A L B E R T    S C H N E L L E R   
(10.05.1892 Jechtingen (Kaiserstuhl) – 01.06.1970 Grünwettersbach)

 

Weitere Werke von Albert Schneller
Zum Themenflyer ‚Bilder des Schmerzes‘

 

nächtliche Kriegsszene (1939)

Öl auf fester Platte, ungerahmt

€ 2.600,-

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Titel
ohne Titel [nächtliche Kriegsszene mit rennendem Soldaten (Meldegänger), Geschosseinschlag und einem am Boden liegenden Kameraden]

Technik
Öl auf fester Platte, ungerahmt

Signatur
unten rechts signiert „A. Schneller“

Jahr
unten rechts datiert „[19]39“

Größe
Größe: 80,2 x 100,6 cm

Zustand
Ecken bestoßen; insgesamt Platte leicht wellig; in den Ecken und Randbereichen mitunter leichte Verluste der Farbschicht; insgesamt etwas beschmutzt und fleckig; am oberen Rand mittig drei Löchlein; verso (farb-)fleckig und berieben

 

 

Nach einer handwerklichen Malerlehre besuchte Albert Schneller von 1913 bis 1915 die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, sowie – nach seinem Kriegsdienst – von 1919 bis 1925 die Kunstakademie in Karlsruhe (bei Friedrich Fehr und Hans Adolf Bühler). Bereits zum Ende seines Studiums konnte er sich an Ausstellungen im Karlsruher Kunstverein beteiligen.
Nach seinem Studium lebte er in Grünwettersbach und war dort als Künstler tätig. Es entstanden zur damaligen Zeit vor allem Dorfansichten, Landschaften, figürliche Kompositionen wobei hierbei das Bauern-Sujet einen besonderen Part einnimmt. Schneller bevorzugte einen schnellen, expressiv realistischen Ausdruck mit breitem Strich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und anschließender Gefangenschaft kehrte er nach Grünwettersbach zurück. Künstlerisch fand er zu einem neuen Landschaftsstil und zu einer stärker abstrahierten Figurenmalerei. Er konnte sich wieder an Ausstellungen in u. a. Karlsruhe beteiligen. Verstärkt behandelt er auch religiöse Themen.
Nach seinem Tod führten die Hinterbliebenen das Wohnhaus des Künstlers in dem Burgweg als Albert-Schneller-Museum weiter und schafften es, dieses noch jahrzehntelang als solches zu führen. Der Burgweg wurde später in Albert-Schneller-Straße umbenannt.

Dieses vorliegende, großformatige Gemälde Albert Schnellers datiert auf 1939 – das Jahr des Kriegsausbruches und zugleich eine Zeit in der sich Kunst- und Kulturpolitik im Dritten Reich immer restriktiver gegenüber modernen Tendenzen zeigte.
Schneller zeigt hier eine Soldatenszene, die so gar nichts mit der Heroisierung der Armee gemein hat. Es ist dunkle Nacht, links am Himmel hängt ein Sichelmond und von rechts nahen dunkle Gewitter-, besser: Kriegswolken. Im Vordergrund rennt ein Soldat über die Bildfläche, wobei die Armhaltung sofort augenfällig ist, da doch beide Arme nach vorne gerichtet sind. Im linken Arm hält er einen Brief bzw. einen Zettel, was ihn zweifelsohne als Meldegänger ausweist. Bereits hinter ihm liegt einer seiner Kameraden am Boden. Das kühle Blau-Schwarz und das fahle Gesicht zeigen bereits den Tod an und weitere Geschosse schlagen in unmittelbarer Nähe ein.
Thematisch mag dieses Gemälde durchaus zu der 1939 gewünschten Kunstausrichtung gepasst haben. – Malerisch weicht Albert Schneller hier aber deutlich von dem zu Erwartenden ab. Vergleicht man Schnellers Meldegänger mit beispielsweise dem kurz zuvor gemalten “Meldegänger”-Gemälde (1938) von dem damals populären und hofierten Elk Eber, so werden die Unterschiede in Umsetzung und Ausdruck offenkundig. Elk Ebers Werk ist eine plakative, ja: einseitige, Idealisierung und Heroisierung des Krieges und des Soldaten, während Albert Schneller die Dynamik, die Verworrenheit und damit auch das Leid und eben den Tod einfängt. Und während Elk Ebers Gemälde in Zeitschriften abgebildet wurde und eine hohe Verbreitung erfuhr, konnte Schneller kaum darauf hoffen sein Werk auch nur irgendwo einmal öffentlich zu zeigen.
Im Schaffen des Künstlers wie auch mit Bezug auf das damalige Kunstschaffen im Allgemeinen sicherlich ein im besten Sinne: besonderes Gemälde.

 

 

Zu Albert Schneller (10.05.1892 Jechtingen (Kaiserstuhl) – 01.06.1970 Grünwettersbach):
Maler, Zeichner, Grafiker, Schriftsteller.
Anfangs auf Wunsch der Eltern absolvierte er eine handwerkliche Malerlehre. Nach Abschluss Reise über die Alpen nach Italien.
Albert Schneller besuchte von 1913 bis 1915 die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe.
1916-18 Kriegsdienst in Frankreich. Durch eine Verwundung kam er in ein Lazarett nach Dresden, wo er immer wieder Galerien und Museen aufsuchte.
1919 bis 1925 die Kunstakademie in Karlsruhe (bei Friedrich Fehr und Hans Adolf Bühler). In den Semesterferien arbeitete er als Malergehilfe, um sich das Studium zu verdienen, da Schneller zur damaligen zeit bereits Waise war und keine Unterstützung der Familie erhielt.
Bereits zum Ende seines Studiums konnte er sich an Ausstellungen im Karlsruher Kunstverein beteiligen.
Schneller hatten engen Kontakt zu den Künstlerkollegen Fritz Siegrist (1888-1963) und Hugo Bickel.
Nach seinem Studium lebte er in Grünwettersbach und war dort als Künstler tätig. Es entstanden zur damaligen Zeit vor allem Dorfansichten, Landschaften, figürliche Kompositionen wobei hierbei das Bauern-Sujet einen besonderen Part einnimmt. Schneller bevorzugte einen schnellen, expressiv realistischen Ausdruck mit breitem Strich.
In einem für den privaten Freundes-, Bekanntenkreis verfassten Text gibt die Tochter des Künstlers an: „[19]34 [gemeint wohl: 1937] wurde von meinem Vater der schöne Holzschnitt: Straßenmusikannten[sic] in einer Hohn- und Spott-Ausstellung als ‚Beispiel entarteter Kunst‘ zwangsweise gezeigt.“ Dies konnte jedoch bislang nicht belegt werden.
Kriegsteilnahme und anschließende Gefangenschaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er zu einem neuen Landschaftsstil und zu einer stärker abstrahierten Figurenmalerei. Schneller behandelt verstärkt auch religiöse Themen.
Er konnte sich wieder an Ausstellungen in u. a. Karlsruhe beteiligen.
Nach seinem Tod führten die Hinterbliebenen das Wohnhaus des Künstlers in dem Burgweg als Albert-Schneller-Museum weiter und schafften es, dieses noch jahrzehntelang als solches zu führen. Der Burgweg wurde später in Albert-Schneller-Straße umbenannt.
2016 ging das Erbe der ebenso künstlerisch tätigen Söhne Heimdall und Tankred an die Stadt Karlsruhe, die sich damit verpflichtete „den Kern des künstlerischen Erbes der Familie Schneller dauerhaft zu sichern.“

Ausstellungen
— 1923 (zusammen mit Karl Brutzer), Kunstverein Karlsruhe
— 1924 Kunstverein Karlsruhe, in den folgenden Jahre mehrere Beteiligungen an Ausstellungen
— Weitere Ausstellungsbeteiligungen in den 1920er Jahren in Mannheim und Baden-Baden.
— Nach 1945 erneute Ausstellungsbeteiligungen v. a. in Karlsruhe und Baden-Baden.
— Ab 1965 jährliche Ausstellungen im vom Sohn Heimdall errichteten Ausstellungsgebäude in Grünwettersbach.

Veröffentlichungen
1960, „Leben und Wirken des Malers Gottlob“, Grünwettersbach: Selbstverlag

Literatur
— „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Mülfarth, Leo (1987): Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe: Badenia Verlag, S. 247