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Stillleben mit zwei Krügen und Obst auf einem Tisch (1952)

Gouache auf Velinpapier
unten rechts in Rot, sowie darüber in Schwarz datiert „[19]52“
unten rechts in Rot, sowie darüber in Schwarz monogrammiert „St.“
[Das Werk wird als Zuschreibung an Horst Strempel angeboten.]

€ 400,-

Kaufanfrage

 

Größe & Titel
Größe: 23,4 x 29,5cm
Titel: unbetitelt

Zustand
am oberen Rand links minimaler Einriss und sehr kleiner Papierverlust; leichte Druckstellen im Blatt; technikbedingt sehr leicht wellig; verso am oberen Rand bräunliche Klebereste früherer Befestigung; verso in den beiden oberen Ecken Reste früherer Klebestreifen; verso minimal fleckig und leicht gebräunt

 

 

Auf einem rotvioletten Tisch liegt ein locker hingeworfenes helles Tischtuch, auf welchem das Arrangement angeordnet ist. – Zwei Krüge, Obst, sowie links wohl noch eine Schale mit Obst. Die Farbwahl wie auch die Wahl der Technik verleihen der Komposition eine gedämpfte, ruhige Stimmung. Der studienhafte Charakter des Werks zeigt sich im unteren weißen Bereich, wenn dort zwei rötliche Früchte wieder übermalt wurden.

Neben dem Monogramm lässt auch das Sujet, sowie der Bildaufbau an Werke Horst Strempels denken. Zu verweisen ist hierbei beispielsweise an das „Große Stillleben“ (1946, WVZ 205, Abb. in Saure 1992: 187 (Nr. 92)). – Ein Tisch, darüber ein hingeworfenes helles Tuch, das ebenso über die vordere Kante fällt, zwei Krüge und Obst in einer Schale. Weiterhin lassen sich auch Anknüpfungen zum „Stillleben“ (1946, WVZ 204, Abb. in ebd.: 149 (Nr. 11)), wie auch zum „Stillleben mit Zitronen“ (1947, nicht bei Saure, versteigert am 02.12.2006 bei Bassenge, Berlin, Los 7459) finden. Eine Zuschreibung des vorliegenden Stilllebens an Horst Strempel erscheint unter diesen Punkten als plausibel.

 

 

Zu Horst Strempel (16.05.1904 Beuthen – 04.05.1975 Berlin):
Maler, Zeichner, Grafiker; anfangs Ausbildung als Dekorationsmaler; 1923-27 Studium an der Kunstakademie Breslau (bei Otto Mueller und Oskar Moll); ab 1927 Studium an der Hochschule für Freie und Angewandte Kunst in Berlin (bei Karl Hofer); Eintritt in die KPD und Engagement für die „Assoziation revolutionärer bildender Künstler“ (ARBKD); Mitte 1933 emigriert er nach Paris und ist in der Folge v.a. als Karikaturist für verschiedene französische Zeitungen, u.a. Le Monde, tätig; während dieser Zeit hat er Kontakte zu u.a. Max Ernst, Frans Masereel und zu dem 1936 gegründeten Freien Künstlerbund der Exil-Deutschen; 1939 wird er verhaftet und als Exilant interniert; 1941 nimmt er ein Angebot des Reiches an, wonach rückkehrwilligen Exilanten weitestgehende Straffreiheit gewährt werde; Strempel kehrt mit seiner schwangeren Frau zurück und wird zuletzt auch Soldat (u.a. in Bau-Bataillonen in Jugoslawien und Griechenland); im Juli 1945 kehrt er nach Berlin zurück und tritt erneut der KPD bei; ab etwa 1946 zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen; bis 1947 ist er freischaffend tätig und arbeitet u.a. für den „Ulenspiegel“; im Winter 1945/46 entsteht sein Hauptwerk „Nacht über Deutschland“ (Nationalgalerie, Berlin); ab 1947 Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; ab 1949 Professor für Malerei; es entstehen mehrere teils stark diskutierte Wandbilder, welche Strempel mitunter auch mit anderen Künstlern (bspw. Arno Mohr) ausführt; 1950 Umzug nach Berlin-Pankow (DDR); 1953 wird er von der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten wegen Spionagevorwurfs vernommen und kurz darauf verlässt er mit Familie die DDR und geht nach Westberlin; das gesamte zurückgelassene Schaffen wird beschlagnahmt und Museen oder dem Staatlichen Kunsthandel der DDR übergeben; 1955 wird er freier Mitarbeiter im Atelier Frei-Hermann (Tapeten- und Stoffdesignentwürfe); 1957 erhält er von der Akademie der Künste der DDR einen Teil der beschlagnahmten Werke zurück

Werke Strempels befinden sich u.a. in der Akademie der Künste (Berlin), im Deutschen Historischen Museum (Berlin), dem Berliner Kupferstichkabinett, der Galerie Neue Meister (Dresden), dem Angermuseum (Erfurt), dem Kunstmuseum Solingen, der Exil-Sammlung Memoria, dem Museum Kunst der Verlorenen Generation (Salzburg).

Literatur
Lietzmann, Franziska: Horst Strempel, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion
Saure, Gabriele (1992): Nacht über Deutschland. Horst Strempel. Leben und Werk von 1904 bis 1975, Hamburg: Argument-Verlag