peter Paul König (2022): Vier Versuche über Gerhard Mevissens „Goslarer Fundamente“, in: Gerhard Mevissen (Hrsg.): Im Weiter Zuhaus 2, Hasselt: Chapo, S. 24-25 [hier: 24].
Zu Gerhard Mevissen (geb. 1956 Heinsberg):
Maler, Schriftsteller, tätig in Monschau.
Schulische Ausbildung am Albertus Magnus Gymnasium, Viersen
Theologiestudium, Bonn
Sozialpädagogische Ausbildung, Erkelenz
Kunsttherapeutische Ausbildung und Lehrbeauftragter am Fritz Perls Institut, Düsseldorf
Seit 1976 intensive Auseinandersetzung mit Zeichnung und Aquarellmalerei
1978/79 Zeichenstudien in Madrid
Seit 1999 freischaffender Künstler
2001 Kunstpreis des Deutschen Blindenhilfswerks (Projekt Blindgänge)
Literatur / Quellen (Auswahl)
— Mevissen, Gerhard (Hrsg.) (2022): Im Weiter Zuhaus 2, Hasselt: Chapo
— Mevissen, Gerhard (Hrsg.) (2009): Lichtung Stillefeld, Luxemburg: Ed. mediArt
— Mevissen, Gerhard (Hrsg.) (2007): Stillespeicher, Luxemburg: Ed. mediArt
— Internetseite des Künstlers

























