F I F I   K R E U T Z E R   (24.03.1891 Köln – 29.12.1977 Ruppichteroth-Broscheid)

 

Weitere Werke von Fifi Kreutzer

 

 

weite Erntelandschaft mit Kornbündel auf Feld (Bröltal im Bergischen Land?)
(um 1920-25)

Aquarell und Tuschfeder auf Velinpapier, ungerahmt
unten rechts signiert „Fifi Kreutzer“
Größe: 30,5 x 36,6 cm

verkauft

 

 

 

Titel
ohne Titel, weite Erntelandschaft mit Kornbündel auf Feld (Bröltal im Bergischen Land?)

Entstehungsjahr
unten rechts datiert „192[?]“ [letzte Ziffer aufgrund Papierverlust fehlend, anzunehmen ist wohl ein Zeitraum um 1920-25]

Zustand
insgesamt sehr leicht gebräunt; die beiden rechten Ecken mit kleineren Papierverlusten; unterer Blattrand links etwas bestoßen; linker Rand mit Abrissspuren, sowie mittig mit kleinem Einriss (etwa 1,5cm); oberer Rand mittig mitunter sehr leicht bestoßen; rechter Blattrand mit minimalen Einrissen (bis etwa 0,3cm) verso fleckig; verso in den vier Ecken Reste früherer Befestigung; verso oben rechts nummeriert[?]

 

 

Mathilde („Fifi“) Kreutzer war die Ehefrau des expressiven (mitunter auch expressionistischen) Künstlers Franz M. Jansen (1885 Köln – 1958 Ruppichteroth), der sie in ihrem Schaffen zeitlebens unterstützte.

Ersten Kunstunterricht erhielt sie ab 1905 bei dem Düsseldorfer Landschaftsmaler Ernst Hardt. Es entstanden hierauf Zeichnungen und auch erste kunsthandwerkliche Stickereien. Bereits 1912 nahm sie an einer Ausstellung in Köln teil und 1913 erhielt sie bei der Weltausstellung in Gent eine Bronzemedaille. Die 1920er Jahren waren für das Künstlerpaar eine wichtige Schaffensphase – sie unternahmen Reisen, wurden auf Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt und Sammler wie auch Museen kauften Werke an. Etwa ab 1937 wurde die wirtschaftliche Situation schlechter, was auch damit zusammenhing, dass gut 200 Werke Ihres Mannes als „entartet“ beschlagnahmt wurden. Auch nach 1945 änderte sich die wirtschaftliche Lage des Paars nicht, da Fifi als auch Franz M. Jansen stets gegenständlich blieben und nicht den Weg in die Abstraktion gingen. Ab den 1990er Jahren begann eine Wiederentdeckung, die vor allem durch das August-Macke-Haus in Bonn, in dem sich ein Teil des künstlerischen Nachlasses befindet, vorangetrieben wurde.

Dieses vorliegende Aquarell datiert in die 1920er Jahre und zeigt eine expressiv-realistische, weite in das Bild führende Ernteszene, die sich womöglich in die heimatliche Region der Künstlerin – bas Bröltal im Bergischen Land – lokalisieren lässt.

Die zeitlebens bevorzugten Motive Fifi Kreutzers lassen sich hier wunderbar ablesen – der Mensch, das Tier und die Landschaft.

 

 

Zu Mathilde („Fifi“) Kreutzer (24.03.1891 Köln – 29.12.1977 Ruppichteroth-Broscheid):
Malerin, Zeichnerin; Tochter des Oberstudiendirektors Johannes Peter Kreutzer und dessen Frau Bertha; der Vater förderte die Ausbildung seiner Tochter; schön früh begeistert sich Fifi für die Kunst; bis 1905 Besuch der Höheren Töchterschule; danach nimmt sie Privatunterricht bei Ernst Hardt; 1908 halbjährlicher Aufenthalt bei Verwandten in London; neben Zeichnungen entstehen auch erste kunsthandwerkliche Stickereien und für ihr gesticktes Triptychon „Der Drachentöter“ erhält sie 1913 bei der Weltausstellung in Gent eine Bronzemedaille; 1917 heiratet sie – gegen den Willen der Eltern – den Künstler Franz M. Jansen, den sie bereits seit 1908 kannte; das Paar bezieht ein verwahrlostes Haus ohne Strom- und Wasseranschluss in Winterscheid; Franz M. Jansen unterstützt seine Frau zeitlebens in ihrem künstlerischen Schaffen; auf Empfehlung Richard Dehmels besucht Fifi 1920 mehrere Monate die Kunstgewerbeschule in Hamburg, um dort verschiedene grafische Techniken zu erlernen; 1922 Umzug nach Felderhoferbrücke (Bröltal), wo ihnen Walter Linke (Hotelbesitzer und Förderer von Franz M. Jansen) einen Stall zu einer Wohnung samt Atelier umbauen ließ; ab 1923 mehrere Reisen des Paars nach Süddeutschland, Oberitalien und Österreich; in den Sommern 1926-28 bereiste sie mit ihren Eltern Südtirol, Salzburg und das Allgäu; neben der freien künstlerischen Tätigkeit entstehen auch Illustrationen für Zeitungen und Reisebeilagen; 1934 baut sich das Paar ein Haus mit zwei Ateliers in Büchel, in welches auch Fifis Eltern ziehen; das Haus wird fortan Lebensmittelpunkt; Franz M. Jansen wird noch 1944 zum Krieg eingezogen und erleidet eine schwere Verwundung; nach 1945 lebt das Paar in wirtschaftlicher Not, da sich die expressive Kunst der Beiden nur schwer verkaufen lässt; 21. Mai 1958 Tod von Franz M. Jansen; Fifi wird von der „Deutschen Künstlerhilfe“ unterstützt; bis kurz vor ihrem Tod lebte sie im Haus in Büchel und stirbt schließlich in einem Altenheim im nahegelegenen Broscheid an den Folgen eines Sturzes

Ausstellungen (Auswahl)
Nov. 1912 „Kunst in Handel und Gewerbe“, Köln; 1913 Weltausstellung, Gent; 1914 Werkbundausstellung, Köln; Mai 1917, Berliner Sezession, Berlin; 1924-31 (außer 1930), Beteiligungen an Ausstellungen des Kölnischen Kunstvereines; 1926 „Kölner Künstler“, Kaiser Wilhelm-Museum, Krefeld; 1926-27 Ausstellung zusammen mit Franz M. Jansen, Grafisches Kabinett Heinrich Trittler, Frankfurt a.M.; 1927 Ausstellung zusammen mit Franz M. Jansen, Galerie Abels, Köln; 1928, Dresdner Kunstverein, Dresden; Juli 1934, Einzelausstellung, GEDOK, Köln; 1935, Einzelausstellung, Kölnischer Kunstverein; 1936 „Deutsche Malerinnen und Bildhauerinnen“, Kunstpalast, Düsseldorf; 1946-51, 1970, 1972, 1975, 1977 „Rheinisch-Bergischer Künstlerkreis“, Siegburg, Köln, Leverkusen; 1973 „Fifi Kreutzer – Malerei und Grafik – Ein Querschnitt durch 60 Jahre Kunstschaffen“, Wiehl; 1976 „Drei Kölner Malerinnen (Fifi Kreutzer, Hertha Meyer-Lederer und Käthe Schmitz-Imhoff)“, Köln; 1977 „Fifi Kreutzer – Querschnitt aus 70 Jahren Kunstschaffen“, Gummersbach; 1993, 1996, 1999 August-Macke-Haus, Bonn; 2005 Retrospektive, August-Macke-Haus, Bonn; 2005 Retrospektive, Museum Schloss Homburg, Nümbrecht

Mitgliedschaften
1918-19 Bund niederdeutscher Künstlerinnen; ab etwa 1930 GEDOK; ab 1950 Rheinisch-Bergischer Künstlerkreis

Preise
1913 Bronzemedaille bei der Weltausstellung in Gent

Werke der Künstlerin befinden sich u.a. im Bestand folgender Sammlungen: August-Macke-Haus, Bonn (Teil des künstlerischen Nachlasses); Museum Ludwig, Köln; Rheinisches landesmuseum, Bonn; Museum Schloss Homburg, Nümbrecht