K U R T   N E Y E R S   (14.08.1900 Düsseldorf – 15.02.1969 ebd.)

Weitere Düsseldorfer Künstler

 

„Mosellandschaft“ (1946)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
unten links signiert „Neyers“, sowie verso oben rechts auf dem Keilrahmen nochmals signiert

2.300€

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Titel
„Mosellandschaft“ [so betitelt in Herbert Griebitzsch (1947): Kurt Neyers, Düsseldorf: Merkur-Verlag, unpag. [S. 26 mit ganzseitiger s/w-Abb.]]

Signatur
unten links datiert „[19]46“

Größe
Größe: 60,7 x 80,5 cm (ohne Rahmen) bzw. 69,3 x 89 cm (mit Rahmen)

Zustand
leicht fleckig; in den Randbereichen etwas berieben (unter Rahmung nicht sichtbar); verso oben am Keilrahmen links nummeriert „6“, sowie rechts nummeriert „8“ (durchgestrichen); Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, leicht beschmutzt)

Abbildung
Griebitzsch, Herbert (1947): Kurt Neyers, Düsseldorf: Merkur-Verlag, unpag. [S. 26 mit ganzseitiger s/w-Abb.];
Ein Foto der relevanten Seite ist unten angefügt.

Literatur / Erwähnung
„Von der formalen Seite aus gesehen, erweisen sich Neyers Bilder im stärksten Maße als gebaut. Gern folgt der Künstler dörflichen Straßen, wo eine naturnahe Bauweise sich lebensvoll auswirkt. Der einzelne Bau wird frei gestaltet, sein Eindruck vereinfacht, um aus der rhythmischen Gliederung heraus das Wesenhafte des Hauses und seine Verbundheit mit der bergenden Natur deutlich werden zu lassen. Dieses Erleben kann sich großartig wuchtig darbieten (‚Luxemburger Landschaft‘), es kann von lyrischer Melodik sein, so in der ‚Mosellandschaft‘.“ (Herbert Griebitzsch (1947): Kurt Neyers, Düsseldorf: Merkur-Verlag, unpag. [S. 20] – Hervorhebung durch Verf.)

Provenienz
Verso auf Keilrahmen links (wohl von früherem Rahmenmacher) in Blei bezeichnet mit Vorbesitzernamen „Dr. Henseler“[?]

 

 

Werkbeschreibung
Kurt Neyers besuchte anfangs die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule (1920-24) und später die dortige Kunstakademie (1924-28), an der er zuletzt Meisterschüler Heinrich Nauens war. Hierauf war er zeitlebens in Düsseldorf ansässig und tätig. Er unternahm in den 1920er Jahren mehrere Reisen nach Österreich, Frankreich, Luxemburg und in die Niederlande. Bereits kurz nach seinem Studium konnte er deutschlandweit ausstellen und war u.a. in einer Jahresausstellung im Münchner Glaspalast (1930) vertreten, daneben stellte er 1929 beim „Jungen Rheinland“ aus. Bis zu der Auflösung war er Mitglied der „Rheinischen Sezession“ und 1949 war er einer der Mitbegründer der „Neuen Rheinischen Sezession“. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war Neyers eine wichtige Figur im Düsseldorfer Kunstleben – er war auf zahlreichen Ausstellungen präsent und pflegte Kontakte. Bis etwa 1950 malte er in einem sehr eigenständigen expressiv-realistischen Ausdruck, wobei er vor allem (dörfliche) Landschaften und Stillleben bevorzugte. Im Späteren wurde er vom Konstruktivismus beeinflusst und trieb dies schließlich bis zur völligen Abstraktion.

Das vorliegende Gemälde einer „Mosellandschaft“ entstand 1946 und ist damit in die frühe Nachkriegszeit, die Zeit des erneuten künstlerischen Aufbruchs von Neyers einzuordnen.
Aus dem Vordergrund führt ein leicht geschwungener Weg in das Bild hinein und verschwindet schließlich hinter einem Hügel. Einzelne Bäume stehen am Wegesrand und ganz im Hintergrund scheint sich ein Wald abzuzeichnen. Im rechten Vordergrund steht der Ausschnitt eines Hauses, so dass wir uns als Betrachter hier wohl an einem Ortsrand befinden.

Beachtenswert ist dabei nun noch, dass dieses Gemälde in der 1947 erschienen Publikation „Kurt Neyers“ (Düsseldorf: Merkur-Verlag) von Herbert Griebitzsch, damals Leiter des Museums Schloß Oberhausen, als ganzseitige s/w-Abbildung zu sehen ist und, dass Griebitzsch das Gemälde auch in seinem lesenswerten Text explizit erwähnt.
Diese „Mosellandschaft“ ist damit sicherlich eines der exponierten und besten Werke aus Neyers Schaffensphase der frühen Nachkriegszeit.

 

 

Zu Kurt Neyers (14.08.1900 Düsseldorf – 15.02.1969 ebd.):
Maler, Zeichner.

Sohn eines Kunsthändlers. 1918 Kriegsdienst. 1919 begann Neyers eine Lehre als Glasmaler, wechselte dann an die Kunstgewerbeschule (1920-24) und hierauf von 1924-28 an die Kunstakademie Düsseldorf (bei Heinrich Nauen). Zuletzt war er Meisterschüler Nauens. Studienreisen nach Österreich, Frankreich, Luxemburg und in die Niederlande. Verheiratet mit der Künstlerin Lisette Neyers (1919-1970). Neyers war in Düsseldorf ansässig (Sittarder Straße 5) und tätig. 1952 konnte er mit einem Stipendium des Kultusministeriums Nordrhein-Westfalen zusammen mit Hans Schröers und Clemens Pasch nach Italien reisen.

Kurt Neyers malte bevorzugte (dörfliche) Landschaften, Stadtansichten und Stillleben. Anfangs war er vom Expressionismus beeinflusst und wandte sich dann um 1930 einem expressiven Realismus rheinischer Prägung zu. Ab etwa Ende der 1940er Jahre zeigen sich konstruktive, stärker abstrahierende Einflüsse, die ihn schließich bis in die Abstraktion führen.

„Neyers ist Maler. Er folgt dem farbigen Spiel der Wirklichkeit, aber es wird zu einem sinnhaften Gleichnis einer um Wesenhaftes ringenden Einstellung. Kurt Neyers trägt uns hinaus aus irdischer Unzulänglichkeit. Der Alltag versinkt. Es wäre billig, im Gegensatz dazu von einer festlichen Stimmung zu sprechen. Urgründe dämmern auf, letztlich ist es etwas Unaussprechliches, was sich auswirkt. Wir können es nur als eine betont westisch freie, beschwingte und harmonische Weltschau umschreiben. Tiefer Ernst, stille Gläubigkeit, friedvolle Weltseeligkeit sind am Werk.“
(Herbert Griebitzsch)

Mitgliedschaften
ab 1928 „Rheinische Sezession“
ab 1949 Mitbegründer der „Neuen Rheinischen Sezession“

Ausstellungen
1929 Beteiligung an einer Ausstellung des „Jungen Rheinlands“, Kunsthalle Düsseldorf
1930 Beteiligung an der „Deutschen Kunstausstellung“, Glaspalast, München
1937 „Große Kunstausstellung Düsseldorf“
1940 Beteiligung an der „Rheinischen Kunstausstellung“, Schloß Schönhausen, Berlin
1940, 1942 Beteiligung an der „Frühjahrs-Ausstellung Düsseldorf“, Kunsthalle Düsseldorf
1940-41 Beteiligung an der „Herbst-Ausstellung Düsseldorf“, Kunsthalle Düsseldorf
1941 Beteiligung an der „Düsseldorfer Maler“, Anhaltinische Gemäldegalerie, Dessau
1945 Beteiligung an der ersten Nachkriegsausstellung in der Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf
1946 Beteiligung an der Ausstellung „Malerei, Plastik, Töpferei, Texitile Kunst“, Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf
1946 Beteiligung an der Ausstellung „Rheinische Künstler“, Leopold-Hoesch-Museum-Düren
1946 Beteiligung an der Ausstellung „Junge Kunst am Rhein“, Universität Heidelberg
1947 Beteiligung an der Ausstellung „Moderne deutsche Kunst seit 1933“, Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf
1947 Ausstellung Lisette und Kurt Neyers, Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf
1947 Beteiligung an der Ausstellung „Westdeutscher Künstlerbund“, Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen
1948 Beteiligung an der Ausstellung „II. Kunstausstellung Rhein/Ruhr“, Arnsberg
1948 Beteiligung an der Ausstellung „Rheinische Sezession“, Düsseldorf
1948 Beteiligung an der Ausstellung „Westdeutsche Maler“, Folkwang-Museum, Essen
1949 Beteiligung an der Ausstellung „Deutsche Malerei und Plastik der Gegenwart“, Staatenhaus der Messe, Köln
1952 Beteiligung an der Ausstellung „Neue Rheinische Sezession“, Düsseldorf
1953 Beteiligung an der Ausstellung „Die Industrie in der Kunst der Gegenwart“, Städtisches Museum Hamm
1955 Beteiligung an der Ausstellung „Westdeutsche Kunst 1945-1955“, Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen
1956 Beteiligung an der Ausstellung „Düsseldorfer Kaufleute sammeln moderne Kunst“, Kunsthalle Düsseldorf
1956 Ausstellung Kurt Neyers / Lisette Neyers, Haus Metropol, Bochum
1963 Einzelausstellung im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf
1965 Beteiligung an der Ausstellung „Düsseldorfer Maler und Bildhauer der letzten 50 Jahre“, Kunstverein Düsseldorf
1970 Gedächtnisausstellung für Kurt und Lisette Neyers, Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf
1987 Beteiligung an der Ausstellung „Düsseldorfer Kunstszene 1933-1945“, Stadtmuseum Düsseldorf
2008 Retrospektive, Kreissparkasse Düsseldorf
2017 „Kurt Neyers – Malerei“, Museum Kaiserswerth, Düsseldorf

Sammlungen
Kunsthaus NRW Kornelimünster, Aachen; Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg

Literatur
Engels, Maria (1985): Aspekte der gegenwärtigen Kunst in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, S. 140
Griebitzsch, Herbert (1947): Kurt Neyers, Düsseldorf: Merkur-Verlag
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion

 

 

Aus:
Griebitzsch, Herbert (1947): Kurt Neyers, Düsseldorf: Merkur-Verlag, unpag. [S. 26 mit ganzseitiger s/w-Abb.]