W I L H E L M   V O N   H I L L E R N – F L I N S C H   (26.03.1884 in Freiburg i.B. – 11.04.1986 München)

 

Weitere Werke von Wilhelm von Hillern-Flinsch

 

 

Gebirgslandschaft (1923)

Öl auf festem Malkarton (Leinwandstruktur), gerahmt

€ 1.100,-

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Titel
ohne Titel [Gebirgslandschaft, verso mit eigenen Werknummern des Künstlers]

Technik
Öl auf festem Malkarton (Leinwandstruktur), gerahmt

Signatur
unten links signiert „W. v. Hillern-Flinsch“

Jahr
unten links datiert „[19]23“

Größe
Größe: 34,5 x 43,8 cm (ohne Rahmen) bzw. 45 x 55 cm (mit Rahmen)

Zustand
mitunter leicht fleckig; Ecken / Kanten etwas bestoßen (unter Rahmung nicht sichtbar); verso oben mittig (Ausstellungs-)Etikett mit Nummer „285“; verso zahlreiche vom Künstler stammende Annotationen in Blei zur Komposition und zur Farbgebung; verso etwas fleckig

 

 

Wilhelm von Hillern-Flinsch ist innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts eine ganz schwer zu fassende Persönlichkeit. Künstlerisch war er ein Spätberufener. Erst nach einer militärischen Laufbahn und einer erfolgreichen Karriere im Wintersport als Bobfahrer, kam er nach seiner Teilnahme im Ersten Weltkrieg zur Malerei. – Und damals war er bereits 34 Jahre alt.
Nach kurzem Unterricht bei Karl Wilhelmson in Stockholm, kam er nach München und besuchte dort anfangs die Zeichenschule von Josef Andreas Sailer sowie hierauf die Kunstakademie, die er dann 1924 verließ und fortan als freischaffender Künstler wirkte.
Hillern-Flinsch, Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft (MKG), etablierte sich vor allem als Porträtmaler, schuf daneben aber auch Stillleben und Landschaften. 1936 verzog er, wie damals so manch andere moderne Künstler auch, nach Berlin, womöglich auch, um dort ein (noch) freies Kunst- und Kulturleben vorfinden zu können. Er nahm Unterricht bei Wilhelm Tank.
1943 wird sein Berliner Atelier bei einem Bombenangriff zerstört und der Künstler zieht aufs Land nach Kärnten. Nach dem Krieg zieht er erneut nach Schweden und ist dort anfangs als Gärtner und später als Portraitmaler tätig. 1953 kehrte er nach München zurück und bleibt fortan dort ansässig. Es entsteht ein farbintensives, expressiv realistisches Spätwerk. Noch im hohen Alter erlernt er die Technik der Lithografie an der Stuttgarter Akademie, woraus letztlich die fulminanten Ilias-Grafiken resultieren.
Neben seiner Kunst entstanden auch eigene, kurze Texte und Aphorismen, die Wilhelm von Hillern-Flinsch als kritischen, scharfsinnigen Beobachter seiner Umgebung und des Kunstbetriebs ausweisen.

Das hier vorliegende Gemälde entstammt dem frühen Schaffen und datiert explizit auf 1923. Der Künstler ist noch an der Münchner Akademie, wird diese aber bald wieder verlassen.
Bereits in dieser mittelgroßen Gebirgslandschaft zeigt sich der expressiv realistische Ausdruck, den der Künstler zeitlebens beibehielt. Es ist eine ganz ruhige, innige Komposition, welche die Liebe des Künstlers zu den Bergen beispielhaft belegt.

 

 

Zu Wilhelm von Hillern-Flinsch (26.03.1884 in Freiburg i.B. – 11.04.1986 München):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1892-94 Herrnhuter Erziehungsanstalt in Königsfeld (Schwarzwald); 1894-97 Schule in Wandsbeck (Hamburg); ab 1897 Klosterschule in Rossleben/Unstrut; 1903 Fahnenjunker in Potsdam; 1905 Krankheit; 1910 Abschied vom aktiven Militärdienst; Heirat; Aufenthalt in St. Moritz, dort Bobfahrer (zahlreiche Preise hierfür); zwei längere Aufenthalte in England; 1914-18 als Offiziert im Ersten Weltkrieg; nach 1918 in Stockholm, dort Akt- und Portraitzeichnen bei Karl Wilhelmson; 1920-22 Unterricht an der Zeichenschule von Josef Andreas Sailer (München); 1922-24 Studium an der Kunstakademie München (bei Peter von Halm); 1924-25 Aufenthalt in Italien; zweite Heirat; 1926-36 in München als Porträtist tätig; Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft; 1934-35 Beteiligungen an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek); 1935 Beteiligung an der „Ausstellung der Stadt Freiburg i.Br.“ (Augustinermuseum Freiburg); 1936 Übersiedlung nach Berlin, dort Anatomiezeichnen bei Wilhelm Tank; 1937 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg); 1943 Ausbombung des Berliner Ateliers; dritte Heirat; 1944-46 Aufenthalt in Kärnten und in Gastein; 1947-53 Aufenthalt in Schweden, dort zuerst als Gärtner, dann als Porträtist tätig; Gründung einer Malschule; 1953 Rückkehr nach München; Besuch eines Lithographiekurses an der Kunstakademie Stuttgart (bei Erich Mönch); 1978 Seerosenpreis der Stadt München; 1984 Bundesverdienstkreuz

Literatur
HILLERN-FLINSCH, Wilhelm v. (1983): Wilhelm von Hillern-Flinsch; Liebl; München
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 491
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Die Sammlung Joseph Hierling. Expressiver Realismus [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 145