C H R I S T I A N   G O T T L I E B   C O N R A D   K A R U T Z   ( z u g e s c h r i e b e n )

 

Zum Themenflyer ‚Bilder des Schmerzes‘

 

 

zwölfteiliges Konvolut zum Leben Jesu

jeweils Aquarell, mitunter über Bleistiftvorzeichnungen, auf Bütten [Wasserzeichen „J. Kool & Co.“];
nicht datiert, wohl um 1815

€ 1.300,-

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Signatur
C.G.C. Karutz zugeschrieben; 1-2, 4-8, 10, 12 jeweils u.r. signiert „Karutz“, 3, 9, 11 unsigniert, 8 zusätzlich verso von späterer Hand in Blei bez. „Karutz (Karutsch) Christian Gottlieb Conrad um 1800 Stettin […]“

Größe
16,5 x 20,8cm (jeweils Blatt) – 11,5 x 15,5cm (jeweils Bild – die einzelnen Darstellungen mitunter mit leicht unterschiedlichen Größen (wenige mm Unterschiede))

Titel
ohne Titel [zwölfteilige Serie zum Leben Jesu, diese jeweils am unteren Rand in dunkler Tinte bezeichnet, gezeigt werden folgende Motive: 1) Wo Jesus Getauft wird, 2) Jesus in die Wüste, 3) Jesus wird vom Teufel Versucht, 4) Füsz Waschung, 5) Das Abendmahl, 6) Jesus von Pilatus nach Herodes, 7) Jesus wird die Dornkrone aufgesetzt, 8) Jesus wird Gegeißelt, 9) Jesus wird auf das Kreizt Genagelt, 10) Die Kreizgung, 11) Jesus wird Gesalpt, 12) Die Auferstehung; die einzelnen Blätter jeweils verso o.r. von späterer Hand klein in Blei nummeriert von 1 bis 12]

Zustand
alle Blätter durchgehend nachgedunkelt, gebräunt, sowie mitunter stärker fleckig; Blatt 5 (Das Abendmahl) am oberen Rand mit längerem Einriss (dieser verso unfachmännisch mit Klebestreifen hinterlegt); Blatt 6 (Jesus von Pilatus nach Herodes) am oberen Rand links mit kleinem Einriss; verso durchgehend fleckig, sowie verso jeweils u.l. in Blei nummeriert (wohl von der Auktion bei „Kiefer“ (s.u.); Ecken / Kanten jeweils bestoßen und mitunter mit kleinen Knickspuren

 

 

Das vorliegende Konvolut besteht aus zwölf Aquarellen, welche Szenen aus dem Leben Jesu zeigen. Genuin weisen die Blätter keine Nummerierung auf (die verso ausgeführten Nummern stammen sicherlich von späterer Hand), so dass nicht sicher ist, ob dieses Set eigentlich noch weitere Szenen beinhaltete. Thematisch ließe sich dabei beispielsweise an die Begebenheiten aus der Kindheit Christi, die Hochzeit von Kana, die Bergpredigt oder auch an das häufig dargestellte Sujet von Christus am Ölberg denken.

Die einzelnen Blätter sind am unteren Rand jeweils in großer Schrift mit der jeweiligen Szene betitelt. Neun der Blätter sind unten rechts von derselben Hand signiert mit „Karutz“. Bereits eine verso ausgeführte, neuzeitliche Annotation auf Blatt 8 nennt hierzu den Künstler Christian Gottlieb Conrad Karutz (Karutsch) (1800 – ?), was dann in der Folge als Zuschreibung bestehen blieb. Neben diesem war nachweislich auch dessen Vater Johann Ludwig Karutsch (? – 1817) künstlerisch tätig, was zumeist jedoch unerwähnt bleibt oder allenfalls als vage Andeutung formuliert wird.

Sieht man sich vor der Wahl zwischen Vater und Sohn Karutz (Karutsch), so mag die Tendenz hier tatsächlich mehr zum Sohn weisen, ohne damit jedoch ein authentisches Werk belegen zu können. Zwei bedeutsame Punkte sind hier wichtig zu nennen. – Zum einen sind gesicherte Werke aus der Hand des Vaters wie auch des Sohnes selten und wenn in der Literatur Arbeiten erwähnt werden, so handelt es sich dabei um (Miniatur-)Bildnisse und eben nicht um vergleichbare religiöse Thematiken. Zum anderen ist die Option nicht gänzlich auszuschließen, dass es neben Johann Ludwig und Christian Gottlieb Conrad noch weitere mögliche Vertreter der Familie gab, welche sich zumindest einmal künstlerisch versuchten.

Dass nun dieses Konvolut dem Sohn zugeschrieben wird, gründet vor allem auf der Ausführung, welche deutlich Unsicherheiten und Ungenauigkeiten aufweist, die mitunter an moderne und zeitgenössische Vertreter der naiven Malerei bzw. der art brut denken lässt, und demnach eher von einem angehenden Jugendlichen stammen dürfte. Bedenkt man nun die Lebensalter von Vater und Sohn, so käme beim Sohn eine Zeit um 1815 in Betracht, als dieser gerade in der Lehre bei dem Lübecker Malermeister Johann [Jochen?] Conrad Jürgens war. Das Geburtsdatum des Vaters ist unbekannt, doch ist anzunehmen, dass er sowohl seine erste, früh verstorbene, Frau wie auch seine zweite Frau im Jahr 1799 mit etwa 25 Jahren heiratete , so dass sich für das Jugendalter eine Zeit um 1790 ergäbe. Ginge man davon aus, dass Johann Ludwig Karutz (Karutsch) erst spät heiratete, dann würde das Jugendalter eo ipso weiter zurück zu datieren sein. Das verwendete Papier von dem durchaus bekannten Amsterdamer Hersteller „J. Kool & Co.“ ließe sich chronologisch zwar mit beiden Annahmen verbinden, doch wäre auch hier die spätere Annahme und damit die zeitliche Zuordnung zum Sohn plausibler.

Betrachtet man die einzelnen Blätter, so ist es vor allem die bereits angesprochene naiv anmutende, etwas ‚holprige‘ Ausführung, die auffällt. Signifikant ist dies insbesondere bei perspektivischen und räumlichen Problemen, die teilweise einfach ignoriert werden. Exemplarisch ist dies bei Blatt 3 (Jesus wird vom Teufel Versucht) zu sehen. Der Blick auf den Turm deutet eine erhöhte Perspektive des Betrachters an, während der Turmausschnitt unten links sich dem widersetzt und einen Blick von unten suggeriert. Zudem ist hier auf die Fenster des mittigen Turms zu verweisen. Bereits die rötlichen Steine können die Rundung des Turms nur partiell mitgehen, doch die drei Fenster sind dagegen ganz in einer Linie in den Turm gesetzt, besser: aufgesetzt.

 

 

Zu Christian Gottlieb Conrad Karutz (Karutsch) (30.06.1800 – ?) [Sohn]:
Maler, Zeichner; Sohn von Johann Ludwig Karutz (s.u.) und dessen zweiter Frau Helene Catharine Louise, geb. Jülich; am 24.04.1814 begann er eine Lehre bei dem Lübecker Malermeister Johann [Jochen?] Conrad Jürgens; am 02.04.1819 wurde er als Geselle freigesprochen; im Späteren fokussierte er sich auf die Bildnis-, Miniaturmalerei, wobei er Einflüsse von Friedrich Carl Gröger (1766 Plön – 1838 Hamburg) und Heinrich Jacob Aldenrath (1775 Lübeck – 1844 Hamburg) erhielt; in Lübeck Heirat mit Helene Catharine Louise, geb. Jülich, der Ehe entstammte die Tochter Johanna Caroline Julie (*08.11.1828); die Familie von Christian Gottlieb Conrad K. lebte wohl ab etwa 1820 in Stettin

Literatur
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00094640T