B E N J A M I N   V A U T I E R   d . Ä .


Weitere Schweizer Künstler

Benjamin Vautier

 

Ein wohl wartender Mann in ländlicher Tracht mit Regenschirm, zu dessen Füßen ein kleines weißes Hündchen liegt

Öl auf Leinwand, doubliert, Keilrahmen, gerahmt
nicht datiert

Rahmengrösse: 40x52cm
Leinwandgrösse: 28×39,5cm

u.l. in Rot signiert „B. Vautier“, sowie verso am Keilrahmen o.l., o.r. und u.m. von fremder Hand bez. „Vautier“
nicht betitelt

€ 4.600,-

 

 

 

Zustand
Leinwand doubliert; im linken Bildbereich leicht fleckig; in den Randbereichen (rahmungsbedingt) mitunter etwas berieben; partiell sehr leichte Craquelé-Bildung; verso Keilrahmen berieben, sowie mittig nummer. „1438“[?]

Provenienz
1) jahrzehntelang in Privatbesitz (Hochtaunuskreis, Hessen)
2) 13.05.2011, Van Ham, Köln, Auktion [Alte Kunst (Sale 298)], Los 671 („Interieur mit Soldat und weissem Spitz“

 

                   

 

 

Es liegt ein Zertifikat des „Art Loss Register“ (London) vor, wonach das vorliegende Werk nicht in den dortigen Datenbanken als fehlend bzw. gestohlen verzeichnet ist.

 

 

Es liegt eine Begutachtung (v. 09.02.2016) von Herrn Andreas Schroyen, M.A. (Düsseldorf) vor, der das Gemälde im Original in Augenschein nahm. Nach Herrn Schroyen „entspricht [die] Darstellung in Hinblick auf das Bildmotiv, der Bildkomposition sowie den stilistischen Merkmalen Werken aus dem Œuvre des Schweizer Malers Marc Louis Benjamin Vautier d.Ä. Die Signatur entspricht denen auf gesicherten Werken.“

 

 

In seiner Begutachtung zu dem vorliegenden Gemälde schreibt Andreas Schroyen (Düsseldorf):
„Dargestellt ist eine männliche Person als Ganzfigur en face innerhalb eines Wohnraumes. Sie hält die Hände hinter dem Rücken und hat unter dem linken Arm einen Regenschirm geklemmt. Bekleidet ist der Mann mit einer ländlichen Tracht des 19. Jahrhunderts, die sich mehreren deutschen Regionen zuweisen lässt. Sie besteht aus einem Dreispitz (sog. Schaufelhut oder Bauernschippe), einem weißen Hemd, einer braunen, teilweise geknöpften Weste, einer hellen hirschledernen Kniebundhose, braunen Stiefeln sowie einem langen, offen getragenen dunkelblauen Mantel.
Der Raum ist im Wesentlichen durch die farblich differenziert angelegte rückwärtige Wand charakterisiert. Auf einem senkrechten, dunkel gehalten[sic] Wandstreifen in der linken Bildhälfte ist ein gerahmter, viereckiger Spiegel (?) als Raute befestigt, auf dem sich nach rechts anschließenden hellen Wandfeld hängt in der oberen rechten Bildecke eine Wanduhr mit frei schwingendem Pendel. Die Sockelzone dieses Wandteils besteht aus einer kassertierten Täfelung. Vor der Wand und hinter bzw. neben der Person stehen ein dunkelbrauner Tisch mit Zinnkanne und ein Stuhl im ländlichen Stil.
Die Person blickt aus der rechten Bildseite hinaus. Sie hat vermutlich bei regnerischem Wetter den Raum betreten und scheint nun auf jemanden zu warten. […] Charakteristisch für Vautiers Stil ist eine große malerische Präzision, die mit kleinen Details, wie dem Regenschirm, den schmutzigen Stiefeln sowie dem im Schwung festgehaltenen Pendel auch hier eine Geschichte erzählt. Pendeluhren sowie Tiere lassen sich als malerische Bildelemente häufig in seinem Werk finden (z. B. ‚Die entzweiten Schachspieler‘, 1874; ‚Tröstende Worte‘, 1886), Interieurszenen gehören zum festen Motivkanon (z. B. ‚Störende Geschwister‘, 1893). Die hier vorliegende Wiedergabe einer einzelnen Bildfigur als Ganzfigur ist vergleichbar mit seinem Werk ‚Alter Schäfer‘, 1898.“

 

 

Zu Marc Louis Benjamin Vautier d.Ä. (27.04.1829 Morges (Schweiz) – 25.04.1898 Düsseldorf):
Schweizer Maler, Zeichner; Sohn des Theologen Rodolphe Benjamin Louis Vautier und dessen Ehefrau Jeanne Marie Sophie, geb. Chevalier; sein Vater unterrichtete am Gymnasium in Morges; im April 1834 lässt sich die Familie in Noville nieder, wo der Vater zum Pfarrer ernannt wird; März 1839 bis Sommer 1842 Besuch des Gymnasium Morges, Vautier wohnt während dieser Zeit bei der Familie Kunkler; Sommer 1844 bis Sommer 1845 Besuch der Kantonsschule Lausanne; im Herbst 1845 gibt sein Vater aufgrund einer Regierungskrise die Pfarrerstelle in Noville auf, gründet zunächst ein protestantisches Pensionat im französischen Valence, bevor er 1852 nach Genf zurückkehrt; 1845 erhält Vautier kurzzeitig Zeichenunterricht bei Jules Hébert (Genf); 1847 Beginn einer Lehre als Emailmaler in Genf (bei Jacques Aimé und Charles Louis Francois Glardon); 1848 tritt er eine auf vier Jahre verpflichtende Anstellung bei einem Emailleur an, er bemalt dort Uhren und Broschen; in der Freizeit ist er künstlerisch tätig und kommt in Kontakt mit anderen Künstlern (u.a. Jacques Alfred van Muyden, Francois Diday, Alexandre Calame, Jean-Léonard Lugardon, Joseph Hornung); 1849 kauft er sich für 1.200 Franken Abstandsgeld aus seinem Vertrag bei dem Emailleur frei; 1850 Bewerbung an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er im zweiten Versuch angenommen wird, dann aber die Akademie nur acht Monate besucht (bei Carl Ferdinand Sohn und Heinrich Mücke); 1851 wechselt er als Privatschüler in Rudolf Jordans Atelier und ist parallel dazu als Illustrator tätig; er wird Mitglied im „Malkasten“; 1853 verlässt er kurzzeitig Düsseldorf und bereist zusammen mit Ludwig Knaus u.a. den Schwarzwald und das Berner Oberland; in der Folge reist er zusammen mit Knaus immer wieder in den Schwarzwald; 1856 langer Aufenthalt in der Schweiz, sowie in Paris; 1858 Rückkehr nach Düsseldorf und Heirat mit Bertha Louise Euler (1837-1886), der Ehe entstammen vier Kinder; Vautier etabliert sich vollends als einer der bedeutendsten Genremaler der Düsseldorfer Schule; ab 1866 trägt er den Professorentitel; 1868 erhält er den Franz-Josephs-Orden;1869 erhält er den Roten Adlerorden; 1876 lässt sich die Familie in einem Neubau in der Goltsteinstraße 29 in Düsseldorf nieder

Literatur
LONGCHAMP, Jacques (2015): Marc Louis Benjamin Vautier (der Ältere). Eine Monografie; Michael Imhof Verlag; Petersberg
ROSENBERG, Adolf (1897): Vautier [Künstlermonographien Bd. XXIII]; Velhagen & Klasings; Bielefeld – Leipzig
Onlineversion des SIKART. Lexikons zur Kunst in der Schweiz [sikart.ch]