B E R N H A R D    H U Y S    (25.02.1895 Oesede – 04.12.1973 Worpswede)

 

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„Hof I & II in Bergedorf bei Worpswede“ (o.J.)

Öl auf leichtem Karton, vom Künstler komplett aufgezogen auf dicker Pappe, ungerahmt

€ 490,-

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Titel
„Hof I & II in Bergedorf bei Worpswede“ [so so verso oben mittig betitelt]

Technik
Öl auf leichtem Karton, vom Künstler komplett aufgezogen auf dicker Pappe, ungerahmt

Signatur
unten rechts signiert „Huys“, sowie verso oben mittig nochmals signiert & lokalisiert „Benni Huys / Worpswede“

Jahr
undatiert

Größe
Größe: 50 x 69,9 cm

Zustand
Karton am unteren Rand minimal über die Pappe gehend; Ecken schwach bestoßen; an den Rändern vereinzelt leicht bestoßen und berieben aufgrund früherer Befestigung in Rahmen; verso leicht fleckig und gebräunt, sowie verso in Blei bezeichnet „Hoffmann“

 

 

Bernhard Huys war sicherlich einer der bekanntesten und auch produktivsten Künstler in Worpswede, dessen eindrucksvolle und auch dramatische Vita aber dagegen viel zu wenig Beachtung findet.
Huys besuchte das Gymnasium in Osnabrück. Einer seiner damaligen Schulfreunde war Erich Maria Remarque. Von 1913 bis 1914 studierte er Zahnmedizin in Münster, bricht das Studium aber nach dem Tod des Vaters ab. Ab 1914 nahm er am Weltkrieg teil, wurde aber früh verwundet und nahm nicht mehr aktiv an Kampfhandlungen teil. 1917 besuchte er das erste Mal Worpswede, schloss Bekanntschaften und kam fortan jedes Jahr immer wieder dorthin. Nach dem Ersten Weltkrieg wanderte er anfangs durch das Land, verdiente sich Geld als Kellner, Gelegenheitsarbeiter, Hauslehrer / Scholar. Durch die Kriegserlebnisse wurde er entschiedener Gegner von allem Militärischen.
1929 ließ er sich ganz in Worpswede (Bergedorf) nieder. 1931 Heirat mit Maria Gründel (1901-1981). Der Ehe entstammten die Kinder Till (1932-2019) und Heike (*1936). Bernhard Huys ging bei einem Tischler in die Lehre und begann hierauf als Fertiger von Bilderrahmen nach eigener Technik zu arbeiten. Nebenbei malte und zeichnete er. Künstlerische Hilfestellungen erhielt er dabei von Otto Modersohn und Fritz Mackensen sowie von Marton Paul Müller, der ihm die Radiertechnik beibrachte.
1943 übernimmt er die Vaterschaft für den unehelichen Sohn Michael von Hanna Ahrens und einem französischen Kriegsgefangenen. Hanna Ahrens hatte davor bereits etliche Verhöre und Drohungen erlitten, so dass die Aussage von Huys für sie eine Befreiung war. Zum Dank schenkte sie der Familie Huys einen Grundstücksteil auf dem Huys später ein Haus baute.
Im Dezember 1943 wird Huys zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Vorausgegangen ist die Denunziation einer Nachbarin (Margarethe Meyer) im August 1943, die angab, dass Huys englische Radiosender hörte. Am 25.08.1943 kam es zum Verhör und zur anschließenden Festnahme durch die Gestapo in Bremen. Huys kam in Schutzhaft im Polizeigefängnis Bremen. Nach dem Haftbefehl vom 9.10.1943 kam er in der Untersuchungsgefängnis Wesermünde-Lehde und anschließend in das Straf- und Untersuchungsgefängnis Hannover. Am 7.12.1943 fand der Prozess vor dem Sondergericht Hannover statt bei dem Huys zu zwei Jahren Zuchthaus verurtielt wurde – „wegen fortgesetzten Verbrechens nach § 1 der Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen vom 1. September 1939.“ Am 10.12.1943 wird er für einen Monat ins Zuchthaus Celle verlegt, hierauf folgt eine kurze Haftzeit in Hannover, sowie von Januar 1944 bis zum 17.5.1945 im Zuchthaus Hameln. In Hameln musste Huys schwere körperliche Arbeit unter widrigen Bedingungen leisten und war zudem argen psychischen Belastungen unterlegen (sehr eingeschränkter Briefverkehr, ab Oktober 1944 keine Besuchsmöglichkeiten mehr). Das Gnadengesuch vom 23.2.1945, nach dem Verbüßen von 2/3 der Haftzeit, wurde abgelehnt. Am 17. Mai wurde Huys „auf Anordnung der Militärregierung“ vorzeitig entlassen.
Nach 1945 kann er sich als Maler etablieren und es beginnt eine produktive Schaffenszeit.

Dieses vorliegende Gemälde zeigt einen Blick auf Höfe in Bergedorf bei Worpswede. Netzartig legen sich die kahlen Äste der Bäume über die Ansicht. Im Gegensatz zu den meisten Werken des Künstlers, hat Huys in diesem Fall auch eine Person (in Rückansicht) in die herbstliche Partie eingefügt.

 

 

Zu Bernhard (Benni) Huys (25.02.1895 Oesede – 04.12.1973 Worpswede):
Maler, Zeichner, Grafiker.
Besuch des Gymnasiums in Osnabrück. Einer seiner Schulfreunde war Erich Maria Remarque.
1913-14 Studium der Zahnmedizin in Münster. Abbruch des Studiums nach dem Tod des Vaters.
1914-18 Kriegsdienst. Er wurde früh verwundet und nahm nicht mehr aktiv an Kampfhandlungen teil.
1917 besuchte er das erste Mal Worpswede, schloss Bekanntschaften und kam fortan jedes Jahr immer wieder dorthin.
Nach dem Ersten Weltkrieg wanderte er anfangs durch das Land, verdiente sich Geld als Kellner, Gelegenheitsarbeiter, Hauslehrer / Scholar. Durch die Kriegserlebnisse wurde er entschiedener Gegner von allem Militärischen.
1929 ließ er sich ganz in Worpswde (Bergedorf) nieder.
1931 Heirat mit Maria Gründel (1901-1981). Der Ehe entstammten die Kinder Till (1932-2019) und Heike (*1936).
Bernhard Huys ging bei einem Tischler in die Lehre und begann hierauf als Fertiger von Bilderrahmen nach eigener Technik zu arbeiten.
Nebenbei malte und zeichnete er. Künstlerische Hilfestellungen erhielt er dabei von Otto Modersohn und Fritz Mackensen sowie von Marton Paul Müller, der ihm die Radiertechnik beibrachte.
1943 übernimmt er die Vaterschaft für den unehelichen Sohn Michael von Hanna Ahrens und einem französischen Kriegsgefangenen. Hanna Ahrens hatte davor bereits etliche Verhöre und Drohungen erlitten, so dass die Aussage von Huys für sie eine Befreiung war. Zum Dank schenkte sie der Familie Huys einen Grundstücksteil auf dem Huys später ein Haus baute.
Im Dezember 1943 wird Huys zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Vorausgegangen ist die Denunziation einer Nachbarin (Margarethe Meyer) im August 1943, die angab, dass Huys englische Radiosender hörte. Am 25.08.1943 kam es zum Verhör und zur anschließenden Festnahme durch die Gestapo in Bremen. Huys kam in Schutzhaft im Polizeigefängnis Bremen. Nach dem Haftbefehl vom 9.10.1943 kam er in der Untersuchungsgefängnis Wesermünde-Lehde und anschließend in das Straf- und Untersuchungsgefängnis Hannover. Am 7.12.1943 fand der Prozess vor dem Sondergericht Hannover statt bei dem Huys zu zwei Jahren Zuchthaus verurtielt wurde – „wegen fortgesetzten Verbrechens nach § 1 der Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen vom 1. September 1939.“ Am 10.12.1943 wird er für einen Monat ins Zuchthaus Celle verlegt, hierauf folgt eine kurze Haftzeit in Hannover, sowie von Januar 1944 bis zum 17.5.1945 im Zuchthaus Hameln. In Hameln musste Huys schwere körperliche Arbeit unter widrigen Bedingungen leisten und war zudem argen psychischen Belastungen unterlegen (sehr eingeschränkter Briefverkehr, ab Oktober 1944 keine Besuchsmöglichkeiten mehr). Das Gnadengesuch vom 23.2.1945, nach dem Verbüßen von 2/3 der Haftzeit, wurde abgelehnt. Am 17. Mai wurde Huys „auf Anordnung der Militärregierung“ vorzeitig entlassen.
Nach 1945 kann er sich als Maler etablieren und es beginnt eine produktive Schaffenszeit
Anfang der 1950er Jahre baute Huys ein neues Haus im Ernst-Licht-Weg in Worpswede.

Preise / Ehrungen
1966 Niedersächsicher Verdienstorden I. Klasse.

Literatur
— „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlinevrsion
— Gelderblom, Bernhard (o. J.): „Unbeweint – wie Schwerverbrecher – sind sie gestorben.“ Schicksale von ausländischen und deutschen Häftlingen im Zuchthaus Hameln [Vortrag auf der Tagung „Begegnungen mit Menschen und Tatorten 1933-1945“ vom 15. – 17. Februar 2013 im DIZ in Papenburg], S. 27-29, Text online einsehbar
— Millies, Barbara (2021): Inmitten. Spuren des Nationalsozialismus in Worpswede, heute, Bremen: Kellner-Verlag, S. 21-24.