R I C H A R D S E E W A L D (04.05.1889 Arnswalde [poln. Choszczno] – 29.10.1976 München)
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Mutter mit Kind in einer Landschaft bei San Gimignano (Toskana) (um 1941-47)
Bleistift auf Bütten
€ 1.500,-
Titel
ohne Titel [Mutter mit Kind in einer Landschaft bei San Gimignano (Toskana), hierzu unten rechts bezeichnet „San Giminiano[sic]“]
Technik
Bleistift auf Bütten („PM Fabriano (1941)“), verso an den oberen beiden Ecken durch kleine Klebestreifen in Passepartout gesetzt, gerahmt, unter Glas
Signatur
unten rechts signiert „Seewald“
Jahr
undatiert [um 1941-47]
Eine Datierung in die Jahre um 1941-47 legt sich aus zwei Gründen nahe. Zum einen gibt das Wasserzeichen im „PM Fabriano“-Papier die Jahreszahl „1941“ an, so dass dies der frühestmögliche Zeitpunkt sein könnte. Zum anderen lässt sich gerade auf das Jahr 1947 eine vergleichbare Bleistiftzeichnung Seewalds mit einem Motiv aus Siena, etwa 40 km südöstlich von San Gimignano, nachweisen, welche am 28. Mai 1991 bei Ketterer (München) als Los 1484 versteigert wurde.
Größe
Größe: 22,2 x 33,7 cm (Blatt) bzw. 32,7 x 44,1 cm (Rahmen)
Zustand
Blatt verso an den oberen beiden Ecken durch kleine Klebestreifen in Passepartout gesetzt; oberer und unterer Blattrand mit leichten Abrissspuren; mitunter sehr leicht (stock-)fleckig; oberer Rand sehr leicht uneben zugeschnitten bzw. abgerissen; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren
Richard Seewald war als Künstler vornehmlich Autodidakt, schuf aber Beachtliches als Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator und auch als Schriftsteller.
Ein anfangs begonnenes Ingenieurstudium an der TU München brach er 1909 ab und nahm Malunterricht bei Wladimir Magidey, um sich auf ein (nicht realisiertes) Akademiestudium vorzubereiten. Seewald verkehrt im Kreis der Münchner Boheme, wo er laut eigener Aussage „das schauderhafte, doch fixe Handwerk, für Witzblätter zu zeichnen“ erlernt. Den Lebensunterhalt verdient er vorerst mit Karikaturen für die Zeitschriften „Jugend“, „Lustige Blätter“ und „Meggendorfer Blätter“.
Zwischen 1909 und 1913 ist er immer wieder zu Gast auf Hiddensee im Kreis des Malers Oskar Kruse. In den Jahren 1910, 1913 und 1916 unternahm er Aufenthalte in Ascona, wo er zur lebensreformerischen Gemeinschaft der „vegetabilen Cooperative“ Monte Verità gehört.
1911 heiratet er in London Emma Margarete (Uli) Trotsch (1884-1967).
Im Jahr tritt er das erste Mal mit Werken an die Öffentlichkeit – zum einen durch eine Teilnahme am „Pariser Salon d’Automne”, zum anderen durch eine Einzelausstellung in der Galerie Thannhauser in München. Es folgen zahlreiche weitere Einzelausstellungen u. a. in dem Kunstsalon Max Dietzel (mit Marianne von Werefkin) in München, in der Galerie Flechtheim, mehrmals im Kölner Kunstverein, in der Londoner Stafford Gallery.
Zwischen 1922 und 1924 unternimmt der Künstler verschiedene Reisen durch Italien, unter anderem nach Sizilien, und reist ausserdem nach Tunis. 1924 kauft er sich in Ronco sopra Ascona eine Vogelstellerhütte, die er zum Atelier ausbaut.
Von 1924 bis 1931 hat Seewald eine Professur für Malerei, Grafik und Buchkunst an der Meisterschule für gestaltendes Handwerk Köln (ab 1926: Werkschule). Zusammen mit Dominikus Böhm, Johan Thorn Prikker und Hans Wissel entwickelt Seewald die Kölner Werkschule zu einem bedeutenden Zentrum für Kunst am Bau.
Tritt 1929 zum katholischen Glauben über.
Ab 1931, dem Ende der Professur, lebt er ständig in Ronco.
1937 werden insgesamt 163 seiner Werke aus deutschen Museen als „entartete Kunst“ beschlagnahmt.
1939 erhält er die Schweizer Staatsbürgerschaft. Im Auftrag des Bischofs von Chur, Monsignore Caminada, schafft der Künstler 1941 die grossen Fresken in der Kirche Maria von Lourdes in Zürich Seebach.
Ende der 1940er Jahre kehrt er nach Deutschland zurück und begleitet von 1954 bis 1958 eine Professur für Grafik, Malerei und Wandbild an der Kunstakademie München. 1961 wird er mit der Ausmalung der Arkaden im Münchner Hofgarten beauftragt.
Kurz vor seinem Tod, am 15. September 1976, wird die Richard und Uli Seewald Stiftung, Ascona gegründet, der Seewald seinen Besitz und sein gesamtes Werk hinterlässt, bestehend aus seinen eigenen Werken, seiner Sammlung von Gemälden verschiedener Künstler und seinem Anwesen samt Haus und Atelier.
Die vorliegende Zeichnung ist in die 1940er Jahre (1941-47) einzuordnen und zeigt einen für Seewald ganz typischen, deutlich neusachlich beeinflussten Blick auf eine Landschaft bei San Gimignano in der Toskana. Sehr markant im vorderen Bereich steht eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm und blickt in die Ferne.
Zu Richard Josef Michael Seewald (04.05.1889 Arnswalde [poln. Choszczno] – 29.10.1976 München):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator, Schriftsteller.
1909 Abbruch des Ingenieurstudiums an der TU München und Malunterricht bei Wladimir Magidey als Vorbereitung auf ein nicht realisiertes Akademiestudium.
Seewald verkehrt im Kreis der Münchner Boheme, wo er laut eigener Aussage „das schauderhafte, doch fixe Handwerk, für Witzblätter zu zeichnen“ erlernt. Den Lebensunterhalt verdient er vorerst mit Karikaturen für die Zeitschriften „Jugend“, „Lustige Blätter“ und „Meggendorfer Blätter“.
1909-13 zu Gast auf Hiddensee im Kreis des Malers Oskar Kruse.
1910, 1913 und 1916 Aufenthalte in Ascona, wo er zur lebensreformerischen Gemeinschaft der „vegetabilen Cooperative“ Monte Verità gehört.
1911 heiratet er in London Emma Margarete (Uli) Trotsch (†1967).
1911 erste Ausstellungsbeteiligungen durch eine Teilnahme am „Pariser Salon d’Automne”.
1913 nimmt er am ersten Herbstsalon “Der Sturm” in Berlin teil.
Freundschaft mit dem Schriftsteller Theodor Haecker, mit dem er auch gemeinsame Bücher realisiert.
1914-18 vom Frontdienst befreit.
1921 erscheint sein erstes Bild-Text-Buch „Tiere und Landschaft“.
Ab 1922/23 verkehrt Seewald im Hochland-Kreis um Carl Muth.
Zwischen 1922 und 1924 unternimmt der Künstler verschiedene Reisen durch Italien, unter anderem nach Sizilien, und reist ausserdem nach Tunis.
1924 kauft er sich in Ronco sopra Ascona eine Vogelstellerhütte, die er zum Atelier ausbaut.
1924-31 Professor für Malerei, Grafik und Buchkunst an der Meisterschule für gestaltendes Handwerk Köln (ab 1926: Werkschule).
1927 lässt er sich in Rodenkirchen von Theodor Merrill eine moderne Villa errichten.
Tritt 1929 zum katholischen Glauben über.
Zusammen mit Dominikus Böhm, Johan Thorn Prikker und Hans Wissel entwickelt Seewald die Kölner Werkschule zu einem bedeutenden Zentrum für Kunst am Bau.
Ab 1931 lebt er ständig in Ronco.
Für das Marionettentheater von Ascona schreibt er drei Komödien „Der Raub der Europa“, „Das Geheimnis des Steins“ sowie „Die Sternenkomödie“, für die er auch die Köpfe der Figuren schnitzt und die Bühnenbilder realisiert.
1937 werden insgesamt 163 seiner Werke aus deutschen Museen als „entartete Kunst“ beschlagnahmt.
1939 erhält er die Schweizer Staatsbürgerschaft.
Im Auftrag des Bischofs von Chur, Monsignore Caminada, schafft der Künstler 1941 die grossen Fresken in der Kirche Maria von Lourdes in Zürich Seebach.
1954-58 Professor für Grafik, Malerei und Wandbild an der Kunstakademie München.
1961 wird er mit der Ausmalung der Arkaden im Münchner Hofgarten beauftragt.
Kurz vor seinem Tod, am 15. September 1976, wird die Richard und Uli Seewald Stiftung, Ascona gegründet, der Seewald seinen Besitz und sein gesamtes Werk hinterlässt, bestehend aus seinen eigenen Werken, seiner Sammlung von Gemälden verschiedener Künstler und seinem Anwesen samt Haus und Atelier.
Einzelausstellungen (Auswahl)
1911 Galerie Thannhauser, München
1913 Kunstsalon Max Dietzel (mit Marianne von Werefkin), München
1919 Kunsthandlung Goltz, München
1924, 1927, 1930 Kunstverein Köln
1928 Galerie Flechtheim
1939 Stafford Gallery, London
1952 Lenbachhaus, München
1954 Galerie Wolfgang Gurlitt, München
1973 Galerie Ketterer, München
1974 Kardinal-Wendel-Haus, München
1986 Kunsthaus zur Linde, Naters
1989 Stadtmuseum Köln
1998 Galerie Glöckner, Köln-Lindenthal
2004 Parishaus, Memmingen
2005 Galleria Nova, Ronco
2011 Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona
2016 Museo e Fondazione Rolf Gérard, Ascona
Ehrungen
1957 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Mitgliedschaften
ab 1913 „Neue Sezession“ in München.
Sammlungen
Museo Comunale d’Arte Moderna Ascona; Nationalgalerie Berlin; LVR-Landesmuseum, Bonn; Pommersches Landesmuseum, Greifswald; Osthaus-Museum, Hagen; Altonaer Museum, Hamburg; Museum Ludwig, Köln; Leicester Museum and Art Gallery, Leicester (UK); Los Angeles County Museum of Art (LACMA); Städtisches Museum Abteiberg, Mönchenbgladbach; Deutsches Museum, München; Pinakothek der Moderne, München; Lenbachhaus, München; Metropolitan Museum of Art, New York City; Museum of Modern Art (MoMA), New York City; Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg; Sammlung Dr. Gerhard Schneider, Olpe; Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg; Museum Kunst der Verlorenen Generation, Salzburg; Albertina, Wien
Literatur (Auswahl)
— Heise, Ulla: Richard Seewald, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Internetseite der „Fondazione Richard e Uli Seewald“
— Kölnisches Stadtmuseum (1989): Richard Seewald : (1889 – 1976) – zum 100. Geburtstag [Ausstellungskatalog], Ascona : Richard-und-Uli-Seewald-Stiftung
— Jentsch, Ralph (1989): Illustrierte Bücher des deutschen Expressionismus, Stuttgart: Ed. Cantz, S. 365























