D I E T Z E D Z A R D (30.03.1893 Bremen – 08.01.1963 Paris)
Mariendarstellung (1921)
Radierung auf Japanpapier
€ 160,-
Titel
ohne Titel [Mariendarstellung]
Technik
Radierung auf Japanpapier
Signatur
unten rechts in Blei signiert „Dietz Edzard“
Jahr
unten rechts in Blei datiert „[19]21“
Größe
Größe: 32,5 x 25,2 cm (Blatt) bzw. 17,5 x 14 cm (Druck)
Auflage
unten links in Blei nummeriert „18/32“
Zustand
die beiden linken Ecken und die Ecke oben rechts mit Knickspuren; leichte Druckstellen im Blatt; am linken Rand oben kleiner dunkler Fleck; verso unten mittig kleiner dunkler Fleck
Zu dem Frühwerk von Dietz Edzard schreibt Hans Ries, wobei hierbei auch explizit Mariendarstellungen erwähnt werden:
„E.[dzard] beginnt in der Zeit des 1.WK und danach mit düster gestimmten relig. Motiven (Ausstattung einer Kriegergedächtnis-Kap. in Mlawa/Ostpreußen, 1915; Madonna, 1916; Beweinung, Kniender Mensch, 1919) und Rad. in einer zurückgenommenen, durchsichtigen Linienführung (Zyklus Ave Maria nach Thomas von Kempen, 1920; Alte Marienlieder; Ill. zu Ein schwaches Herz von F.M. Dostojewski, beide M. 1923; Die rote Blume von Garschin sowie Wij von Gogol, beide M. 1924; Der Abendpfeifer von R.H. Bartsch, L. 1925).” [1]
Diese vorliegende, zart ausgeführte Werk ist in diese frühe Phase einzuordnen und steht dabei in thematischem Zusammenhang zu der „Ave Maria“-Mappe (Amsterdam, 1920) und dem Band „Alte Marienlieder“ (München, 1923).
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[1] Ries, Hans: Dietz Edzard, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion.
Zu Diedrich[2] Hermann (Dietz) Edzard (30.03.1893 Bremen – 08.01.1963 Paris):
Maler, Zeichner, Grafiker.
Sohn des Bremer Rechtsanwaltes und Notars Conrad Edzard (1858-1930) und dessen Ehefrau Hermine Magdalene, geb. Melchers. Bruder des Bildhauers Kurt Edzard (1890-1972), sowie Bruder des Weltrekordfliegers Cornelius Edzard (1898-1962).
Die Familie lebte im Philosophenweg 1.
Anfangs versuchte er ein Kunststudium bei Wilhelm Trübner in Karlsruhe, was er aber nach einem Gespräch wieder Trübner wieder abbrach. Darauf kam er nach Stuttgart, wo er Schüler bei Adolf Hölzel werden wollte, doch auch hier blieb er nur ein paar Tage.
Ab 1911 Unterricht in Berlin bei Max Beckmann, ansonsten ist Dietz Edzard als Künstler Autodidakt.
Für kurze Zeit schloss er sich einem Wanderzirkus an und war trat Seiltänzer.
Tätig und wohnhaft im Rheinland und im Bremen.
1918-20 in den Niederlanden tätig.
Darauf in Bremen ansässig (Ellhornstraße 24).
02.02.1921 Heirat in Bremen mit Emmy Clara Wilhelmine von Baum, geb. Bayer (1889 Elberfeld – ?). Die Ehe wurde 1938 geschieden.
22.11.1922 Geburt der Tochter Rena (verstorben 1948).
Ab 1922 in Herrsching am Ammersee.
1922-25 Reisen nach Litauen, Kurland und in die Schweiz.
1924 schuf er drei Radierungen für den Band „Die rote Blume“ (München) von W. F. Garschin.
1927 geht er in die Provence.
1930 kurzzeitige Rückkehr nach Berlin.
Bald darauf lässt er sich dauerhaft in Paris nieder.
1937 wurden vier Druckgrafiken und ein Gemälde aus öffentlichem Museumsbesitz (Erfurt, Hamburg) als „entartet“ beschlagnahmt.
1938 Heirat mit der Malerin Suzanne Eisendieck (1906-1998).
1939-40 als „feindlicher Ausländer“ in Les Milles interniert. Dort Kontakte zu Künstlern wie u. a. Gottfried Stein (1915 Göttingen – 1999 ebd.). Daneben freundete er sich mit dem Lagerkommandanten Charles Goruchon (1891-1961) an.
1944-45 kurzzeitig nochmals in Cherbourg interniert.
1945 Geburt der Tochter Christine Edzard (Filmregisseurin).
1947 Geburt der Tochter Angélica.
1961 Venedig-Aufenthalt
Zum Frühwerk schreibt Hans Ries:
„E. beginnt in der Zeit des 1.WK und danach mit düster gestimmten relig. Motiven (Ausstattung einer Kriegergedächtnis-Kap. in Mlawa/Ostpreußen, 1915; Madonna, 1916; Beweinung, Kniender Mensch, 1919) und Rad. in einer zurückgenommenen, durchsichtigen Linienführung (Zyklus Ave Maria nach Thomas von Kempen, 1920; Alte Marienlieder; Ill. zu Ein schwaches Herz von F.M. Dostojewski, beide M. 1923; Die rote Blume von Garschin sowie Wij von Gogol, beide M. 1924; Der Abendpfeifer von R.H. Bartsch, L. 1925).”
Einzelausstellungen
1916 Galerie Gurlitt, Berlin
1920, 1921 Kunstverein Köln
1928 Galerie Flechtheim, Berlin
1928 Galerie Durand-Ruel, Paris
1929 Galerie Manuel Freres, Paris
1931-34 Galerie Zak, Paris
1932, 1936, 1937, 1939 Durand-Ruel-Gallery, New York City
1935 Leicester Gallery, London
1953, 1956 Galerie Pétrides, Paris
1954 Galerie Abels, Köln
1955 Kunstmuseum, Bremen
1956 Gallery O´Hana, London
1957, 1962 Gallery Hammer, New York
1989 Galerie Bühler, München
Sammlungen
Stadtmuseum Berlin; Kunsthalle Bremen; Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, Cardiff; Museum de Grenoble; Sammlung Memoria – Thomas B. Schumann, Hürth; Museum Ludwig, Köln; LETTER-Stiftung, Köln; Metropolitan Museum of Art, New York City; Musée d´Orsay, Paris; National Gallery of Art, Washington / D. C.; Von der Heydt-Museum, Wuppertal
Literatur (Auswahl)
— Brettell, Richard R. / Tucker, Paul Hayes / Lee, Natalie H. (Hrsg.) (2009): The Robert Lehmann Collection III [Nineteenth- and Twentieth-Century Paintings], Princeton: University Press, S. 322
— Groeg, Otto J. (Hrsg.) (1978): Who´s who in the Arts [Band: A-M], Wörthsee, S. 194
— Papenbrock, Martin (Hrsg.) (1996): „Entartete Kunst“, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945. Eine kommentierte Bibliographie], Weimar: VDG, S. 445
— Ries, Hans: Dietz Edzard, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Sennewald, Adolf (1999): Deutsche Buchillustratoren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, Wiesbaden: Harrassowitz, S. 39
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[2] Zumeist wird der Vorname mit „t“ als „Dietrich“ angegeben, was jedoch irrig ist, wie sich u. a. in der Geburtsurkunde zeigt.















