H E I N R I C H   K R A L I K   V O N   M E Y R S W A L D E N   (21.07.1897 Nornhofen – 25.05.1958 Stuttgart)

 

Weitere schwäbische Künstler

 

 

Portrait eines älteren Mannes in braunem Anzug (1953)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, ungerahmt

€ 800,-

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Titel
ohne Titel [Portrait eines älteren Mannes in braunem Anzug]

Technik
Öl auf Leinwand, Keilrahmen, ungerahmt

Signatur
unten rechts in Rot signiert „H. v. Kralik“

Jahr
unten rechts in Rot datiert „1953“

Größe
Größe: 77 x 57 cm

Zustand
in den Randbereichen mitunter sehr leicht berieben; im Bereich oben links zwei minimale Verluste der blauen Farbschicht (je etwa 1x1mm); Leinwand verso leicht fleckig

 

 

Freundliche Hinweise zum Gemälde kamen von Rochus Kralik von Meyrswalden, Großneffe des Künstlers, dem digitale Fotografien vorliegen.

 

 

Heinrich von Kralik entstammte einer Familien aus Glasindustriellen. Seine Mutter starb als er zwei Jahre alt war, sein Vater folgte ihr nur drei Jahre später, so dass Heinrich Vollwaise wurde und von einem Onkel und dessen Frau auf deren Weingut im Rheingau aufwuchs.
Dem Wunsch Seeman zu werden, ging er 1914 nach und reiste nach Hamburg, um dort an Bord des Viermastbarks „Lisbeth“ zu gehen. Das Schiff fuhr mit Waren nach Südamerika. Als der Erste Weltkrieg ausbrach wurde es jedoch von englischen Truppen vor der Küste Chiles festgehalten. Heinrich von Kralik flüchtete und schwamm ans Ufer. Er fand Anstellung bei einem deutschen Gutsbesitzer.
Erst 1920 kehrte er nach Deutschland zurück und besuchte dort auf Wunsch des Onkels die Landwirtschaftliche Hochschule in Hohenheim. Doch bereits 1921 wechselte er an die Stuttgarter Kunstakademie und besuchte Kurse bei Alexander Eckener, Christian Landenberger, Heinrich Altherr und Christian Speyer. Während des Studiums lernte er seine spätere Frau, die Kunststudentin Marianne Abele (1903 Stuttgart – 1986 Munderfing, Oberösterreich), kennen.
Die Studien wurden 1924 abgeschlossen und das junge Paar reiste in demselben Jahr nach Chile, um dort zu heiraten. Bis 1925 blieben sie in Südamerika.
Künstlerisch ist Heinrich von Kralik damals merklich geprägt von der Neuen Sachlichkeit. Es entstehen neben Porträts vor allem farbintensive Landschafts-, Urwaldansichten und Blumenbilder.
Neben seiner Malerei war er zudem als Sänger tätig und trat in verschiedenen Chören wie dem schwäbischen Singkreis auf.
Bis 1929 lebte die Familie in Böblingen, hierauf bis 1939 in Esslingen-Neckarhalde. Noch 1942 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und ist Sanitäter in Russland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Heinrich von Kralik anfangs in einer tiefen Schaffens- und Lebenskrise. Er zieht sich in sein Esslinger Atelier zurück, fühlt sich verloren und vergessen. Es folgte eine Hinwendung zur sakralen Kunst, er kann Kirchen ausmalen und Kirchenfenster gestalten. Etwas später findet der Künstler auch wieder zur Porträtmalerei, die nun eine nochmalige Tiefe bzw. Tiefgründigkeit aufweist.

Dieses hier vorliegende Gemälde ist mit der Datierung auf 1953 dem späten Schaffen zuzuordnen.
Die Lebenskrise der frühen Nachkriegszeit ist überwunden. Der Künstler konnte sich erfolgreich und erfüllend dem Gebiet der sakralen Kunst zuwenden und fand hierauf aufbauend zu einem neuen, tieferen Ausdruck in seiner Portraitmalerei.
Vor dem Betrachter zeigt sich das Bruststück eines sitzenden älteren Mannes in braunem Anzug, mit hellrotem Hemd und roter Krawatte. Die Hände sind vor der Brust zusammengefaltet, wobei die rechte etwas unsicher in der linken Hand ruht, gleichsam so, als solle etwas verborgen werden. Der ernste, prüfende Blick geht direkt auf den Betrachter und es ist dann auch das Gesicht mit den markanten Falten und dem schmalen Mund, welches – obgleich der Dargestellte anonym bleibt – den Blick zu fesseln versteht. Heinrich von Kralik gelingt es die Konturen des Kopfes und des Gesichtes so zu malen, dass eine Plastizität und raumgreifende Wirkung erzeugt wird. Unterstützt und gesteigert wird diese Wirkung durch den monochromen, dunkelblauen Hintergrund.

 

 

Zu Heinrich Ritter Kralik von Meyrswalden (21.07.1897 Nornhofen – 25.05.1958 Stuttgart):
Maler.
Wurde früh Vollwaise und wuchs bei einem Onkel und dessen Frau auf deren Weingut im Rheingau auf.
1914 Reise nach Hamburg, um dort an Bord des Viermastbarks „Lisbeth“ zu gehen. Das Schiff fuhr mit Waren nach Südamerika. Als der Erste Weltkrieg ausbrach wurde es jedoch von englischen Truppen vor der Küste Chiles festgehalten. Heinrich von Kralik flüchtete und schwamm ans Ufer. Er fand Anstellung bei einem deutschen Gutsbesitzer.
1920 Rückkehr nach Deutschland und Besuch der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim.
1921 wechselte er an die Stuttgarter Kunstakademie (bei Alexander Eckener, Christian Landenberger, Heinrich Altherr und Christian Speyer).
Während des Studiums lernte er seine spätere Frau, die Kunststudentin Marianne Abele (1903 Stuttgart – 1986 Munderfing, Oberösterreich), kennen.
Studienabschluss 1924.
1924 Reise nach Chile und dort Heirat. Bis 1925 blieb das Paar in Südamerika.
Künstlerisch ist Heinrich von Kralik damals merklich geprägt von der Neuen Sachlichkeit. Es entstehen neben Porträts vor allem farbintensive Landschafts-, Urwaldansichten und Blumenbilder.
Neben seiner Malerei war er zudem als Sänger tätig und trat in verschiedenen Chören wie dem schwäbischen Singkreis auf.
Bis 1929 lebte die Familie in Böblingen, hierauf bis 1939 in Esslingen-Neckarhalde. Noch 1942 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und ist Sanitäter in Russland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Heinrich von Kralik anfangs in einer tiefen Schaffens- und Lebenskrise. Es folgte eine Hinwendung zur sakralen Kunst, er kann Kirchen ausmalen und Kirchenfenster gestalten. Etwas später findet der Künstler auch wieder zur Porträtmalerei, die nun eine nochmalige Tiefe bzw. Tiefgründigkeit aufweist.

Literatur / Quellen
— Internetseite zum Künstler
— „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion
— Koko, Heino (2022): Allein unter falscher Flagge, Norderstedt: BoD, S. 168-169
— Nagel, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon, Kunst & Antiquitäten, S. 71