H E I N R I C H H A R R Y D E I E R L I N G (06.08.1894 Philadelphia (USA) – 21.06.1989 Berlin)
Weitere Künstler des Expressiven Realismus
Weitere Berliner Künstler
Waldlandschaft (1925)
Aquarell, Deckweiß auf Papier, unter Passepartout, gerahmt [Rahmen ungeöffnet]
€ 1.400,-
Titel
ohne Titel [Waldlandschaft]
Technik
Aquarell, Deckweiß auf Papier, unter Passepartout, gerahmt [Rahmen ungeöffnet]
Signatur
unten rechts signiert „Harry Deierling“, sowie am Rahmen unten mittig Messingschild mit Angaben zum Künstler
Jahr
unten rechts datiert „1925“
Größe
Größe: 49 x 56,7 cm (Rahmen) bzw. 31 x 39 cm (Sichtfeld)
Zustand
Rahmen ungeöffnet; Rahmen mitunter sehr leicht berieben
Blatt leicht nachgedunkelt
Harry Deierlings Familie siedelte 1900 nach Berlin über. Dort begann er zwischen 1908-11 eine Lithografenlehre. Zu dieser Zeit kam er in Kontakt mit dem Künstler Bruno Krauskopf und womöglich beeinflusst hiervon besuchte er zwischen 1911-13 die Abendschule des Berliner Kunstgewerbemuseums (bei Emil Orlik). Zusätzlich arbeitete er als Theater- und Dekorationsmaler. Zu dieser Zeit hatte Deierling ein gemeinsames Atelier mit Wilhelm Kohlhoff, Ernst Fritsch und Willy Jaeckel.
Bereits ab 1914 kann er sich an Ausstellungen der Berliner „Juryfreien“, der „Freien Secession“ und der „Großen Berliner Kunstausstellung“ beteiligen. 1915-18 Kriegsdienst in Russland und Frankreich. Nach dem Weltkrieg ist er wieder in Berlin ansässig und tätig (Spessartstraße 9, Wilmersdorf).
In Deierlings frühem Schaffen sind vor allem seine grün dominierten Landschaften prägnant, wobei er die Formen kubisch zergliedert.
1922-23 kommt es in Berlin zu einer nachhaltig prägenden Begegnung mit Marc Chagall, der im Sommer 1922 aus Russland in Berlin ankam und dort bis zu seiner Abreise nach Paris im September 1923 blieb. – Die Farbintensität bei Deierling nimmt merklich zu und er kehrt explizit zur Gegenständlichkeit zurück. Er unternimmt immer wieder Studienreisen durch Deutschland, unter deren Eindrücken viele Landschaftsdarstellungen entstehen.
1925 gemeinsam mit seinem Freund Willy Jaeckel hält er Totenwache am Sarg von Lovis Corinth.
Am 4. Oktober 1928 Heirat mit Marianne Dillan, geb. Bertram (18.03.1879 Magdeburg – 07.03.1942 Berlin).
Bis 1933 ist Deierling auf zahlreichen Ausstellungen deutschlandweit vertreten und im Kulturleben präsent. Ab 1933 ist er dagegen auf keinen Ausstellungen mehr nachweisbar, er zieht sich mehr und mehr zurück und eröffnet zum Geldverdienst einen Brotladen. 1943 wird sein Atelier samt eines Großteils des damaligen Schaffens, sowie auch sein Brotladen bei einem Bombenangriff zerstört.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt er sich verstärkt zu engagieren – er beteiligt sich an der „I. Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung“ in Dresden, wird 1946 Mitglied im “Schutzverband bildender Künstler“, sowie 1952 im „Verband Bildender Künstler“.
Und obgleich Deierling noch zu Lebzeiten auf wichtigen Ausstellungen vertreten ist – bspw. 1981 “Berliner Sezession 1910-1920” (Galerie Unter den Linden, Berlin) oder auch 1970 “Die zwanziger Jahre” (Galerie Nierendorf, Berlin) – bleibt sein Schaffen doch lange Zeit eher unbemerkt und unberücksichtigt. Dies mag auch erklären, weshalb er von seiner Kunst nie richtig leben konnte und stets andere Einnahmen benötigte. Nachdem sein Brotladen im Krieg zerstört wurde, betrieb er zwischen 1949-56 einen Strandkorbverleih in Berlin-Grünau und hierauf wurde er bis 1970 Angestellter der Sportstättenverwaltung. Seiner Kunst und deren “Vermarktung” konnte er sich demnach nur in der freien Zeit widmen.
Bemerkenswert und erfreulich ist nun aber, dass seit einigen Jahren der Künstler wiederentdeckt wird. So war er 2016-17 mit einem Selbstbildnis zentral vertreten bei der großen Ausstellung “Surreale Sachlichkeit“ (Sammlung Scharf-Gerstenberg, Berlin) und 2019 hing sein “Gärtner”-Gemälde in der exquisiten Tate Modern in London bei der umfassenden Ausstellung “Magic Realism: Art in Weimar Germany 1919-33”.
Das hier gezeigte Aquarell datiert auf 1925 und wird dem Motiv nach während einer der Studienreisen des Künstlers entstanden sein.
Die expressiv-realistische Darstellung und das kräftige Kolorit verweisen dabei dezidiert auf den genannten Einfluss Chagalls, durch den Deierling wieder zu einer eigenen Form der expressiven Gegenständlichkeit fand.
Von einem etwas erhöhten Standpunkt führt der Blick über grüne Wiesen hinab in ein Tal. Ein Gebäude steht in der Bildmitte, teilweise verdeckt von Nadelbäumen, und links davon fließt ein kleiner Fluss entlang. Das Grün, das bereits in seinem Frühwerk so dominant war, ist auch hier die maßgebliche Farbe und zeigt sich in verschiedenen Nuancen, was zugleich das handwerkliche Geschick unterstreicht mit dem Deierling die diffizile Technik des Aquarells beherrscht.
Zu Heinrich Harry Louis Deierling (06.08.1894 Philadelphia (USA) – 21.06.1989 Berlin):
Maler, Zeichner, Grafiker, Bühnenbildner.
1900 siedelte die Familie nach Berlin über.
1908-11 Lithografenlehre in Berlin. Bekanntschaft mit dem Künstler Bruno Krauskopf.
1911-13 Besuch der Abendschule des Berliner Kunstgewerbemuseums (bei Emil Orlik).
Arbeit als Theater- und Dekorationsmaler.
Zu dieser Zeit hatte Deierling ein gemeinsames Atelier mit Wilhelm Kohlhoff, Ernst Fritsch und Willy Jaeckel.
1915-18 Kriegsdienst in Russland und Frankreich.
1922-23 kommt es zu einer prägenden Begegnung mit Marc Chagall.
1925 gemeinsam mit seinem Freund Willy Jaeckel hält er Totenwache am Sarg von Lovis Corinth.
In Berlin lebte Deierling in der Spessartstraße 9 (Wilmersdorf).
Am 4. Oktober 1928 Heirat mit Marianne Dillan, geb. Bertram (18.03.1879 Magdeburg – 07.03.1942 Berlin).
Bis 1933 ist Deierling auf zahlreichen Ausstellungen deutschlandweit vertreten. Ab 1933 ist Deierling auf keinen Ausstellungen mehr nachweisbar, er zieht sich mehr und mehr zurück und eröffnet zum Geldverdienst einen Brotladen.
Deierling unternahm immer wieder Studienreisen durch Deutschland, bei denen immer wieder Landschaftsdarstellungen entstanden.
1943 Zerstörung des Ateliers samt eines Großteils des damaligen Schaffens, sowie auch Zerstörung des Brotladens.
1949-56 betrieb Deierling einen Strandkorbverleih in Berlin-Grünau.
1957-70 Angestellter der Sportstättenverwaltung, da er von seiner Kunst allein nicht leben konnte.
Ausstellungen (Auswahl)
Ab 1914 Beteiligungen an Ausstellungen der Berliner „Juryfreien“, der „Freien Secession“, der „Großen Berliner Kunstausstellung“.
1914 Gemeinschaftsausstellung „Impression-Expression” mit Fritsch, Kohlhoff und Krauskopf im Kunstsalon Angerstein
1946 Teilnahme an der „Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung“ in Dresden
1970 Teilnahme an der Ausstellung “Die zwanziger Jahre”, Galerie Nierendorf, Berlin
1972 Einzelausstellung im “Kulturbund”, Berlin
1981 Teilnahme an der Ausstellung “Berliner Sezession 1910-1920”, Galerie Unter den Linden, Berlin
1983 Teilnahme an der Ausstellung “Maler bauen Barrikanden”, Haus der Kultur und Bildung, Neubrandenburg / Kunsthalle Rostock
1991 Einzelausstellung in der Otto-Nagel-Galerie, Berlin
1991 Einzelausstellung im Kunstamt Wedding, Berlin
2016-17 vertreten bei der Ausstellung “Surreale Sachlichkeit“, Sammlung Scharf-Gerstenberg, Berlin
2019 vertreten bei der Ausstellung “Magic Realism: Art in Weimar Germany 1919-33”, Tate Modern, London
Mitgliedschaften
Ab 1919 Mitglied der „Berliner Secession“ (ab 1924 Jury-Mitglied).
Ab 1946 „Schutzverband bildender Künstler“. Ab 1952 „Verband Bildender Künstler“.
Sammlungen
Nationalgalerie Berlin
Berlinische Galerie
Stadtmuseum Berlin
Märkisches Museum, Witten
Sammlung Gerd Gruber, Wittenberg
Literatur
— Papenbrock, Martin / Saure, Gabriele (Hrsg.) (2000): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 2 (Antifaschistische Künstler/Innen in Ausstellungen der SBZ und der DDR, Weimar: VDG, S. 221
— Schumacher, Jeanette: Heinrich Harry Deierling, in: „Artists of the World (AOW) / „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, De Gruyter-Verlag
— Zimmermann, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation, München: Hirmer, S. 363





























