E R I C    J O H A N S S O N    (29.04.1896 Dresden – 04.06.1979 Täby (bei Stockholm))

 

 

 

Eric Johansson: Studie eines stehenden männlichen Aktes (um 1915-20)

 

Eric Johansson: Studie mit zwei stehenden männlichen Akten (um 1915-20)

 

Zu Eric Johansson (29.04.1896 Dresden – 04.06.1979 Täby (bei Stockholm)):
Maler, Zeichner, Grafiker.
Sohn schwedischer Eltern, wuchs aber bei einem Ziehvater, dem Steinmetz Robert Schäfer (?-1940), in Dresden auf.
1912–20 Studium an der Kunstakademie Dresden (bei Otto Gussmann, Robert Sterl, Oskar Zwintscher, Carl Bantzer und Ludwig von Hofmann).
Während dem Studium gehörte er zusammen mit u. a. Edmund Kesting dem Revolutionären Studentenrat an.
Nach dem Studium war er freischaffender Künstler in Dresden.
Künstlerfreundschaft mit Otto Griebel, beide nahmen 1923 als aktive Kommunisten am Kongress der Internationalen Arbeiterhilfe in Weimar teil.
1924 schuf er eine Lithografie zu dem Mappenwerk “Hunger” der “Internationalen Arbeiterhilfe” (AIH).
Mit Otto Nagel gehörte Johansson 1924-25 für die AIH zu den Organisatoren der „Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung“ in Moskau, Leningrad und Saratow.
Während des damaligen Moskau-Aufenthalts traf er auch Hồ Chí Minh, den er dort porträtierte.
6. April 1926 Heirat mit Greta.
Während der Weltwirtschaftskrise arbeitete er in der Tiefbaufirma seines Pflegevaters und konnte nur reduziert künstlerisch wirken. Ab 1926 war er Teilhaber der Firma.
Ab 1933 war Johansson sowohl aufgrund seines kommunistischen Engagements wie auch deswegen, da seine Frau Jüdin war, von Repressionen bedroht. Zugleich erhielt er als Kommunist im einsetzenden Bauboom keine öffentlichen Aufträge.
1934 Reise nach Stockholm. Nach seiner Rückkehr findet eine Hausdurchsuchung durch die Gestapo statt bei der eigene künstlerische Werke, sowie zahlreiche Bücher beschlagnahmt werden.
1937 wurden zwei Gemälde aus dem Dresdner Stadtmuseum als “entartet” beschlagnahmt. In demselben Jahr wurde eines der Gemälde bei der Ausstellung zur “Entarteten Kunst” in München gezeigt.
1938 wurde er vier Monate inhaftiert, da er sich zwei Jahre zuvor während eines Restaurantsbesuchs an der Bürgerwiese abfällig über Hermann Göring äußerte, woraufhin er denunziert wurde.
Nach 14 Tagen wird er versehentlich freigelassen und flieht sofort zusammen mit seiner Frau über die Tschechoslowakei, Polen, das Baltikum und Finnland nach Schweden.
Im März 1939 kehrt seine Frau Greta kurzzeitig nach Deutschland zurück, um dort finanzielle Angelegenheiten zu regeln. Als sie zurückkehrt nimmt sie Eric Johanssons Pflegevater, den greisen Robert Schäfer, mit nach Schweden, wo dieser 1940 verstirbt.
Nach 1945 war er Künstler in Täby-Lövbrunna und betrieb dort zudem ein chemisches Labor.
April 1947 Tod der Ehefrau Greta.
1950 zweite Heirat mit seiner früheren Geliebten Tilde, geb. Able (?-1994).

Eric Johansson schuf insbesondere figürliche Kompositionen, Portraits, dörfliche Ansichten und Landschaften. Sein Frühwerk zeigt sich noch stark von verschiedenen Strömungen der Moderne (Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Verismus) geprägt. Im späteren Schaffen fand er zu einem eigenen expressiv realistischen Ausdruck.

Mitgliedschaften
— Deutsche Kommunistische Partei (DKP) (Austritt 1925)
— ab 1924 kommunistischer Künstlerbund „Rote Gruppe“
— „Zentralkomitee der kommunistischen Künstlerhilfe“
— „Gesellschaft der Freunde des neuen Russlands“

Einzelausstellungen
1966 Stadtmuseum Greifswald
2015 Eksjö Museum, Eksjö

Preise / Ehrungen
1973 kommunaler Kunstpreis von Täby

Sammlungen
Stadtmuseum Dresden
Galerie Neue Meister, Dresden
Sammlung Memoria – Thomas B. Schumann, Hürth
Sammlung Dr. Gerhard Schneider, Olpe

Literatur
— Hoffmeister, Christine / Suckow, Christian (Hrsg.) (1978): Revolution und Realismus revolutionäre Kunst in Deutschland 1917 bis 1933, Berlin: Staatliche Museen zu Berlin, S. 46
— Jessewitsch, Rolf / Schneider, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne, Bönen: Kettler, S. 493
— Papenbrock, Martin (Hrsg.) (1996): „Entartete Kunst“, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945. Eine kommentierte Bibliographie], Weimar: VDG, S. 474
— „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion