E R I C H   F U C H S   (16.03.1916 Stuttgart – 1990 ebd.)

 

Weitere Werke von Erich Fuchs

 

 

„Deutschland. Samstagabend der Eheleute“ (1967)

Lithografie auf festem Maschinenbütten

€ 220,-

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Titel
„Deutschland. Samstagabend der Eheleute“ [so unten rechts im Druck betitelt]

Technik
Lithografie auf festem Maschinenbütten

Signatur
unten rechts in Blei signiert „Erich Fuchs“

Jahr
unten rechts in Blei datiert „1967“

Größe
Größe: 64,5 x 48,5 cm

Auflage
unten links in Blei nummeriert „16/50“

Zustand
Ecke unten links mit kleiner Knickspur; Ecken schwach bestoßen; Ecke oben links sehr leicht knittrig; Blattränder mit sehr leichten Abrissspuren; partiell sehr leichte Druckstellen im Blatt

 

 

Bis etwa 1960 orientierte sich Erich Fuchs in seinen ungegenständlichen Werken vornehmlich an seinem Lehrer Willi Baumeister, sowie an Joan Miró und Hans Hartung. Es entstanden auf diese Weise biomorphe und konstruktive Formen, die neben der Nähe zu den Größen der Abstraktion zugleich auch eine eigene Ausdruckskraft erkennen lassen. In den 1960er Jahren wendet sich Fuchs in einem Teil seines Schaffens einem gegenständlichen, erzählerischen Ausdruck zu. Es entstehen neben Buchillustrationen auch mehrere sehr direkte sozialkritische Werke voll bissigem Sarkasmus und Ironie, in welchen der Künstler den Militarismus und vor allem immer wieder das Kleinbürgerliche und Bornierte der bundesrepublikanischen Gesellschaft kritisch offenlegt.

Das vorliegende Blatt greift dabei die Sexualität in der Bundesrepublik auf. Es zeigt dabei dem Titel nach einen „Samstagabend der Eheleute“. Ganz so, als ob bei diesen bürgerlichen Eheleuten der Akt ritualisiert ist und abgehandelt wird. Dementsprechend blickt der Mann überaus mürrisch und auch die Frau scheint wenig erfreut.
Die einsetzende „Sexwelle“ und die „sexuelle Revolution“ sind hier als historischer Kontext zu sehen vor dem Fuchs 1967 diesen „Samstagabend“ schuf.
Beachtenswert ist dabei, dass Erich Fuchs als Künstler hier sicherlich Vertreter einer liberalen Gesellschaftsgruppe war und sich womöglich in Auseinandersetzung mit anderen Gesellschaftsgruppen und Generationen sah, welche er hier plakativ und humorvoll bloßstellen wollte. Franz X. Eder schreibt hierzu:

„Nicht zu übersehen ist, dass es sich bei dem sexuellen ‚Freiheitskampf‘ auch um den Ausdruck eines Generationenkonflikts handelte: Das ‚schmutzige‘ Geheimnis, das die Elterngeneration um die ‚Sexualität‘ (und um ihre politische Vergangenheit) machte, animierte viele Jugendliche und junge Erwachsene seit Mitte der sechziger Jahre zu einer radikalen Ablösung von der Kultur des Wirtschaftswunders. Begleitet wurde ihre Suche durch eine rasante Sexualisierung des öffentlichen Raumes, durch einen noch nie da gewesenen medialen Sexboom und eine seuelle Aufladung des gesellschaftskritischen Diskurses.“ [1]

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[1] Franz X. Eder (2009): Kultur der Begierde. Eine Geschichte der Sexualität, München: Beck, S. 224.

 

 

Zu Erich Fuchs (16.03.1916 Stuttgart – 1990 ebd.):
Maler, Grafiker, Illustrator, Verfasser von Kinderbüchern.
Anfangs Goldschmiedelehre
Besuch der Kunstgewerbeschule Stuttgart
1937-45 Arbeitsdienst, Wehrdienst, Kriegsdienst, Gefangenschaft. Dreimal flieht Fuchs aus der Gefangenschaft.
1945 Beginn der Arbeit in Stuttgart
1946-47 Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei Willi Baumeister), Freund und Meisterschüler Baumeisters
1947 erste Ausstellung in der Galerie Herbert Hermann (Stuttgart)
1949-58 Lehrauftrag für Textilentwurf an der Kunstakademie Stuttgart
1951 Heirat mit Mathilde Hermann, 1952 Geburt der Tochter Andrea und 1954 Geburt des Sohnes Olaf
ab den 1950er Jahren zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland
1961 längerer Aufenthalt in Paris
1962 Wandgestaltung im Rathaus in Nußloch, sowie 1963 Wandbildgestaltung in der Sporthalle Wiesloch
1965 Veröffentlichung des Kinderbuches „Nawai“
1969 Veröffentlichung des Kinderbuches „Hier Apollo 11“
1969 Festansprache zum 80. Geburtstag von Willi Baumeister
Mitte / Ende der 1960er Jahre „Übergang zu gesellschaftskrit.[ischen] und satir.[ischen] Darstellungen” (Uwe Degreif).
1970 Graphikpreis in Bologna für Bilderbuchillustrationen in „Hier Apollo 11“
1974 Mitglied im Vorstand der IG Druck und Papier; 1975 Austritt aus dem Verband bildender Künstler
1976 Veröffentlichung des Kinderbuches „Niki wohnt in Ubikum“

Literatur
— Erich Fuchs. Gouachen Tuschzeichnungen 1958-1987 [Katalog zur Ausstellung des Kunstkreises Südliche Bergstraße – Kraichgau e.V., Wiesloch im Kulturhaus Wiesloch. 22. August bis 13. September 1987]  
— Degreif, Uwe: Erich Fuchs, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion