H E N R I K    M O O R    (22.12.1876 Prag – 10.11.1940 Fürstenfeldbruck)

 

Weitere Münchner Künstler

 

 

kleine alpine Landschaft mit Haus (o.J.)

Öl auf fester Pappe, gerahmt

€ 680,-

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Titel
ohne Titel [kleine alpine Landschaft mit Haus]

Technik
Öl auf fester Pappe, gerahmt

Signatur
verso Nachlassstempel & verso wohl in Blei signiert

Jahr
undatiert

Größe
Größe: 14 x 20 cm (Karton) bzw. 19,7 x 26,2 cm (Rahmen)

Zustand
insgesamt etwas fleckig; etwas nachgedunkelt; Kanten / Ecken etwas bestoßen (unter Rahmung nicht sichtbar)
verso links bezeichnet „Adelgundenstraße 17 / Schulstr. 40 / Friedrichstr. 33“; verso etwas berieben; verso oben mittig aufgeklebter Lexikoneintrag zum Künstler
Rahmen etwas berieben und leicht fleckig

 

 

Henrik Moor war Sohn des Oberkantors und Opernsängers Rafael Moor. Sein Bruder war der Pianist, Komponist und Erfinder Emanuel Moor (1863 Kecskemét – 1931 Chardonne). Seine Kindheit erlebte er in Prag und Kecskemét, zwischen 1885 und 1888 lebte die Familie in New York.
Die ersten künstlerischen Ausbildungen erhielt er bei Alphonse Legros und Frederick Brown in London, sowie auf der Académie Julian in Paris.
Ab 1894 folgte sein Studium an der Münchner Kunstakademie (bei Otto Seitz und Ludwig Schmid-Reutte) und 1900 nahm er erstmals an der Jahresausstellung der Münchener Künstlergenossenschaft im Glaspalast teil.
1903 heiratete er die Kaufmannstochter Eugenie Wolff aus Mannheim und ließ sich 1908 in Fürstenfeldbruck nieder, wo im Laufe der Jahre eine Künstlerkolonie entstanden war.
1910 schloss Moor sich der Luitpold-Gruppe an und wurde schon bald zu deren Jury-Mitglied ernannt.
Im Ersten Weltkrieg wurde er als Österreicher heimatverpflichtet und 1917 zum Landsturm eingezogen. In Wien bewarb er sich um einen Posten als Kriegsmaler in der Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers, welcher er im März 1918 zugeteilt wurde. Bis Kriegsende malte er Soldatenportraits, Landschaftsbilder, Städteansichten sowie folkloristische Motive u. a. bei Exkursionen nach Feltre an der Piave-Front, Sarajevo und Cetinje.
Seine große Familie mit sieben Kindern ernährte der Künstler durch Auftragsarbei-ten im In- und Ausland sowie Ausstellungsverkäufen (u. a. in Karlsruhe, Nürnberg, Salzburg, Venedig, Wien).
Beim Brand des Glaspalastes 1931 gingen sechs seiner Werke verloren.
Henrik Moor, der 1929 die deutsche und bayerische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, gelang es, seine jüdische Herkunft im Dritten Reich nur mit Hilfe eines ihm wohlgesinnten Landrats geheim zu halten. Dies erklärt, dass er auch in diesen Jahren noch auf zumeist kleineren Ausstellungen wie bspw. Sommerausstellungen des Brucker Kunstrings in Fürstenfeldbruck Werke öffentlich zeigen konnte.
Eine nicht zu unterschätzende Besonderheit besteht bei Henrik Moor auch darin, dass er trotz seiner (damals nicht bekannten) jüdischen Abstammung Mitglied der Reichskammer werden konnte:
„Erstaunlicherweise war es Moor 1934 gelungen, Mitglied in der Reichskulturkammer (Mitgliedsnummer 4667) zu werden, ohne den erforderlichen Nachweis der »Reinheit des Blutes« erbracht zu haben. Mit dieser Mitgliedschaft konnte er das Berufsverbot für jüdische Künstler umgehen. Vielleicht war ihm dabei sein Malerfreund und Geschäftspartner Fritz Behrendt behilflich, der bereits seit 1920 Parteigenosse der NSDAP war.“ [1]  
Sein Gemälde “Motiv aus Bern” wurde 1937 aus dem Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als „entartet“ beschlagnahmt.
In demselben Jahr übernahm er die von Moritz Heymann gegründete Schule für zeichnende Künste und Malerei in der Türkenstraße in Schwabing und unterrichtete dort, bis er im November 1940 unerwartet an einem Blinddarmdurchbruch verstarb.
Der künstlerische Nachlass Henriks Moor und auch der Nachlass seines Bruder Emanuel werden von der “Henrik und Emanuel Moor Stiftung” (München) betreut.

Dieses hier vorliegende, kleinformatige Gemälde hat Moor auf fester Pappe gemalt, was sicherlich der finanziellen Lage des Künstlers zuzurechnen ist. [2]  
Der Künstler zeigt hier einen dunkel gehaltenen, dichten Blick auf ein Haus bzw. eine Berghütte, die man sicherlich in die alpine Gegend lokalisieren darf. Im Hintergrund zeigen sich diffuse Gebirgsandeutungen von Grau und Weiß.
Es ist ein ganz schneller, ganz flotter und expressiver Strich mit dem Moor die Ansicht festhielt, die aber doch weit über eine bloße Skizze hinausgeht. Auf eine ganz merkwürdige Weise gelingt es Moor ein atmosphärisches Motiv zu malen, welches dem Betrachter jedoch keine Freude an sich, sondern eher ein gewisses Unbehagen bereitet. Denn einladend wirkt dieses (menschenleere?) Haus nicht; es erscheint hart, kalt und düster, was Moor auch dadurch erreicht, dass er auf unnötige Bilddetails ganz verzichtet.

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[1] Klaus Wollenberg (2016): Überleben als jüdischer Maler, in: Angelika Mundorff / Eva von Seckendorff (Hrsg.): Henrik Moor. Avantgarde im Verborgenen, Fürstenfeldbruck: Museum Fürstenfeldbruck, S. 158-181 [hier: 166]).
[2] So schreibt Susanne Dinkelacker beispielhaft zu den Malträgern: „Auch bei den Bildträgern war bei Moor Sparsamkeit angesagt. Er benutzte zunehmend billige Materialien wie Sperrholz und Pappe, auch Pappendeckel in Zweitverwendung, die ihm sein Freund Bornkessel aus Augsburg zuschickte und ihm dadurch eine Anregung z. B. für seine nach Fotos hergestellten Stadtan sichten in kleinem Format geben wollte“ (Susanne Dinkelacker (2016): Malträger, in: ebd., S. 182-199 [hier: 188]).

 

 

Zu Henrik Moor (22.12.1876 Prag – 10.11.1940 Fürstenfeldbruck):
Maler, Zeichner.
Sohn des Oberkantors und Opernsängers Rafael Moor. Bruder des Pianisten, Komponisten und Erfinders Emanuel Moor (1863 Kecskemét – 1931 Chardonne).
Kindheit in Prag und Kecskemét.
1885-88 lebte die Familie in New York.
erste künstlerische Ausbildungen erhielt er bei Alphonse Legros und Frederick Brown in London, sowie auf der Académie Julian in Paris.
Ab 1894 Studium an der Münchner Kunstakademie (bei Otto Seitz und Ludwig Schmid-Reutte).
1900 nahm er erstmals an der Jahresausstellung der Münchener Künstlergenossenschaft im Glaspalast teil.
1903 heiratete er die Kaufmannstochter Eugenie Wolff aus Mannheim und ließ sich 1908 in Fürstenfeldbruck nieder. Das Paar hatte sieben Kinder.
Im Ersten Weltkrieg wurde er als Österreicher heimatverpflichtet und 1917 zum Landsturm eingezogen. In Wien bewarb er sich um einen Posten als Kriegsmaler in der Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers, welcher er im März 1918 zugeteilt wurde.
Beim Brand des Glaspalastes 1931 gingen sechs seiner Werke verloren.
Henrik Moor, der 1929 die deutsche und bayerische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, gelang es, seine jüdische Herkunft im Dritten Reich geheim zu halten.
Sein Gemälde “Motiv aus Bern” wurde 1937 aus dem Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als „entartet“ beschlagnahmt.
In demselben Jahr übernahm er die von Moritz Heymann gegründete Schule für zeichnende Künste und Malerei in der Türkenstraße in Schwabing und unterrichtete dort, bis er im November 1940 unerwartet an einem Blinddarmdurchbruch verstarb.
Der künstlerische Nachlass Henriks Moor und auch der Nachlass seines Bruder Emanuel werden von der “Henrik und Emanuel Moor Stiftung” (München) betreut.

Mitgliedschaften
ab 1910 „ Luitpold-Gruppe“

Sammlungen
Stadtarchiv Fürth / Städtische Sammlungen
Deutsches Literaturarchiv, Marbach
Lenbachhaus, München
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Heeresgeschichtliches Museum Wien

Literatur
— „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Angelika Mundorff / Eva von Seckendorff (Hrsg.) (2016): Henrik Moor. Avantgarde im Verborgenen, Fürstenfeldbruck: Museum Fürstenfeldbruck
— Internetseite der „Henrik und Emanuel Moor Stiftung“