U N B E K A N N T :   ‘Trostlos hoch‘

 

 

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„‘Trostlos hoch‘ Wien Graz[?]“

Holzschnitt auf Japanpapier
u.r. in Blei datiert „1981/82“

Auflage: u.m. in Blei nummeriert „5/8“

Blattgröße: 45,5×12,5cm
Bildgröße: (etwa) 41,5×10,5cm

u.l. in Blei signiert „Markus Antonius“ (Pseudonym?)
u.l. in Blei betitelt „‘Trostlos hoch‘ Wien Graz[?]“

€ 190,-

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Zustand
durchgehend etwas stockfleckig; durchgehend leichte Druckstellen; in der Blattmitte, sowie in der oberen und unteren Blatthälfte jeweils mittig horizontale Faltspur; im oberen Blattbereich nochmal horizontale Faltspur; in der Blattmitte technikbedingt leicht knittrig

 

 

„Trostlos hoch“ ist der vorliegende Holzschnitt betitelt und sicherlich mag man nicht fehlgehen, wenn man dies auf die im Hintergrund deutlich aufragenden Hochhäuser bezieht. Dementsprechend befindet sich der Betrachter ebenso auf einer solchen Höhe, wohl auf einem Balkon, und der Blick geht zur baulichen Begrenzung im hinteren Bereich. Der Vordergrund wird von einer älteren, kränklich anmutenden Person eingenommen. Die leicht nach vorne geneigte Haltung, die magere Gestalt und besonders das länglich faltige Gesicht, das in seinen Zügen mehr einem Totenschädel als einem menschlichen Antlitz gleicht, lassen im Betrachter ein ungutes, unruhiges und unangenehmes Gefühl aufkommen. Doch ist es keinesfalls ein Gefühl der Gefahr, da doch die ins Leere blickende Person noch nicht mal Kenntnis vom Betrachter zu nehmen scheint. Vielmehr ist es vielleicht ein grundsätzliches Bedauern, um nicht zu sagen: ein menschliches Rühren, das sich hier regt. Denn ohne Zweifel greift diese Ansicht auf eine recht drastische Weise die Verbindung, wie auch die Beeinflussung zwischen (urbaner) Umwelt und Mensch auf. Neben dem Motiv an sich, wird dieses Sujet ebenso durch das signifikante, hoch aufragende Format aufgegriffen und unterstützt.
„Trostlos hoch“ steht damit in der Wirkkraft, wie auch in seiner expressiven Ausführung dezidiert in einer Tradition zu künstlerischen Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts, welche sich mit der Großstadt und dem dortigen Leben befassten. Neben der bildenden Kunst ist dabei sicherlich die Literatur zu nennen. Und vor dem Hintergrund der vorliegenden Grafik erscheint die letzte Strophe aus Oskar Loerkes Gedicht „Überwältigung“ von 1916 ebenso trefflich wie zeitlos:

„Da frierts die Steine und die Steine scheinen.
Du blutest ja, mein Herz, du, komm nach Haus.
Dort in der Höfe Steinzisternen weinen
Die Brunnen der Melancholie sich aus.“