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Weitere Werke von Wolfgang Maria Ohlhäuser

 

 

„Reise in eine andere Wirklichkeit“ (1986)

Eitempera, Harzöllasur auf Hartfaserplatte, gerahmt [Rahmung durch „Kunst + Musik / K.[arl] Ferd.[inand] Heckel / Mannheim“
unten rechts datiert „1986“
u.r. signiert „Wolfgang Maria Ohlhäuser“
verso auf Ausstellungsetikett vom Künstler betitelt „Reise in eine andere Wirklichkeit“

€ 930,-

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Grösse
Rahmengrösse: 25 x 29,8cm
Bildgrösse: 15 x 20cm

Zustand
Ränder mitunter sehr leicht rahmungsbedingt berieben; Platte verso etwas fleckig, sowie im Bereich unten rechts Reste von vormals aufgeklebtem (Zeitungs-)Papier; Rahmen mit sehr wenigen, minimalen Gebrauchsspuren

Provenienz
um 2001, Geschenk des Künstlers und fortan in Privatbesitz (Mannheim)

 

 

Zu den technischen wie auch inhaltlichen Entstehungsprozessen von Gemälden Wolfgang Maria Ohlhäusers schreibt Jochen Kronjäger:

„Technische Basis für dieses Sehen sind […] die von ihm selbst geschaffenen malerischen Strukturen, die er nach Art der Max Ernstschen Grattage auf einen bis zu sechsfach, wiederholt geschliffenen Kreidegrund über einer Hartfaserplatte aufbringt. Er benutzt dabei Grundfarben wie Rot und Blau, aber auch Schwarz und Braun. […] Aus dieser Grundstruktur entsteht dann sukzessive das Bild. Mit Eitempera und Harzöllasur – also nach Art Alter Meister wie zum Beispiel Albrecht Altdorfer – baut der Maler unter der Verwendung speziell präparierter Rotmarder-Pinsel mit äußerster Akribie und Detailphantasie seine Welt. Er arbeitet an jedem Bild etwa drei Monate, unterbrochen von täglichen Meditationsübungen, die den Blick über das bereits Vorhandene für das noch zu Entwickelnde gleichsam erneuernd schärfen.
Diese ‚Reisen in eine andere Wirklichkeit‘ sind von faszinierender Vielfalt und Intensität, kein Ding oder Wesen bleibt […] ohne Bedeutung, sie alle sind zugleich Phantasieprodukte ohne morphologisch oder biologisch spezifische Zuordnung […].“[1]

In dem vorliegenden, kleinformatigen, aber zugleich auch ungemein tiefen Gemälde zeigt sich eine jener Landschaften, welche nach der von Jochen Kronjäger beschriebenen Weise entstanden. Vor uns breitet sich eine fremdartige, bräunlich tonige Landschaft aus, die in leichten Hügeln in den Hintergrund führt. Ein heller Fluss schlängelt sich dabei aus dem Vordergrund zum Horizont, unterstützt damit die Tiefenwirkung, ist aber zugleich auch symbolisch zu sehen als „die Kraft, den eigenen Weg zu finden und zu einem bestimmten Ziel vorzudringen.“[2] Im vorderen Bereich zeigen sich farbliche Auflockerungen durch runde, kugelförmige Gebäude bzw. Häuser. In Teilen mögen diese an Tempelanlagen erinnern. Die sich hier anschließenden Treppen, Bäume, Wege sind erstaunlich fein und detailliert ausgeführt, so dass das Auge des Betrachters lange verweilen kann. Und zuletzt zeigen sich im Eckbereich unten links auch vier schemenhafte, in lange farbenprächtige Gewänder gekleidete Wesen (Personen?).

Insbesondere farblich ein überaus brillant ausgeführtes Werk, welches eine beeindruckende Mannigfaltigkeit auf verhältnismäßig kleinem Raum zeigt.

[1] Jochen Kronjäger (2001): Reise in eine andere Wirklichkeit, in: Bernhard Haffner / Gisela Hoffmann (Red.): Retrospektive W.M. Ohlhäuser. 27 Jahre künstlerischen Schaffens. 1975-2001; Heidelberg; S. 25-28 [hier: 26].
[2] Ebd.: 27.

 

 

Zu Wolfgang Maria Ohlhäuser (geb. 06.12.1941 Stuttgart – Bad Cannstatt):
Maler, Zeichner, Grafiker; Sohn des Bildhauers Walter Ohlhäuser und dessen Frau Helene, geb. Deichmann; 1956-59 Ausbildung als Grafiker; seit 1967 freischaffender Grafiker in Mannheim; ab 1969 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland; ab 1973 wohnhaft in Heidelberg;1975 Beginn als Kunstmaler in altmeisterlicher Technik (Harzöllasur und Eitempera); 1978 Bronzemedaille Festival Bildender Künstler UNESCO-Sopot-Danzig; 1982 Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg; seit 1993 bis heute jedes Jahr z.T. mehrfach Lehraufträge an Universitäten und Kunstakademien in Nepal und Thailand (u.a. an der Tribuhvan University in Kathmandu-Nepal, dem College of Fine Arts in Ladkrabang-Bangkok, dem Department of Fine Arts in Phuttamonthon-Bangkok); seit 2011 wohnhaft in Weinheim/Bergstraße
Regelmäßige Reisen führen in v.a. in den Norden Thailands, um dort Land und Leute zu malen.
Ausstellungen (Auswahl): 1969 erste Einzelausstellung in der Galerie L7, 6a (Mannheim); 1986 „Pfälzische Phantasten: Wege der Kunst nach Hieronymus Bosch“ Landau, Kunstverein; 2006 „Meister der Zwischen- und Seelenwelten. Werke der Ars phantastica“, Landau, Kunstverein • 2006 Einzelausstellung „Andere Wirklichkeiten“, Kunstverein Buchen; 2009 Einzelausstellung „Der Tiger trifft den Jaguar“, Schamanen-Kongress, Nepal-Dhulikhel; 2011 Einzelausstellung „Wanderer ferner Welten“, Villa Meixner, Brühl/Baden; Juli 2011 in Galerie „KunstMaßnahmen“, Heidelberg; 2013 „art imaginär 2013“, Herrenhof Mußbach, Neustadt a.d. Weinstr; 2016 Einzelausstellung „Wanderer ferner Welten. Ausstellung zum 75. Geburtstag“, Ladenburg, Kreisarchiv Rhein-Neckar-Kreis, Ladenburg
Werke befinden sich u.a. im Besitz von: Land Baden-Württemberg, Städte Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim, Bangkok, Kunsthalle Mannheim, Goethe-Institut Kathmandu (Nepal), Gallery Ban-Phuan-Bankabi (Thailand), Museum College of Fine Arts (Suphanburi, Thailand), Ministerium für Wissenschaft und Kunst (Stuttgart), Arbeitsamt (Heidelberg), Regierungspräsidien in Tübingen, Stuttgart, Karlsruhe, Botschaft des Königreiches Thailand (Bonn), Kulturamt der Stadt Heidelberg, Kulturamt Rhein-Neckar-Kreis

Literatur / Quellen
HAFFNER, Bernhard / HOFFMANN, Gisela (Red.) (2001): Retrospektive W.M. Ohlhäuser 1975-2001; Heidelberg
KRÖMER, Rupert / THEIS-KRÖMER, Sabine (Hrsg.) (2011): Wolfgang Maria Ohlhäuser. Real & Surreal; Mainz: Vitruv
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 40180425
wolfgang-ohlhaeuser.de (Seite des Künstlers)
Seele, Heide: Reise ins Land der Träume, in: Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ), vom 14.07.2011, S. 15