R I C H A R D    G E S S N E R    (29.07.1894 Augsburg – 13.02.1989 Düsseldorf)

 

Weitere Künstler des Expressiven Realismus
Weitere Düsseldorfer Künstler

 

 

,winterliche Ansicht auf Schloss Kalkum‘ (1940)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt (Rahmung durch F. G. Conzen)

€ 2.000,-

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Titel
ohne Titel [,winterliche Ansicht auf Schloss Kalkum‘ (nicht im Werkverzeichnis (Britta Hueck-Ehmer (1994), vergleichbar mit den Nummern 209 (Frühling im Schloßgarten, 1939), insbesondere 211 (Die Reisigsammler, 1939), sowie 218 (Dämmerung im Schloßpark, 1939)]

Technik
Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt (Rahmung durch F. G. Conzen)

Signatur
unten rechts signiert „Richard Gessner“

Jahr
unten rechts lokalisiert und datiert „Düsseldorf [19]40“

Größe
Größe: 60,5 x 80,7 cm (ohne Rahmen) bzw. 71,6 x 92 cm (mit Rahmen)

Zustand
insgesamt leicht nachgedunkelt; in den Randbereichen schwach berieben; im oberen Bereich mittig leichte oberflächliche Kratzspur (retuschiert); Keilrahmen verso oben links und rechts jeweils bezeichnet/nummeriert, sowie verso oben mittig bez. „Hackmann“; Keilrahmen verso unten links bezeichnet „Gessner“; Rahmen mitunter leicht berieben und etwas fleckig

Provenienz
Galerie Kurt Hackmann (Schadowstraße 47, Düsseldorf) [hierzu verso Etikett]

 

 

Werkbeschreibung
Richard Gessner war das älteste Kind und der einzige Sohn des Bankkaufmanns Friedrich Richard Gessner (1863-?) und dessen Frau Julie, geb. Beisbarth (1871-?). 1896 wurde der Vater nach Köln versetzt und dort besuchte der Sohn später die Volksschule. Es lassen sich die ersten Zeichnungen nachweisen. 1904 zieht die Familie nach Düsseldorf, da der Vater zum Direktor des Barmer Bankvereins ernannt wurde. Richard Gessner besucht das Rethel-Gymnasium in Düsseldorf, sowie ab 1908 das fortschrittlich ausgerichtete Internat “Freie Schulgemeinde Wickersdorf” bei Saalfeld in Thüringen. Er begeistert sich für Modellbau und Industrie und möchte Hütteningenieur werden.
Ab 1913 Besuch der Kunstakademie Düsseldorf (bei Willy Spatz und Eduard von Gebhardt). Im Sommer 1914 zweimonatiger Aufenthalt zusammen mit Otto Pankok in Dötlingen. Beginn des Militärdienstes bei der 1. Kompanie 1/185 in Bitsch (Saarland). Nach einer schweren Lungenentzündung wird er dem Militärbauamt in Krefeld zugeteilt. 1916 kann er sich mit dem Gemälde “Hydraulische Presse” an einer Ausstellung im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum beteiligen. 1917 wird er als Kriegsmaler in Üsküp [Skopje] eingesetzt – ebenso war auch Gustav Wunderwald damals in Mazedonien Soldat, obgleich über eine Bekanntschaft beider Künstler bislang nichts bekannt ist. 1918 Entlassung aus dem Kriegsdienst und Wiederaufnahme des Studiums in Düsseldorf. Gessner wird 1919 Meisterschüler von Max Clarenbach. Ebenso 1919 ist Gessner Gründungsmitglied der Gruppe “Das Junge Rheinland”. Ab dieser Zeit zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen.
1920 gründete er mit Fritz Burmann und Werner Peiner die “Drei-Mann-Werkstatt”, in der großformatige teppichartige Wandbilder auf Stoff entstanden.
1922 wurde ihm der “Holland-Preis” verliehen. Gessner unternahm nach dem Studium zahlreiche Studienreisen nach u. a. Skandinavien, Finnland, Italien, Nordafrika, Bulgarien. Bis 1928 hielt er sich zudem regelmäßig in Paris auf und kam dort in Kontakt mit Marc Chagall und Jules Pascin. 1926 war er beteiligt an der bedeutenden Hygieneausstellung “GeSoLei” in Düsseldorf. 1929 war er in Berlin ansässig.
1937 wird ihm der Dürer-Preis der Stadt Nürnberg verliehen und in demselben Jahr wird eine Druckgrafik in Düsseldorf als “entartet” beschlagnahmt. Bereits 1936 wurde das Gemälde “Paris bei Nacht” vom Düsseldorfer Kunstmuseum als nicht mehr “tragbar” empfunden. Der Kustos Hans Wilhelm Hupp erreichte aber, dass das Werk dem Künstler zurückgegeben wurde.
1938 Heirat mit der Grafikerin Inge Klatte. Das Paar lebte fortan bis 1944 auf Schloss Kalkum.
Im Dritten Reich war Richard Gessner gerade aufgrund seiner Industriedarstellungen ein durchaus angesehener Künstler, der auf mehreren Ausstellungen erfolgreich vertreten war und auch öffentliche Aufträge erhielt. 1944 wurde das Ehepaar Gessner aus Schloss Kalkum evakuiert und kam zusammen mit anderen Düsseldorfer Künstlern im Wittelsbacher Schloss in Berchtesgaden unter.
Nach dem Krieg malte und zeichnete er kurzzeitig für die US-Armee, kehrte aber dann Mitte September 1945 nach Düsseldorf zurück. Da die Wohnung im Schloss Kalkum beschlagnahmt war, lebte das Paar in einer Notunterkunft in Wittlaer. Gessner entwickelt schnell wieder künstlerisches Engagement, malt, zeichnet und organisiert Ausstellungen. Industrie und Technik waren weiterhin die beherrschenden Themen seines Schaffens.
Ab den 1950er Jahren mehrere Reisen nach Italien, sowie nach Paris und Spanien.

Dieses hier vorliegende Gemälde entstand 1940 und damit in jenen Jahren in denen Richard und Inge Gessner in einer Wohnung in Schloss Kalkum lebten.
Gessner hat in diesen Jahren immer wieder Motive und Ansichten des Schlosses und des Schlossparkes gemalt [1]. Das hier gezeigte Gemälde passt dem Motiv, der malerischen Ausführung und auch der gewählten Größe nach exakt in diese markante Werkgruppe, die sich durch die ruhigen, mitunter melancholisch kühlen Schlossansichten deutlich von den, das damalige Schaffen dominierenden, Industriedarstellungen abhebt.

Wie auch in anderen Gemälden, so sind es auch hier die urig gewachsenen Bäume, welche den vorderen und mittleren Bildbereich ausfüllen. Erst dahinter zeigt sich, das teilweise verdeckte Schloss mit seiner Westfassade. Belebt hat Gessner die winterliche Szenerie mit einer Frau links, die wohl gerade Reisig sammelt, sowie mit einer Frau im rechten Bildbereich, die neben sich einen Schlitten samt Kleinkind stehen hat. Über allem liegt ein grauer, dicht bewölkter Himmel.

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[1] Zu nennen sind hier die Werkverzeichnisnummern: 209, 211, 216-221, 228. Diese datieren auf 1939 und 1940.

 

 

Zu Richard Gessner (29.07.1894 Augsburg – 13.02.1989 Düsseldorf):
Maler, Zeichner, Grafiker.
Sohn des Bankkaufmanns Friedrich Richard Gessner (1863-?) und dessen Frau Julie, geb. Beisbarth (1871-?).
1896 Umzug der Familie nach Köln, Besuch der Volksschule. Es entstehen erste Zeichnungen.
1904 Umzug nach Düsseldorf. Besuch des Rethel-Gymnasiums in Düsseldorf.
Ab 1908 Besuch des Internats “Freie Schulgemeinde Wickersdorf” bei Saalfeld in Thüringen.
Ab 1913 Besuch der Kunstakademie Düsseldorf (bei Willy Spatz und Eduard von Gebhardt). Im Sommer 1914 zweimonatiger Aufenthalt zusammen mit Otto Pankok in Dötlingen. Beginn des Militärdienstes bei der 1. Kompanie 1/185 in Bitsch (Saarland). Nach einer schweren Lungenentzündung wird er dem Militärbauamt in Krefeld zugeteilt.
1917 wird er als Kriegsmaler in Üsküp [Skopje] eingesetzt.
1918 Entlassung aus dem Kriegsdienst und Wiederaufnahme des Studiums in Düsseldorf. Gessner wird 1919 Meisterschüler von Max Clarenbach.
Ab dieser Zeit zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen.
1920 gründete er mit Fritz Burmann und Werner Peiner die “Drei-Mann-Werkstatt”, in der großformatige teppichartige Wandbilder auf Stoff entstanden.
Gessner unternahm nach dem Studium zahlreiche Studienreisen nach u. a. Skandinavien, Finnland, Italien, Nordafrika, Bulgarien. Bis 1928 hielt er sich zudem regelmäßig in Paris auf und kam dort in Kontakt mit Marc Chagall und Jules Pascin.
1926 war er beteiligt an der bedeutenden Hygieneausstellung “GeSoLei” in Düsseldorf.
1929 war er in Berlin ansässig.
Bereits 1936 wurde das Gemälde “Paris bei Nacht” vom Düsseldorfer Kunstmuseum als nicht mehr “tragbar” empfunden. Der Kustos Hans Wilhelm Hupp erreichte aber, dass das Werk dem Künstler zurückgegeben wurde.
1937 wird eine Druckgrafik in Düsseldorf als “entartet” beschlagnahmt.
1938 Heirat mit der Grafikerin Inge Klatte. Das Paar lebte fortan bis 1944 auf Schloss Kalkum.
Im Dritten Reich war Richard Gessner gerade aufgrund seiner Industriedarstellungen ein durchaus angesehener Künstler, der auf mehreren Ausstellungen erfolgreich vertreten war und auch öffentliche Aufträge erhielt.
1944 wurde das Ehepaar Gessner aus Schloss Kalkum evakuiert und kam zusammen mit anderen Düsseldorfer Künstlern im Wittelsbacher Schloss in Berchtesgaden unter.
Nach dem Krieg malte und zeichnete er kurzzeitig für die US-Armee, kehrte aber dann Mitte September 1945 nach Düsseldorf zurück. Gessner entwickelt schnell wieder künstlerisches Engagement, malt, zeichnet und organisiert Ausstellungen. Industrie und Technik waren weiterhin die beherrschenden Themen seines Schaffens.
Ab den 1950er Jahren mehrere Reisen nach Italien, sowie nach Paris und Spanien.

Mitgliedschaften
1919 Gründungsmitglied „Das Junge Rheinland“

Preise
1922 “Holland-Preis / Preis der Länder am Rhein”
1937 Dürer-Preis der Stadt Nürnberg
1941 Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf
1955 Zweiter Preis des Wettbewerbes „Das Stadtbild Düsseldorf“

Sammlungen (Auswahl)
Stadtmuseum Berlin
Kunstmuseum Bochum
Museum Kunstpalast Düsseldorf
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
Rheinisches Industriemuseum (Oberhausen)
Märkisches Museum (Witten)

Literatur (Auswahl)
— Meißner, Günter: Richard Gessner, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Heckmanns, Friedrich W. / Ruhrberg, Karl (Hrsg.) (1994): Richard Gessner: Monographie und Werkverzeichnis [WV von Britta Hueck-Ehmer], Köln: Wienand, Köln
— Zimmermann, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation, München: Hirmer, S. 376