F R I E D   S T E R N   (13.11.1875 Frankfurt a.M. – [nach 05.06.1944])

 

Weitere Werke von Fried Stern

 

 

weite Flusslandschaft mit Ruderer (o.J.)

Wachskreide und Aquarell auf bräunlichem Papier (undeutliches Wasserzeichen „Poton“[?])
unten rechts signiert „Fried Stern“
undatiert

€ 830,-

Kaufanfrage

 

Titel & Größe
ohne Titel; weite Flusslandschaft mit Ruderer
Größe: 57,5 x 79,1 cm

Zustand
durchgehend leicht gebräunt; Ecken minimal bestoßen; im Eckbereich oben rechts Papier sehr leicht aufgeraut; leichte Druckstellen im Blatt
verso an den Rändern umlaufend braunes Klebeband; verso mittig bräunlicher Fleck; verso oben links in Blei etwas undeutlich (wohl von früherem Rahmenmacher) bezeichnet („schwarzer […])

 

 

Der ungemein vielseitige Fried Stern war seiner Vaterstadt stets eng verbunden. Nach dem Besuch der Simultanschule erhielt er Unterricht am Städelschen Institut (bei Karl von Pidoll und Heinrich Hasselhorst). Die angefangenen Lehren als Lithograph und Weinhändler brach er beide ab, unternahm Studienreisen und ließ sich schließlich als freier Maler, Illustrator und Grafiker in der Mainmetropole nieder. 1913 erscheint bei Gebr. Knauer seine erste Publikation „Aus dem Tagebuch des Robinson Crusoe. Verse und Bilder“ (bis 1929 folgen noch mehrere Schriften). Nach seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg, beginnt er für Zeitungen zu schreiben und wird 1924 auch Rundfunkautor beim SWR. Fried Stern war damals Teil der Frankfurter Bohème und verkehrte u.a. mit Fritz Boehle, Augusto Varnesi, Emil Hub, Otto Linnemann, Joseph Roth und Fritz Mouson.

Bis 1933 hatte Fried Stern sein Atelier in der Hochstraße 40 und zuletzt wohnte er in der Neuhofstraße 33 (Nordend), tauchte dann 1933 wohl für ein paar Jahre unter, bevor er 1937 zuerst nach Amsterdam und später nach Schoorl und Aardenburg emigrierte. Am 30.01.1940 wurde er in das Lager Westerbork gebracht. Von dort wurde er im März 1942 entlassen und war zuerst in Amsterdam und später in Hilversum wohnhaft. Zuletzt ist er im Jahr 1944 nachweisbar.

2018 wurde ein Stolperstein für Fried Stern in der Neuhofstraße 33 verlegt.

Diese auffallend große Zeichnung zeigt ein für den Künstler ganz typisches Motiv. – Eine fast menschenleere, idyllische Flusslandschaft. Werke mit vergleichbaren Motiven, die jedoch in deutlich kleinerer Größe ausgeführt wurden, finden sich im Bestand des Städel Museums.

Der sparsam ausgeführte, locker bewölkte Himmel nimmt den Großteil des Blattes ein, was die Tiefe der Landschaft markant unterstreicht und zugleich in der reduzierten Ausführung doch auch sehr gewagt wirkt. Der Fluss zieht sich dabei aus dem Vordergrund in den hinteren Bildbereich und beinahe zufällig trifft dann das Auge das kleine dunkle Ruderboot, das gerade dem Ufer zusteuert.

Zu dem Motiv des Flusses schreibt Fried Stern das Folgende:

„Vom Fluß: Man nennt ihn auch die Wasserstraße. Der dieses Wort erfand, war ein praktischer Kopf, und es will mir scheinen, als habe man die Anregung, Straßen und Chausseen über die Erdkruste zu legen, dem Laufe des Stromes zu verdanken. Man könnte sagen, die Landstraße sei ein trockener Fluß.

Ungezogen, eilig kommt er vom Gebirge heruntergesprungen; in großen Linien und Windungen rollt er als silbergrünes Band durch die tiefe, ruhevolle Ebene. Wer doch wie die Welle hingleiten, wie der Fischreiher hoch im flimmernden Äthermeere seine Kreise beschreiben könnte! Ach, wie ist das ohne Zwang!

Die durch Hochwasser unterwühlten, ocker-erdigen, zum Teil steilen Ufer sind an vielen Stellen mit schräg zum Flußbett herabhängenden Graspolstern bedeckt, die von den nächsten Frühjahrshochfluten fortgerissen werden. Solche selbstgeschaffenen Ufergestaltungen sind immer schön, weil sie natürlich sind. Die Uferhöhen anmutig bebuscht mit Schlehdorn und Haselnuß, krumme Weidenstrünke dazwischen. Hohe Erlen und Rüstern halten als ernste Altvordere geheimnisvolle Zwiesprach; sie neigen sich gegenseitig die Köpfe zu.

[…]

Es ist sommerblauester Sommertag. Leichter Ost bringt angenehme Kühle und kräuselt, fächelt und kämmt zu Millionen Wellchen auf Wellchen, die nur ein ganz kurzes ornamentales Dasein führen und am harten Uferrand an Stein und Erdreich zerschellen, und doch kommen immer wieder unzählige neue übers Wasser gelaufen.“ [1]

Sehr schöne und stimmungsvolle Arbeit Fried Sterns, die in diesem Format sicherlich eine Rarität in des Künstlers Schaffen darstellt.

—————————————-
[1] Fried Stern: Wandern und Schauen, in: Jugendschriften-Ausschuß des Lehrervereins zu Frankfurt am Mein (Hrsg.) (1920): Main, Spessart, Rhön. 16 Zeichnungen von Fried Stern; Marburg a. d. L.: Elwert, unpag. [S. 5-8, hier: 6-7].

 

 

Zu Siegfried (Fried) Stern (13.11.1875 Frankfurt a.M. – [nach 05.06.1944]):
Maler, Zeichner, Illustrator, Grafiker, Schriftsteller, Rundfunkautor; Fried Stern war das fünfte von sechs Kindern des Kaufmannes Lippmann Stern (1827-1895) und dessen Ehefrau Anna Maria Margarethe, geb. Schuch (1843-1924); Besuch der Simultanschule in Frankfurt; zu dieser Zeit Schüler von Heinrich Hasselhorst und Karl von Pidoll an der Städelschule; anfangs Lehren als Lithograph und Weinhändler, die er aber beide abbricht; Studienreisen nach Holland, England und Frankreich; stattdessen arbeitet er als freier Maler und Grafiker in seiner Heimatstadt; 1913 erscheint sein erstes Kinderbuch („Aus dem Tagebuch des Robinson Crusoe. Verse und Bilder“, Frankfurt a.M.: Gebr. Knauer); im Ersten Weltkrieg Soldat in Rumänien, Verletzung und Lazarettaufenthalt; nach dem Krieg wird er Mitarbeiter bei der „Frankfurter Zeitung“; 1924-32 Rundfunkautor beim SWR; Fried Stern war damals Teil der Frankfurter Bohème und verkehrte u.a. mit Fritz Boehle, Augusto Varnesi, Emil Hub, Otto Linnemann, Joseph Roth und Fritz Mouson; bis 1933 hatte er sein Atelier in der Hochstraße 40 und zuletzt wohnte er in der Neuhofstraße 33 (Nordend), tauchte dann 1933 wohl für ein paar Jahre unter, bevor er 1937 nach Amsterdam emigrierte; später kam er nach Schoorl und Aardenburg; 30.01.1940 Inhaftierung im Lager Westerbork; März 1942 Entlassung aus dem Lager und ansässig in Amsterdam und später in Hilversum; zuletzt ist er im Jahr 1944 nachweisbar

2018 wurde ein Stolperstein für Fried Stern in der Neuhofstraße 33 verlegt.

Veröffentlichungen
1913 „Aus dem Tagebuch des Robinson Crusoe. Verse und Bilder“, Frankfurt a.M.: Gebr. Knauer
1914 „Der Struwwelpeter von Heute. Ein Bilderbuch für die Großen“, Frankfurt a.M.: Prestel
1917 „Heimat und Vaterland“, Frankfurt a.M.: Klimsch’s Druckerei J. Maulbach & Co
1917 „Fritz Boehle als Mensch und Künstler“, Frankfurt a.M.: Klimsch
1920 „Main, Spessart, Rhön. 16 Zeichnungen“, Marburg a. d. L.: Elwert
1922 „Münchhausen am Sereth“, Frankfurt a.M.: Hauser
1925 „“Fried“. Jugendjahre eines Frankfurter Malers“, Frankfurt a.M.: Frankfurter Kunstverein [autobiografisch] 1929 „17 Geschichten“, Frankfurt a.M.: Voigt & Gleiber
1929 „Freitag, der schwarze Malersmann“, Frankfurt a.M.: Voigt & Gleiber

Werke Fried Sterns befinden sich u.a. im Städel Museum, Frankfurt a.M.

Literatur
„Allgemeines Künstlerlexikon“, Onlineversion — Frankfurter Personenlexikon, Online [frankfurter-personenlexikon.de/node/1333]