E M I L   M Ü L L E R – E W A L D

 

Weitere Münchner Künstler

 

 

(wohl) norddeutsche Landschaft mit Kirche und Reetdachhäusern

Öl und Tempera, auf fester Malplatte [„H. Schmincke & Co. / Düsseldorf“];
nicht datiert, (wohl) um 1935

Größe: 41×50,8cm
u.l. signiert „Müller-Ewald“, sowie verso links am Rand in Blau (wohl) von fremder Hand bez. „Müller“

€ 620,-

Kaufanfrage

 

 

Zustand
Ecken, Kanten etwas bestoßen, sowie partiell mit sehr leichten Verlusten der Farbschicht; mitunter leicht fleckig; an den Rändern teilweise (aufgrund früherer Rahmung) etwas berieben; verso fleckig, sowie an den Rändern aufgrund früherer Rahmenbefestigung etwas berieben / aufgeraut

 

 

Wie so manche Künstler mit dem Nachnamen „Müller“, gab sich auch der 1881 als Sohn eines Landwirts geborene Emil Müller einen Namenszusatz. Hierzu ließ er sich 1932 den Künstlernamen „Müller-Ewald“ im Reisepass eintragen. Nimmt man an, dass dies auch in etwa der Zeitraum sein dürfte in dem er begann diesen Künstlernamen zu verwenden so ergibt sich für das vorliegende undatierte Gemälde zumindest ein terminus post quem was den Entstehungszeitraum angeht. Anders gesagt: dieses Gemälde dürfte frühestens um 1932 entstanden sein.
Bis zu dieser Zeit hatte Emil Müller-Ewald bereits einige Stationen als Künstler hinter sich und konnte sich bereits etablieren. Nach seinen Studien in Berlin, Leipzig und Köln begann er als Kunsterzieher zu arbeiten. Zuerst im ostpreußischen Allenstein, später in Königsberg und nach dem Ersten Weltkrieg in Koblenz am Kaiserin-Augusta-Gymnasium. 1925 verzog er nach der Scheidung von seiner Frau Gerti nach Florenz und übernahm dort von 1926 bis 1932 die Leitung der Villa Romana. 1932 verzog er nach München, wurde Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) und von 1935 bis 1937 erhielt er eine außerordentliche Professur an der Badischen Hochschule der bildenden Künste in Karlsruhe. Nach dieser Karlsruher Zeit geht er erneut nach München, wo er wenige Jahre später verstarb.
Die hier gezeigte, weite Landschaft ist demnach dem eher späten Schaffen zuzuordnen. Die feine Konturenführung, wie auch die ganz eigene, mitunter irreal wirkende Farbwahl verweisen deutlich auf jene Einflüsse, die Müller-Ewald während seiner Zeit in Italien erhielt. Es waren hier vor allem die Pittura Metafisica aber auch die Neue Sachlichkeit von vor allem Alexander Kanoldt, welche ihn beeindruckten (vgl. hierzu Weckmüller (2001): 8-9). Vergleichbare Werke aus dieser Schaffensphase – den späten 1920er und frühen 1930er Jahren – sind u.a. die „Brücke über den Arno“ (1929, Abb. in ebd.: 19), die „Toskanische Landschaft“ (1930, Abb. in ebd.: 21).
„Landschaften, nicht selten mit Architekturmotiven, spielen im Werk Müller-Ewalds eine bedeutende Rolle, gleichermaßen als eigenes Bildthema, dann oft menschenleer oder mit winzigen Staffagefigürchen ausgestattet, die die Weite und Größe der umgebenden Natur ins Riesige steigern“ (ebd.: 9).
In der hier gezeigten, wohl nach Norddeutschland zu lokalisierenden Ansicht, zeigt sich als ‚belebtes Element‘ allein am linken Bildrand eine Schafherde. Diese ist aber ganz der obigen Beschreibung entsprechend ‚winzig‘ im Vergleich zu der Umgebung. Über weite Felder führt der Blick zu Reetdachhäusern im mittleren und hinteren Bildbereich, wobei sich fast zentral auch eine Kirche erhebt. Markant wirken die roten Wände der mittleren Häuser, welche in ihrer Farbgebung spannungsvoll und direkt auf das grüne Kirchendach verweisen. Eingerahmt werden die mittleren Gebäude jeweils von kleinen, kahlen Bäumen, welche damit, ebenso wie der ganz im Vordergrund gelegene Schneematsch, zugleich auf die winterliche oder vielleicht auch schon leicht frühlingshafte Jahreszeit hinweisen. Im linken Bildbereich gibt Müller-Ewald den Blick frei über eine grüne Weide mit besagter Schafherde, zu weiteren Reetdachhäusern und einem weit in der Ferne gelegenen, blau erscheinenden Waldrand.
Die sehr schön herausgearbeitete Tiefe des Bildes wird durch die Größe und Schwere des bewölkten Himmels nochmals unterstrichen. Dieser nimmt gegenüber der Landschaft fast Dreiviertel der Bildfläche ein und gerade die nahen, dunklen, grauen Wolken wirken überaus mächtig und stehen in deutlichem Kontrast zu dem klaren, hellen Himmel am Horizont.
Beeindruckende, in Teilen schon surreal anmutende Landschaftskomposition.

 

 

Zu Emil Müller-Ewald (03.12.1881 Orupönen (Ostpr.) – 18.04.1941 München):
Maler, Zeichner, Grafiker, Kunsterzieher; Sohn des Landwirts und Müllers Friedrich Müller und dessen Frau Wilhelmine, geb. Giebat; Abitur am Gymnasium in Tilsit; ab 1899 Studium an den Kunstakademien in Berlin, Leipzig und Köln; im Anschluss daran Kunsterzieher in Allenstein (Ostpreußen); 1908 Reisen nach Spanien, Südamerika, in die Karibik und nach Italien; Beschäftigung mit Druckgrafiken; 1909 Anstellung als Königlicher Gymnasial-Zeichenlehrer am Koblenzer Kaiserin-Augusta-Gymnasium; 1911 Heirat mit Gerti Dransfeld; 19.08.1914 Einberufung zum Kriegsdienst und in der Folge eingesetzt u.a. in Palästina und Syrien; 06.11.1918 Entlassung aus dem Militärdienst und Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit am Kaiserin-Augusta-Gymnasium; 1920 Geburt der Tochter Ruth; 1925 Scheidung von seiner Frau Gerti und Übersiedlung nach Florenz; 1926-32 Leitung der Künstlerstiftung Villa Romana (Florenz); es entstehen Werke unter dem Einfluss italienischer Futuristen und der Pittura Metafisica; 1932 Übersiedlung nach München; amtlicher Eintrag des Künstlernamens „Müller-Ewald“; Vorstandsmitglied in der „Münchner Künstlergenossenschaft“ (MKG); 1935-37 außerordentlicher Professor an der Badischen Hochschule der bildenden Kunst Karlsruhe; Bewerbung um den Posten des Leiters der Villa Massimo (Rom) schlägt fehl; 1941 Gedächtnisausstellung in München; 1944 weitere Gedächtnisausstellung im Koblenzer Schloss; 1981 zum 100. Geburtstag zeigt das Mittelrhein-Museum Koblenz eine Retrospektive; 1991 zum 50. Todestag findet im Kreishaus Bad Ems eine Ausstellung statt

Literatur
Hunsrück-Museum (Hrsg.) (2007): Von innerer Überzeugung beseelt … Künstlerischer Aufbruch in der südlichen Rheinprovinz nach dem Ersten Weltkrieg; Idar-Oberstein: Prinz-Druck; S. 24-25
WECKMÜLLER, Werner (Hrsg.) (2004): Emil Müller-Ewald – Die Druckgrafik (mit einem Text von Alkmar von Ledebur); Bad Ems
WECKMÜLLER, Werner (Hrsg.) (2001): Prof. Emil Müller-Ewald (1881-1941) (mit einem Text von Alkmar von Ledebur); Bad Ems